Am Morgen war der Ort des Campings doch irgendwie enttäuschend. Viele andere Touristen waren auch da und der Meeresabschnitt war nicht gerade überwältigend. Dies brachte mich dazu relativ früh aufzubrechen auf der Autobahn in Richtung Alicante.

Der Fährhafen war schnell gefunden – und die Fähre hat auch schon angelegt.

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Irgendwie musste ich mein Ticket vom 5.3.07 nun ja umschreiben lassen auf den siebten. Kam jedoch gerade 15 Minuten nach Schalterschluss in der Wartehalle an. Ganz nach der „Siesta Tradition“ schliesst dieser um 13:00 und öffnet erst wieder um 18:00 – die Abfahrt der Fähre nach Afrika war auf 21:00 angesetzt. Was ich zu sehen bekam gab mir bereits den ersten Eindruck von Algerien. Hunderte wartende Passagiere richteten sich bereits in der Halle ein. Hunderte – ja wenn nicht tausende alter Schuhe wurden in grossen weissen Taschen für die Überfahrt nach Afrika verpackt. TomsRide319.jpg

Andere packten hunderte von Seidentüchern (vermutlich „made in Taiwan“) aus und verstauten sie in ihren Taschen. Bin überzeugt, diese werden schon bald ahnungslosen Touristen als Souvenir aus Nordafrika verkauft.

Ich nutzte die Zeit am Nachmittag für einen vorerst letzten Einkauf in einem Carrefour in Europa. Ausserdem vergas ich eine Fühlerlehre zum Einstellen der Ventile für mein Werkzeugset mit einzupacken und versuchte in mehreren Geschäften eine solche zu kaufen – jedoch vorerst ohne Erfolg. Auf der Rückfahrt in Richtung Hafen sah eine identische 12er GS Adventure auf der Gegenfahrbahn. Geistesgegenwärtig wendete ich und folgte dieser. Eigentlich ohne grosse Erwartungen – sondern nur weil ich bisher noch keine solche auf dieser Reise gesehen habe. Der Andere jedoch fuhr so schnell, dass ihr kaum folgen konnte. Ich hatte ja auch mein ganzes Gepäck dabei, die andere war unbeladen. Hab sie erst eingeholt, als der Fahrer vor einem verschlossen Tor stillstand. Ich konzentrierte mich während dieser schnellen Fahrt so auf die Strasse, dass ich erste jetzt realisierte, direkt vorm BMW Motorradcenter von Alicante zu stehen. Das Tor öffnete sich und ich konnte aufs Gelände von BMW fahren.

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Rund ein dutzend Mechaniker machten auf dem Parkplatz gerade Siesta. Als ich einen dieser fragte ob es denn hier eine Anmeldung gab, gaben sie mir zu verstehen, dass ich genau vier Minuten zu früh sei. Sie öffnen erst um 17:00 wieder. Mit der Hoffung da meine Fühlerlehre zukriegen wartete ich die Zeit – plus rund 20 Minuten in der nun geöffneten Werkstatt. Fast ein wenig arrogant gab man mir zu verstehen, dass BMW kein Werkzeug verkaufe, sondern die Arbeiten an der Maschine gerne gegen Verrechnung selbst ausführen. Nun, diese Antwort half mir nicht besonders, aber das extra vom Büro zu Übersetzung hergeholte „Fräulein“ war auch eine äusserst attraktive Augenweide… Nach längerem konnten Sie mir doch den Weg zu einem Werkzeugladen erklären, der bestimmt das Gewünschte verkaufe.

Geht doch. Rund 20km westlich konnte ich das Benötigte in einem grossen Mechanikgeschäft erwerben. Auf schnellstem Weg ging die Fahrt zurück zum Fährhafen.

In der Zwischenzeit haben sich unzählige vollgestopfte Autos auf dem Parkplatz versammelt. Auch bei den Schaltern in der Wartehalle hatten sich bereits lange Schlangen gebildet. Irgendwie schien ich der einzige Europäer zu sein - habe jedenfalls sonst keinen anderen Angetroffen. Nach rund 90 langen Minuten war ich an der Reihe und erhielt meine neuen Papiere für die Überfahrt. Nach weiteren rund 90 Minuten durfte ich auf dem Moped als erster zur Passkontrolle für die Ausreise aus Spanien. Wieder warten, denn die Fähre hat ihren Frontöffnung noch nicht geöffnet.

