Three Pairs Of Underwear

Possible - but its a rough road...

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, auf unserer Rueckreise wieder viel regelmaessiger zu schreiben. Aber das stellt sich als garnicht so einfach heraus. An manchen Tagen ist man durch den anstrengenden Tag und die Waerme so geschafft, dass einfach die Motivation fehlt noch etwas zu Papier zu bringen. Manchmal haben wir das Gefuehl, es ist garnichts nennenswertes passiert, aber wenn wir dann so drueber nachdenken, sind so viele kleine Dinge geschehen, die den Tag gerade zu etwas Besonderem gemacht haben. Eben diese kleinen Dinge sind es, die einen Moment auszeichnen, die man aber schnell wieder vergisst, bis sie einem irgendwann wieder in den Kopf schiessen und zum Laecheln bringen.

So viele neue Eindruecke sind in die letzten 3 Tage auf uns eingeflossen und es ist schwer diese kleinen Besonderheiten so rueber zu bringen, dass sie auch besonders erscheinen. Vielleicht muss man dazu erst die Ostseite Afrikas erfahren haben um unsere Skepsis zu verstehen. Denn auf der Ostseite wird man fast ueberall nur als wandelndes Portmonaie angesehen; jeder versucht aus den Menschen mit der weissen Haut seinen Profit zu schlagen oder erwartet Gaben von uns (Dass dies wohl mit den vielen falsch angefangenen Hilfsprojekten zu tun hat, haben wir glauben ich frueher irgendwo schon mal erwaehnt). Hier auf der Westseite, haetten wir viel mehr Bettelei und Armut erwartet, doch das Gegenteil ist der Fall. Sicher sieht man in den Staedten auch diese Seite, doch niemand draengt sich auf und auch ein "nein, ich moechte nichts kaufen." wird beim ersten Mal verstanden. Mit anderen Worten, wir sind von Ghana bisher extrem positiv ueberrascht und fangen endlich wieder an uns den Menschen hier zu oeffnen. Wir werden respektiert und als ganz normale Menschen angesehen, man unterhaelt sich ganz normal mit uns und niemand hat die Dollarzeichen in den Augen. Sogar unser Toeff parkt sicher am Strassenrand, die Leute sprechen uns vielleicht drauf an, aber gucken mit dem noetigen Abstand. So macht das Reisen wirklich wieder Spass.

Tom und ich sind bei unserem letzten Internetbesuch auf die Internetseite vom Deutschen Entwicklungsdienst gestossen, und haben gesehen, dass meine Heimatgemeinde Steinhagen nicht nur in Benin mit einem Hilfsprojekt angesiedelt ist, sondern auch in Ghana. Da sich der Ort Oyoko nicht zu weit von Kumasi befindet, fanden wir es angebracht uns mal anzusehen, wie hier Hilfe verstanden wird (grade weil wir diesen Projekten aus oben genanntem Grund ja eher skeptisch gegenueberstehen).
Auf dem Gelaende des Westfalia Children Village in Oyoko gibt es eben ein Kinderdorf, eine eigene Schule bis zur Senior High School, eine grosse Kirche und eine Bibliothek.


Ein Anfang ist gemacht...

Zur Zeit leben in drei Haeusern 58 Kinder, die ihre Eltern verloren haben - meist durch HIV. In jedem Haus gibt es eine erwachsene Mama- und Papa-Person, die so gut es geht den Elternpart uebernehmen. Zur Zeit sind so drei Familien organisiert, mit je bis zu 22 Kindern. Bei unserem Besuch war es Samstag - somit ein Tag ohne Schule. Die juengeren Kinder und Maedchen spielten miteinenader vor den Haeusern, die Mama-Person kochte und die Jungs waren auf den Feldern taetig. Wir waren ja nicht angemeldet und stuermten einfach so rein - doch auch so fuehlte sich alles sehr harmonisch und organisiert an. Ja, wir fuehltenuns wohl da und haetten uns auch vorstellen koennen da irgendwie mitzuwirken. Den Kindern geht es gut, sie sprechen schon recht gut Englisch und machen einen gut erzogenen Eindruck.


Das vierte Haus "Steinhagen" steht zur Zeit leer

Gegenueber des kleinen Dorfes ist eine gut ausgestattete Augen-Klinik angeschlossen, die im Bedarfsfall geoeffnet, resprektive alle 3 Monate mit Spezialisten aus Europa waehrend zwei bis drei Wochen betrieben wird. Bei unserem Besuch war alles leer und wie ausgestorben da - was schade ist, wie die Heimleiterin anmerkte. Wahrend der aktiven Zeit kommen Patienten aus dem ganzen Land, oder sogar aus Nachbarlaendern, extra fuer die Behandlung dahin. Der Ruf sei gut, doch es fehlen die Mittel, diesen Standart ueber das Ganze Jahr ueber zu betreuen. Sogar Augenoperationen mit Hilfe eines Lasers koennen hier durchgefuehrt werden. Vor der Tuer steht ein Krankenwagen, ehemals im Kreis Paderborn taetig...


