Three Pairs Of Underwear

Von Austern in Tsisikama bis Wasserdurchquerungen in Baviaans

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Das Einzige was uns bei der Abreise aus Port Elisabeth faszinierte, waren die unzaehlingen T-foermigen Wellenbrecher - alle akorat aus Beton gegossen - die nahezu endlos am Meeresufer sauber aufgestapelt waren. Die restlichen 150 Kilometer bis zum Storm River Mouth, legten wir etwas abseits von der See ueber die langweiligste Mautstrasse ueberhaupt zurueck. Die N2 fuehrte schnurgrade durchs Land, vorbei an ordentlich angepflanzten Waeldern und eingezaeuntem Farmland. Das soll die beruehmte und viel beschriebene Garden Route sein?!? Wir sind ja mal gespannt, was der Rest davon so zu bieten hat. Ein dicker Wolkenschleier lag ueber uns und die Sonne hatte Muehe die Luft auf ertraegliche Temperaturen zu erwaermen - war sie ueberhaupt da? Gesehen haben wir sie heute noch nicht.

Am Eingangstor des Tsisikama Nationalparks warteten wir auf Davids Ankunft. Waehrenddessen schockten uns nicht das erste Mal die ernormen Eintrittspreisunterschiede fuer Einheimische und Auslaender. Doch scheinbar rechnet hier kaum einer damit, dass tatsaechlich wahre Touristen existieren. Es brauchte nur leichte Anstrengungen von David, die Kassenlady in Africaans davon zu ueberzeugen, dass auch Tom und ich Einwohner dieses schoenen Landes sind. Unser Zelt fand einen schoenen Platz, gleich oberhalb der schroffen Klippen, die aufgereiht wie Dominos aus dem Meer ragten und an denen sich unaufhoerlich die Wellen brachen. Im Kontrast zur scharfkanntigen Seite der Kueste, fanden wir Buchten mit vom Wasser perfekt rundgeschliffenen Steinen.



Von diesem Campspot im Nationalpark startet auch eine scheinbar weit bekannte Wanderroute, der Ottertrail. Diese markierte Strecke fuehrt einige Kilometer immer entlang der Kueste und wird von Wanderlustigen in ca. 5 Tagen erlaufen. "Wir koennten morgen einen Teil der ersten Etappe machen." Hatte David uns am Abend vorgeschlagen und wir willigten leichtfertig ein. Haette uns mal bloss jemand verraten, dass man hier hauptsaechlich ueber Steine klettert und von Klippe zu Klippe springt um einen einfachen Vormittagsspaziergang handelte es sich fuer uns jedenfalls nicht. Unser Freund marschierte allerdings konstant vor uns her, ohne auch nur die kleinsten Anzeichen von Anstrengung. An einem Salzwasserbecken, was hinter den Klippen geschuetzt vor den Wellen lag, goennten wir uns eine Pause. Wir koennten uns hier super erfrischen und schwimmen gehen. Bei 18 Grad Wassertemperatur liess ich mir dieses Angebot gerne entgehen, waerend meine beiden Begleiter tapfer eintauchten. Dieser Mut kostete Tom aber auch seine geliebte Sonnenbrille, die wohl noch heute dort irgendwo zwischen den Steinwaenden liegt.


Es war Kaelter als es hier vielleicht aussieht...


Nach einer halben Stunde weiteren Steinehuepfens erreichten wir einen Suesswasserpool, in dem sich die Tom und David das Meersalz abspuelten, waerend mich die warmen 22 Grad Wassertemperatur auch nicht lockten. ;-)
Aber eins muss man dem Ottertrail lassen, die Umgebung durch die man streift ist wunderschoen. Solche dichten Waelder sucht man ich Europa vergebens und das Geraeusch, was die Wellen verursachen, wenn sie die runden Steine aller Groessen in Bewegung versetzen, habe ich noch jetzt im Ohr. Als wir von unserem Suesswasserpool aufs Meer blickten, hatten wir sogar das Glueck eine grosse Schule von Delphinen vorbeischwimmen zu sehen.

