Three Pairs Of Underwear

Wer hat die weitetste Anreise? Wer, hm?

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Es war aus vielerlei Hinsicht eine gute Entscheidung, zum Gamkapoort Damm zu fahren. Zu allererst sind wir wirklich gluecklich Fox kennengelernt zu haben, denn er ist eine so liebenswerte und positive Person, wie man sie selten trifft. Zweitens ist dieses Fleckchen Erde hier am Damm wirklich extrem schoen und zu allem Ueberfluss, befinden wir uns genau am anderen Ende von "Die Hell". - Bevor der Damm gebaut wurde, waren unser gefahrener Weg und "Die Hell" sogar verbunden - wie uns Fox aufklaerte. Ausserdem ist nicht zu verachten, dass wir diesen wunderschoenen Pfad vom Abend nun als Start in den Tag nochmals fahren durften. Falls es jemanden interessiert, die Schlucht durch die Felsen, fuehrt von dieser Seite aus gefahren meist bergab - wir konnten 8 Kilometer lang ohne Hilfe des Motors hindurch rollen - soll mal noch jemand sagen, wir fahren nicht umweltbewusst...

Erst in Ladysmith machten wir unseren ersten Halt zum Fruehstuecken. Uebrigens heisst dieser Ort so, weil ein gewisser Herr Smith vor langer Zeit hier gewohnt hat und wohl wichtig genug war, um dieses Staedtchen nach seiner Frau zu benennen. - Ziemlich kreativ oder?

Ein Bisschen haben wir das Gefuehl, in die falsche Richtung zu fahren. Nach Mossels Bay zur Ralley soll es heute gehen, aber nicht ueber die asphaltierte Strasse, sondern abseits ueber Gravel-Piste. Doch es kommt uns vor, als waeren wir da mit unserer Idee alleine. Denn alle anderen Motorraeder (und das sind nicht wenige) kommen uns entgegen - und die sind auch so sauber.

Wir sind sicherlich nicht schneller in Mossel Bay angekommen, aber haben dafuer die Fahrt auf einsamer, staubiger Piste genossen. Im Ort selbst haben wir wohl einen Polizisten sehr verwirrt mit unserem Auftreten. Erst sind wir kurz auf der falschen Strassenseite gefahren und dann auch noch mit einem dreckigen Motorrad, so voll beladen und mit so nem komischen Kennzeichen. Ja, wir koennen verstehen, dass man da unsicher wird. Jedenfalls liess er kurz die Sirene seines Dienstwagens aufheulen um uns anzuhalten und kontrollierte die Papiere. Natuerlich war nichts auszusetzen und wir durften unseren Weg fortsetzen.


Buffalo Ralley in Mossels Bay 2010 - wir waren dabei

Dafuer, dass die Buffalo Ralley die Groesste hier sein soll, ist sie ziemlich schlecht ausgeschildert. Aber wir fanden sie dann doch. Der Campplatz lag etwas unterhalb der Strasse, gleich an den Klippen zum Meer. So konnten wir das Spektakel von oben gut einsehen, doch von ueberblicken kann keine Rede sein. Es waren einfach zu viele Zelte, Motorraeder und vorallem Menschen, unglaublich.
Als wir endlich den Eingang gefunden hatten, fuehlten wir uns etwas verloren - fast hilflos - zwischen diesen Menschenmassen und schon hier fiel unser Motorrad auf. Schon bevor wir unser Eintrittsformular ausgefuellt hatten, wurden wir unzaehlige Male angesprochen.
Ein Paar klaerte uns aufgeregt auf, dass wir uns unbedingt fuer den Wettbewerb fuer die "weiteste Anreise" einschreiben sollen. Sonst wuerden immer welche aus Namibia gewinnen, uns waere der Preis also sicher. Was fuer einen Preis es gibt, wussten wir nicht, aber den Spass wollten wir uns natuerlich nicht nehmen lassen.
Wir bahnten uns den Weg zwischen Menschen, Maschinen und Staenden hindurch - bis zum Veranstalter und schrieben uns ein. Zu unserer Ueberraschung hatte sich auch jemand aus England eingetragen. Ebenfalls ein Motorradreisender, welch ein Zufall! - diesmal gleich 2 Weitgereiste.

