Three Pairs Of Underwear

Wie weit ist es eigentlich bis zum Horizont?

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Gleich nach Verlassen von Dakhla haben wir tatsaechlich unsere ersten Deutschen Urlauber gesehen. Sie standen mit ihrem Wohnmobil auf einem Parkplatz am Strand. Spaetestens jetzt wird uns bewusst, dass es nicht mehr allzu weit ist bis nach Hause...
Sie sind Surfer und wir erfahren, dass heute der Wind aus einer voellig falschen Richtung weht. Das kommt scheinbar sehr selten vor, fuer uns ist es ein Gluecksfall, denn sonst haetten wir auf unserer heutigen Strecke den ganzen Tag Seitenwind – und der kann ziemlich pusten.

„Die naechsten 300 Kilometer kommt nun erstmal nicht viel“, haben uns die Urlauber mit auf den Weg gegeben. Und sie sollten Recht behalten. Erst fahren wir noch an kleinen Huegeln vorbei, von denen uns Steine ansehen, die erstaunliche aehnlichkeit mit Hartkorallen haben durch ihre rauhe und loecherige Struktur. Ein wenig kommen wir uns vor als waeren wir unter Wasser beim Tauchen. Doch dann wird das Land wieder oede. Zu sehen gibt es flaches Land aus Sand, flaches Land aus Sand mit Steinen drauf und flaches Land aus Sand mit Steinen und gruenen Buescheln drauf. Die ganze Zeit koenne wir sehen, wo in weiter Ferne der Himmel auf den Boden trifft. Wie weit ist es eigentlich bis zum Horizont? Ist das Land bis dahinten wirklich so flach wie es aussieht oder sind dazwischen Taeler versteckt, die wir nicht sehen koennen?


Hinterm Horizont gehts weiter...

Wir wissen nicht wie sie dahin gekommen sind, aber mitten in dieser Einoede woelben sich zwei Sandduenen auf und wir nutzen diese als bequeme Sitzmoeglichkeit fuer eine Pause. Der Sand ist warm von der Sonne und wenn man mit der Hand darueber streicht, fuehlt er sich fast lebendig an. In den langen Momenten, wenn fuer einige Minuten mal kein LKW vorbeibraust ist es extrem still. Wie muss es erst sein, wenn man umgeben von Sandduenen mitten in der Wueste uebernachtet?


Besser als jeder Stuhl – nur der Sand ist danach ueberall...

Vermutlich durch Strassenreinigungsmassnahmen, die den Asphalt von Sand befreien, ist der Strassenrand oft gesaeumt von aufgeschuettetem Sand. In manchen Regionen wird scheinbar auch Sand abgebaut und so finden sich oft Spuren von Baumaschinen und aufgeschuettete Sandhuegel, vermischt mit Schutt und Steinen. Auf grossen Etappen kommen wir uns vor wie in einer riesigen Baustelle. Da ist dann wirklich nichts Schoenes mehr dran zu entdecken. Anfaenglich wundern wir uns auch an einsamen Stellen ueber seltsam strengen Geruch. Bis Tom Schilder entdeckt, die Fahrern von Fisch-LKW Stellen ausweisen, wo sie das Fischwasser ablassen koennen. – Ein wirklich unangenehmer Hauch weht einem hier entgegen.

