Three Pairs Of Underwear

Frankreich - da sind wir

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Fast ein ganzer Monat ist seit dem letzten Blog bereits ins Land gestrichen. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht, vorallem in Gesellschaft von lieben Freunden, Kollegen und Verwandten die nun so lange auf ein Wiedersehen gewartet haben.
Tom und ich befanden uns noch mitten in Frankreich, als wir die ersten zarghaften Versuche unternahmen unsere Route terminlich ein wenig konkreter abzustecken. Doch natuerlich ist vor unserem Eintreffen in Deutschland noch eine ganze Menge Nennenswertes passiert, was wir euch nicht vorenthalten wollen.

Zwei Tage bleibt unser Zelt auf dem Platz zwischen den ersten steilen Bergwipfeln der Pyrenaeen stehen. Tief kriechen die dichten, weissen Wolken an den gruenen Bergwaenden entlang. Ist der Blick auf die Gipfel kurzzeitig frei wird einem fast schwindelig beim Hochschauen.
Das diesige, feuchte Klima laed nicht gerade zum Reisen ein, aber zum Faulenzen kommt es gerade recht, denn so machen uns keine heizenden Sonnenstrahlen den Schlafplatz madig und wir koennen so lange schlafen wie wir moechten.
Leider sind die Ameisen in unserer Nachbarschaft nicht ganz so traege, denn sie nutzten unsere Auszeit um mit ihrer ganzen Sippe in unseren, im Vorzelt liegenden, Rucksack umzuziehen. Wir staunten jedenfalls am Abreisemorgen nicht schlecht ueber das schwarzweisse Gewimmel an frisch gelegtem Nachwuchs und fleissigen Arbeiterinnen zwischen den Sandalen in der Tasche.
Das ist dann jetzt also die Gelegenheit um das Gepaeckstueck mal ordentlich auszuwaschen, denn mitnehmen wollen wir die kleine Stadt darin dann doch nicht.

Ueber kleine bis kleinste Straesschen fuehrt uns unser GPS durch die franzoesische Berg- und Waldwelt. - Da soll mal noch jemand sagen, dass es in Europa keine Offroadstrecken mehr gibt.-


„Einfach das Tor hinter euch wieder zu machen!“ rief man uns nach.

Schliesslich finden wir uns mitten in den Pyrenaeen wieder. Auffallend viele Rennradfahrer erklimmen mit uns die steilen kurvigen Strassen nach oben. Wenig spaeter wird uns auch bewusst woher der erhoehte Ergeiz der Radler ruehrt, denn vielerorts laufen bereits die Vorbereitungen fuer die Tour de France. Mitte Juli werden die Radprofis hier durch die verschlafenen kleinen Bergdoerfer donnern.
Ein Pass schraubt sich sogar auf 2115 Meter hinauf in die Wolken, wie wir oben auf einem Schild neben seinem Namen „Tourmalet“ lesen koennen. Trotz des Nebels und der kuehlen Temperaturen herrscht reges Treiben auf dem Gipfel. Sogar an Parkplaetzen droht es zu mangeln, die Fahrer der motorisierten Gefaehrte geniessen so gut es geht die, vom Nebel versperrte Aussicht, ins Tal oder lassen sich zum Shoppen von Souveniers auf der Passhoehe verleiten. Dazwischen tummeln sich Rennradler, die sich stolz ueber den vollbrachten Anstieg vor einer Bronzestatue ablichten lassen, um dann zum Kraeftetanken im ansaessigen Lokal einzukehren. Auch wir schiessen ein paar Bilder bevor es den Berg auf der anderen Seite wieder hinunter geht. Dass wir soeben auf einem der wichtigstens Paesse in der Geschichte der Tour de France gestanden haben, werden wir erst spaeter erfahren.
Kaum haben wir die Wolkendecke durchbrochen steigen auch die Temperaturen wieder angenehm an und wir geniessen die Fahrt durch schoenste Berglandschaft und verschlafene Doerfer.

Fuer einen kurzen Emailcheck kehren wir in Lurdes bei McDonalds ein – die haben naemlich kostenloses Internet in alles Restaurants in Frankreich, wie wir inzwischen herausgefunden haben. Als die Sonne schon recht tief steht landen wir auf der Suche nach einem Schlafplatz an einer unscheinbaren Wiese, auf der sich schon ein paar Wohnwagen befinden. Eine Familie hat es sich gerade zum Abendessen gemuetlich gemacht. Ein kleiner dicker Mann und sein noch kleinerer, dickerer Sohn stehen aber sofort auf und kommen freundlich und beide mit stolz gewoelbter Brust auf uns zu gewatschelt. Sie teilen uns mit, dass die Uebernachtung hier nichts kostet, Dusche oder Strom zahlt man dafuer nach Bedarf. Wir bedanken uns fuer die Info und die beiden watscheln wieder zum gedeckten Tisch.
Als wir am naechsten Morgen erwachen sitzt die fuellige Familie schon wieder kauend beisammen – oder etwa immer noch?

Die Sonne strahlt vom Himmel und es verspricht ein schoener Sommertag zu werden. Wir packen schnell unser Zeug zusammen und goennen uns, ein erfrischendes Bad im benachbarten Freibad. Kann ein Tag besser starten?

