Three Pairs Of Underwear

Andorra

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Wir haben die Loesung fuer unser Problem mit der langen Tageshelligkeit gefunden. Einfach laenger schlafen und spaeter starten.
Den Tag auf dem Campingplatz konnten wir jedenfalls ganz gut herumbekommen und brechen erst um 18:30 Uhr auf, um noch ein paar Kilometer zu machen.
Das Thermometer zeigt 33 Grad als wir in den Sattel steigen, doch schnell kuehlt es sich herunter, als wir die ersten Berge erklommen haben. Die Luft ist feucht und kalt, dunkle Wolken haengen drohend ueber den Bergkuppen, aber noch regnet es nicht. Das Ziel ist, noch heute Andorra zu erreichen und so fahren wir, in guter Hoffnung die Wolken vor uns her zu schieben, erstmal weiter. Wir kommen an unzaehligen Campingplaetzen vorbei, denn scheinbar sind wir mitten im Rafting-Gebiet (Rafting = Mit Gummibooten einen rauhen Fluss hinunter sausen und meistens auch ins Wasser fallen und nass werden). Uns ist das hier definitiv zu kalt fuer Wasserkontakt.

Als das Werbeschild einer kleinen Pension vor uns auftaucht ueberlegen wir kurz, ob wir aus den jetzt 16 Grad einfach in ein gemuetliches, warmes Zimmer fluechten. Doch dann verwerfen wir diese Idee wieder, wir wollen schliesslich nach Andorra und das sind nur noch knapp 80 Kilometer.

Hinter einer der vielen Kurven befindet sich ein Parkplatzaussichtspunkt, auf dem zwei Motorradfahrer pausieren. Von weitem erkennt Tom die auswertigen Kennzeichen – es sind Englaender. Die sprechen eine Sprache die wir koennen und so quatschen wir sie kurzerhand an. Max und Stuard sind vor 2 Tagen in England gestartet und nun schon hier. Das laesst lange, harte, Reisetage vermuten. Auf dem Weg durch die Pyrenaeen sind sie jetzt auch noch so richtig nass geworden, erzaehlen sie uns. Max wohnt in Andorra und sie wollen sich nun in seiner Wohnung erstmal aufwaermen. Er laed uns kurzerhand ein bei ihm zu uebernachten. Dankbar nehmen wir die Einladung, mit Aussicht auf ein warmes, weiches Bett, an

So fahren wir zusammen weiter. Die Strassen sind nass, aber es regnet gluecklicherweise noch immer nicht. Die Wolken haengen tief in den bewaldeten Bergen, ein bizarrer, schoener Anblick.
Die Einreise nach Androrra ist denkbar einfach, wir werden durchgewunken und muessen nichtmal einen Hauch von Identitaetsausweis zeigen. Das kleine Land wirkt auf uns sofort modern, organisiert und sicher. Viele retortenhafte Wohnblocks stapeln sich die Berge hinauf. Viele Hotels sind zu finden, gleich neben edel anmutenden Geschaeften. Sogar an einem Kaesegeschaeft kommen wir vorbei. Durch grosse Glasscheiben koennen wir liebevoll dekorierten Kaese unter unzaehligen Glasglocken erkennen. Leider ist Samstagabend und auch morgen wird alles geschlossen sein. Andorra hat ein bisschen was von einem mondaenen, teuren Ski-Ort in der Schweiz.

Unser Toeff bekommt einen Garagenplatz und wir koennen ein richtig, echtes Gaestezimmer beziehen. Ein wenig ueberfordert sind wir mit der Technik in diesem Heim. Die Fernbedienung fuer die Jallousien bekommen wir ja noch in den Griff, aber als es am Abend daran geht die Nachttischlampe auszuschalten, dauert es ein Weilchen, bis wir den Metalpin in dem Tisch als Schalter identifiziert haben. Und in der Kueche stehen 5 verschieden Abfallbehaelter zur Muelltrennung. – Stimmt da gab es doch soetwas – was kommt denn jetzt wo hinein? Diese allzu moderne und geregelte Welt ueberfordert uns jetzt doch noch ein wenig.

Trotz der gemuetlichen Wohnung starten wir nach bestem Kaffe und dem Austasusch einiger Reisegeschichten, trotz drohender dunkler Wolken, Richtung Frankreich.
In ganz Spanien konnten wir dem Angebot von Burger King, McDonalds und Co. bisher ganz gut wiederstehen, doch in Andorra starten wir unseren Ausreisetag mit „einmal ueberfuttern bei Burgerking“.

Man muss ja einen Grund haben laenger nicht mehr hingehen zu muessen...

Als uns annaehernd schlecht ist, schwingen wir uns wieder auf den Toeff. Die Wolken haengen nun schon tief ueber dem Ort und es dauert nicht lange, bis die ersten Tropfen fallen. Es sieht so aus, als wuerde da noch mehr Wasser vom Himmel fallen uns so ziehen wir schnell unsere komplette Regenausruestung ueber.

