Three Pairs Of Underwear

Regen, Muecken und Vodoo in Lome

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Wir haben uns heute Morgen spontan entschlossen noch eine Nacht bei Alice zu bleiben, denn mitten im Koffer packen zogen drohend, dunkle Wolken auf. Kaum war unsere erste Box am Toeff befestigt fing es auch schon wie aus Eimern an zu schuetten. So bleibt also wieder mal ein wenig Zeit die Ereignisse der letzten Tage zu notieren.
Denn wir waren nicht nur organisatorisch produktiv, sondern sind auch Zeugen von echtem Vodoo geworden.

Das Wochenende sollte eigentlich aus suessem nichtstun bestehen, hat auch fast geklappt , aber da Weit und Breit keine Waschmaschine mehr in Sicht ist, heisst es wieder Handarbeit. Diesmal kommt sogar noch erschwerend hinzu, dass wir das Wasser mit einem Eimer aus einem Brunnen schoepfen mussten. Wenn man die Angestellten hier beim Wasserholen beobachtet eine leichte Sache, doch wir haben die Eimerwurftechnik noch nicht so ganz raus und somit fuellen wir die Waschschuessel nur pfuetzenweise...Aber auch so kommt man ans Ziel.
Das Waesche trocknen sollte eigentlich bei der konstanten Ausentemperatur von 36 Grad kein Problem sein, aber die Luftfeuchtigkeit macht uns da einen kleinen Strich durch die Rechnung.


Ein Einblick in unsere Unterkunft in Lome – ein bisschen faul waren wir natuerlich auch...

Diese und die vielen Muecken sind es auch, was vorallem mich ziemlich Nerven kostet. Man schwitzt und klebt den ganzen Tag vor sich hin und die Muecken fressen uns trotz Antibrumm noch immer. Mich juckt es konstant irgendwo und das macht mich wahnsinnig. Wenn ich nur eine Sache von dieser Reise zurueckbehalte sind es auf jedenfall Narben von unzaehligen Mueckenstichen. Meine Malaria habe ich wie es aussieht mit Hilfe der Riametschluckerei besiegt, doch nun ist der Respekt vor neuen Stichen natuerlich noch ein wenig groesser.
Immer wird geraten, der beste Schutz vor Malaria ist, sich vor den Muecken zu schuetzen. Ja wie denn moechte ich mal wissen ? Lange Hose (laut Hersteller sogar Stichdicht), Arme und jeglicher cm Haut mit AntiBrumm besprueht, so dass man selbst schon keine Luft mehr bekommt und nachts kriechen wir unters Moskitonetz ins Bett und selbst da scheinen sich diese kleinen Biester ihren Weg durchzubahnen. Wir sollten ernsthaft ueberlegen, auf Imkerei umzusteigen, vielleicht sind wir in so einem Anzug dann mal sicher. Naja, nun haben wir uns so ne Dose Insektenkiller gekauft und vergasen halt das Zimmer vorm Schlafen gehen nochmal. Scheint wenigstens ein wenig zu helfen.

Am Sonntag Morgen fing es gluecklicherweise endlich an zu Regnen und lies auch den ganzen Tag nicht mehr nach. Es wurde auch nicht wie befuerchtet einfach nur schwueler, sondern kuehlte wirklich ein wenig herunter. Mit den jetzt durchschnittlich 29 bis 31 Grad koennen wir ganz gut umgehen – Mit den Muecken leider immer noch nicht. grmpf!


Die Schnecken freut die Feuchtigkeit

Montag wuehlten wir uns durch Lome um die Botschaft von Benin zu finden, was nach einiger Kurverei auch gelang. Bei der Gelegenheit stellten wir auch gleich fest, dass nicht nur die Hauptstrasse auf Grund der Baustelle zu einem riesigen Sand und Staub Schlachtfeld mutiert ist, sondern dass auch die meisten Nebenstrassen aus diesem Untergrund bestehen. Auf dem Weg zur Botschaft waren wir lange Zeit nicht sicher auch richtig zu sein und hatten sogar die Befuerchtung, dass es sich dabei um einen Bretterverschlag handeln koennte angesichts der Bauten um uns herum. Wir fanden uns dann aber doch vor einem soliden kleinen Gebaeude wieder.
Als wir das Treppenhaus betraten fuehlten wir uns ein wenig wie im Film „Beeing John Malkovic“ , wo alle Angestellten gebueckt gehen muessen, weil die Bueroraeume so niedrig sind.
Wie dem auch sein, wir fanden das passende Buero und konnten unsere Visa-Antraege ausfuellen – diesmal nur zwei Antraege und zwei Fotos pro Person. Am naechsten Nachmittag waren die Paesse mit Visum wieder abholbereit. Und nachdem wir persoenlich bem Konsul (zumindest sah er wichtig aus und seine Buerotuer hatte beeindruckende Schlosser) vorstellig geworden sind durften wir in einem weiteren Buero gegenzeichnen und unsere Paesse in Empfang nehmen. Hat also richtig problemlos geklappt. Wenn das die ganze restliche Reise so weiter geht, koennen wir uns wirklich nicht beklagen.

