Three Pairs Of Underwear

Malaria - ich doch nicht, oder?

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Zum Fruehstueck sollte es noch mal was landestypisches geben, bevor wir die Grenze nach Togo ueberqueren, wer weiss, was uns dort alles neues erwartet. Gern haetten wir mit gebratenem Jam gestartet, welches sehr an gebratene Kartoffelscheiben erinnert, doch der Stand im Dorf hatte noch nicht eroeffnet. Aber an einem Anderen gab es Banku mit Ziegenfleisch – wenn das mal nicht ist, wonach wir suchen...Ok, ich muss zugeben, diesmal war die Ziege wirklich ein Hammel und das Fleisch schmeckte sehr streng. Mal sehen, wann wir den Geschmack wieder loswerden...


Stilecht in der Huette und mit den Fingern


Die Grenze zu Togo befand sich fuer uns unverhofft gleich 500 Meter von uns im Dorf. Ist ja auch logisch, wenn der Ort nicht eingezeichnet ist, kann ja auch die Grenze nicht markiert sein - wir sagen ja, wir brauchen neue Karten.
Uns war es nur recht, diesen kleinen Grenzuebergang zu waehlen, denn meist bedeutet es weniger Stress als an den Grossen. Hier in Westafrika gibt man sich unter Reisenden sogar schon Tipps, welche Posten die Korruptesten sind, die man um jeden Preis meiden sollte. Wir sind gespannt.

Doch hier in Wli lief alles super, in einem Haeuschen vor der Schranke – aehm, dem Seil was ueber die Strasse gespannt war – sassen drei Maedels und begruessten uns freundlich. Sie wuerden die Paesse stempeln und wir sollen mal schon zum Customs Mann gehen. Er sass auf der anderen Seite der Schranke und rief uns zu sich. Als Tom ihn fragte, ob er sich mit dem Carnet auskennt, erntete er einen boesen Blick. Ja, er wusste offenbar was er tut. Wir mussten ihm dann also schnell noch erklaeren, dass er nun einer von 5 Grenzangestellten in Afrika ist, der weiss was ein Carnet ist und wie man es ausfuellt. Danach hellte sich sein Blick wieder. Wir zuckten nur kurz zusammen, als er nach unserem Gepaeck fragte – er wollte doch wohl nicht, dass wir alles auspacken? Nein, ein paar praezise Antworten unserer Seits taten ihren Job und wir durften unsere Paesse abholen gehen.
Das Seil wurde heruntergelassen und wir durften nach Togo ausreisen. Ah, im letzten Moment haben wir noch die zusaetzlichen – fuer uns teuren – Zollpapiere vom Flughafen abgegeben. Der Zoellner schuettelte nur den Kopf und meinte, dass er auch nicht verstehe, wieso seine Kameraden am Flughafen diese ausgestellt haben wollen.
Der Grenzposten in Togo sah aehnlich aus und wieder lief alles wie am Schnuerchen. Mit dem Unterschied, dass die Leute hier ploetzlich fanzoesisch sprechen.
Wir sind ein wenig ueberrascht, wie gut organisiert sie hier an diesem kleinen Grenzposten sind, doch noch mehr freut es uns, dass wir unseren Toeff einfach vor der Tuer stehen lassen konnten, die Helme auf dem Sitz abgelegt und niemanden interessierts, alles ist sicher. Auch diese nervigen Verkaeufer und Geldwechsler von der Ostseite suchten wir hier vergebens, es verlief einfach alles entspannt, wie wir uns das wuenschen.

Aber genug gegrenzelt, jetzt gehts nach Togo. Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir das Land wirklich gefaellt, denn mit den Franzoesischsprachigen hab ich so meine Probleme. Vielleicht liegt das aber auch einfach nur daran, dass ich diese Sprache ueberhaupt nicht beherrsche, waerend Tom uns noch irgendwie durchbringen kann.
Landschaftlich hat sich zu Ghana nicht viel veraendert, es ist immer noch gruen bis dschungellig um uns herum und auch die Strassen sind gewohnt loecherig. Die Menschen scheinen etwas reservierter zu sein, doch wenn wir winken gruessen sie auch freundlich zurueck.

Den ersten grossen Unterschied stellen wir fest, als wir unser Glueck in einem kleinen Dorf in einem Internetcafe versuchen. Zu Anfang ist alles super, die Verbindung ist da uns scheint sogar schnell zu sein, doch dann ist der Strom kurz weg und wir koennen die Verbindung nicht wieder aufbauen. Neben uns sitzt ein deutsches Maedel, mit der wir ins Gespraech kommen und uns so auch ein wenig die Zeit vertreiben – vielleicht kommt die Verbindung ja nochmal wieder. Sie meint jedenfalls jetzt gegen Mittag sei die beste Zeit, es lohnt sich also ein wenig zu warten und es nochmal zu versuchen. Und siehe da, eine halbe Stunde spaeter sind wir wieder verbunden... nur noch sehr langsam, aber muehsam ernaehrt sich das Eichhoernchen.
Eine Stunde spaeter, schwirrt unser Blog nun im Nirvana, es baut sich keine Seite mehr auf und wir muessen leider aufgeben. Wenn wenigstens etwas erfolgreich abgeschlossen waere, kann man ja mit so ner kriechenden Verbindung leben aber wenn die ganze Arbeit fruchtlos bleibt, ist das schon frustrierend.