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Als ich wider als erster das Schiff boarden durfte war es bereits rund 22:00 Uhr. Fürs Festzurren des Motorrades waren irgendwie keine passenden Vorrichtungen vorhanden.

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Mir fiel erst jetzt auf, dass ausser mir kein anderer Motorradfahrer auf dem Schiff war – was mich ehrlich gesagt schon ein Wenig beunruhigte. War Algerien zur Durchreise auf meiner Route wirklich die Richtige Entscheidung? Was auch immer, nun ist es zu spät für eine Anpassung. Für die rund achtstündige Überfahrt habe ich um Kosten zu sparen bewusst kein Zimmer reserviert, sondern einen Sessel in der Economy Klasse belegt. Wie es zu erwarten war, schein ich definitiv der Einzige nicht in Richtung Osten Betende zu sein auf dem Kutter. Erschöpft schlief ich schon bald ein – mit den Füssen gestreckt auf dem Sessel Vis-a-vis.

Um vier Uhr morgens wachte ich durstig auf und schaute mich nach einem Shop oder Restaurant um. Nichts dergleichen war zu finden. Viele Passagiere schliefen wild verteilt auf den Treppen, den Durchgängen, in den Toiletten, wo es auch immer Platz hatte. Nach langen kriegte ich heraus, dass der einzige Shop wieder um 08:00 öffne – en shalla.

Erst jetzt viel mir auf, dass kaum Geräusche zu hören sind. Ausserdem schaukelte es überhaupt nicht – wie es sonst doch auf Schiffen üblich ist. Bald erkannte ich, dass die Fähre sich immer noch angedockt am Hafen von Alicante befand – bedingt durch das schlechte Wetter auf See. Effektiv windet es auch hier draussen recht stark. Am Morgen kriegte ich zwar das lange ersehnte Wasser – das Schiff lag jedoch noch immer am Hafen. Erst um 11:00 morgens legte es endlich ab.

Bye bye Europa – auf das kommende Neue in Afrika!

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Die erwartete Ankunft wurde vom Kapitän auf rund 19:00 geschätzt. Mit der geplanten Fahrt aus Oran ins Landesinnere wird wohl nun heute nichts mehr…

Nach rund 6 Stunden auf See wurden die Winde und Wellen zunehmend stärker. Erste Passagiere mussten sich übergeben. Ich möchte an dieser Stelle nicht alle Geräusche, Geschmäcker und Eindrücke der folgenden Stunden schildern. Hab aber einige Videoaufnahmen gemacht von der Situation. Echt eindrücklich! Dank Reisetabletten bekam ich selbst von der Seekrankheit nichts direkt zu spüren – was ich in dieser Situation sehr zu schätzen wusste.

Durch den Umstand als erster geboardet zu sein, konnte ich auch als erster das Schiff verlassen. Es war bereits finster in Afrika, als ich den ersten offiziellen Posten der Einreiseformalitäten erreichte. Alle anderen Fahrzeuge stauten sich in langen Kolonnen hinter mir. Alleine die Formalitäten beim ersten Grenzbeamten dauerten für mich und mein Bike rund 10 Minuten.- Wie lange alle Folgenden wohl noch warten müssen?

Es folgten weitere 5! Posten und diverse verschiedene Formulare, bis ich endlich die Gebäude des Zoll verlassen konnte. Nur noch die obligatorische Versicherung abschliessen, dann geht’s los in die Stadt. Ist echt ein kleiner Kulturschock dieses Oran in der Nacht. Das vom Versicherungsbüro empfohlene Hotel kann ich nirgends ordnen. Nach rund 30 Minuten finde ich jedoch doch noch ein Hotel mit Parking fürs Bike. Was man halt so unter einem Hotel in Algerien vorstellen kann… Es hat ein Bett und gewisse Anzeichen einer früheren sanitären Einrichtung… Was mich bisher doch überrascht ist, dass bisher alle hier ein einwandfreies Französisch sprechen. Geht doch… denke ich mir und schlafe bestens in meinem mitgebrachten Schlafsack.