Wer nun glaubt, dass wir in Mali die ganze Zeit frieren muessen, liegt da falsch. Das, was wir auf dem Weg nach Segou zu viel gefroren haben, schwitzen wir nun in Richtung Hauptstadt doppelt. Auf 36 Grad klettert das Thermometer, die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch und die Landschaft zeigt sich nochmal erstaunlich gruen.

In Bamako angekommen, wuehlen wir uns durch den Stadtverkehr - wieder einmal scheinen zu vielen Autos und Motorraeder zu wenigen Strassen gegenueber zu stehen. Es wirkt chaotisch auf uns, ist anstrengend zu fahren und zudem sind wir muede von 270 Kilometern Anreise. Trotzdem fassen wir uns ein Herz, als ein Hinweisschild zur Senegalesischen Botschaft vor uns auftaucht. Wenn die hier ist, kann die Mauretanische nicht weit sein, denken wir. Dem ist aber leider nicht so und uns kann auch niemand sagen, wo sie sein koennte. Fuer heute geben wir uns also geschlagen und suchen lieber nach einer Unterkunft.

Mit dem Le Cactus, einige Kilometer ausserhalb der Stadt werden wir fuendig. Das kanadische Paar, welches diese Unterkunft fuehrt, ist schon ein wenig in die Jahre gekommen, aber sie nehmen ihre kleinen Gebrechen mit Humor. Das Zimmer, was sie uns anbieten kommt uns etwas teuer vor, denn es gibt weder Strom noch fliessend Wasser. Dafuer bieten sie uns aber immer eiskalte Getraenke. Fuer unser Wohlbefinden wird auch sofort gesorgt, in dem kurzerhand aus einer Holzlatte, einer Autobatterie und einem kleinen Ventilator ne“ Klimaanlage“ fuer unseren Raum gebastelt wird. Ausserdem kann man hier draussen vor der Stadt richtig durchatmen, waerend man nur wenige hundert Meter Stadteinwaerts das Gefuehl hat, man sollte besser eine Staubschutzmaske tragen.

Zwei Tage werden wir wohl bleiben, denn es sind wieder ein paar Dinge zu erledingen.
1. Visum beantragen:
21 Mal war Tom insgesamt waerend der Reise bei einer Botschaft um ein Visum zu beantragen, fuer mich waren es bisher 8. Ein letztes Mal muessen wir hier noch fuer Mauretanien das Formular ausfuellen, Fotos und Pass abgeben, einen guten Eindruck machen, natuerlich die Gebuehr bezahlen und warten, bis der Stempel oder Kleber im Reisepass angebracht ist. – Fuer die naechsten Laender koennen wir uns diesen Schritt dann sparen. :) Wir haben gehoert, dass es die EU gibt und es da dank dem Schengener Abkommen keine Grenzkontrollen mehr geben soll. ;-)
2. Fiche erstellen:
Da die Sicherheitslage in Mauretanien etwas instabil ist, gibt es relativ viele Polizeikontrollen im Land. Wir haben gehoert, dass es hilfreich ist ein Papier mit den persoenlichen Daten von uns und dem Motorrad dabei zu haben, welches man dann aushaendigen kann (genannt Fiche). - Also Stomanschluss fuer das Notebook suchen, Daten zusammenstellen und ganz oft ausdrucken lassen.
3. Geld Wechseln fuer Mauretanien:
Es ist immer gut, schon vor dem Grenzuebertritt Barmittel aus dem anderen Land bei sich zu haben. Also Wechselstuben oder Strassenwechsler aufsuchen und Waehrung tauschen.