Wir befinden uns schon mitten in der Weingegend Frankreichs, als wir fuer ein leckeres Mittagsmenue halten. Die inbegriffene Flasche Wein darf ich dann natuerlich alleine leeren, denn Tom muss ja noch fahren. Nach dem zweiten Glas bei sommerlichen Temperaturen find ich es dann auch einfach nur noch lustig...


grins...

Am Abend treffen wir in einem kleinen verschlafenen Nest in der Naehe von Bordaux bei Mike und Trudy ein. Wir hatten Mike in Suedafrika bei der Buffallo Ralley kennengelernt und er hatte uns kurzerhand in sein Sommerhaus nach Frankreich eingeladen.
Die Beiden erwarten uns mit geballter suedafrikanischer Gastfreundschaft. Es ist urgemuetlich in ihrem kleinen, betagten Haus und sogar das Gaestezimmer und ein original Braai (BBQ) sind fuer uns vorbereitet.

Wir muessen feststellen, dass es mehr als ein Roquefort in Frankreich gibt und wir das mit dem wuerzigen Kaese leider verpasst haben. Dafuer erreichen wir das richtige Cognag, wo es Cognag und nicht Wiskey gibt, gerade passend zu einer Fuehrung beim namenhaften Hersteller Hennessy. Hier macht man zwar tollen Cognag aber nicht auch automatisch tolle Fuehrungen. Unser Mann hat es jedenfalls nicht mal fuer noetig gehalten einen guten Text auswendig herunterzurasseln, nein er wusste eigentlich garnicht was er alles erzaehlen will. - Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass der Wiskey... aeh... Cognag ganz lecker ist.

Leider regnet es als wir das Gebaeude wieder verlassen. Planlos legen wir erstmal eine Internetpause im naechsten MCDonalds ein. Wenig spaeter erklaeren wir uns selbst fuer verrueckt, weil wir uns aus lauter Regenfrust spontan uebers Internet in einem 328 km entfernten Ibis Hotel eingebucht haben. Es ist schon 20:30 Uhr und es liegt nun also noch eine Tagesetappe vor uns. Gluecklicherweise laesst der Regen nach und wir kommen auf der Mautstrasse gut vorran. So liegen wir trocken und warm um 23:30 Uhr in einem gemuetlichen Hotelzimmer.

Wir muessen zugeben, die Bretagne ist auch sehr schoen. Viele kleine Haeuser aus granitaehnlichem Gestein und Kilometerlange Kueste – mit grandioser Aussicht in Richtung England. Gesehen haben wir diese Insel nicht, doch dafuer die einige der gut besuchten Landungsstellen der Allierten im Zweiten Weltkrieg. Die vielen Besucher der geschichtstraechtigen D-Day Ueberbleibsel und Friedhoefen gaben uns aber auch zu denken. An Eis leckend und mit Coca Cola bewaffnet streifen einige (wohl aus dem Land des McDonald Ursprungs) voller Stolz durch die Bombenloecher und spielen die Situation vor knapp 70 Jahren heldenmaessig nach, andere sehen sich nachdenklich um und gedenken an die vielen Gefallenen auf allen Seiten. Wir sind froh, ist das Geschichte und dass Europa heute anders da steht.

Wir befinden uns in Frankreich und die startet dieser Tage in Rotterdam, da waere es doch eine Schande, wenn wir nicht wenigstens einen Blick riskieren – finde ich.
Also holen wir unser gesamtes planerisches Talent auf den Tisch um einen Zielort der Tour in unsere Route einzubauen. Mit maessigem Erfolg. Am 5.7.2010 stehen wir stolz wie Oskar in Arenberg und wundern uns ueber das maessige Interesse der Bevoelkerung an der Tour. Bis wir feststellen, dass wir einen Tag zu frueh dran sind.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht...


Die Enttaeuschung steht uns wohl ins Gesicht geschrieben, jedenfalls quatscht uns ploetzlich Buerte an. Sie schreibt als freie Journalistin ueber Geschichten am Rande der Tour und kann uns Leihen mit viel interessanten Infos zur Tour de France auf die Spruenge helfen. Sie laed uns ein mit ihr den Zeltplatz zu teilen und so bleiben wir und freuen wir uns gemeinsam auf das bevorstehende Spektakel am naechsten Tag.

Kaum zu glauben, wo einen Tag zuvor noch nichts zu sehen war stehen heute, Wohnmobile, Uebertragungswagen und Wuerstchenbuden. Die Stadt ist herausgeputzt, Gaerten von Anwohnern im Zieleinlauf sind geschmueckt Viele bunt gekleidete Menschen schieben sich an den Absperrungen vorbei, sammeln fleissig Werbegeschenke und strahlen mit der Sonne um die Wette. Fuer uns gibts jedenfalls den ganzen Tag viel zu gucken.

Hopp Switz - Hopp Schwitz

Der eigentliche Zieleinlauf der Radprofis ist eine Sache von wenigen Minuten, die Stimmung erreicht aber nochmal den absoluten Hoehepunkt. Schnell ist auch die Siegerehrung vorbei und lansam loest sich die Menschenansammlung wieder auf. Fuer uns war es ein gelungener Abschluss in Frankreich. Morgen geht es durch Belgien schon nach Holland.

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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