Three Pairs Of Underwear

Drei Tage erhoete Temperatur, dann Schuettelfrost...

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Keine Angst, wir sind nicht schon wieder krank! Aber nach den letzen paar anstrengenden Tagen fanden wir dies als Zusammenfassung recht passend. Ausserdem erklaeren die naechsten Zeilen auch ein wenig, warum wir abends zu muede waren um noch etwas zu schreiben.

Planmaessig starten wir am 27.05 von Bamako schon um Acht Uhr morgens. Das Thermometer zeigt schon jetzt 29 Grad, doch im Vergleich zu den Temperaturen der letzen beiden Tage, fuehlt es sich erfrischend an. Noch einmal muessen wir durch die Stadt und den Staub von Abgasen und Sand. Als wir den Stadtbereich verlassen, klart die Luft allerdings nicht wie erwartet auf, sondern es bleibt seltsam diesig. Dennoch erreichen die Temperaturen gegen 10 Uhr bereits die 40 Grad und eine lange Strecke liegt noch vor uns – 470 Kilometer haben wir uns fuer heute vorgenommen.
Gegen Mittag suchen wir ein wenig Abkuehlung im Schatten eines grossen Baumes und geniessen ein paar Orangen, die wir noch im Gepaeck hatten. Es ist angenehm, nach stundenlangem Wassertrinken mal wieder einen fruchtigen Geschmack im Mund zu haben. Eine ganze Weile bleiben wir unter unserem Baum fuer uns, bis ein erster Dorfbewohner uns entdeckt. Wir staunen noch immer, welche Geduld Menschen aufbringen koennen im andere Leute mit Motorrad beobachten. Vorallem wenn die sich nicht bewegen, sondern einfach nur im Schatten sitzen und Obst essen.


Aus eins mach vier – Tom befestigt den Spiegel und unsere Freunde schauen zu...

Froehlich winken uns die 4 nach, als wir wenig spaeter zur Weiterfahrt aufbrechen. Je hoeher die Sonne am Himmel steht um so kleiner werden die Baeume. Auch vom roten Sand, der uns seit Kenia schon begleitet, muessen wir uns langsam verabschieden. Zwischendurch faerbt er sich nochmal fast lila, bis die Farbe schliesslich ins beigebraun wechselt.
Kurz bevor wir die Grenzstadt Nioro du Sahel erreichen, ist die Tagestemperatur bei hrem Spitzenwert von 46 Grad angekommen. Wir mieten uns in ein Zimmer mit Klimaanlage ein und Tom faehrt nochmal los, um schon das Carnet fuer morgen stempeln zu lassen.
Der Schalter oeffnet erst um 9 Uhr und wir moechten moeglichts frueh starten. Erstens der hohen Temperaturen wegen und um Wartezeiten und Auffallen bei der Einreise zu vermeiden. Zwar hat uns der Hotellier Wasser zum Duschen versprochen, doch der Wasserdruck reicht nur fuer einen duennen Strahl aus dem Wasserhahn des Waschbeckens. Auf eine erfrischende Dusche vorm Schlafengehen muessen wir also verzichten.
Dafuer geniessen wir wenig spaeter am Abend eiskalte Getraenke aus dem Hotelshop und Pasta mit Tuna und Tomatensosse vom Benzinkocher (hatten wir schon ewig nicht mehr).

Wir haben es tatsaechlich geschafft heute Morgen um halb sieben aus dem Bett zu schluepfen. Wasser liefert die Dusche leider immer noch nicht, dafuer hatte es sich draussen in der Nacht wieder auf 29 Grad abgekuehlt – Eine Wohltat. Wir beladen den Toeff, decken uns nochmals mit kuehlem Wasser ein und machen uns auf den Weg an die Grenze nach Mauretanien. Die Stimmung in Nioro ist irgenwie speziell. Es ist angenehm ruhig in dem Ort, einige Menschen sind schon auf den Beinen und brutzeln fleissig Fruehstueck am Strassenrand zum Verkauf. Einige schlafen noch auf bunten Bastmatten vor ihren Huetten und der Ein oder Andere laeuft mit der Zahnbuerste im Mund herum. Hier spielt sich das Leben viel mehr auf der Strasse ab.
Als wir um die naechste Ecke biegen, sehen wir zwei Fussballmannschaften gegeneinander spielen. Das nenne ich Ehrgeiz um viertel vor sieben am Morgen schon so aktiv zu sein. Aber spaeter am Tag wird es fuer soviel Bewegung wohl zu warm sein.
Auf dem Weg aus der Stadt kommen uns nur drei Eselskarren entgegen, ansonsten ist es noch seltsam ruhig. Eine dunstige Sandglocke umgibt uns noch immer und taucht die Landschaft in einen trueben Schleier.



