Three Pairs Of Underwear

Willkommen in Ghana

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
  • Schriftgröße: Größer Kleiner
  • Aufrufe: 2446
  • 0 Kommentare
  • Drucken

Kaum zu glauben - wir haben den ersten Tag in Ghana hinter uns und die Muedigkeit und die zermuerbende Buerokratie des Cargoflughafens in Accra haben uns ganz schoen geschafft. Dabei hatte alles so gut angefangen.

Unser Toeff wurde am Freitag von Johannesburg nach Accra in Ghana geschickt und ist laut des South African Airlines Trackingsystems angekommen. Also hiess es auch fuer uns langsam Abschied nehmen von Kapstadt. Zum Schluss goennten wir uns mit Francois und Ingrid im Innviertel von Kapstadt eine Megaportion Sushi und Cocktails. Das Restaurant hatte ein "Essen zum halbem Preis" Angebot, wenn man vor 18 Uhr bestellt. Wir waren nur knapp eine halbe Stunde vor Bestellschluss da und fuenf Minuten vor Bestellschluss schon fast alle betrunken.

Was daran lag, dass wir natuerlich nicht nur einen Cocktail orderten und, da wir so nen Hunger hatten schon je Eineinhalb getrunken hatten bevor das Essen kam. War aber ziemlich lustig und als unsere 68 Stueck Sushi am Tisch ankamen, konnten wir sogar noch mit den Staebchen umgehen. Es war verdammt lecker und ein richtig schoener Abschluss, bevor wir dem Land in dem es alles ausser "Einwegbrillenputztuecher in kleinen Paeckchen" gibt, lebe wohl sagen und die Westseite Afrikas erkunden.
Unser Flieger ging am Sonntag morgen um kurz nach 10 und brachte uns in 2 Stunden nach Johannesburg, wo wir einen 11 stuendigen Aufenthalt nutzten, uns nochmals mit David zu treffen. Wir assen lecker bei seiner Schwester Sue, gingen spaeter ins Kino und konnten zum Abendessen unser letzte vernuenftige Pizza fuer laengere Zeit verdruecken - wie wir vermuten.

Der sechsstuendige Flug von Johannesburg nach Accra verlief problemlos und wir schliefen sogar ein wenig. Um 5:30 Uhr erreichten wir den Flughafen in Accra, da wir hier nun zwei Stunden zurueck sind ist es nach ghanesischer Zeit also 3:30 Uhr. Unser aufgegebenes Gepaeck - ein Paeckchen mit Wein und Kleinkram - hatte es in einem Stueck ueberstanden, aber fuer die Abholung des Bikes war es wohl noch ein wenig frueh. Trotzdem erkundigten wir uns schon mal nach der Richtung in der sich das Cargogut befindet. Die erste Lady wusste glaube ich nicht so genau, wovon wir sprechen, die Zweite verwies uns an zwei Herren, die uns an ihren Tisch baten, um schon mal ein Formular auszufuellen. Als sie dann aber hoerten, dass es sich bei unserem Cargo um ein Motorrad handelt, sagten sie, wir braeuchten das Formular nicht und koennten ab 8 Uhr einfach so hin gehen und es abholen. Es seien nur 6 Minuten zu laufen. Das klingt ja einfach...
Bevor wir uns im Ankunftsbereich des Flughafens einrichteten um noch ein wenig Schlaf nachzuholen, fragte Tom einen der Taxifahrer vor der Tuer, wo es zum Cargohafen zu laufen geht und wie weit es ist. Der Fahrer meinte, es seien zehn Minuten zu fahren und laufen sei nicht gut. Ha, da waren wir also wieder in dem Afrika, was wir schon fast zu vermissen begannen. Eigentlich weiss keiner so genau Bescheid, aber jeder hat was zu sagen - wenn sie sich da wenigstens mal Einig waeren...


Morgenstund hat Gold im Mund...

