Three Pairs Of Underwear

Mission (Tapas) Impossible

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Heute Morgen haben wir wirklich einen Rekord gebrochen. Vom Zelt Abbauen bis nach dem Fruehstueck hat es 5 Stunden gedauert. Denn gleich im naechsten Ort bot sich eine gemuetliche Tapas-Bar zum Fruehstuecken an. Natuerlich spricht der verantwortlich Mensch hinterm Tresen Spanisch und sonst nix. Er ist aber super freundlich und gibt auch vor, dass er ein paar Brocken Englisch versteht. Wir versuchen ihm zu erklaeren, dass wir gerne Tapas essen wuerden (was man eben in Nichtspanien so unter Tapas versteht). Da Tapas aber in Spanien eigentlich nur Vorspeise heisst, muessen wir den guten Mann recht verwirrt haben. Denn wir bestellen Tapas und geben ihm zu verstehen, dass wir groooossen Hunger haben und er grooosse Portionen machen soll. Er fragt: „Darf es mit Schweinefleisch sein?“ Toms Augen fangen an zu glaenzen und wir bestaetigen die Frage eifrig mit heftigem Kopfnicken. Als wir dann auch noch entdecken, dass es hier drahtlose Internetverbindug gibt sind wir restlos gluecklich und vertreiben uns die freudige Wartezeit auf unser Fingerfood mit dem Internet.
Die Welt ist noch in Ordnung, als Oliven und Brot den Tisch erreichen. Doch als unser Essen kommt, schauen wir etwas komisch aus der Waesche. Es gibt Schweineschnitzel mit Pommes und 2 Spiegeleiern. Grundsaetzlich nicht so verkehrt, doch wir hatten uns schon so auf leckere Tapasvariationen eingestellt. Leider ist auch das Fleisch eher geschmacksneutral, die Kartoffelstreifen alles andere als knusprig und auch nicht ganz gar. - TAPAS die Erste: Gescheitert!

Als wir das Lokal verlassen sind wir pappsatt und haben viereckige Augen vom Computerbildschirm Anstarren. Nur wenige Meter weiter gibt es einen kleinen Laden, in dem Tom eine Kette aus mini Salamis findet. Ich mag zwar an alles nur nicht an Essen denken aber Tom plant schon weise fuer spaeter voraus. Wird gekauft und eingepackt (fuer schlechte Zeiten, oder so... )

Dann geht die Reise an diesem Tag endlich los. Die Sonne scheint und es sind angenehme 25 – 27 Grad, perfektes Motorradwetter. Gerade noch waren wir von Mischwald umgeben und nur eine Abbiegung spaeter sind wir mitten im Olivenanbaugebiet. Den ganzen Tag geht es ueber perfekte kleine oder mittelgrosse Strassen in vielen Kurven vorbei an Olivenhainen. Hin und wieder fahren wir durch kleine Doerfer und wundern uns ueber die leeren Gassen. Wir haetten wenigstens ein oder zwei Restaurationen erwartet, die Stuehle draussen stehen haben und wo wir eine Pause haetten machen koennen. Doch fast keine Menschenseele ist zu sehen. Als wir das Land erreichten klaerte man uns auf, dass in Spanien Ferien (oder ein Feiertag) sind. Sollte das der Grund fuer diese Menschenleere sein oder ist es hier immer so?


soweit das Auge reicht – und weiter...

Gegen spaeten Nachmittag ueberlegen wir, wo wir schlafen wollen. Die Olivenhaine laden foermlich ein, einfach dort das Zelt aufzuschlagen, doch natuerlich ist das nicht erlaubt. Die vielen Schilder sind zwar nur auf Spanisch, doch auch uns ist klar, das da soetwas wie „Zutritt verboten“ steht. Wir steuern also erstmal einen ofiziellen Campingplatz an. Als wir allerdings dort ankommen, ist der geschlossen. Ein Passant versucht uns zwar zu helfen und telefoniert in der Gegend umher, doch er kann uns keine Alternative bieten. Wir fahren bis in den naechsten Ort, fragen nochmal nach legalen Alternativen, was nicht so einfach ist, denn selbst die juengeren Leute hier sprechen partout nur Spanisch, sind bemueht aber nicht hilfreich. Was tun? Fahren wir weiter, und wenn wir ein Plaetzchen finden bleiben wir, legal hin oder her?
In einem Shop brennt so etwas wie Notbeleuchtung und er ist vermutlich geschlossen, aber da die Tuer offen steht, ist Tom schwups drin und kann die aeltere Dame im weissen Kittel ueberzeugen Baguette und Schokolade zu verkaufen. Ein wenig komisch kam ihr unser Besuch wohl vor, denn nach uns verschliesst sie schnell die Tuer und macht sich auf den Heimweg. Es ist 18 Uhr 30 und alles scheint geschlossen und verlassen – komisches Spanien.