Den Weg den wir bis hierher gegangen sind mussten wir natuerlich auch wieder zurueck, was David - wie erwartet, keine Schwierigkeiten bereitete. Er war wieder weit vor uns und erreichte als erster unseren Ausgangspunkt. Doch als Tom und ich wieder am Parkplatz ankamen, waren wir nahe dem Ende unserer Kraefte. Erneut wissen wir die Anwesenheit eines (fitten) Mitreisenden im Auto zu schaetzen, es wartete naehmlich schon Kaffee und ein Fruehstueck auf uns.
Den restlichen Tag verbrachten wir auf Passstrassen und guten Offroadpisten, bis wir uns am Abend in einem Zeltplatz im Wald einnisteten. Stockbrot und BBQ standen auf dem Speiseplan. Da Tom sich nicht ganz an mein Brotrezept halten wollte, war der Teig zwar extrem lecker, aber auch zu fluessig um am Stock zu kleben und ueberm Feuer gebacken zu werden. Doch, wo ein Auto, da auch eine beschichtete Bratpfanne. So gab es also Pfannenbrot, statt Stockbrot - ist genauso lecker!

Am naechsten Tag war es leider immer noch kuehl und die Sonne zierte sich sehr, bevor sie hin und wieder durch die Wolken lugte. Um diesen Tag gleich wieder kulinarisch zu beginnen, hielten wir am fruehen Mittag in einem kleinen Ort irgendwo vor Knysna, wo Tom und ich unsere ersten frischen - sprich rohen - Austern probierten. Wir hatten vor diesem Erlebnis die verschiedensten Vermutungen, wie es wohl schmecken koennte. Und auch nicht ganz so grosses Verstaendnis fuer Leute die behaupten, diese Delikatesse in ihrer schleimigen Konsistenz wirklich zu moegen. Doch wir mussten feststellen, so schlimm wie wir erwartet hatten, ist es gar nicht. Das Muschelfleisch ist weniger schleimig, eher wie man es von anderen Muscheln gewohnt ist und mit Tabasco und Salz schmeckte es wirklich gut. Es mag jetzt vielleicht zu poetisch klingen, aber es schmeckte fuer uns wirklich nach Meeresbriese.
Unsere Route fuehrte uns heute ueber weitere wunderschoene Paesse in Richtung Landeinwaerts. Noch heute sollte die Baviaans Kloof erreicht werden. Das ist Afrikans und bedeutet Pavians Schlucht. Bekannt ist diese Gegend vorallem unter Motorradfahrern und Offroadorientierten Gelaendewagenfahrern, fuer die vielen Wasserdurchquerungen und die steinigen und atemberaubenden Bergstrassen. Tom und ich sind ein wenig nervoes wegen der Wasserloecher. Im letzten Ort, wo wir zum Einkaufen hielten, hatten wir gehoert, dass es in den letzten Tagen viel geregnet hat und die Baviaans Kloof voller Wasser sein soll. Wie dem auch sei, wir sind ja nicht ganz allein und lassen uns mal ueberraschen.