Nach zwei Stunden Halbschlaf auf den gelben Metallsitzbaenken in der Flughafenlobby, die uebrigens von der Intercontinental Bank gesponsort waren, machen wir uns langsam zu Fuss auf, um unser Toeff abzuholen. Es sind schon jetzt 29 Grad Lufttemperatur mit beachtlicher Luftfeuchtigkeit. Das Cargovillage (wie sie es hier nennen) ist garnicht so einfach zu finden, wie wir dachten und so fragen wir uns an verschiedenen wichtig aussehenden Toren durch. Wir laufen ueber gepflasterte Gehwege, die es hier wieder gibt (in Suedafrika sucht man solche fast vergebens), wo aber natuerlich hin und wieder grosse Stuecke fehlen und der staubige, rote Boden zum Vorschein kommt. Staendig fahren wild hupende Taxis in gewohnt verbeulter Optik an uns vorbei um uns zu ueberzeugen, dass wir doch endlich einsteigen sollen.
Als wir endlich das richtige Gate finden ist es wohl ca. 6 Uhr. Aber da es hier ja normal ist, dass die Leute bei Sonnenaufgang aufstehen ist uns garnicht so bewusst, dass es noch ziemlich frueh ist. Der Mann vom Eingangstor konnte uns nicht sagen, wo wir unser Toeff abholen koennen oder wo wir uns melden sollten. Aber er wich uns nicht mehr von der Seite, genau wie sein Freund, der ploetzlich vergessen zu haben schien, was er eigentlich hier wollte. Eine Lady lief uns ueber den Weg uns schien zumindest mal zu wissen, wo wir hin muessen. Sie fuehrte uns durch das Gelaende, vorbei an unzaehligen Containerbueros bis zum Air Ghana Container. Der Mann vom Gate und sein Kumpel waren auch noch da. Wir folgten der Dame in den Container und liessen die anderen Beiden bestimmt vor der Tuer stehen. Wir haben nichts gegen Hilfsbereitschaft, doch wenn jemand offensichtlich nicht helfen kann, dann soll er das doch sagen und ausserdem moechten wir gerne selbst entscheiden von wem wir uns helfen lassen und von wie vielen.
Hat irgendwie dann auch funktioniert, denn die beiden Typen vor der Tuer schoben ab und liessen uns mit der Lady allein. Sie hatte es sich zwischenzeitlich auf einer Stuhlreihe neben dem Kopierer gemuetlich gemacht. Wir muessten noch 2 Stunden warten, hier wuerden sie erst um 8 anfangen zu arbeiten. Aha, entgegneten wir. Dann koennte sie ja erst zu ihrem Arbeitsplatz gehen und wir warten so lange. Ja, meinte sie, blieb aber sitzen. Natuerlich sind noch Gebuehren fuer uns faellig, bevor wir unser Toeff entgegen nehmen koennen. Wir nutzen die Gelegenheit, um schon mal eine Ahnung ueber deren Hoehe zu bekommen. Sie sagte, dass wir als erstes mal einen Agenten braeuchten, dass koennte sie machen und wir bezahlen ihr dann am Schluss, was wir fuer richtig halten. Dann muessen wir pro Kilo fuer unsere Fracht noch Bearbeitungs Gebuehr an Air Ghana bezahlen. Da gibt es zwei Moeglichkeiten: Hat unsere Spedition einen eigenen Agenten vor Ort, sind es 0.32 Ghana Cedi pro Kg wenn nicht, wie in unserem Fall sind es 0.39 Ghana Cedi. Das sind fuer uns also 166 Ghana Cedi und dann gibt es noch eine Netzwerk Gebuehr, die ich nicht ganz verstanden habe, die waere 20 Ghana Cedi. "Das waere alles" sagte sie. Mit umgerechnet 100 Euro koennen wir leben.