Eine Stunde Fahrt ist es bis wir den Grenzposten von Mali erreichen. Ein paar Kinder betteln uns an, werden aber von einem der Grenzbeamten sofort verscheucht. Die Stempel im Pass sind schnell erledigt und wir koennen weiterziehen. Auch die Einreise nach Mauretanien ist keine grosse Sache. Eine Versicherung fuer das Motorrad koenne wir auch gleich vor Ort abschliessen. Um zehn nach Acht sind wir drueben, die Luft hat sich bereits auf 33 Grad erwaermt und zwei Minuten spaeter duerfen wir unseren ersten FICHE uebergeben.
Um 8:24 Uhr FICHE Nr. 2, 8:35 Uhr Nr.3, 9:08 Uhr Nr.4 hier will man aber zusaetzlich auch die Paesse sehen. Es faellt jedoch niemandem auf, dass ich einen deutschen Reisepass habe und auf dem Fiche steht ich sei Schweizerin.Um 9:50 Uhr geben wir das 5te Blatt aus der Hand, auch hier moechte man die Paesse sehen und braucht knapp 10 Minuten um uns in ein Formular einzutragen. Zwei Minuten nach Verlassen des Postens duerfen wir schon wieder einen Zettel aushaendigen. Zwischenzeitlich schwitzen wir schon wieder bei 40 Grad Aussentemperatur und staunen ueber den Wandel in der Umgebung. Die wenigen Haeuser sehen teilweise aus wie kleine Lebkuchenhaeuser. Die Seiten sind aus Lehm gefertigt die kurzen Seiten oft gemauert und das Dach blaeht sich im Wind – es ist aus buntem Stoff. Oft stehen viereckige Zelte in der recht oeden Gegend, oder Haeuser deren Seiten aus Maschendraht bestehen und mit Stoff abgedeckt werden. Die Menschen hier wissen wohl wie man die kuehlende Brise ausnutzen kann und dabei im Schatten sitzt.
Meine Haut fuehlt sich an wie duennes Papier, die Waerme und die Sonne haben sie schon gestern ziemlich ausgetrocknet. Um mich Sonne und Wind zu schuetzen habe ich mein Buff bis ueber die Nase gezogen und die Sonnenbrille auf. Das ist ein Vorteil in einem Land wo sich die Frauen wieder verschleiern, kann auch ich so reisen und die meisten Checkpoints nehmen es einfach so hin.


Bin ich es oder nicht?

Wir zeigen noch weitere Fiche um 10:30 Uhr, 10:54 Uhr, 10:55 Uhr, 11,28 Uhr, 12,13 Uhr, 12,52 Uhr, 13:19 Uhr und Nummer 14 um 13:24 Uhr. Irgendwo auf der Strecke sehen wir unsere erste Schlange. Leider - oder vielleicht zum Glueck ist sie nicht mehr so lebendig und liegt mitten auf der Strasse. Ein komisches Gefuehl ist es aber dennoch, wenn man bedenkt, dass ein Tier von gut 2 Metern Laenge hier bestimmt nicht alleine war sondern auch noch Brueder und Schwestern hat.


Das im Vordergrund ist die Schlange...

Kurz vor 14 Uhr erreichen wir unser Tagesziel Kiffa nach 482 Km gerade als die Temperaturanzeige wieder bei 46 Grad angelangt ist. Wir goennen uns erneut ein Zimmer mit Klimaanlage. Tom faehrt nochmal kurz ins Zentrum um etwas zum Essen einzukaufen. Das einzige Restaurant hat allerdings nicht geoeffnet und Strassenstaende sucht er vergeblich. In einem Shop gibt es Tuna, Zwiebeln und Baguette – Sogar Majo im Glas, die Farbe ist allerdings etwas ungewoehnlich. Doch wenn man bedenkt, dass das Glas etwa 40 Grad warm ist darf der Inhalt sich auch braun verfaerben.
Auffaellig ist, dass hier niemand in Hose oder T-Shirt herumlaeuft sondern alle in blaue, lakenartige Kutten gekleidet sind. Sie fragen ihn, wann wir angekommen sind, woher wir kommen und wohin wir gehen, bestimmt alles normale Dinge, die man so fragt.Angesichts der Entfuehrungsfaelle und Warnungen des auswaertigen Amtes ist es Tom ist es jedenfalls nicht ganz geheuer - Ein mulmiges Gefuehl laesst sich jedenfalls nicht verlaeugnen.

Am naechten Tag soll es deshalb und aufgrund der Hitze frueh weiter gehen, also schlafen wir bald erschoepft ein.