Auch eine Haftpflichtversicherung fuer unser Toeff haben wir inzwischen organisieren koennen. Die „Brown Card“, wie sie hier genannt wird, gilt fuer die weiteren Laender die wir in Westafrika durchreisen. Zu erst hiess es, wir koennen die Versicherung nur fuer ein Jahr abschliessen, was uns 60 Euro kosten wuerde, doch wir fanden dann eine zweite Gesellschaft, die uns auch nur 3 Monate fuer 30 Euro verkaufte.
Alles in Allem koennen wir unsere organisatorischen Dinge also als erfolgreich erledigt ansehen.
Wir sind auch ganz froh, nicht nochmals in diese Ecken der Stadt fahren zu muessen, denn es ist einfach extrem ungemuetlich dort unterwegs zu sein. Der Staub wirbelt einem staendig in Augen, die Abgase erschweren das Atmen und die anderen Verkehrsteilnehmer machen sowieso was sie wollen. Viel zu dicht draengelt sich jeder irgendwo dazwischen. Schwer vorzustellen, dass ein durchschnittlicher Taxifahrer sich 80% des Tages in diesem Staub und Gewuehl aufhaelt – natuerlich alle Fahrzeugfenster weit geoffnet wegen der Waerme.

Richtig spannend wurde es dann aber vor 2 Tagen bei Alice. Denn in das Zimmer eines anderen Gastes wurde eingebrochen und Geld entwendet. Das alles passierte spaet abends und wir bekamen erst gegen Mittag des naechsten Tages etwas mit. Wir hatten lange geschlafen und als wir im Restaurant auftauchten wimmelte es von Leuten mit ernsten Gesichtern.
Die Polizei war da, was wir zuerst garnicht bemerkten, denn die Herren waren nicht in Uniform gekleidet, sondern in farbenfrohe, massgeschneiderte Hemd- und Hosenkombination. Schnell gab es Verdaechtige und viele Leute wurden verhoert. Tom und ich checkten natuerlich auch gleich, ob unsere Sachen noch vorstaendig waren – Entwarnung, alles noch da!


Dieser Geselle wohnt hier im Garten – ob der auch Teil des Spuks ist?

Die richtig interessante Sache ist, dass hier in Togo stark an Vodoo geglaubt wird. So wurde also von der Polizei auch ein Vodoo-Priester beauftragt, die Ahnen zu befragen, wer das Geld genommen hat und wo es jetzt ist.
Er sagte aus, dass sich das Geld noch in der Naehe befindet und welche Personengruppen involviert sind. Die Polizei nahm aufgrund dessen wirklich 2 Leute fest.
Heute Morgen bot er dem Bestohlenen an eine Zeremonie abzuhalten, nach der er Namen nennen koennte. Im Tatortzimmer wurde eine Bastmatte ausgebreitet, auf der er mit ausgestreckten Beinen Platz nahm. Ein Haeuflein aus Knochen und Muscheln tuermte sich neben seiner Huefte auf und entlang seiner Beine lagen 3 Ketten aus zusammengeknoteten Muscheln und Knochen.
Das Opfer wurde gebeten einen Geldschein in die Hand zu nehmen und vor den Mund zu halten, dann sollte es sagen was passiert ist und die Fragen formilieren. Der Priester legte daraufhin den Geldschein neben die Ketten und begann die Zeremonie. Mal mischte er den Haufen an seiner Seite, dann schwang er hin und wieder die Ketten und nahm kontakt zu den Ahnen auf. Diese sprachen dann zu ihm und er sprach aus, was sie im sagten.
Tatsaechlich nannte er dann Namen.

Das Geld ist natuerlich noch nicht wieder bei seinem Besitzer, aber die inzwischen 3 Festgenommenen werden weiter verhoert und geben jeder eine voellig unterschiedliche Geschichte wieder.
Fuer uns unvorstellbar, dass kein Zweifel an der Aussage eines Vodoo Mannes besteht. Wir haben sogar gefragt, ob dieser nicht gefaehrlich lebt, wenn er so praezise Aussagen trifft. Doch die Menschen hier glauben fest an die Magie und wuerden es nicht wagen ihm etwas anzutun. Ausserdem spricht der Erfolg in den meisten Faellen fuer sich.

Wenn wir an Vodoo denken, kommen uns sofort kleine Puppen die man mit Nadeln piesackt in den Sinn. Doch die schwarze Vodoo Magie wird so gut wie nie eingesetzt, weil sie gefaehrlich ist. Wenn jemand einen Priester nach schwarzem Vodoo fragt, muss er viel Geld dafuer bezahlen, denn die Rache der Ahnen faellt nicht auf den der die Magie kauft sondern auf den der sie ausuebt – also den Priester. Somit muss dieser viele neue, teure, magische Dinge kaufen, die ihn vor der Rache schuetzen. Da der Respekt vor dieser Macht so gross ist, wird sie also fast immer in dem Rahmen ausgeuebt, wie wir sie hier geschildert haben.
Spannend ist auch, dass scheinbar jeder der moechte, in einer Art Ausbildung ueber 16 Tage, die Vodoo-Techniken erlernen kann.
Ueberall im Land gibt es sogenannte Vodoomaerkte, wo man saemtliche Utensilien kaufen kann und wir sind gespannt drauf, einen von diesen zu besuchen.

Morgen soll es aber nun endlich raus gehen aus Lome...

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Gast Samstag, 21 April 2018
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