Nach ca. einer halben Stunde warten, fuehrte unsere Agentin uns durch weitere Gaenge aus Containergebaeuden von verschiedenen Frachtunternehmen bis hin zum Warenhaus. Wir wollten schon mal sehen, ob unser Toeff auch wohlbehalten angekommen ist. Die verantwortlichen Herren blaetterten in ihrem grossen schlauen Buch und stellten fest, ja es ist da, aber im Warenhaus und das ist noch nicht offen, also koennen wir es noch nicht sehen. Auf dem Rueckweg ging es in das Zollgebaeude, was wenigstens klimatisiert war, so liess es sich etwas entspannter warten. Doch wirklich weiter kamen wir noch nicht. Auf dem Weg zurueck durch die Container ins Air Ghana Buero trafen wir einen Customsbeamten. Er rief uns froehlich zu: "Ja, das Bike ist da, wir haben gestern schon dran gearbeitet, damit es heute schneller geht!" Unsere Augen weiteten sich. Was soll das bedeuten, dran gearbeitet? Aber der Typ war schon wieder verschwunden, ohne dass wir ihn haetten fragen koennen. Und es ist immer noch eine Stunde zu warten, bis wir endlich den Karton bekommen.
Im Air Ghana Buero duerfen wir nun aber um 8 Uhr schon mal unsere 166 Cedi abdruecken und so langsam scheinen wir der Toeffabholung naeher zu ruecken.
Was nun folgt ist allerdings erstmal eine hin und her Lauferei zwischen den verschiedensten Gebaeuden. Erst brauchen wir eine Kopie vom Carnet, welche wir aber schon haben, dann sollen wir beim Customs unseren Stempel abholen, die schicken uns aber in ein anderen Customsbuero. Dort heisst es ploetzlich, das Carnet ist so nicht gueltig, wir brauchen einen Brief der die Gueltigkeit bestaetigt. Uns wird bewusst, dass hier wohl nun versucht werden soll, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen, denn den Brief und sicherlich einige weitere Stempel oder Unterschriften hier drauf kosten natuerlich. Tom wird nun einmal kurz laut und verlangt nach der Chefin. Unsere Agentin fuehrt uns wieder in das erste Customs Buero. Sie ist nicht wirklich hilfreich, abgesehen davon, dass wir uns ohne sie wohl auf dem Gelaende verlaufen wuerden.
Tom darf ins Chefbuero, waerend ich im Vorraum warte. Die Leute sitzen an ihren Schreibtischen, unterhalten sich in ihrer afrikanischen Sprache (die ich natuerlich nicht verstehe) und scheinen nicht wirklich was zu tun zu haben.
Nach einem recht langen Gespraech kommt Tom wieder heraus und wir warten auf die Chefin, die nun mit uns zum Toeff kommt und die Customspruefung uebernimmt. Nach einer Zeit des Wartens spricht uns ein langer, duenner Uniformierter hinter seinem Schreibtisch rechts von uns an. "Was fuehrt euch in mein Buero, kann ich euch helfen?" Wir erklaeren ihm die Lage und er will kurz nachfragen gehen, warum es so lange dauert. Auf dem Weg zur Buerotuer wird er allerdings durch einen hochtechnischen, scheinbar defektem, selbstauswringenden Wischmop abgelenkt. Eine andere Kollegin (am Tisch zu unserer Linken) hatte naemlich Wasser verschuettet und musste es aufwischen. Nach scheinbar erfolgreicher Reparatur war unser duenner Freund offensichtlich so stolz, dass er seine urspruengliche Mission vergessen hatte und sich wieder an seinem Schreibtisch platzierte.
Macht aber auch nichts, denn die Customs-Chef-Lady tauchte nun von selbst auf und wir machten uns gemeinsam auf den Weg zum Warenhaus. Vor der Tuer zum Warenhaus muessen wir allerdings warten, weil die Quittung ueber unsere 166 Cedis fehlt. Tom holt die Quittung, die noch im Customs Office liegt. Unsere Customs Lady verschwindet hinter der Warenhaus-Tuer. Tom kommt mit der Quittung wieder, nun verschwindet die Agentin mit der Quittung. Tom und ich wagen einen Blick durch die Warenhaustuer, dahinter sind aber nur Baenke an der Wand und Tueren zu irgenwelchen Bueros. Ein Herr spricht uns an und wir duerfen hinein, muessen dann aber doch wieder raus und sollen auf die Customs Lady warten. Gemeinsam mit ihr gehen wir dann zu einem anderen Warenhauseingang, wo auch unsere Agentin wartet.
Endlich duerfen wir das Warenhaus betreten, es ist inzwischen halb 10. Ueberall stehen Kartons, links von uns die Kleineren - fein saeuberlich in einem, bis zur Decke reichenden Regal einsortiert. Rechts von uns die etwas Groesseren auf dem Boden. Doch noch ist kein Toeff zu sehen. An einem Schreibtisch werden nochmals unsere Papiere kontrolliert, dann koennen wir um die Ecke blicken uns erspaehen unseren Toeff-Karton! Er ist in sehr guter Verfassung und es sieht nicht so aus, als ob schon jemand etwas geoeffnet hat. Zur Customs Kontrolle muss das Bike natuerlich sichtbar sein, aber wir duerfen im Gebaeude nicht auspacken. Ein Gabelstapler kommt und bewegt die Pallette mit unserem Toeff 10 Meter vor die Tuer des Warenhauses in die Sonne. Hier duerfen wir nun die Umverpackung abnehmen, aber das Bike muss drauf beleiben. Die Customslady kontrolliert alle wichtigen Dinge, die sie braucht, dann sollen wir wieder mitkommen, fuer den Stempel im Carnet und die Unterschrift. Wir wollen aber den Toeff und unser gesamtes Gepaeck nicht wieder alleine und vorallem nicht unbeaufsichtigt lassen. Ich darf also da bleiben und Tom folgt der Lady.
Auspacken oder Zusammenbauen ist aber nicht erlaubt, also suche ich mir ein schattiges Plaetzchen auf einer Palette unterm Vordach.

