Three Pairs Of Underwear

Willkommen am Westkap

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Unseren Abreisetag aus Jeffreys Bay starteten wir ganz gemuetlich und stressfrei. Als das Zelt abgebaut war, suchten wir uns einen schoenen Platz zum Fruehstuecken im Ort. Spaeter auf dem Weg hinaus kamen wir an einem Supermarkt vorbei, die hier in Sued Afrika ja nun meist geballt in amerikanisch anmutenden, grossen Shoppingcentern auftreten. Was den Vorteil hat, dass die Warscheinlichkeit einen Schuster zu finden bei nahezu 100% liegt. Wir fanden einen, bei dem Tom seine, das letzte mal in Malawi geflickten, Schuhe erneut zur Reparatur geben konnte. Die Wartezeit nutzten wir im Supermarkt, um unseren Wasservorrat wieder aufzufuellen. Tom kam sich etwas komisch vor, barfuss zwischen den Waren herumzulaufen, zumal der Fussboden nahe den Kuehlregalen extrem kalt zu seien scheint. Diese Meinung scheinen viele Suedafrikander uebrigens nicht zu teilen; uns scheint es, als lassen sie kaum eine Gelegenheit aus, barfuss herumzulaufen.
Die Sohle an Toms Schuhen ist nun aber wieder (inzwischen das 8-te Mal) angenaeht und wir hoffen, es haelt jetzt endgueltig bis nach Hause...

Unsere Tagesetappe fuehrte durch wenig aufregende Landschaft. Sieht man es im Vergleich zu den letzen paar Tagen, waren die Berge nur wenig imposant und der Rest der Landschaft wenig speziell. Auffaellig war, dass viele Doerfer die wir durchfuhren, hauptsaechlich schwarze Einwohner hatten. Interessant ist vorallem die Tatsache, dass es uns so sehr aufgefallen ist. Hier wird uns seltsam bewusst wie sehr die Gegenden in denen wir uns hier in Sued Afrika bisher aufgehalten haben, von Weissen dominiert sind und solch ein geballtes Auftreten der schwarzen Bevoelkerung eher in den Townships zu finden ist. Den Grund dafuer konnten wir aber bisher nicht lokalisieren - sind doch die Zeiten der Apartheit schon lange vorbei.
Ein grosses weisses Schild riss uns aus unseren Gedanken: "Willkommen am Westkap" stand dort - Kapstadt wir kommen!


Man achte auf die Antitrinkkampagnie

Gegen Nachmittag erreichten wir Uniondale und da es uns beide schon ganz schoen froestelte, entschieden wir hier zu bleiben. Wir fanden ein Backpackers wo wir bleiben wollten. Doch nicht nur der Ort schien ziemlich ausgestorben, sondern auch diese Unterkunft. Ein Hund begruesste uns von der anderen Seite des Gartentores, doch sonst war niemand zu sehen. "Bitte schieben" stand in grossen Buchstaben auf dem Tor, das taten wir - und fuhren hinein. Noch immer war niemand zu sehen, doch die Eingangstuer war offen. Wir nahmen also die Helme ab und gingen in Richtung der offenen Tuer. Ein hoher hoelzerner Tresen nahm fast den ganzen Platz im Eingangsflur ein, ein Kinderfahrrad was dagegenlehnte und einiger anderer Krimskrams trug den Rest zur ueberfuellten Erscheinung dieses Raumes bei. Dann entdeckten wir auch zwei rauchende Gestalten, die hinter dem ueberdimesionalen Tresen sassen. Der Mann und die Frau begruessten uns mit einem grimmigen Kopfschuetteln und gaben uns dann zu verstehen, dass wegen Strassenbauarbeiten alles ausgebucht sei.
Wir finden es waere doch extrem nett gewesen, wenn sie uns aus dem Haus entgegengekommen waeren, um uns das zu sagen und nicht erst warten bis wir geparkt und uns sortiert haben. Es ist doch ziemlich offensichtlich, dass wir auf der Suche nach Unterkunft sind - aber warscheinlich ist das zu viel verlangt.
Am anderen Ende des Ortes gab es einen Zeltplatz, eine verantwortliche Person suchten wir aber vergebens. Es stand ein einsamer Wohnwagen dort, in dem wohl einer der Strassenbaumenschen wohnte. Er riet uns, einfach das Zelt aufzustellen wenn ein Nachtwaechter zum Kassieren kaeme; Glueck fuer ihn, wenn nicht; Glueck fuer uns... - Er kam nicht.

