Three Pairs Of Underwear

Tanklaster auf zwei Raedern

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Durch unseren nochmaligen Besuch der Schule verzoegerte sich unsere Abreise auf den fruehen Nachmittag. Auch wenn uns Noel bei der Verabschiedung riet, dass es nun das Beste sei, erstmal zu schlafen weil es nun zu heiss zum Reisen ist, ziehen wir es vor gleich weiter zu ziehen. Es sind noch immer konstante 36 Grad und das einzige was zuverlaessig ein wenig Abkuehlung schafft ist nunmal der Fahrtwind.
Wir lassen das quirlige Mopedtaxichaos von Cotonou hinter uns und folgen der Strasse Richtung Porto Novo. Hier steigt die Zahl der Mopeds wieder drastisch an und die Taxifahrer tragen nun nicht mehr gelbe Hemden mit Nummer sondern Lilafarbene. Die Stadt unterscheidet sich nicht gross von Cotonou und uns haelt es nicht hier. Wir folgen einer, laut unserer Karte, kleineren Strasse nahe der nigerianischen Grenze. Die Hoffnung hier auf rote Pistenstrasse zu treffen wird aber nicht bestaetigt und so geht es auf geteerter Strecke in den Norden Benins.

Kaum haben wir die staedtischen Regionen verlassen, staunen Tom und ich ein wenig ueber vereinzelte Frauen, die barbusig unseren Weg kreuzen. Hin und wieder entdecken wir sie im Schatten von Baeumen sitzend, manchmal aber auch ganz offen ueber Felder laufend oder Wasser am Brunnen holend. Interessant ist das Zusammenleben, was wir entdecken. Eine Frau gekleidet in Rock und T-Shirt flechtet einer Frau ohne T-Shirt die Haare oder es sitzen Gruppen aus Maennern und Frauen zusammen, wo die meisten Frauen bekleidet sind und ein oder zwei nicht. Fuer uns ein wenig befremdlich, doch hier ganz normal.

Die Naehe zur Grenze Nigerias ist stark zu spueren, entlang der Strassen finden sich unzaehlige Holzstaende an denen in grossen bauchigen Glasflaschen und ein bis zwei Liter Schnapsflaschen geschmuggeltes Benzin aus dem Nachbarland verkauft wird. Das es sich lohnt hier aufzufuellen haben wir schon in Cotonou gehoert, denn der Preis ist meist um die Haelfte billiger als an offiziellen Tankstellen. Wir sehen auch, wie das kostbare Gut seinen Weg hier her findet. Immer wieder kommen uns die ueberladenen „Tankwagen“ entgegen. Kleine 125-er Motorraeder bis an die Zaehne beladen mit Kannistern werden von ihren Fahrern erbarmungslos ueber die Strassen gequaelt.



Wenigstens bleibt er nicht wegen Spritmangel liegen


Noch nicht ganz sicher, bis wo uns der Weg heute bringen soll, biegen wir in Ketou ins Landesinnere ab. Um uns ueber die weitere Strecke zu beraten, halten wir in einem kleinen Ort und decken uns mit kuehlen Getraenken aus einem Minnimarkt ein. Sofort bildet sich eine Menschentraube um unser Motorrad. Hat es nun endgueltig wieder ein Ende, dass wir kaum beachtet von unseren Mitmenschen am Strassenrand parken koennen?
Doch die Maenner und sogar Frauen starren uns nicht etwa planlos an, sondern stellen Fragen und lauschen gespannt Toms Erklaerungen zur Technik. Nachdem unsere Getraenke geleert sind und der Wissensdurst der Passanten groesstenteils gestillt ist, werden wir mit vielen guten Wuenschen freundlich verabschiedet und koennen unseren Weg fortsetzen.

In Abomey endet unser Tag in einer Unterkunft, die wir aus anderen Reisberichten entnommen haben. Zum Schlafen ists ok aber da uns das Personal nicht sonderlich zusagt, wollen wir uns unser Abendessen und Getraenke im Ort selbst organisieren. Das stellt sich als garnicht so einfach dar, denn Staende mit Essbarem sind Mangelware, wo hingegen es ein Leichtes waere unser Toeff mit Benzin aus der Glasflasche zu versorgen. Doch wir haben durst und so langsam auch hunger. Manchmal brauchts eben etwas Glueck und Durchhaltevermoegen, ziemlich am Ende des Ortes ist noch ein Stand geoeffnet, an dem wir eine warme Mahlzeit erstehen. Auch wenn unsere Bestellung die Dame etwas verwundert; wir sehen dann aber warum wir haben Reis gemischt mit Spaghetti und je zwei gekochte Eier mit Sosse bestellt (fast alles was sie so im Angebot hatte) – geschmeckt hats aber trotzdem. Das ortsansaessige Internetcafe verkauft uns eisgekuehlte Getraenke zu fairen Preisen und eine geschnittene Annanas fuer einen unterirdisch tiefen Preis erstehen wir auch noch an einem anderen Strassenstand – Herz was begehrst du mehr?
Unser Moskitonetz haelt zuverlaessig alle stechenden Krabbelviecher ab und der Deckenventilator bringt mich mitten in der Nacht sogar leicht zum Froesteln. Irgendetwas hatte aber erbarmen und schaltete den Strom mitten in der Nacht aus ;-) und so traeumten wir den Schlaf der Gerechten.