Als wir um 6 Uhr erwachen sind es draussen bereits 32 Grad. Sie fuehlen sich zwar noch kuehl an, doch wir vermuten, heute wird wohl ein heisser Tag.
Schon gestern haben wir in der flachen, sandig, steinigen Lansschaft hin und wieder eine Sandduene entdecken koennen. Heute durchqueren wir einen kleinen Ort, wo die Duenen sogar zwischen den Haeusern hindurch quellen. Ein bisschen erinnert uns das an einen Skiort mit viel Schnee, nur die Waerme passt nicht ganz in diese Vorstellung. Wir wundern uns heute auch ueber die stete Einfachheit der Behausungen in Mauretanien. Die Orte sind nicht besonders gross und die Haeuser hier quadratisch, pracktisch, gut. Weiter ausserhalb finden wir oft Zelte vor. Auch die Tierwelt hat sich veraendert. Haben wir in Mali wieder viele Ziegen und Rinder gesehen, sind es nun hauptsaechlich Kamele und Esel. So langsam fuehlen wir uns auch wieder wohl um die nun anderen Leute hier in Mauretanien. All das viel gehoerte und gelesene ueber Entfuehrungen und schwierigen Leuten koennen wir bisher nicht bestaetigen. Als wir zum Beispiel am Strassenrand eine kurze Fotopause einlegte hielt das nachstkommende Auto an, fragte uns ob alles in Ordnung sei und bot uns auch eine Flasche kaltes Wasser an. Eine Geste, die wir bisher im suedlicheren Afrika nicht erlebt haben. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob uns diese Kultur hier einfach mehr liegt, dadurch dass wir laenger im Mittleren Osten lebten, doch wir beginnen uns wohl zu fuehlen – wieder.


In einem etwas groesseren Ort halten wir fuer etwas kuehles zu trinken. Der Ladenbesitzer ist sehr freundlich, unterhaelt sich mit uns und bietet sogar an, dass wir in seinem Garten hinter dem Laden ein Mittagsschlaefchen machen koennen. – Wir sehen wohl muede aus.
Ein Maedchen setzt sich neben uns und lauscht der Unterhaltung mit dem Mann aus dem Laden. Ploetzlich tauchen aus dem Nebengebaeude einige Frauen auf, gruessen uns und rufen dann „cadeaux“. Was Geschenk auf franzoesisch heisst. Doch sie wollen nicht etwa etwas von uns, sondern schwenken einen kleinen Jungen, noch kein Jahr alt in den Armen. Fuer uns, rufen sie. „Nein, nein, danke!“ rufen wir lachend und sie winken lachend zurueck.
Als wir den Ort verlassen sehen wir immer mehr Sandduehnen, manchmal sind sie schon halb auf die Strasse gewandert, so dass wir dem Sand ausweichen muessen. Meistens jedoch ziehen sich feine Streifen von fliegendem Sand vor uns ueber die Strasse. Auch wenn die Landschaft immer noch oeder ist, durch die Duenen ist sie seltsam interessant und wir finden immer etwas zu gucken in den schoen geformten Sandformationen.
Bei mal wieder 46 Grad Lufttemperatur kommt ein echtes Wuestenfeeling auf. Wir sind aber auch mitten drin, wenn man sich die Strasse auf der Karte ansieht ist einige Hundert Kilometer links und ein paar Tausend Kilometer rechts nicht viel ausser Wueste – Wir sind in der Sahara.

Als wir die Hauptstadt Nouakchote erreichen weht uns ein kuehles Lueftchen entgegen. Mit 39 Grad pustet der Wind vom Meer herrein – Kaum zu glauben, aber es fuehlt sich wirklich kuehl an. Erschoepft von 632 Kilometern Tagesetappe goennen wir uns wieder ein Zimmer mit Klimaanlage und suchen uns ein Restaurant in der Naehe. Hier gibt es sogar Shishas! Ein leckeres Schawerma und ne Shisha zum Abschluss des Tages, besser kann es doch fast nicht sein. Doch, ein wenig waermer waere schon, denn es hat sich auf 30 Grad abgekuehlt und wir haben erste Anzeichen von Gaensehaut.

Einen Tag Pause goennen wir uns in dem gemuetlichen Zimmer, eigentlich zum Bloggen, doch wir sind so muede, dass wir den halben Tag durchschlafen.
Am Abend finden wir sogar noch einen Geldautomaten (eigentlich soll es keine geben laut Reisefuehrer), goennen uns eine letzte Shisha, ein Tuna-Crepe und ne echten Tee mit frischer Minze. Der Besitzer des Restaurants erlaesst uns bei der Abrechnung sogar etwas vom Endbetrag der Rechnung. Wir sind erstaunt und uns einig, dass wir das wohl im restlichen Afrika nicht erlebt haetten.
Morgen soll es wieder frueh weiter gehen, entlang der Kueste bis hoch zur Grenze nach Marokko.

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Gast Sonntag, 15 Dezember 2019
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