Na, wer erkennt ihn noch?

Das "Steinhagenhaus" steht zur Zeit leer und wird waehrend des Betriebs der Klinik als Unterkunft des lokalen Pflegepersonals benutzt. Im weiteren soll in den naechsten Wochen ein weiteres neues Haus daneben gebaut werden, um in Zukunft wieder eine vierte "Familie" einzuquartieren. Die Finanzierung dafuer stehe schon - so wird uns erklaert - doch es werden fuer die Unterbringung der neuen Kinder weitere Mittel noetig.
Auf die Frage was den im Moment am meisten benoetigt wird, kriegen wir eine klare Antwort. Das Auto, das die Kinder von den umliegenden Orten hier in die Schule bringt ist sehr betagt. Nicht nur Aeusserlich macht es diesen Eindruck, sondern auch der Motor springt nur nach laengerem Runterrollen an (desshalb steht der Bus auch immer oben am Berg geparkt), und die Innenausstattung fehlt komplett. Ein Bus mit Sitzen und Baenken und funktionierendem Starter waere schon notig um die Kinder zukuenftig Sicher in und von der Schule zu fahren - ja, da stimmen wir zu. Wer sich daran beteiligen moechte, kontaktiere doch bitte das Buergerkomitee Steinhagen - jede Hilfe zaehlt und wird da auch sehr gesaetzt.


Wer hilft mit fuer einen sicherern Schulbus?

Uns hat die Fuehrung durch das Gelaende sehr beeindruckt und wir wurden von allen herzlich und froehlich empfangen. Eine ganz besondere Atraktion war sicherlich, als sich einige der Kinder auf unser Toeff setzen durften. Obwohl es mir in der Seele weh tat, als 2 von ihnen den Motor starten durften und mal den Gashebel betaetigten - es wird ja nicht erst vorsichtig probiert, sondern mal gleich voll durchgezogen. Tom blieb da zum Glueck ganz ruhig. ;-)

Wir hatten kurz ueberlegt, ob wir fragen sollen, ob wir auf dem Gelaende uebernachten koennen, doch es war noch nicht so spaet und so entschieden wir uns noch ein bisschen weiter zu fahren.


Auch auf einer Karte 1:4'000'000 haben sie sich sofort wiedergefunden - wir hatten schon mehr Muehe...

Allerdings gestaltet sich die Zeitplanung hier nicht nur schwierig durch Strassenverhaeltnisse oder moeglichen Regen, sondern auch unser Kartenmaterial laesst doch ziemlich zu Wuenschen uebrig. Unsere Michelin Karte mit einem Massstab von 1 zu 4'000'000 ist ein wenig grob und unsere aktuelle und neueste Garmin Karte fuers GPS zeigt fast fuer alle Arten von Strassen nur duenne gestrichelte Linien an. So wissen wir oft nicht so genau, ob wir eine "Autobahn" oder nen Trampelpfad vorfinden oder ob die Strasse ueberhaupt existiert. Wir hoffen sehr darauf, dass uns die bestellten Karten aus Deutschland in Benin auch erreichen. Auf die Sendung nach Malawi wird naemlich immer noch gewartet ;-)

Naja, fuer uns stand als Ziel mal ein Kratersee auf dem Plan, an dem andere Reisende wohl einen guten Platz zum Wildcampen gefunden hatten. Wir fragten uns also auf allen moeglichen Strassen nach dem richtigen Weg durch und erhielten auch ziemlich gute Beschreibungen. Leider fing es irgendwann unterwegs ziemlich heftig an zu regnen. Was uns diesmal wenigstens nicht zum Frieren brachte, sondern eher angenehm erfrischte - allerdings auch Toms volle Konzentration auf den Strassenverkehr forderte. Aber unsere Erfahrung bisher ist, dass es hier eher kurz und heftig regnet und dann wieder abtrocknet - diesmal dauerte es etwas laenger...
Wir folgten schlussendlich einer guten Teerstrasse durch gruene Dschungellandschaft in ein Dorf gleich am See. Wir sahen wohl recht hilfesuchend aus und so kamen gleich 2 Herren auf uns zu und fragten, wo wir hin wollen. "Moskau" entgegnete Tom um sich einen Spass zu erlauben. Der eine Mann fragte nochmal nach, und wiederholte ein paar mal Moskau, Moskau. Dann sagte er:"Moskau haben wir nicht, aber den Lake View Point: ist schoen, das ist da drueben..." Wir bedankten uns artig und drehten dann, um nach einer Schlafmoeglichkeit Ausschau zu halten. Ein Schild wies auf ein Gaestehaus hin, drunter stand 2 bis 5 Kilometer hier lang. Naja?! Der weg war vom Regen schlammig und gestaltete sich als ziemliche Rutschpartie aber wir kamen ohne Sturz an (wie weit es nun wirklich war, wissen wir auch nicht...). Da wir komplett durchnaesst waren und es wieder zu Regnen begonnen hatte warfen wir unsere Wildcampingplaene ueber den Haufen und bezogen ein Bett im Mehrbettzimmer. Obwohl dieser schon mit 7 anderen Maedels belegt war, konnten wir wirlich gut schlafen - kein Gequatsche und kein Schnarchen stoerte.