Am Morgen stellt sich uns nur kurz die Frage, ob wir uns noch einen Palast hier in der Naehe ansehen wollen. Vorher versuchen wir unser Glueck im Internetcafe um kurz das WWW zu besuchen, doch da noch niemand den Strom wieder eingeschaltet hat, gibt auch keine Internetverbindung. Dafuer hat die Mutter (oder sonst wie Verwandte) des Internetbesitzers vor der Tuer einen Stand mit Ugali, Fleisch und Gemuese. Als offensichtliche Touristen bekommen wir sogar ungefragt einen Loeffel dazu, muessen also nicht mit den Haenden essen und der Internetmann versorgt uns nochmals mit kuehlen Getraenken. Unser Motorrad steht hier uebrigens wieder nur von weitem bestaunt und ansonsten mit freiem Blick auf uns treu wartend und bereit zur Abfahrt.
Nach kurzer Runde durch den Ort ist uns irgendwie nicht nach einem Umweg und Palastsightseeing. Es ist einfach zu warm, um sich ohne Motorrad aus eigener Koerperkraft zu viel zu bewegen. Sprich wir sind einfach zu faul und schlagen somit wieder noerdliche Richtung ein.

Es zeichnet sich ab, das heute ein reiner Fahrtag ohne viel spannender Aktionen werden wuerde. Wir gleiten also auf geteerter Strasse gemuetlich vor uns hin und lassen das Geschehen um uns herum passiv auf uns wirken.

Vielerorts trafen wir wieder eine typisch afrikanische Eingenart an.
Wenn einer etwas verkauft, verkaufen es alle und keiner bietet etwas Ergaenzendes oder vielleicht was voellig Anderes an. In diesem Fall stehen Holztische am Strassenrand von denen Mehl angeboten wird. Auf mehreren kurzen Streckenabschnitten von ca 300m stehen auf jedem dieser Tische ordentlich abgefuellte Mehlsaecke in immer den gleichen 2 Groessen. In einem Dorf war wohl mal ein Verkaeufer mutig und hatte seine Mehlsaecke mit „high Quality“ beschriftet – hat wohl den Verkauf angeregt, denn in diesem Dorf steht es nun auf fast allen Saecken an fast allen anderen Staenden auch.


Das war der Anfang vom „Mehlgebiet“ – vielleicht sollten auch wir hier nen Mehlstand aufmachen?!

In Bassila einem kleinen Ort auf unserer Strecke wurde nicht nur das Verkaufsangebot vielfaeltiger, sondern es sprang uns auch foermlich ein „Auberge“ Schild vor die Fuesse. Wenn nun noch die Unterkunft haelt was sie verspricht, bleiben wir also.
Der Besitzer begruesste uns freundlich auf franzoesisch. Er versicherte, dass das Motorrad hier sicher geparkt werden kann, denn er ist pensionierter Polizist, nebenan wohnt auch einer und noch ein Haus weiter ist die Polizeistation – alle bewaffnet mit Gewehren versteht sich - sogar seine Frau wuerde die Tueren nicht abschliessen. Wenn das nicht ueberzeugend klingt... Ausserdem macht er einen sympatischen Eindruck, also sehen wir uns ein Zimmer an. Der Raum war ganz in leuchtendes Tuerkies gestrichen und in der hinten Ecke erlaubte es eine eingezogene Wand, Dusche und Toilette im Zimmer unterzubringen. Sogar eine dicke Matratze, ein super Moskitonetz und nen Deckenventilator gab es. Duch die integrierte Nasszelle und die stehende Luft herrschte zwar ein ziemlich feuchtwarmes Klima in dem Zimmer doch kaum war der Propeller unter der Decke aktiviert, liess es sich aushalten.
Nach einer erfirschenden (natuerlich kalten) Dusche liess es sich recht gut unter dem kuehlen Windhauch des Ventilators verweilen.
In der Nacht ging ein ziemliches Gewitter ueber unseren Koepfen nieder. Froh, ein festes Dach ueber dem Kopf zu haben und dass der Strom den Ventilator weiter drehte, schlafen wir aber ziemlich gut.

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Gast Samstag, 26 September 2020
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