Hier ein gesitteter Eindruck

Erstens: Die Mauretanische Botschaft liegt genau am anderen Ende der Stadt als wir dachten. Das heisst also wieder durch Verkehrsgewusel stuerzen. Trotz einer recht guten Beschreibung muessen wir uns doch ein bisschen durchfragen, bis wir schliesslich vor der Tuer stehen. Der Sicherheitsmann bringt uns in einen nicht klimatisierten Raum mit dafuer bequemen Sofas. Nach einer Weile kommt ein netter Herr mit zwei (schon X-Mal kopierten) Antragsformularen zu uns. Tom reicht dem auffallend hellhaeutigen Herrn zur Begruessung die Hand, ich brauche zwei Anlaeufe in denen ich meine Hand entgegenstrecke, bis ich merke, dass er mir die Seine nicht reichen moechte. – Ach ja, in Mauretanien herrscht der Islam vor und da reichen Maennern den Frauen nunmal nicht die Hand. – Wie unangenehm, den guten Mann so in Verlegenheit zu bringen...
Als wir das Papier und die 2 Fotos abgeben, sagt man uns wir koennen das Visum vermutlich in 3 Stunden abholen.
Die Wartezeit nutzen wir fuer Programmpunkt Nummer Zwei. In einem Libanesischen Restaurant essen wir lecker Shermwa und docken uns an der dortigen Steckdose an. – Unser Fiche entsteht.
Wir koennen einen funktionierenden Geldautomaten auftreiben und nach einigen Fehlversuchen finden wir auch ein Internetcafe mit Stom fuer einen kurzen Emailcheck.

Als wir zur vereinbarten Zeit wieder bei der Botschaft sind muessen wir zuerst recht lange warten, dann ist nicht ganz klar, ob wir unser Visum heute noch bekommen und ploetzlich geht alles doch ganz schnell. Wir halten unsere Paess wieder in den Haenden und werden wohl so schnell keine Botschaft mehr betreten :)

Punkt Nummer Drei: Geld wechseln stellt sich als sehr schwierig heraus. Die offiziellen Wechselstuben und Banken haben die Waerung nicht vorraetig und koenne auch bis zum naechsten Tag nichts besorgen. Ausserdem gehen uns die Sicherheitsleute dort extrem auf den Geist weil uns bei jeder Lokalitaet mindestens drei Uniformierte auf den Zentimeter genau vorschreiben wollen wo wir parken sollen und jeder der 3 hat eine andere Vorstellung. Schlussendlich werden wir in eine Ecke der Stadt geschickt, wo es Schwarzmarkthaendler geben soll. Kaum in der besagten Gegend, springt uns auch fast ein mit Gelscheinen wedelnder junger Mann vor die Fuesse. Ja, er kann wechseln wir sollen dort drueben parken, sagt er uns. Dann kann er doch nicht wechseln und wir sind zusaetzlich noch von neugierigen Strassenverkaeufern umringt. Der Wechsler ist sich nun auch sicher, dass er die gewuenschte Waerung nicht besorgen kann, fragt uns aber noch schnell, was wir ihm denn nun geben, dafuer dass er so lange warten musste. Hallo?!? Wir winken ihm freundlich und machen uns vom Acker. Dann wechseln wir hier eben nicht.

Im Grossen und Ganzen sind wir ja fuers neue Land praepariert und es kann morgen weiter gehen. Auf unserem ausgedruckten Fiche ist uns zwar nachtraeglich aufgefallen, dass wir meine Nationalitaet faelschlicherweise auch mit „Suisse“ angegeben haben. Wir denken uns aber, dass es vielleicht garnicht so verkehrt ist als Schweizer zu reisen. Auf der Seite des deutschen Auswaertigen Amtes wird naemlich ausdruecklich darauf hingewiesen, dass in Mauretanien geziehlt nach Deutschen zum Zwecke von Entfuehrungen gesucht wird. Da gehen wir doch so einfach auf Nummer sicher.

Wir freuen uns auf eine letzte schlafarme Nacht (denn der Ventilator dringt nicht so richtig durch das dicke Moskitonetz mit seiner kuehlenden Briese), schwitzen nochmals so viel wir koennen und geniessen dann am Morgen eine kalte Becherdusche. Hach ja, Vorfreude ist doch die schoenste Freude...