Three Pairs Of Underwear

Erwartungen und Wirklichkeit

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Das hat ja super geklappt! Unser Togo Visum war eine ziemlich kurze und einfache Sache. Die Botschaft befindet sich unweit vom Ryans Pub und die Leute hier sind sehr freundlich und hilfsbereit. Fuer unsere Visabeantragung muessen wir pro Person dreimal das Antragsformular ausfuellen und je 3 gleiche Passfotos abgeben. Am fruehen Nachmittag koennen wir dann unsere Paesse samt Visum wieder abholen, der ganze Spass kostet uns je ca. 25 Euro in Togo Landeswaerung.

Wir haben zwar auch von einem Visa Entante gehoert, was uns fuer den gleichen Preis Zutritt in 5 Laender gewaeren wuerde und gehofft dieses zu bekommen. Doch der nette Herr von der Togo Botschaft erklaerte uns, dass diese Multivisum seit 6 Monaten nicht mehr ausgestellt wird. Wir werden uns da nochmal schlau machen, aber die naechsten Visas versuchen wir sowieso erst in Togo zu organisieren.

Die Wartezeit zwischen Visumsbeantragung und Abholung nutzten wir um der schweizer Botschaft in Accra einen Besuch abzustatten. Wir wollten dem schweizer Botschafter naemlich ein kleines Dankesgeschenk ueberreichen, denn er hatte zugestimmt, dass wir seine Adresse auf unserem Visumsantrag fuer Ghana angeben durften. Sicherlich war dies nicht allzuschlecht, fuer den positiven Visaentscheid damals aus Pretiora. Was wir bisher von der schweizer Landesvertretung gewohnt sind ist ja durchweg positiv und so sahen wir uns schon fast im Buero der Botschafters sitzen, gemeinsam einen Kaffe trinken, Toblerone essen und einen kleinen Plausch halten. Doch vielleicht haben wir da zuviel erwartet...? Daher muessen wir diesen Versuch einer Begegnung kurz naeher berschreiben.

Nach ein wenig Sucherei wehte uns vom staubigen, staedtischen Strassenrand, blitzesauber und gut sichtbar die schweizer Flagge entgegen. Am Eingangstor der Botschaft wurde uns vom Sicherheitsmann zu erst aber mal der Zutritt recht unangenehm gemacht. Wir koennen ja verstehen, dass er die Paesse kontollieren muss, doch ob er uns dafuer jedesmal die schwere Eisentuer vor der Nase zuschlagen muss ist uns nicht ganz klar. Wir waren wohl aber nicht auf irgendwelchen Fahndungslisten verzeichnet und durften eintreten. Um sich von unserer Harmlosigkeit nochmals sicher zu ueberzeugen, checkte er uns natuerlich gewissenhaft auf irgendwelche Waffen - mein Pfefferspray hat er allerdings uebersehen. Wir durften also ins Hauptgebaeude eintreten. Der Empfangsraum ist ca. 5 mal 2 Meter gross, angenehm klimatisiert und besteht aus einem grossen schwarzen Kasten neben 3 Stuhelen zum Warten auf der einen und zwei Counterfenstern auf der anderen Seite. Eine Dame begruesste uns (konnte aber kein Schweizerdeutsch) als wir ihr unser Anliegen schilderten, verschwand sie zum Telefonieren und tauchte dann wieder auf, um uns mitzuteilen, das der Botschafter gleich bei uns sei. 10 Minuten spaeter tauchte eine Dame - wohl seine Assistentin - auf, um sich scheinbar ein Bild von uns komischen Gestalten zu machen (Was macht auch ein Schweizer in einer schweizer Botschaft in Ghana? Ist schon sehr ungewoehnlich ;-). Sie konnte uns nicht hinein lassen und auch nicht die Weinflasche oder die Toblerone entgegennehmen, weil das Durchreichfenster zu schmal war. Wir sollen doch bitte zum Sicherheitsmann gehen und es da abgeben, sie wuerde es dann spaeter abholen. Na gut dachten wir, wenn er nicht mit uns sprechen moechte, geben wir unser Dankeschoen halt dem Wachmann und wenn der es austrinkt ist uns das auch egal ;-)

In Accra selbst waren nach nur einem halben Tag alle organisatorischen Dinge erledigt, garnicht so schlecht fuer unserere Erwartungen von Westafrika, oder? Und wenn wir schon von Erwartungen sprechen, auch hier wurden wir bezueglich Internet eines Besseren belehrt. Dachten wir, dass es hier schwierig wird eine vernuenftige Verbinding zu finden, lagen wir falsch. Mit dem "Busy Internet" fanden wir einen Platz mitten in Accra, der wohl auf unserer ganzen Reise bisher am professionellsten aufgezogen war. Ein riesiges Gebaeude lag vor uns, es bot unzaehlige Plaetze fuer Internetuser an hauseigenen PC und sogar Sitzgelegenheiten fuer Laptopnutzer (mit Wireless Internet). Dazu war es hier drinnen angenehm klimatisiert, sogar Getraenke und Suessigkeiten konnte man aus einem Automaten ziehen, was bitter noetig war, bei 38 Grad Aussentemperatur - wir sind einfach nach der vielen Friererei in Suedafrika noch nicht wieder angepasst an die Hitze. Die guenstige Moeglichkeit hier auch Passfotos erstellen zu lassen nutzten wir gleich aus, wer weiss wie viele wir fuer die naechsten Visaantraege noch brauchen.