Die Aussicht am naechsten Morgen - wie Urlaub, oder?

Den Morgen liessen wir ganz ruhig angehen und genossen das wieder gute Wetter am Seeufer und schwitzen leise vor uns hin. Gegen 12 ging es dann aber weiter. Wir wollen nicht ganz in den Norden von Ghana fahren, weil der schoenste Part sowieso zwischen Voltasee und Togo liegen soll. Also peilten wir grob das untere Ende des Voltasees an. Gegen 16 Uhr erreichten wir einen Ort in der Naehe einer Faehre, die uber den See fuehren soll. Aber auf unserer Karte war auch eine Strasse entlang des Sees eingezeichnet. Wir fragten also in dem Ort ein wenig herum, wie die Strasse beschaffen ist, wie lange es bis nach Asesewa (ca. 80 km von hier) auf der anderen Seite vom See dauert und ob wir die Strasse fahren koennen. Ein paar freundliche Herren um uns herum berieten sich, wir hoerten sachen wie "...aber es ist ein Motorrad, das geht schon." und sahen Stirnrunzelnde Gesichter. Einer fasste sich dann ein Herz und verkuendete: "Es ist eine rauhe Strecke, also nicht so glatt und es dauerte einen Tag bis Asesewa zu kommen, doch mit dem Motorrad koennt ihr das schon machen." Wir entschieden, das klingt doch garnicht so schlimm, deckten uns mit Wasser ein und stellten uns drauf ein, unterwegs vielleicht zelten zu muessen.

Wenn jemand, der sich offensichtlich ein wenig in seiner Umgebung auskennt und ruppige Strassen gewohnt ist, sagt die Strasse ist recht anspruchsvoll, sollte man dem vielleicht mit dem noetigen Respekt begegnen - er koennte recht haben :-)
Wir wissen nicht wie gut Michelinreifen sind, wenn man diese Strasse als "befestigte Strasse" in sein Kartenmaterial einzeichnet, aber fuer uns war es schon eine zeitweise ziemlich anstrengende Sache. Zu Beginn war alles einfach eine typische rote Sandpiste mit ein paar ausgetrockneten Wasserfurchen, doch ziemlich bald fanden wir uns in echtem Offroadterrain wieder.


Hier konnte man nicht mal mehr den Spuren folgen... Im Sand gabs wenigstens noch ein paar verwitterte Traktoenspuren!

Wir ueberquerten grobe Steine und hohe Felsstufen, dann ueberraschten uns extrem weichsandige Passagen. Unser GPS zeigte Strassenkreuzungen an, wo keine waren und an anderen Stellen gab es Kreuzungen wo wir nicht genau wussten, wie wir weiter fahren sollten. Wir waren hier ziemlich allein unterwegs und trafen innerhalb oder nahe kleiner Doerfer auf extrem freundliche Menschen, die uns hilfsbereit Auskunft gaben und den Weg wiesen. Kurz nach einer Dorfausfahrt konnten wir unseren Toeff im Sand nicht halten und kippten es zur Seite. Ein aufgeregter Passant eilte sofort zu uns, entschuldigte sich fuer die schlechte Strasse und wollte wissen ob wir noch ganz sind. Auch er gab uns nochmals eine Wegbeschreibung und meinte, es waere noch sehr weit. Als Tom in fragte wie weit zu laufen, meinte er mit weit geoeffneten Augen und nach kurzem ueberlegen; "hm, zu weit." Wir sollen auf jeden Fall in den Doerfen immer nach der Richtung fragen, damit wir nicht verloren gehen.
Auch wenn es eine schweisstreibende Fahrt war, haben wir die Umgebung und die Menschen sehr genossen und die Strapazen haben sich gelohnt.
Nur zwei Stunden spaeter erreichten wir Asesewa, wo wir uebernachten wollten. Leider waren die Koordinaten fuer unsere Unterkunft falsch im GPS eingegeben und so suchten wir entlang des Sees auf einer Piste vergeblich. Wir fragten viele Anwohner, doch - da sich das eigentliche Ziel 30 Km entfernt befindet, konnten sie uns auch nicht helfen. Als wir unseren Fehler bemerkten, fing es schon langsam an dunkel zu werden. Seit gestern ist auch noch unser Abblendlicht defekt und diesmal sind wir froh, wieder zwei unserer Nebelscheinwerfer zu besitzen...