Natuerlich gibt es in den naechsten 10 Kilometern keine offizielle Unterkunft, wo wir unser Zelt aufbauen koennen. Beherzt biegt Tom auf einen Schotterweg ab, der steil in einen Olivenhang fuehrt. Die Strasse gabelt sich ein paar mal, kleine weisse Metallschilder in spanischer Sprache verbieten uns vermutlich den Zutritt, doch wir koennen ja garkein Spanisch. Es geht vorbei an einem kleinen Platz mit hoelzernen Bienenkaesten, bis wir vor einem einfachen weissen Haus stehen. Mir stockt kurz der Atem, doch es ist verlassen. Ein kleines Stueck fahren wir weiter, bis wir einen Baum zu einem wuerdigen Zeltplatz auserwaehlen. Wenn es nur nicht so lange hell waere, vielleicht kommt ja doch noch jemand vorbei und in der Dunkelheit sind wir viel schlechter zu entdecken.
Es hilft ja alles nichts, ich sollte aufhoeren so viel zu denken, Tom ist schliesslich auch ganz entspannt und was soll schon passieren, wir sind in einem zivilisierten Land.
Ruckzuck ist unser Heim aufgebaut und „eingerichtet“. Auch die Entscheidung die Zeltfarbe gruen zu waehlen war weise, man stelle sich vor das Zelt wuerde rot durch die Baeume leuchten...
Fuer uns ist es an der Zeit die Salami anzuschneiden und zusammen mit dem Baguette zu verspeisen. Langsam versinkt die Sonne hinter den Bergen, der Mond steht schon am Himmel und wir koennen sogar die ersten Sterne entdecken. Es ist wirklich viel schoener hier draussen ganz allein die Stille zu geniessen. Unter gleichmaessigem Grillenzirpen schlafen wir wenig spaeter schnell ein.


Nur das Meer fehlt...

Als wir am Morgen erwachen ist es bereits halb acht und die Sonne kitzelt das Zelt durch die Blaetter unseres Olivenbaumes. Ausser Vogelgezwitscher ist aber nichts weiter zu hoeren. Trotzdem wollen wir unser Glueck nicht zu lange herausfordern schnell ist die „Inneneinrichtung“ zusammengerollt und das Zelt verpackt.
Es ist angenehm kuehl, als wir von der Schotterpiste auf die Strasse abbiegen. Im naechsten Ort finden wir ein geoeffnetes Cafe, es stehen Stuehle davor und sogar Gaeste sitzen dort. Eine der Damen vom Nebentisch spricht franzoesisch und raet uns zu Spezialitaet des Hauses, als Energieschub fuer den Start in den Tag – sagt sie.
Wir erhalten ein fritiertes Etwas, was aussieht wie Donut am laufenden Meter. Es schmeckt eigentlich nur nach Fett und irgendwas wie Teig. Genug Kalorien enthaelt es definitiv. Was uns nachdenktlich stimmt, ist nur, dass sich scheinbar Leute zum Fruehstueck hier treffen, nur um dieses fetttriefende Etwas zu essen. – Satt sind wir erstmal und wenigstens der Kaffe war gut.


Nina freuts...

Wir verlassen den Ort wenig spaeter. Die Strasse schlaengelt sich kurvenreich noch immer durch Olivenbaeume so weit das Auge reicht. Schade, dass wir keine Gerueche ueber das Internet verbreiten koennen, denn die Luft riecht nach Fruehling - frisch geschnittenem Gras, Heu und Blueten aller Art. Es faehrt sich wunderbar. Bis Tom irgendwann fragt: „Findest du die vielen Kurven auch so Pobackenintensiv?“ „Ja, ich weiss was du meinst, der Hintern schmerzt schon ein wenig.“
Als haette jemand Mitleid mit uns, finden wir kurz darauf einen Ort, in dem es eine geoffnete Gaststaette gibt. Beim Blick durchs Fenster schlagen unsere Herzen hoeher – eine gemuetliche Sofaecke! Es folgt eine ausgedehnte und enspannte Pause. – Wie Urlaub. Schade nur, dass in Spanien in den Lokalitaeten geraucht werden darf.