Als wir unseren Weg zurueck zum Toeff wuehlten, sprach uns ein Belgier an. Er war vom BMW Club in Pretoria und lud uns ein, unser Zelt bei ihnen im Lager aufzuschlagen.
Ich denke, besser haetten wir es nicht treffen koennen. So waren wir mitten im Geschehen aber umgeben von vernuenftigen Leuten. Wie angenehm das ist stellten wir schnell fest. Staendig heulte irgendwo ein Motor auf, weil sie um die Wette im Standgas am Gashebel drehten. Was zu einem ohrenbetaeubenden Laerm fuehrt und zwar ueber Minuten! Eine Strasse fuehrt einmal rund um den Campingplatz und auch hier wurden diese Art Wetteiferungen ausgetragen. Ein wohl schon reichlich Betrunkener Fahrer kannte die Grenzen seiner recht neu aussehenden Maschine noch nicht und drehte am Gashebel, dass es einem in der Seele weh tat. Peng! machte es dann ploetzlich, Oel lief aus dem Motor und fing Feuer. Er sass etwas hilflos - aber immer noch grinsend - auf dem Sattel und wartet, bis jemand mit einem Feuerloescher den Motor geloescht hatte. Dann rollte er unter Spott oder Beifall (so genau konnten wir es nicht erkennen) von Dannen. Es war erst Freitag und der ganze Spass sollte doch erst noch beginnen... oh,oh.


Nicht nur die Reifen, sondern auch das Nummernschild muessen beim Burnout dran glauben

Zusammen mit unserer BMW-Truppe hatten wir einen wirklich schoenen Abend am Feuer mit leckerem Fleisch vom Grill. Nur hin und wieder mussten wir kurz unsere Gespraeche unterbrechen, weil ohrenbeteubender Motorenlaerm nicht mal ein lautes Anschreien zuliess. Auch mitten in der Nacht schreckte ich hin und wieder aus dem Schlaf, weil wieder irgend jemand meinte, Flammen aus nem knallenden Auspuff seien wichtiger als Schlaf! Meine Ohrstoepsel rutschten immer wieder heraus, waerend Tom endlich mal seine extra angefertigten Ohrstoepsel ausprobierte und gluecklich bis zum Morgen schlief.
Irgendwann am naechsten Tag war das ganze Gelaende wie leer gefegt, denn eine grosse Ausfahrt stand auf dem Programm. Tom und ich verzichteten gerne auf einen Tag im Sattel und machten uns lieber auf die Suche nach unserem Konkurenten fuer die weiteste Anreise. Welch ein Zufall, auch er hatte auf den Ausflug verzichtet und geonnte sich ein wenig Ruhe neben seinem Motorrad. ;-) Wir quatschten eine Weile und verabredeten uns fuer den Abend zur Preisverleihung.
Wir nutzten die ruhige Zeit, um mal ein paar unserer Bilder auszusortieren fuer eine kurze Praesentation ueber unsere Reise. Nach fast vier Stunden hatten wir alle Laender durch und mochten irgendwie keine Fotos mehr sehen. Das ist wohl schon mal ein Vorgeschmack auf das, was wir nach unserer Rueckkehr noch vor uns haben...

Tom, ich und Tim (der andere Reisende) machten uns am Abend ganz gespannt auf den Weg zur Preisverleihung. Das Zelt platze aus allen Naehten und der Moderator begruesste die Meute und erwaehnte sogar, dass Gaeste aus der Schweiz und England anwesend sind.
Als es spaeter um die weiteste Anreise ging, bahnten Tom und ich uns schonmal unseren Weg naeher an die Buehne, wir hielten fast den Atem an - es war so spannend. Dann wurden zwei uns voellig unbekannte Namen genannt, von einem Paar aus Namibia.
Wir konnten die Entscheidung zwar nicht ganz verstehen, verzichteten aber darauf die Buehne zu stuermen und machten uns auf den Weg zu unserem Camp. Das Paar was uns zum Einschreiben ueberredet hatte, kam ganz empoert auf uns zu und verstand die Welt nicht mehr. Sie wuerden das fuer uns klaeren sagten sie und verschwanden. Wir machten uns inzwischen unsere Gedanken... Aus Sicht vieler Suedafrikaner ist Namibia schon ziemlich weit weg, es ist ja schliesslich Ausland und wenn man ein Land nicht kennt, aber vielleicht den Namen schon mal gehoert hat, ist es bestimmt nicht weit. Es koennte sich also um Swaziland oder so handeln.

