Three Pairs Of Underwear

Das Ende der Reise - Teil 1

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
  • Schriftgröße: Größer Kleiner
  • Aufrufe: 2741
  • 0 Kommentare
  • Drucken

Lange musstet ihr auf diesen Blog warten, Vielen Dank für die Geduld!

Dem aufmerksamen Webseitenbesucher ist sicher nicht entgangen, dass unser Reisetage-Zähler beharrlich auf 1269 Tagen (Tom) und 428 Tagen (Tom und Nina) stehen bleibt. Und durch die Info "wir sind zurück in der Schweiz" haben sicherlich alle gemerkt, dass wir unsere Reise in der Schweiz beendet haben.
Leider hat uns auch schnell der Zivilisationsstress in seiner Gewalt. Und wie es mit unserer Planungsfähigkeit aussieht haben wir ja in Frankreich zur Tour de France gemerkt .

Auch wenn wir uns in den letzten Tagen der Reise in, für uns eigentlich vertrauten Gegenden aufhalten ist es doch nicht weniger abenteuerlich. Für uns bedeutete die anfänglich unbekannte Welt weit weg von Europa inzwischen ein Stück Normalität. Mit dem wilden Strassenverkehr in Jemen oder Togo kamen wir besser zurecht, als mit einer ampelgeregelten Kreuzung mitten in Amsterdam.
Daran, dass nur noch unscheinbare, azurblaue Schilder mit 12 gelben Sternen den Übertritt in ein neues Land anzeigen, haben wir uns aber sehr schnell gewöhnt. Mit einem Rückblick auf die letzten Etappen bis in die Schweiz könnt ihr uns nochmal auf den finalen Kilometern dieser wunderbaren Reise begleiten.


Die Sonne scheint aber Muscheln sind unbezahlbar - gibts eben Pommes

In Belgien hält uns nicht viel. Unsere Planungen, hier am Strand Muscheln zu essen verwerfen wir angesichts der belgischen Preisvorstellungen ganz schnell. Dafür gibts belgische Pommes Frittes. Die weltberümte Saucenauswahl lässt uns nur wenig staunen, aber sicher haben wir uns einfach die falsch Pommesbude ausgesucht. Vor einem echten Gewissenskonflikt stehen Tom und ich aber noch, bevor wir das Land Richtung Holland verlassen. Wir sind für den Abend in Rotterdam eingeladen und was bringt ein Schweizer als Gastgeschenk mit? Schokolade. Doch, kann ein Schweizer belgische Schokolade kaufen? Wir geben zu, ja, er kann. Tom hat sie sogar probiert und für garnicht so schlecht erklärt - natürlich aus mangelnder Verfügbarkeit der einzig wahren, besten Schweizer Schoggi

Guten Mutes machen wir uns auf den Weg nach Rotterdam. Trotz fehlender Berge und flachem Land fehlt es an Weitsicht, denn Deiche prägen die Umgebung. Auf unserer Karte ist eine Fährverbindung in einem Ort namens Zeeuws eingezeichnet. Um den Weg abzukürzen, beschliessen wir diese zu nehmen. Dort angekommen, stellen wir aber erstaunt fest, dass nur Velos (Fahrräder) und Fußgänger transportiert werden. Aber eben kein voll bepacktes, verdrecktes Motorrad mit ebensolchen Reisenden. Unsere Zeitplanung ist mal wieder dahin, es heisst räumütig unserer Gastgeber, Agi und Willem, anrufen, dass wir später ankommen und Kilometer reissen.
Ausgerechnet bei unserern Gastgebern auf der Toilette schwappt etwas WM-Stimmung über, denn das Toilettenpapier ist orange und mit Anfeuerungsausrufen bedruckt. - Die spinnen die Holländer. Hier darf ich auch die letzten Minuten des Deutschlandspiels sehen (nicht auf der Toilette sondern im Wohnzimmer...) und bin danch angesichts der Niederlage dem Spott von Tom (CH) und den (ehrlichen?) tröstenden Worten von Willelm (NL) ausgeliefert. Was könnte schlimmer sein?!

Da Agi und Willem zur arbeitenden Bevölkerung gehören und früh los müssen, sind auch wir schon früh auf den Beinen und um 7 Uhr in Delft. Die ganze Stadt schläft noch und es dauert etwas, bis wir durch den Tip eines noch verschlafenen Markthändlers ein gerade öffnendes Cafe finden. Die einzigen fit wirkenden Menschen sind die fotografierenden Japaner - schlafen die eigentlich nie?
Gestärkt durch einen guten Kaffe gehts weiter nach Amsterdam. Der Strassenverkehr stresst uns beide und wir sind froh endlich einen Parkplatz zu finden. Lieber laufen wir in voller Motorradmontur, bepackt mit Tankrucksack und 2 Helmen durch die Stadt. Nach dem wir einen Polizisten fragen finden wir auch das Rotlichtviertel. Ungefähr so muss es in Hamburgs Herbertstrasse aussehen (das ist die Strasse auf Hamburgs Kiez, wo "nicht gewerbliche" Frauen unerwünscht sind). Nur dass die verwinkelten Gassen, in denen halbnackte Frauen hinter Fenstern auf den nächsten Freier warten, unendlich erscheinen. Ich bin jedenfalls erleichtert und fühle mich viel wohler als wir das Viertel hinter uns lassen - ich glaube Tom auch.