Eine kleine Historie unserer Passfotos - erkennt ihr uns wieder?

Zwischenzeitlich haben wir schon einige der landestypischen Spezialitaeten ausprobiert. Eine nennt sich Fufu und wird mit viel Sosse und ein bisschen Fleisch oder Fisch in einer grossen Schuessel serviert. Fufu selbst sieht aus wie ein grosser, weisser Teigklumpen und schmeckt auch ziemlich nach fertigem Pizzateig, den man nur noch ausrollen und belegen muesste zum fertig Backen. Die Sosse ist geschmacklich wirklich gut, aber hoellisch scharf. Wir sind gespannt, ob das am jeweiligen Empfinden des Kochs liegt, oder ob man in Ghana einfach scharf isst. Wir haben jedenfalls noch mal ne Ecke mehr geschwitzt als sowieso schon durch die Hitze. Aber wenn es so scharf ist, dann desinfiziert es bestimmt auch. ;-)
Die zweite Sache, die neben Fufu fast immer angeboten wird ist Banku. Die Konsistenz ist aehnlich der von Ugali (der weisse Maisbrei den wir auch an der Ostkueste viel assen), der Geschmack erinnert an den von Injera (den Teigfladen aus Aetiopien). Es ist leicht saeuerlich und manchmal knirscht es zwischen den Zaehnen. Auch hierzu gibt es Fisch oder Fleisch in einer Sosse, doch hier nicht so fluessig wie beim Fufu, daher laesst es sich auch leichter mit den Fingern essen. Beides zaehlt von nun an zu unseren bevorzugten Mahlzeiten, denn es fuellt nebenbei auch ziemlich lange.

In den staedtischen Regionen staunen wir jedes Mal ueber die vielen Strassenverkaeufer. Unzaehlige Frauen und Maedchen warten bei jeder Moeglichkeit, wo sich der Verkehr etwas staut um ihre Waren anzubieten. Sie stehen am Strassenrand und tragen grosse Schuesseln oder Holzkaesten auf dem Kopf in denen sie ihr Angebot praesentieren. Anders als in den bisherigen Laendern, wo es an der einen Ampel nur drei gruene oder drei rote Aepfel zu kaufen gab und an der naechsten nur Mangos, bieten sie hier eine breite Pallette von vielen verschiedenen Dingen an jeder Kreuzung an. Von getrockneten Bananen ueber Nuesse zu frischem Obst oder Zuckerrohr, auch Wasser in kleinen 250ml Beuteln oder Gebaeck in Form von kleinen Kugeln bis hin zu Simkarten zum TGelefonieren kann man finden - wir koennen uns garnicht satt sehen und man ueberlegt die ganze Zeit, was man davon probieren moechte.
Ach ja, ein Taxifahrer haette uns an einer Ampel fast umgefahren, weil er meinte, 3 cm waeren genug Abstand zu unseren Koffern. Als Tom ihn zurechtwies und fragte, ob er ueberhaupt einen Fuehrerschein habe, entgegneter der nur ganz verdutzt: "Nein, habe ich nicht."

Fuer uns ging es nach Accra erstmal ans Meer und wir verbrachten 2 Tage am Strand in der Green Turtle Lodge. Hier kann man gleich am Strand unter den Kokospalmen zelten und das Wasser ist auch warm genug zum Baden. Richtig schwimmen kann man aber wegen der hohen Wellen und der starken Stroemung nicht, doch zum Abkuehlen reichts dicke :-). Wir sind ziemlich erstaunt, wie viele andere weisse Urlauber hier sind. Vorallem weil diese Gegend schon ziemlich weit vom naechsten groesseren Ort entfernt liegt und es einigen Aufwand kostet, um mit Minibus und Taxi hier her zu kommen. Es handelt sich bei den Meisten aber wohl um Freiwillige, die in Accra und Umgebung in irgendwelchen sozialen Einrichtungen arbeiten oder um Rucksackreisenden, die hier ausspannen wollen.
Doch trotz dem hat es uns hier recht gut gefallen und wir haben einfach mal ein wenig relaxt. Das Konzept der Lodge gefiehl uns auch sehr gut, denn alles Geschirr z.B., was benoetigt wird, wird hier selbst hergestellt. Zu Essen gibt es eine kleine Auswahl, aber keine lokalen Gerichte. Wenn man die probieren moechte, muss man einen kurzen Fussmarsch in den kleinen Nachbarort unternehmen, kann hier essen oder auch frische Lebensmittel einkaufen und damit gleichzeitig das Dorf unterstuetzen. Uns ist auch aufgefallen, dass die Dorfbewohner ganz natuerlich mit den Urlaubern umgehen und sich alle respektieren - also keine fliegenden Haendler oder Bettelei, die an die Nerven geht.
Tom stellte sogar seine Ueberlebensqualitaeten unter Beweis, als er uns gleich 3 Kokosnuesse oeffnete, die wir dann - statt Kaffe und Kuchen - am Nachmittag genossen.