Wir schreiben inzwischen den 17.03.2010, der heutige Tag haette kaum mit krasseren Gegensaetzen beginnen koennen. Von unserem einfachen Stueckchen Gras mit Toilettenhaeuschen (die Badewannenkabine fehlte aber auch hier dennoch nicht) - zum Fruehstueckskaffe im Art Cafe im Herzen Uniondales. Geleitet ist dieses Haus von einem offensichtlich gleichgeschlechtlich orientierten Herren, was die extravagante Einrichtung und Dekoration erklaert. Mich brachte der offensichtlich gleich orientierte Kellner dort sehr zum Lachen in folgender Situation. Tom stand auf, um einige Makroaufnahmen von Blumen auf der anderen Strassenseite zu machen. Der Kellner dachte aber wohl Tom wuerde ein Foto vom Cafe machen. Er warf sich also in aufreizender Pose an die naechste greifbare Holzstatue vor der Tuer um besonders gut zur Geltung zu kommen und lies durch filmreiche Gestikulation keinen Zweifel an seiner abgrundtiefen Enttaeuschung, als ihm klar wurde, dass er unverstaendlicherweise nicht abgelichtet werden wuerde. Noch witziger war, dass Tom von alledem nicht mal etwas mitbekommen hatte.

Von Uniondale ging es dann nonstop durch bizarre Bergwelt ins 90 km entfernte De Rust, wo wir eine folgenschwere Begegnung mit einer Gruppe von drei BMW-GS-Fahrern hatten. Wir trafen sie an einer - der wohl einzigen - Tankstelle im Ort und kamen mit ihnen ins Gespraech, auf der suche nach ein paar schoenen Streckenmoeglichkeiten Richtung Kapstadt. Stattdessen wiesen sie uns auf die groesste und aelteste Bikeralley (sprich Motorradtreffen) in Sued Afrika hin, die am Wochenende in Mossels Bay stattfinden wuerde. Da wir beide noch niemals bei einer solchen grossen Ralley gewesen sind, ueberlegten wir nun also, ob wir unsere Reiseplaenen diesem Spektakel anpassen sollten. Das dauerte nicht lange: - wir wollten!

Von De Rust ging es aber erstmal weiter ins Landesinnere Richtung Prince Albert. Als wir hier ankamen, machte dieser Ort auf uns den Eindruck eines kleinen, verschlafenen Kuenstlerortes. Die Zeit schien hier irgendwann einmal angehalten worden zu sein. Die Haeuser sahen aus wie zu Goldgraeberzeiten. Die meisten Menschen die hier leben, fuhren Pickup's und trugen Shorts, so wie es Farmer in dieser Gegend tun. Jeder schien Jeden zu kennen, es hinterliess bei uns den angenehmen Eindruck von Gemuetlichkeit und einem kleinen Stueckchen heiler Welt.


Sogar unser Toeff enspannte vor der Tuer

Wir hielten im Lazy Lizard, fuer eine Pause und um die Seele baumeln zu lassen, bevor wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz machen wollten. Das Lazy Lizard ist ein Ladenlokal, welches beim ersten Hinsehen innen eher nach einer Mischung aus Kunsthandel und Wohnzimmer aussieht aber - oder gerade deshalb - gemuetlich wirkt. Im Garten konnte man wie privat bei Freunden sitzen, sich treiben lassen und die Zeit vergessen. Getoppt wurde das Ganze noch durch den selbstgebackenen Apfelstrudel und die hausgemachte Limonade - sensationell lecker!
Hier trafen wir uebringes den anderen markanten Typ, der einen grossen Teil der Dorfbevoelkerung auszumachen scheint. Die Kleidung dieser Leute war eher alternativ, kreativ, wie wir es bei uns von eher kunstorientierten Mitmenschen kennen. Leinen ist der bevorzugte Stoff, der in Form von Hosen und passenden Oberteilen mit kuenstlerisch schiefem Schnitt getragen wird und die Leute darin oft eher wir Clowns aussehen laesst. Doch im Kontrast dazu scheinen sie in sich selbst zu ruhen und strahlen grosse Zufriedenheit aus, die sie unangreifbar zu machen scheint.
Nach einem entspannten Nachmittag in unserem Lizard, fanden wir sogar Unterkunft auf einem Stueck Land im Garten einer Olivenfarm (nennt sich Campingplatz).