Bin dann mal eben zum Blumenpfluecken...

Irgendwann steigen wir aber doch wieder in den Sattel. Auf der Weiterfahrt werden wir mit dem unglaublich farbenreichen Anblick von riesigen Bluemenwiesen verwoehnt. Knallig rot blueht wilder Mohn so weit das Auge reicht. Hin und wieder trauen sich auch leuchtend gelbe und grell blaue Blueten dazwischen. Ein sagenhafter Anblick und der Duft erst...

Spaeter glauben wir sogar von Weitem ein Lavendelfeld zu entdecken, doch hierbei handelt es sich leider bei genauerem hinsehen um ein ernorm grosses Solarzellenfeld – Finanziert von der EU?


Spanien – das naechste Griechenland?

Gegen Abend finden wir uns doch wieder auf einem Campingplatz ein. Ganz gluecklich sind wir mit unserer Wahl aber nicht, es sind ausschliesslich Spanier hier und die celebrieren ihre Ferien bis spaet in die Nacht. Morgens wird sogar nahe der Sanitaeranlagen ein Schaf geschlachtet, waerend die Jugendlichen auf der einen Seite des Platzes die Musik aufdrehen und wenig spaeter die Eltern auf der anderen Seite ihrem Musikgeschmack froehnen. Wir fluechten.

Die Olivenbaeume werden kleiner und es wachsen Trauben dran, es koennte sich natuerlich auch um Weinreeben handeln.
In einer kleinen Stadt starten wir Versuch Nummer 2 in Sachen Tapas. Den Menschen hier scheinen Touristen nicht ganz fremd und wir haben Hoffnung, dass unsere Vorstellung von Tapas hier verstanden wird – Englisch spricht man trotzdem nicht. Die Karte in dem von uns gewaehlten Lokal ist vielversprechend. Wir bestellen 4 verschiedene wohlklingende Gerichte, der Kellner fragt komische Dinge auf Spanisch und zieht dann muerrisch ab. Wenig spaeter bringt er Blutwurst im Baguette, Calamari im Baguette, Kartoffelauflauf im Baguette und ein Toast mit billigem Kaese und Schinken – Alles ohne Sosse oder aehnlichem, versteht sich... Versuch Nr. 2: Gescheitert!

Gegen Nachmittag erreichen wir bergigeres und bewaldeteres Gebiet. Laut GPS soll sich im naechsten Ort ein Zeltplatz befinden, doch als wir in die schmalen Gassen den urigen Staedtchens einbieben und, laut Koordinaten genau daneben stehen, ist nichts der gleichen zu erkennen. Vielleicht war hier mal was, nun ist es jedenfalls sicher nicht mehr.
Heute vertun wir unsere Zeit aber nicht weiter mit dem Anfahren geschlossener Zeltplaetze. Tom biegt bei naechster Gelegenheit in eine stillgelegte Strassenzufahrt ein und wir finden wenige Meter spaeter einen wunderschoenen, geschuetzten Platz im Wald mit Aussicht. Unter den Pinien liegt es sich schoen weich auf dem Bett aus herabgefallenden Piniennadeln. Nur die unzaehligen Muecken sind ein wenig nervig. Vermutlich stechen die nicht, sondern schlucken einen komplett, so gross wie die sind. Oder sind die Afrikanischen Muecken so klein, weil sie an Unterernaehrung leiden? Jedenfalls ist die spanische Ausfuehrung nicht so agressiv und als wir spaeter ins Zelt krabbeln bin ich nur um einen Stich reicher.

Zum Fruehstueckskaffe im naechsten Ort (diesmal haben wir Glueck und erwischen einen netten Kellner – der natuerlich auch nur Spanisch spricht) gibts trockengetoastete Baguettescheiben mit Butter und Pfirsichmarmelade – bisschen trocken und kruemelig aber schmeckt wenigstens. Waerend wir so dort sitzen staunen wir ueber ein paar Maenner, die alle mit ihrem, in Alufolie eingewickelten Fruehstueck in das Lokal spazieren. Ist das Essen hier einfach so schlecht, dass man sich sein Eigenes mitbringt? Schon gestern konnten wir gleiche Situation beobachten als aehnliches Klientel zum Nachmittagsbier ins Lokal eintrat.