In die Dunkelheit hinein folgen wir nur der Himmelsrichtungsangabe unseres Navigationsgeraetes und wissen eigentlich nicht so wirklich wo wir sind. Innerhalb der Town Ships (wie sie hier groessere Orte oder kleine Staedte nennen) ist volle Konzentration an Tom gefragt. Ueberall laufen Menschen herum, Taxis oder Minibusse fahren ohne gross zu gucken vom Strassenrand ab und die Schlagloecher in der Strasse sind wirklich nicht zu verachten. Sie sind nicht nur so breit, dass wir zweimal drin parken koennten, sondern auch so tief, dass wir vermutlich Probleme haetten, das Bike wieder herauszubekommen.
In den Town ships spielt sich ein anderes Leben ab als in den Doerfern die wir heute Nachmittag gesehen haben. Hier ist es laut und wirkt durch die vielen Menschen eher dreckig und unordentlich. Jetzt am Abend schallt aus allen Ecken Musik, die Leute tanzen auf der Strasse oder treffen sich zum taeglichen Tratsch. Jetzt wo die Sonne untergegangen ist und es nicht mehr ganz so heiss ist, geht hier das Leben erst los. In den abgeschiedenen Doerfen schlafen sie bestimmt schon...

In Akumasi fragten wir uns wieder durch und fanden einen guenstigen Platz zum Bleiben gleich am See. Das Abadi Idyll muss nun dank uns den Wasserhahn der Pool Dusche wieder reparieren, weil wir ihn wohl ein wenig zu fest aufgedreht haben - dafuer hatten wir ne erfrischenden Dusche und sind stinken etwas weniger...


Wildlife in Ghana...

Von Akumasi fuehrt unser Weg nun zu den Wli Wasserfaellen ganz nahe der Grenze zu Togo. Auf der Suche nach einem guten Fruehstueck durchqueren wir einige Doerfer und entscheiden uns dann fuer einen Stand am Strassenrand. Das Maedel hinter dem Tresen hatte eben noch auf ihrer Bank im Schatten geschlafen, stand uns aber nun freudestrahlend gegenueber. Ein aelterer Herr hatte uns schon von weitem herangewunken. Leider hatten sie garnichts zu Essen zu verkaufen, sondern in einigen Kuehlboxen kaltes Wasser in kleinen Beuteln im Angebot. Als wir ihnen sagten wir seien garnicht durstig sondern hungrig, sahen sie uns freudig an und rieten: "Folgt einfach nur dieser Strasse in 10km findet ihr alles was das Herz begehrt. Zum Abschied winkten sie und froehlich hinterher.
Tatsaechlich 10km weiter fanden wir uns mitten auf einer Kreuzung in einem Ort wieder. Um uns herum wurde alles moegliche Essbare angeboten. Wir kauften eine Annanas und ein Gericht aus Bohnen und Yam mit einer Kochbanane. Fuer zusammen umgerechnet 1 Euro 20 sind wir nun so satt, dass wir wohl die naechsten Tage nichts mehr essen brauchen.
In Hohoe fand sich ein Internetcafe, welches unseren afrikanischen Erfahrungen entspricht (nicht mehr ganz so fancy wie die in Accra und Kumasi) aber die Verbindung ist immer noch recht gut. Von hier ging es ueber rote Piste Richtung Wli. Natuerlich ist dieser Ort auf unseren Karten nicht verzeichnet und so halten wir in jedem kleinen Doerfchen und fragen uns durch - wie gewohnt. Hat geklappt! Nun sitzen wir in einem Gaestehaus von einem deutschen Paar, die es vor 7 Jahren hier eroeffnet haben, mit Blick auf die Wli Falls. Wenn wir uns heute noch aufraffen koennen werden wir vielleicht noch eine kleine Wanderung dorthin wagen, wer weiss.
Wie es aussieht geht es dann morgen ueber die Grenze nach Togo - aber das sind Plaene und die koennen sich ja immer noch aendern...

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Gast Sonntag, 15 Dezember 2019
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