Ein Alm-Öhi auf Urlaub ;-)

Die Besiedelung hier in der Gegend wirkt eher aermlich. Die kleinen Doerfer bestehen zu 90% aus zusammengeschusterten Holzhuetten und deren Bewohner leben hauptsaechlich vom Fischfang. Je weiter wir uns ins Landesinnere bewegen, desto gepflegter sehen die Doerfer aus. Viele der Haeuser hier sind bunt verputzte Lehmhuetten und aus jedem dritten Geschaefft ertoent laute Musik aus grossen Lautsprechern. Manchmal haben wir das Gefuehl, ganze Orte sind von Vodafone oder MTN (beidel Mobilfunkanbieter) gesponsort, denn riesige Haeuserzeilen sind komplett rot oder gelb gestrichen und mit dem jeweiligen Logo verziert.
Interessant ist auch, dass die Menschen hier extrem religioes zu sein scheinen, denn nahezu auf jedem Taxi oder Minnibus klebt ein Bild von Jesus und die Rueckfenster sind verziert mit Spruechen oder Aussagen in grossen, gelben Klebebuchstaben. Wie zum Beispiel: "Fuerchte Gott", "Jesus ist der Koenig", "Psalm 23" (kann mal jemand nachgucken, was da drin steht?) oder "der Herr ist mein Hirte". Recht kurios sind auch viele Geschaefte benannt. Es gibt "Meine Haende sind gesegnet - Naeherei", "Jesus liebt Dich - Baeckerei", "Jesus verlaesst dich niemals - Modehaus" und so koennten wir stundenlang weiter aufzaehlen ;-)

Passend dazu schluepften wir in Kumasi im Presbyterinnen Gaestehaus unter ;-)
Hier trafen wir auf zwei andere Reisende - Trish und Billy, sie sind auch schon seit 3,5 Jahren mit zwei Motorraedern unterwegs. Natuerlich kamen wir ins quatschen und konnten garnicht wieder aufhoeren. So gingen wir am Abend auf ein Bierchen - oder zwei - in die Stadt, sassen in einer lokalen Bar am Strassenrand und beobachteten das Geschehen um uns herum. Kumasi ist eine richtige kleine Stadt mit grossen, massiven Haeusern, vielen Banken und relativ aufgeraeumten Strassen. Die Leute sind froehlich und nicht einmal werden wir auf Geld angebettelt. Bei einem Strassenrandverkaufsstand assen wir uns an einem Reisgericht mit Huehnchen so richtig satt und tauschten Reisegeschichten aus oder stellten erstaunt fest, dass die beiden zur gleichen Zeit in Salallah herumkurvten, als Tom auch dort war. Sie erinnerten sich sogar sich gesehen zu haben - doch beim Vorbeifahren konntren sie sich nicht gruessen - Tom hatte Taucher mit im AUto.
Unsere Nacht im Gaestehaus war ruhig, aber die Raumtemperatur noch immer ziemlich heiss. Leider stellten wir am Morgen fest, dass kein Wasser mehr da war und wir nicht duschen konnten. Na was solls, nach dem Duschen schwitzt man sowieso geleich wieder...
Mit Trish und Billy wanderten wir zum Fruehstueck nochmals in die Stadt und genossen ein riesiges Omlet mit Kakao bei einem Herren, der am Strassenrand seinen Stand aufgebaut hatte.


Frehstueck mit Sicht aufs Geschehen

Tom und ich sahen uns danach den Markt der Stadt an, der sehr beeindruckend sein soll. Doch ausser dass es sehr voll und eng ist, koennen wir nichts besonderes finden. An jeder Ecke steht irgendjemand und bruellt in sein Mikrofon irgendwelche scheinbar wichtigen Sachen oder singt sogar. Doch das Resultat aus den krazenden Lautsprechern ist eher eine Vergewaltigung der Ohren und wir bemuehen uns jedesmal schnell die beschallte Zone zu verlassen.

Fuer uns geht es jetzt gleich in eines dieser fancy Internetcafes und dann soll es weiter gehen Richtung Osten, wie genau wissen wir noch nicht - aber der Weg ist ja das Ziel...

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