Gegen Nachmittag bekommen wir einen scheinbar anderen Nebeneffekt des falsch wehenden Windes zu spueren, denn die Gischt vom Meer wird wohl dadurch ins Landesinnere gedrueckt. Jedenfalls sind wir bald von dichtem Nebel eingehuellt.
In einem etwas groesseren Ort halten wir fuer eine Pause und sind ueberrascht ueber die Anzahl der vielen Strassencafes. Vor einem steht in grossen Buchstaben Pizza und wir lassen uns dort in einem der Stuehle nieder. Eine leckere Pizza hatten wir ja schon ewig nicht mehr. Schnell werden wir aus unseren Traeumereien gerissen, als wir den Chef danach fragen. Er sieht uns entschuldigend an und sagt dann:“Tut mir leid der Pizzakoch ist leider krank.“
Wir entscheiden uns dann fuer ein frisch gebratenes halbes Haehnchen, was uns zuerst mit 5 Euro etwas teuer erscheint. Doch dann fuellt sich unser Tisch mit Brot, Majo, riesigem Salat und Oliven. Und bevor wir das Federtier ueberhaupt zu Gesicht bekommen, sind wir schon fast satt. Der Teller mit dem knusprigen Gefluegel ist dann auch noch mit Gemuese gefuellt und wird zusaetzlich mit einer Schale voll Suppe gereicht.
So satt haben wir eigentlich keine grosse Lust mehr weiter zu fahren und halten in dem Ort nach einer Schlafmoeglichkeit ausschau. Als wir in die Einfahrt eines Campinplatzes einbiegen, faellt unser Blick sofort auf zwei beladene Motorraeder vor einem der Zimmer. Sie gehoeren einem Paar aus England, sie sind auf dem Weg nach Suedafrika. Wir entscheiden uns fuer die Nacht hier zu bleiben und es wir ein langer, gespraechiger Abend. Zumal kurz nach dem Dunkelwerden noch ein hollaendischer Motorradfahrer zu uns stoesst. Irgendwie ist es doch immer wieder verwunderlich, wie wildfremde Menschen sich irgendwo treffen und den ganzen Abend ueber Dinge wie Bremsscheiben, Werkzeuge, Benzinkocher oder Zelte sprechen koennen. Oder Zeltplatzkoordinaten und Routenbeschaffenheiten austauscht. Es kommt sofort ein Gefuehl der Verbundenheit und Freundschaft auf. – Komisch, dass wir nun schon die alten Hasen sind. Viele die wir unterwegs getroffen haben, werden wir hoffetlich nochmal wiedersehen.


„Es sind ja nur drei Monate, wofuer also viel Gepaeck“ sagt der Hollaender

Als wir am Morgen aufbrechen, ist unser Zelt noch nass vom feuchten Nebel, der die ganze Nacht nicht zurueckgegangen ist. Immerhin klart es gegen Mittag etwas auf und die Temperaturen klettern auf angenehme 25 Grad. Landschaftlich gibt es dafuer noch immer nicht viel Neues. - Sand, Steine und ein paar gruene oder nun auch braune Bueschel.
Als wir die Stadt Layoune erreichen klettern die Temperaturen wie von Geisterhand schlagartig auf 36 Grad. Die Stadt wirkt gross und modern, doch uns haelt es nicht hier. Durch eine Sandduenenlandschaft verlassen wir die Stadt Richtung Meer und es kuehlt sich wieder ertraeglich ab. In einem der suessen Strassencafes am Strand halten wir fuer eine Pause. Ein kleiner Laden ist angeschlossen, in dem wir Brot, Fisch und einen Mangojoghurtdrink kaufen. War garnicht so einfach, denn der Landbesitzer sprach nur Arabisch oder Spanisch, war aber extrem freundlich. Die Gegend hier war von den Spaniern besetzt, die Menschen sind stolz darauf und sprechen kein Franzoesisch so wie in Marokko.

Nach dem Essen geht weiter durch die immer noch karge Landschaft. Hab ich schon erwaehnt? Steine, Sand usw. Ein Schild Beduinenkoenig – Camping taucht am Strassenrand auf und wir biegen ihm folgend in die Wueste ab. Auf dem Weg zum Horizont gibt es auch Taeler, wie wir feststellen. In einem dieser Senken hat ein Franzose ein schones Beduinencamp errichtet. Da die Sonne so vom Himmel bruzzelt, entscheiden wir uns fuer eine Uebernachtung im Beduinenzelt. Eigentlich ist es kein richtiges Zelt, denn die Seitenwaende sind gemauert, nur das Dach besteht aus Stoff und Zeltplane. Von aussen ist es mit weisser Zeltplane eingekleidet und die Innenwaende werden von rotem und gruenem Stoff bedeckt. Auf der Rueckseite ist eine grosse Plexiglasscheibe eingebaut, so haben wir einen wundervollen Blick auf die bluehende Wueste und in der Nacht auf den Sternenhimmel.


Abseits der Strasse ist Leben in der Wueste

Es ist noch nicht so spaet und wir nutzen die Gelegenheit um unsere Waesche zu waschen. Das Camp ist an eine natuerliche Salzwasserquelle angeschlossen und so ist das Wasser aus dem Hahn salzig, natuerlich auch zum Duschen. Doch scheinbar ist der Salzgehalt sehr gering, denn es juckt nicht auf der Haut und auch auf der Waesche koennen wir keine weissen Raender entdecken als sie wenig spaeter im Wind getrocknet ist. Gegen Abend weht eine starke Brise und es wird ziemlich kuehl, so dass wir wieder gut schlafen koennen.

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Gast Samstag, 21 September 2019
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