Nehmen wir an, die Einwohner Namibias reisen auch so gerne wie die Suedafrikaner, dann ist der Fall doch klar oder? Sie sind ueber Europa nach Suedafrika gereist, da ist der Weg natuerlich weiter - logisch!


Zurueck an unserem Camp witzelten wir mit den Anderen ueber unseren nicht gewonnenen Preis, als ploetzlich das Paerchen wieder auftauchte. Sie waren ganz euphorisch und hatten zwei T-Shirts fuer uns... und erklaerten die Ralley-Leitung mit folgenden Worten: Ihr habt noch was zu Eurem Land auf die Liste geschrieben und so haben sie es missverstanden.
Abgesehen davon, dass man uns in die Begruessung mit eingebaut hatte, koennen wir diese Erklaerung natuerlich verstehen.

Den restlichen Abend verbrachten wir mit Robert und seiner Frau (BMW-fahrende Zeltnachbarn) shischarauchend am Feuer. Schon gestern hatten sie den ganzen Abend an dieser kleinen (motorradtaugliche Groesse) Wasserpfeife genuckelt, waerend Tom und ich sehnsuechtig zusahen. Wie lange hatten wir schon keine Shischa mehr geraucht?
Also kosteten wir diesen Genuss heute so richtig aus, zumal die rebellische Motorradgemeinde an diesem Abend nicht ganz so aufmuepfig war und etwas Ruhe herrschen liess - bis auf einige wenige Ausnahmen natuerlich...

Am 31.03. war die Ralley vorbei und Menschen mit mueden Gesichtern um uns herum, packten lansam ihre Zelte wieder ein. Wir hatten gut geschlafen, waren fit im Gegensatz zu den Chaoten um uns herum und hatten unsere Sachen in Rekordzeit verstaut.
Robert hatte uns am Abend gefragt, ob sie uns nicht auf unserer heutigen Fahrt begleiten koennten und so wuerden wir zumindest Teilstreckenweise nicht alleine unterwegs sein. Was daher kommt, dass Robert eine Strassenmaschine faehrt und wir nicht ganz auf unsere Nebenstrassenerfahrungen verzichten wollen.
Nach einem wunderschoenen kurvigen Bergpass trennten sich unsere Wege also das erste Mal. Tom und ich nahmen den kuerzeren Weg auf staubiger Piste durch einsames Farmland, waerend Robert und seine Frau dem laengeren Weg ueber die Strasse folgten.
Trotzdem trafen wir uns fast gleichzeitig am vereinbarten Treffpunkt wieder - Ronnies SEX Shop. Das ist eine, unter Motorradfahrern bekannte Snackbar wo man sich zum Bierchen trifft. Das war nicht immer so. Vor einiger Zeit war es einfach nur Ronnies Shop und lief eher mittelmaessig, bis Freunde von Ronnie eines Nachts die drei Buchstaben "SEX" dazwischen malten. Von dem Moment an entwickelte es sich zum Kult, Frauen lassen BH's und Maenner Unterhosen da, an verschiedenen Stellen werden Unterschriften und Gruesse hinterlassen - und unser Stempel ist nun auch hier verewigt...