Einer ruhigen Nacht folgte ein entspannter Morgen mit ueppigem Fruehstueck in unserem inzwischen (stamm)Lokal und kurzem Internetupdate. Dieser Ort hat wirklich Potential, gestresste Geschaeftsleute wieder auf ein ungestresstes Niveau zu bringen - man sollte hier ein Antistresszentrum fuer Manager errichten... ;-)
Fuer uns ging es aber weiter ueber den Swartberg Pass, der kurz hinter dem Ortsausgang beginnt und durch die Karoo und dessen Weingebiet fuehrt. Die Landschaft durch die dieser Pass fuehrt, aehnelt ein wenig der in Baviaans, ist aber noch einsamer. Von vielen Seiten wurde uns von hier ein Abstecher in "Die Hell" empfohlen. Doch das Hinweisschild und die Tatsache, dass es sich um eine Sackgasse handelte - sprich wir in 4 Stunden an der gleichen Stelle wie jetzt stehen wuerden - schreckten uns ein wenig ab.


Gamkaskloof (The Hell) 37 km, 2 Stunden

So folgten wir also weiter dem Swartbergpass, der uns auf gutem Schotter in die Berge trug. Die Aussicht war phaenomenal schoen, an manchen Stellen blickten wir in Taeler, die durch ihre Farbvielfalt bestachen, manchmal standen wir auf einer Bergkuppe und folgten mit den Augen kilometerlang der vor uns liegenden Strecke, die sich durch karges, sandiges Land wand.
Wir sind uns nicht ganz sicher, aber als uns drei Gelaendewagen mit Dachzelt entgegen kamen, glaubten wir unsere Holzklauer aus der Baviaans wieder zu erkennen. Scheinbar sind sie doch ein wenig laenger unterwegs als nur ein Wochenende ;-). Kurz darauf endete der Pass und verwandelte sich sogleich in perfekte Teerstrasse. Wie schnell man manchmal vom Nirgendwo wieder in zivilisiertes Gebiet kommt ist erstaunlich. Wir folgten dieser Strasse bis Oudtshoorn - diese Stadt und die Gegend drumherum ist vorallem durch Straussenfarmen gepraegt. Dann ging es weiter auf der Route 62 - besser als Garden Route bekannt - in Richtung Klein Karoo. Die Garden Route ist sicherlich den meisten ein Begriff und auch uns war naturlich bewusst, dass wir uns nun wieder auf extrem touristischem Gebiet bewegen. Doch irgendwie mussten wir uns dieses hoch gelobte Gebiet ja doch mal ansehen, wo wir schon mal da sind. Unser Fazit: Es gibt sicher fuer den Urlauber viel zu erkunden und die Gegend hier ist wirklich schoen, doch fuer uns erscheint es alles sehr zurechtgemacht und ueberteuert. Hier wird das geboten, was von spasshungrigen Touristen verlangt wird; wie zum Beispiel Straussenreiten. Ich bin mir nicht sicher, ob diese flugunfaeigen Voegel auch Spass daran haben. Waere bestimmt viel spannender, wenn man auf ihnen fliegen koennte...
So schnell wie wir von Natur und Einsamkeit in die Zivilisation gekommen waren, schluepften wir durch eine beherzte Rechtsabbiegung von der Route 62 auf eine Schotterpiste zurueck in die Natur. Nur wenige Kilometer spaeter befanden wir uns in einem wunderschoenen Canyon, der sich gut 11 Kilometer durch den Fels schlaengelte.