Herzförmige Augen - hier gibts Beagels

Verschwitzt, müde und mit schmerzenden Füssen erreichen wir unseren Töff und haben erstmal genug Stadtluft geschnuppert. In einem kleinen verschlafenen Ort decken wir uns fürs Abendessen mit Käse und Wurst aus der Region ein. Am Abend schlagen wir, vermutlich ein letztes Mal, unser Zelt für die Nacht auf.

An unserem letzten Tag in Holland bekommen wir zwei ganz unterschiedliche Beispiele von Gastfreundschft zu spüren. Wir halten an einer Windmühle, an der ein junger Mann arbeitet. Er erzählt uns, dass er diese alte Mühle restauriert und läd uns zu einer Führung in dem alten Gebäude ein. Fast alle Teile in der Mühle sind aus Holz. Sogar die grosse Schraube, mit der Wasser aus dem Erdreich gefördert wird, wurde letztes Jahr aus einem dicken Baumstamm gefertigt. Diese Art Mühlen tragen durch trockenlegung zur Landbeschaffung bei, auch heute noch. Der junge Mann läd uns ein noch einen Kaffe mit ihm im Mühlencafe nebenan zu trinken. Doch dort sind wir scheinbar lästig. Es sei geschlossene Gesellschaft und für Tom und mich gäbe es nichts. Unser Gastgeber spricht ein Machtwort und wir bekommen wenigstens ein Glas Leitungswasser...Uns wird bewusst, dass wir in Europa wohl einfach nur verdreckte Touristen sind.

Dank diesem Urgestein gibt es Holland überhaupt

Ganz entspannt cruisen wir Richtung Deutschland, die Temperaturen klettern auf Afrikaniveau. Als wir gegen 17 Uhr eine Pause einlegen und unsere Route bis Münster besprechen wollen, klingelt das Telefon. Es ist unsere Freundin Jutta, die in Münster auf uns wartet. "Wann seit ihr denn ungefähr hier?" möchte sie wissen. Denn um 19 Uhr ist wie besprochen ein Tisch im Restaurant bestellt. Oh je, dass könnte knapp werden, wenn wir nun nicht auf direktem Weg Gas geben. An unserer Terminplanungsfähigkeit müssen wir wirklich arbeiten. Auch wenn die Entfernungen von einem Land ins nächste jetzt deutlich geringer sind und die Strassenbeschaffenheit paradiesische verhältnisse annehmen, brauchen wir für 200 Km immer noch gut 2 Stunden.

Wir haben es aber doch noch fast pünktlich geschafft und das Abendessen, sowie die, extra für uns organisierte Grillparty am nächsten Abend sehr genossen. Tom und ich merken aber auch, dass wir uns durch die Reise verändert haben. Das Feier und Trinkverhalten unserer Freunde kommt uns seltsam fremd vor.

Der Kühlschrank und seine Nutzer

Wir sind froh, ein paar Tage in Juttas Wohnung entspannen zu können, vorallem bei den hohen Außentemperaturen. Wir überlegen uns jeden Schritt weg vom Sofa wirklich gut;-) Ein wenig erleichtert merken wir, dass auch in Deutschland nicht immer alles perfekt läuft. Aufgrund der grossen Hitze ist bei Mc Donalds um die Ecke nämlich das Mc Flurry ausgegangen.

Ausgegangen ist auf dem Weg durch Münster auch der Motor unseres Töff´s. Mitten auf einer Kreuzung, dann beim Abbiegen und sowieso im Leerlauf. Sollte der Töff auf den letzten Metern bis nach Hause tatsächlich noch schwächeln? Oder bekommt ihm das genormte, reine Benzin nicht?
Nach einer Pause bei unserer Reisebekanntschaft Robin startet der Töff jedenfalls wieder ganz normal und muckt kein einziges mal. Vielleicht wollte unser Gefährt nur mal wieder auf sich aufmerksam machen?!