Haben wir ja schon immer gewusst - Sex sell's

Von hier aus fuhren wir wieder ein kurzes Stueck mit unseren Begleitern, bis wir erneut ins spaerlich bewohnte Hinterland abbogen. Die Pisten waren staubig und ausser Kuehen und ein paar Straussen hatten wir nicht viel Gesellschaft - Leider gab es auch keine Tankstellen. So war also ein wenig Nervenkitzel dabei, denn natuerlich hatten wir nicht nochmal den Tank gefuellt - Man merke, grosser Tank fuehrt nur zu groesserer Reichweite, wenn man ihn auch voll macht.
Wir erreichten einen Fluss mit Faehrverbindung zur anderen Seite. Und diesmal war es der richtige Fluss mit der wirklich handbetriebenen, motorlosen Faehre, die wir vor East London erwartet hatten. Ein Stahlseil war von einer Seite zur Anderen gespannt und drei Maenner trieben dieses Gefaehrt nur mit Muskelkraft an. Das funktionierte in dem sie sich mit Ketten, die sie mit einer Schlaufe um den Oberkoerper befestigt hatten, in das Stahlseil einhakten und dann an Deck entlang liefen. War einer am Ende der Faehre angekommen, sprang er nicht etwa ins Wasser, sondern hakte sich schlauerweise aus und startete am anderen Ende neu, bis zum anderen Ufer uebergesetzt war.


Noch echte Handarbeit

Wir stiegen dort aus und fanden wenig spaeter sogar eine geoeffnete (nicht so sicher, denn hier bedeutet der Sonntag noch sehr viel) Tankstelle. Nun konnte der Weg also ohne Schieben bis zum Kap Agulhas weitergehen. Bei einer kurzen Pause in einem kleinen Ort auf dem Weg stellten wir am Geldautomaten fest, dass meine Visa-Karte mal wieder nicht funktionierte, doch immerhin zog der Automat die Karte nicht ein. Was diesmal der Grund dafuer sein koennte ist uns allerdings unergruendlich. Toms Karte tat sicher ihren Dienst gluecklicherweise. Und ich weiss, dass ich der DKB mal wieder ne Mail schreiben sollte...

Wie dem auch sei, ohne weitere groessere Pause fuhren wir nun zum Tagesziel. Die Sonne begann gerade zu sinken, als wir das Kap Agulhas erreichten. Hier treffen sich nicht nur der indische und der atlantische Ozean, sondern es ist auch der suedlichste Punkt des afrikanischen Kontinents. Der gemauerte Steinhaufen, der das ganze markiert, ist nur zu Fuss oder ueber losen Kies zu erreichen. Fuer Tom natuerlich kein Problem, er lenkte unser Toeff ohne mit der Wimper zu zucken bis zum gewuenschten Fleck. Wir erstellten zwar unzaehlige Fotos, doch leider sind nicht zu viele brauchbare dabei, was daran liegt, dass kein faehiger Fotograf anwesend war, uns aber auch niemand den Selbstausloeser goennte.


Was fuer ein Bild...

Fuer uns ist das Erreichen dieses Punktes ein bedeutender und entscheidender Moment, denn ab jetzt befinden wir uns quasi auf dem Rueckweg. Zwar geht es noch nach Kapstadt und dem Kap der guten Hoffnung aber geografisch gesehen gehts nun nur noch nach Norden.
Ein komisches Gefuehl. Auf der einen Seite freuen wir uns auf bekanntes Terrain, Freunde, Bekannte und Verwandte, auf der anderen Seite bedeutet das auch, unsere Reise geht langsam zu Ende. Eigentlich ist Kapstadt laut unserem urspruenglichen Plan der Endpunkt unserer geplanten Route. Doch zwischenzeitlich haben wir den Plan ein wenig modifiziert und streben nun eine Heimreise auf zwei Raedern an. Das erste Mal in seinem Toeffleben darf unser Gefaehrte mit dem Flugzeug reisen, bis wir es dann in Ghana wieder treffen und von dort zusammen nach Hause fahren. Das haengt natuerlich alles noch ein wenig an unserem Visum fuer Ghana, was wir hoffentlich in Kapstadt organisieren koennen.

Den Abend liessen wir mit Robert und seiner Frau bei suedafrikanischem Braai mit Shischa ausklingen. Uebringes hat sogar Robert seine Strassenmaschine bis zum Denkmal am Kap Agulhas manoeverieren koennen.

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Gast Samstag, 26 September 2020
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