Nachdem dieser Bergzug durchquert war, landeten wir auf einer sandigen T-Kreuzung und wussten nicht so recht wo es weiter gehen sollte. Ein Wegweiser nach rechts zum Gamkapoort Damm weckte unser Interesse und so bogen wir in diese Richtung ab. Die Strasse wurde teilweise recht sandig und fuehrte vorbei an unzaehligen, wilden Aloe Vera Pflanzen. Durch die bereits sinkende Sonne schimmerte das Land roetlich, was eine interessante, abenteuerliche Stimmung verbreitete. Ein recht neu aussehendes Tor stoppte uns. Auf dem dort angebrachten Hinweisschild wurde darauf hingewiesen, dass wir nun Naturschutzgebiet betreten, wir dieses achten sollen und es wird empfohlen, nicht nach 18 Uhr einzutreten. Es war erst viertel vor sechs und so schoben wir das Tor auf und setzten unseren Weg fort.
Wir durchquerten trockenes Buschland und zogen in Betracht, hier irgendwo zu campen, doch neben ein paar Springboecken liefen hier auch vereinzelte Kuehe frei herum - wir fuhren erstmal weiter...
Die Piste wurde steiniger, enger und formierte sich zu einem Bergpass. Wir konnten jetzt auch verstehen, warum man nicht zu spaet hier hinein fahren sollte, denn diese Strecke wird weitaus schwieriger wenn man sie nur im Licht des Scheinwerfers meistern muss. Von hier oben konnte man die dahinterliegende Bergkette erkennen, die aussah, wie der Ruecken eines schlafenden Drachen. Dann ging es unzaehlige kleine Huegel hinauf und hinunter durch karges Buschland - ich fuehlte mich ein bisschen wie in einer Achterbahn ohne Loopings. Manche der Buesche die wir passierten, hatten enorme Dornen und wir hofften beide, dass wir uns nicht einen von diesen Dingern in unsere Reifen fahren wuerden. Ein weiteres ziemlich heruntergekommenes Gatter aus Rohr und Maschendraht versperrte uns den Weg und wies nun auch noch darauf hin, dass Zelten hier strickt verboten ist. Ok, wir werden sehen was sich ergibt, wenn wir den Damm erreichen, dachten wir und schoben auch das Gatter aus unserem Weg. Noch immer ging es duchs Buschland, doch links von uns war ein See zu erkennen. Es waere wirklich zu schoen, hier einfach zu zelten. Ploetzlich wurden wir durch ein sich bewegendes Objekt auf unserer Rechten aus den Gedanken gerissen. Ein Kudu (recht grosser Springbock) wurde wohl durch unser Motorengeraeusch aufgeschreckt und rannte neben uns her auf einen Maschendrahtzaun zu. Zu unserer Ueberraschung sprang er einfach hinueber - wow, was fuer ein Riesensatz!
Wenig spaeter trafen wir am Damm ein, die Sonne ging gerade hinten einer Bergkette in Deckung und faerbte den gesamten Damm und die ihn einfassenden Berge in tiefes Rot. Ein wunderschoener Anblick. Fox, ein unheimlich sympatischer, aelterer Herr tauchte auf. Er vermietet hier einige wenige Ferienhaeuser, ohne Strom, aber mit heiss Wasser... Nach zaehen Preisverhandlungen zwischen ihm und Tom, an denen beide sichtlich ihren Spass hatten, durften wir in eine seiner Huetten einziehen. Nein, zelten duerfen wir hier nicht, dann wuerden die Fischerleute extrem ungemuetlich und das wolle er nicht riskieren.
In dieser Nacht schliefen wir leider nicht besonders gut, die vielen Muecken in unserer Huette hielten uns erfolgreich wach und trieben uns irgendwann vor die Tuer um frische Luft zu schnappen. Draussen herrschte extreme Stille und ueber uns prangte der wohl beeindruckenste Sternenhimmel, den wir bisher gesehen haben. Sogar die Milchstrasse war klar zu erkennen.


Ein Fotoversuch...

Genug Schlaf, um fuer die Ralley am naechsten Tag fit zu sein fanden wir dann aber doch noch. Wir sind schon gespannt, was uns in Mossels Bay erwartet.

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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