  • Tom kommt kurz wieder. Das Carnet ist gestempelt aber es fehlt nun noch ein Formular C59, welches nicht vorraetig ist und nun mit dem Taxi gebracht werden soll.
  • Wir essen und trinken das erste mal heute seit 3:30 Uhr (Tom hat frische Fruechte und ne kalte Flasche Wasser mitgebracht).
  • Tom geht wieder verhandeln, ich warte weiter und unterhalte mich mit den Lagerarbeitern. Sie sind fasziniert vom Toeff und wollen natuerlich nicht nur gucken. Ich kann sie aber von zu intensivem Anfassen abhalten.
  • 11:45 Uhr Tom kommt wieder, er hatte seine ersten lauteren Auseinandersetzungen mit verschiedenen, geldverlangenden Personen und hat nun immerhin die Freigabe fuers Auspacken und Zusammenbauen des Bikes.



pssst - man darf da gar nicht fotografieren!

  • 12:30 Das Bike ist fertig zusammengebaut und steht nun fast fertig beladen neben seiner Kiste, fertig zur Abfahrt.
  • Tom geht wieder und verhandelt nochmals wegen des fehlenden Formulars C59. Ich warte weiter, es ist inzwischen 35 Grad im Schatten und schwuel. Aber der Schatten ist nicht mehr so schwer zu finden, denn die Sonne ist weitergewandert und das Dach spendet nun schon ein-zwei Meter davon.
  • 14:10 Tom ist wieder da, bringt die zweite Flasche Wasser (die erste ist schon leer). Er sagt die wichtigen Leute sagen es dauert nur noch 5 Minuten. Es wird nun doch ein Brief geschrieben, weil das Formular nicht kommt. Kostet uns 50 Euro. Wir machen also das Bike komplett fahrbereit und Tom geht zurueck den Brief abholen.
  • 15:30 ich warte noch immer auf Tom. Habe zwischenzeitlich schon 5 Interviewes gegeben ueber das Bike und unsere Reise an Leute aus verschiedenen Bueros, die von anderen Kollegen hier her geschickt wurden um sich dieses tolle Motorrad mal anzusehen. Der Schatten ist uebrigens inzwischen von 0 auf 14 Meter gewachsen... viel weiter kann ich nicht messen, denn dann faengt das Cargogut an und dahinter ist ein grosser Stacheldrahtzaun, der zum Rollfeld abgrenzt. Es ist vor einiger Zeit ein US-Airforce Flieger hier gelandet und ich ueberlege ob ich dieses Monsterteil nicht mal fotografieren soll. Aber wenn die mich erwischen, kommen wir hier heute bestimmt nicht mehr raus.
  • 15:39 ich gucke mir die Herren an, die in regelmaessigen Abstaenden hier wieder auftauchen und den Toeff wieder und wieder bestaunen. Wie lange kann man eigentlich einen haufen Maenner mit einem Motorrad beschaeftigen.
  • 15:47 Tom ist immer noch nicht wieder da, die zweite Flasche Wasser ist alle.
  • 17:30 Tom ist da und wir duerfen tatsaechlich fahren. Unsere Agentin wartet am Ausgang des Warenhausplatzes, wir stecken ihr 20 Cedis zu, die sie muerrisch entgegennimmt und sehen, wie sie einem anderen Herren am Tor das Geld zusteckt. Wir erhalten unser Carnet und einen Zettel, den wir am Haupttor halb abgeben sollen.
  • Am Haupttor muessen wir wieder warten, weil andere Fahrzeuge vor uns raus duerfen. Der Tormensch fragt uns wo denn sein Anteil sei - wir denken uns wofuer? - geben ihm nichts ausser ein muerrisches Laecheln und fahren endlich raus. Es ist 17:40.


Endlich auf der Strasse rufen wir unschoene Woerter in unseren Helm und wuseln uns durch den Accra-Verkehr. Endlich sehen wir wieder das Afrika, was wir schon lange vermisst haben. Bunte Holzhuetten stehen am Strassenrand, unzaehlige Haendler laufen durch die Strassen. Doch heute haben wir keine Augen mehr dafuer, wir wollen nur noch was essen, triken und schlafen. Im Ryans Irish Pub finden wir wo nach wir suchen. Das Essen ist teuer aber lecker und das Bier ist genau richtig. Wir duerfen sogar eine Nacht auf dem Parkplatz zelten und die Staff Duschen benutzen. Wir sind so muede, dass wir kaum merken, als die letzten Fahrzeuge den Platz verlassen und in unser Zelt leuchten oder das es immer noch ueber 30 Grad ist. Wir wollen einfach nur schlafen.

Morgen gehts daran, Visas fuer die naechsten Laender zu besorgen und dann wollen wir nur noch raus aus Accra und das Land sehen.

Bewerte diesen Beitrag:
0
Markiert in: Ghana South Africa

Kommentare

  • Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!

Kommentar hinterlassen

Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
Aktuelle Seite: Home Gästebuch Nina Willkommen in Ghana