Bald nach der Ortsausfahrt gehts vorbei an brummenden, summenden Blumenfeldern. Sogar Kuehe mit Glocken gibt es hier (Tom fuehlt sich fast heimisch) dann schraubt sich die Strasse in die Berge. Kurvige Strassen mit toller Aussicht fuehren hier und da duch kleine verschlafene Bergdoerfer. Ein bisschen scheint die Welt stehengeblieben. So, oder so aehnlich haben wir uns das zentrale Spanien vorgestellt.


urchig, einsam und gemuetlich

Ein beklemmendes Gefuehl beschleicht uns, als wir durch ein Tal fahren, in dem unmengen verkohlter Baeume stehen. Fast glauben wir noch das verbrannte Holz riechen zu koennen. Manche Schneisen scheinen intakt uns stechen in vollem Gruen hervor. Einige Baeume haben sich etwas vom Feuer erholt und zeigen gruene Triebe zwischen den schwarzen Aesten. Als wir ueber die naechste Bergkuppe schauen koennen, wiederholt sich das Bild ueber grosse Flaechen. Hier muss mal ein ziemlicher Waldbrand gewuetet haben. Hoffentlich erholt sich die Natur wieder ganz von der massiven Zerstoerung.


zu spaet zum Grillen?

Wie zum Trost, oder zum Trotz (?), strahlt uns hinter der naechsten Kurve ein Getreidefeld, durchzogen mit rot bluehendem Mohn entgegen. Wir geniessen den Tag bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen (von Kaeltewelle keine Spur). Als wir einen verschlafenen, aber modern wirkenden Ort erreichen, versuchen wir unser Glueck etwas Essbares zu finden in einer Baeckerei. Das Angebot uebersteigt unsere Vorstellungen bei weitem. Salami, Ziegenkaese, Baguette und sogar Oliven nennen wir unser Eigen, als wir den Laden wieder verlassen. Zu allem Ueberfluss steht der Gemuesehaendler mit seinem Bulli gleich vor der Tuer, also gibts noch frische Tomate und Gurke dazu. Am naechsten Rastplatz machen wir es uns so richtig gemuetlich. „Selbstgekocht“ schmeckt eben doch am allerbesten.


Das Auge isst ja schliesslich mit

Natuerlich haben wir mal wieder zu viel eingekauft. Wir haben gehoert, dass sich luftdicht oder vakuumverpackte Speisen laenger halten, also vakuumieren wir manuel gleich vor Ort.


wer saugt besser, hm?

Weitere Nennenswerte Punkte des Tages? Wir ueberqueren die Greenwichlinie, die West-Ost-Nullinie – nun sind wir also wieder auf der oestlichen Halbkugel.

Trotz anhaltendem Saettigkeitsgefuehl lassen wir uns dazu hinreissen im Carfour einzukaufen (Tom’s Lieblingssanitaeranlagen auf dem ersten Teil der Reise). Es ist Spargelzeit, also gibt es heute Abend Spargelsuppe...
Viele Campingplaetze gab es auf der heutigen Strecke nicht und wir nehmen nach dem Einkauf den Erstbesten, der angeschrieben steht. Vielleicht nicht die allerbeste Idee, denn dieser ist sooooowas von voll. Dafuer erklaert uns die Dame an der Rezeption (in Englisch) die Sache mit den Ferien. Es sei St. Johns Fest und die Spanier haben von Mittwoch bis Sonntag frei (gut, dass heute schon Samstag ist).


manuell bloggen, mangels Steckdose

Scheinbar handelt es sich bei den hiesigen Bewohnern um eine Campernation, denn der Platz ist von Spaniern eingenommen und auch die Zeltwiese ist sehr voll. Wir finden aber noch ein kleines Plaetzchen. Welch ein Zufall, neben uns schlaegt ein israelisches Paerchen sein Zelt auf (sie haben noch eine Woche in Spanien und wussten auch nichts von diesen Ferientagen).
Wir ziehen uns zurueck und kochen Spargelsuppe...

So dicht an dicht mussten wir schon lange nicht mehr unseren Zeltplatz teilen. Als es dunkel wird, ziehen sich unsere Nachbarn zum Glueck aber auch langsam in ihre Schlafgemaecher zurueck. Wir hoeren noch eine Weile Menschen husten und schnarchen aus allen Ecken, Kinder schreien, oder die Luftmatrazen knatschen - doch dann ist es erstaunlich ruhig.

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Gast Mittwoch, 19 Juni 2019
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