Den Rest des Tages verbringen wir mit fortbewegen, Richtung Haupt-Nord-Sued-Verbindung soll es gehen und dann etweder ein Stueck rauf oder doch schon runter? Am entscheidenden Punkt angekommen entscheiden wir uns fuer runter Richtung Lome um erstmal unsere Visas abzuchecken, rumreisen koennen wir dann ja immer noch. Ganz bis nach Lome geht es heute aber nicht, sondern wir suchen uns eine Unterkunft irgendwo auf der Strecke. Das Zimmer versprueht den Charme einer Gefaengniszelle aber ist sauber und guenstig. Bevor wir richtig einziehen, statten wir der kleinen Stadt um uns noch einen kurzen Besuch ab und versuchen was zu Essen zu organisieren. Wir trauen unseren Augen kaum die verkaufen hier an jeder Ecke Baguette. Aber auch sonst gibts ne reichhaltige Auswahl und wieder einmal bin ich froh, dass Tom in ein paar Brocken Franzoesisch verhandeln kann. Ich steh wie doof daneben und hab null Ahnung wo von die sprechen. Aber am Schluss sind wir belanden mit einigen Tueten gefuellt mit Obst, Gemuese, Fleisch und natuerlich 2 Baguettes, daraus koennen wir uns nun nen eigenen Doener basteln und das ganze fuer umgerechnent 2 Euro oder so.

Gemuetlich, oder?!?

Die Nacht war warm und stickig, gluecklicherweise hat der Strom die Nacht durchgehalten und uns wenigstens den Ventilator gegoennt. Doch trotdem hab ich miserabel geschlafen.
Heute Morgen plagen mich ziemliche Bauchschmerzen und als ich es mir grad im Badezimmer gemuetlich machen will versagt mein Keislauf. Rums – da lieg ich mitten auf dem Boden in der Dusche. Autsch, das gibt ne dicke Beule am Kopf! Auch sonst gehts mir eher bescheiden und wir verschieben unsere Abreiseplaene auf ein wenig spaeter, doch als es mir auch am Nachmittag noch nicht besser geht, ueberzeugt mich Tom ins Krankenhaus zu gehen – liegt gleich um die naechste Kurve, wie pracktisch. „Vielleicht hat dich die Malaria ja nun auch erwischt!“, bleibt er standhaft. Mich doch nicht, vielleicht hab ich ja ne Gehirnerschuetterung, oder doch nicht?

Das Krankenhaus ist ziemlich leer und wir werden gleich zu einem Doc hineingewunken, er hoert sich meine Geschichte an, (natuerlich auf high Class Franzoesisch uebersetzt von Tom waerend ich stumm nicke) misst Blutdruck und Fieber (34,6 Grad ?!) und schickt uns dann zum Bluttest. Eine halbe Stunde spaeter haben wir Gewissheit – Malaria. Der komplette Besuch hat gerade eben 45 Minuten und 2.10 Euro gekostet – keine sinnlose Papierausfuellerei und kein Abgezocke. Ob das jetzt am Land – odaer am eher laendlichen Gebiet liegt? Oder daran, dass die Englender da keine komplizierten Prozeduren hinterlassen haben? Nun ja, das aendert nichts, Malaria ist die Diagnose - und zum Glueck nicht die „Tropica“.
Wo mich dieser fiese Erreger wohl erwischt hat? Die Inkubationszeit liegt bei acht bis vierzehn Tagen, wir sind erst seit 10 Tagen wieder im Malariagebiet und nehmen schon seit 2 Wochen wieder fleissig unsere Profilaxe. In Ghana haben wir kaum Muecken zu Gesicht bekommen, doch ich bin an Armen und Beinen ziemlich zerstochen. Die haben Nachts heimtueckisch angegriffen und wir haben es nichtmal gehoert.
Naja, nun ist es also an mir die naechsten paar Tage fleissig Riamet zu schlucken und heute gehts mir auch schon viel besser. Was mich nun viel mehr aergert ist die Beule am Kopf, denn die macht sich unter dem Helm schon schmerzhaft bemerkbar.
Eine weitere Nacht bleiben wir nun also noch in unserer „Zelle“ - wir sind nun jedoch in eine mit Klimaanlage umgezogen, kostete 80 Cent mehr – haetten wir mal frueher wissen muessen.
Morgen gehts dann weiter nach Lome.

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Gast Samstag, 21 April 2018
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