So eingemummelt schleichen wir die Kurven des ersten Passen hinauf, denn die Strasse ist rutschig. So richtiger Fahrspass will da natuerlich nicht aufkommen, zumal es, je hoeher wir kommen auch immer kaelter wird. Auch die Aussicht waere bestimmt toll, wenn sie nicht von dicken Regenwolken verdeckt waere, das einzige was wir deutlich erkennen, sind die vielen kleinen Schneefelder einige Meter ueber uns im Berg. Die Kuehe mit den Glocken um den Hals identifizieren wir bei naeherem hinsehen als Kaltblutpferde, die hier frei von Zaeunen grasen.
So legen wir ca. 70 Kilometer in Frankreich zurueck, bis uns in einer Art Tunnel eine mopsige, franzoesische Motorradfahrerin energisch zuwinkt und fast vor die Raeder springt. Als wir stoppen erkennen wir noch einige andere nasse Gleichgesinnte, die ihre fahrbaren Untersaetze am Rand geparkt haben. Die hektische Dame hat sich inzwischen eine gelbe Warnweste uebergezogen und erklaert uns auf Franzoesisch, dass die Strasse ca. 5 Kilometer weiter durch einen Erdabrutsch verschuettet sei. Sie wuerden alle hier warten, bis klar ist ob und wann die Strasse wieder passierbar ist, denn die einzige Umfahrung wuerde einen Umweg von 200 Kilometer bedeuten.


Buffalo-Ralley im kleinen, privaten Rahmen ;-)

Nach einer Stunde des Wartens zeichnet sich allerdings ab, dass die Strassenraeumung wohl laenger dauert. Kurz macht sich Ratlosigkeit bei uns breit, dann faellt uns Max ein. Wir rufen ihn an und fragen, ob wir nicht doch noch eine Nacht bei ihm bleiben koennen. – Wir duerfen.
Frierend und nass stehen wir ein paar Stunden spaeter also wieder bei ihm auf der Matte.
Wir haben nun auch herausgefunden, dass unsere Regenklammotten nicht Wasserdicht aber immerhin Winddicht sind ;-(.
Zum Glueck ist die Wohnung warm und bietet sogar eine heisse Dusche.

So kommt es, dass wir uns am naechsten Morgen bei McDonalds ueberfuttern... Ausserdem aendern wir nebenbei unsere Reiseroute. Es soll doch erst wieder nach Spanien gehen, denn wer weiss ob die Strasse in Frankreich schon wieder frei ist.

Zufaelligerweise gibt es in Andorra auch einen BMW-Motorradhaendler. In der Hoffnung, wir bekommen hier eine neue Speiche fuers Hinterrad fahren wir natuerlich dort hin. Der erste Eindruck ist alles andere als vielversprechend. Der Empfang ist unprofessionell und nicht besonders freundlich. Mag auch an den mangelnden Englisch- oder Franzoesischkenntnissen der Rezeptionistin liegen – aber ein Laecheln waere schon drin...
Der Mensch vom Teileservice will uns gleich ein ganzes Rad andrehen und wir warten eine Ewigkeit auf den Werkstattverantwortlichen. Als wir gerade gehen wollen, werden wir aber an einen aeusserst netten Herren mit Englischkenntnissen weitergeleitet. Er kuemmert sich ruehrend um uns und setzt alle moeglichen Hebel in Bewegung.
So bekommen wir einen guten Preis fuer frisches Oel und koennen auch gleich auf dem Parkplatz einen Oelwechsel machen. Die Speiche hat er kurzerhand aus einem neuen Rad ausgebaut - und das ganze immer mit einem Laecheln auf den Lippen. Das nennen wir Service.


Manchmal muss man sich auch die Finger schmutzig machen...

Als wir fast fertig sind, tauchen zwei Berliner Motorradfahrer auf, die Werkstatthilfe benoetigen. Ich habe mich in meinem frueheren Job immer gewundert, dass sich Besuche englischsprachiger Kunden meisst an einem Tag haeuften und dann wieder lange Zeit keine kamen. So also auch heute hier. Wir verquatschen uns noch ein Weilchen, bis wir Andorra doch noch „good Bye“ sagen.

Auf kurvigen Strassen geht es durch gruene Berge – Wilkommen in den Pyrenaen. Diesmal folgen uns die Regenwolken mit hartnaeckigem Donnergrollen, doch wir sind schneller. Bis wir auf einem Parkplatz ein Schweizer Wohnmobil entdecken. Natuerlich halten wir und schwups sind wir in interessante, witzige Gespraeche mit wechselnden Themen vertieft. Unglaublich, wie aus dem Nichts Gespraechsstoff entsteht und sich Sympathien entwickeln. Als die Wolken uns fast erreicht haben und zornig grollen, koennen wir uns dann aber doch losreissen, allerdings sind wir nun um den Ersatzreifen, einige Karten und ein paar Buecher leichter. – Danke fuers mitnehmen!

Ausser ein paar Tropfen bleiben wir an diesem Tag vom Regen verschont und finden einen gemuetlichen Campingplatz fuer die Nacht. Dass wir uns hier schon wieder in Frankreich befinden waere uns fast entgangen. Nichtmal ein Schild wies auf den „Grenzuebertritt“ hin. Auf der anderen Seite einer Bergkuppe war einfach alles ploetzlich auf franzoesisch ausgeschildert.
Frankreich die zweite, da sind wir also...

 

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Gast Dienstag, 26 März 2019
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