Auf dem Weg zu meinen Eltern geraten wir mitten in eine dicke Gewitterfront, die über Nordwest Deutschland kurz aber heftig wütete. Auf der Autobahn sehen wir uns von einer drohenden, undurchsichtigen Staubwolke verfolgt. Die Strassenmeistereien scheinen vorbildlich die Bepflanzung neben der Autobahn beschnitten zu haben, doch leider haben sie dabei die Grünabfälle achtlos liegen gelassen. Das bekommen wir nun zu spüren. Laub und dicke Äste fliegen uns um die Ohren. Tom hält tapfer Kurs doch ein dicker Ast erwischt ihn schmerzhaft am Fuß. Glücklicherweise sind die Folgen nicht viel mehr als ein schmerzverzerrtes Gesicht und ein blauer Zeh.
Bei meinen Eltern angekommen strahlt die Sonne auch schon wieder mit ihnen um die Wette. Meine Mutter hat wie angekündigt nur darauf gewartet, uns rund um die Uhr zu verwöhnen. Unser Tagesablauf für die nächsten Tage sieht somit folgendermaßen aus:

  1. 09:30 - 10:00 Uhr Aufwachen
  2. 10:00 - 16:00 Uhr Frühstücken
  3. 16:00 - 16:30 Uhr Gedanken übers Abendessen machen
  4. 16:30 - 18:00 Uhr Schlafen
  5. 18:00 - 22:00 Uhr Abendessen

Naja, so oder so ähnlich Tom kennt nun jedenfalls die Vielfalt der Westfälischen Küche - ich sag nicht dass er sie durchweg mag

Ganz untätig waren wir aber auch nicht. Für unsere Sponsoren haben wir schon unterwegs ein Plakat zum Dank entworfen und finden mit der Firma Momme Trapp in Bielefeld einen kompetenten Partner für die finale Umsetzung. Vielen Dank Momme und Famillie!
Der Rahmen für das Plakat werden gebaut. Tom findet im Internet eine erste Wohnungsoption für uns in der Schweiz und Freunde werden besucht.
An dieser Stelle möchten wir uns für das Verständnis aller bedanken, die Nachsicht mit unserer knapp bemessenen Zeit hatten oder womöglich garnicht in den Genuss (?!) unseres Besuches gekommen sind. Wenn wir uns aklimatisiert haben holen wir das alles ganz entspannt nach

Natürlich darf auch ein Ausflug zur restlichen Verwandtschaft in Hamburg nicht fehlen. Leider ist dort am gleichen Wochenende Schlagermove (eine Art Loveparade mit Schlagermusik). Die Stadt ist voll mit bunt gekleideten, betrunkenen, feiernden Menschen. Unter normale Umständen hätten wir vielleicht mitgefeiert, aber diese vielen lauten Menschen sind zu viel des Guten, wir fühlen uns fast bedrängt. Abseits des Rummels entdecken wir Michel (St. Michaelis Kirche) und Portugieser Viertel (mit echten Tappas). Von Hamburg aus gehts mit Zwischenstopp in Bielefeld weiter nach Süddeutschland. In Nairobi haben wir Eva und Tom auf 2 KTM´s getroffen. Nun sind wir bei ihnen irgendwo in der Nähe von Stuttgart eingladen. Wir schwelgen bei BBQ und Shisha in Reiseerinnerungen.
Das Fernweh packt uns auch am nächsten Tag bei einem Abstecher zur Firma Touratech. Herbert Schwarz nimmt sich persönlich Zeit uns zu empfangen und erhält als erster unser Plakat.

Für eine Wohnungsbesichtigung gehts danach schon über die schweizer Grenze. Ein letztes Mal gilt es Grenzformalitäten zu erledigen. Was nicht daran liegt, dass die Schweiz nicht in der EU ist sondern an unserem Carnet. Wir benötigen einen Stempel, der bestätigt, dass der Töff wieder ordnungsgemäß in sein Heimatland eingereist ist. Nur so gibts später die Kaution zurück.

Töff ist offiziell daheim! :-))

Wärend in Deutschland noch die Sonne schien, hängen in der Schweiz nun dunkle Wolken über uns, aus denen es auch kräftig regnet. Es regnet auch den darauffolgenden Tag noch immer beständig. So ist das Plakat nummer 2 auch ein wenig nass, als wir es der Firma Exped überreichen. Beim Austatter für Expeditions Equipment werden wir herzlich empfangen. Unser Zelt lassen wir zur Begutachtung gleich dort und erhalten es wenige Tage später mit der Post und repariertem Reißverschluss zurück.:-) Kann also bald wieder los gehen;-)
Klatschnass erreichen wir Frümsen in der Ostschweiz. Toms Mutti und Bruno haben extra ein Plakat zur Begrüßung aufgespannt. Natürlich werden wir auch hier rundum verwöhnt, was uns leider etwas vom Blogschreiben und anderen Webseitenpflichten abhält. Aber es ist halt so schööön.;-)

Willkommen in der Schweiz!

Bewerte diesen Beitrag:
0

Kommentare

  • Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!

Kommentar hinterlassen

Gast Montag, 18 November 2019
Aktuelle Seite: Home Nina Das Ende der Reise - Teil 1