Manchmal kann man Roadblocks einfach umfahren doch hier ist definitiv zu

Eine geschlossene Strasse auf dem Weg ueber Uniondale zum Eingang in die Baviaansschlucht zwang uns zu einem kleinen Umweg. Hier stellten sogar Schloesser am Gitter sicher, dass niemand hindurchfaehrt, wird wohl seinen Grund haben. Hinter der Absperrung sahen uns ein paar Strausse mit grossen Augen an. Ob sie wild hier leben oder zu einer Straussenfarm gehoeren wissen wir nicht. Doch die Gegend hier um die Gardenroute und die Karoo sind weit bekannt fuer unzaehligen Farmen, auf denen dieser ungewoehnliche Vogel gezuechtet wird. Mancherorts koennen Touristen sogar auf diesen Tieren reiten.
Am Nachmittag hatte wir es dann aber fast geschafft, wir fuhren vorbei an einem grossen Wegweiser in die Baviaans Kloof ein. Vorbei an eingezaeunten Schafherden ging es in guter Geschwindigkeit auf Schotter in Richtung des Bergmassives. Meine Blicke schweiften ueber die Weite des Landes und die Berge vor uns, die Sonne hatte auf einmal die Wolken beiseite geschoben es wurde angenehm warm.
Mir blieb fast das Herz stehen, als Tom urploetzlich zu einer Vollbremsung ansetzte. Ein Schaf hatte sich wohl aus der Umzaeunung befreit und spazierte nun gemuetlich von einer Strassenseite zur Anderen. Als es uns sah, blieb es wie erstarrt mitten auf der Strasse stehen und blickte uns verwundert an. Kurz vorm Zusammenstoss kamen wir zum Stehen, nun setzte das Schaf seinen Weg gemuetlich und ohne Stress fort. Was wohl in seinem Kopf vorgegangen ist?
Vom weitlaeufigen Farmland verengte sich die Strasse kurz darauf und fuehrte durch die roetlichen Felsen hindurch. Wir passierten einige Warnschilder, die auf Wasserdurchquerungen auf der Strasse hinwiesen, sie waren gluecklicherweise aber alle trocken. Als die Sonne langsam zu sinken begann erreichten wir ein Farmhaus, von dem aus ungewoehnliche Unterkuenfte angeboten werden. Man kann hier naemlich Hoehlen mieten und darin schlafen. Ein wenig enttaeuscht waren wir schon, als wir sahen, dass es sich bei unserer Hoehle mehr um einen Felsvorsprung handelte, der mit Holzbrettern zu einem geschlossenen Raum ausgebaut wurde. Wir vermuten, dass es hier anfaenglich eine Hoehle gegeben hat und man dann weitere auf diese Art erschaffen hat um mehr Leute unterbringen zu koennen. Als wir den Innenraum betraten, staunten wir nicht schlecht, denn alles ist mit viel Liebe eingerichtet. In der Mitte des Raumes wuchs ein Baum aus der Erde, der Kuechenschrank war aus Drahtgestell gefertigt und erhielt seine Stabilitaet dadurch, dass er mit Steinen aufgefuellt wurde und in unseren Schlafraum kletterte man ueber eine alte Traktorleiter. Es mutet an, wie eine Mischung aus Wildem Westen und den Feuersteins.

Lange Haare - wie ein echter Hoehlenmann...

Nicht weit von unserer Hoehle campte eine Gruppe mit drei Gelaendewagen, welche auch unser Bad (ja es gab sogar ein Bad mit fliessend-warm-Wasser) benutzen durften. Als wir ankamen, schlichen gerade zwei Herren mit einem Sack von unserer Huette zu ihrem Camp. Wenig drauf wussten wir warum, denn es handelte sich um einen Sack Holz fuer unseren Ofen, den sie wohl fuer ihr Lagerfeuer verwenden wollten. Aber sie kannten Tom ja noch nicht, er ging ganz Ahnungslos spielend zu ihnen und fragte, ob sie unser Holz gesehen haben. Sie verneinten, gaben uns aber grosszuegig etwas von ihrem ab (es war natuerlich unser Sack). Sie haetten genug dabei, denn sie wuerden noch weit fahren, nicht so wie wir. Haha - unsere echten Reisenden wuerden nun in 2 Tagen durch den Kloof fahren und dann nach Hause zu ihrer Waschmaschine. "Ein echtes Abenteuer, bisher waren die Strassen ja nur Pillepalle, ab hier kommen nun die waren Offroadstrassen, seht euch also vor." so ihre Aussagen. Aber lassen wir sie mal in dem Glauben, dass wir nur einen Wochenendtrip machen. ... Suedafrikaner, paehh... Wir waren jedenfalls froh, um unser waermendes Feuer, denn in der Nacht kuehlte es ordentlich runter.

Die Sonne stand hoch am Himmel als wir aufbrachen, sie schien zur Abwechslung aus ganzer Kraft und kaum eine Wolke war zu sehen. Der erste Teil unserer Fahrt durch die Baviaans bestand aus engen Pfaden durch dichten Busch. Hin und wieder gab es seichte Wasserloecher, die unverhofft auftauchten, die wir aber ohne Probleme meisterten. Eine langgezogene Kurve war ausgelegt mit perfekten, rundgeschliffenen Steinen und als wir diese hinter uns hatten, realisierten wir, dass dies normalerweise die schwierigste Wasserdurchfahrt, wo das kuehle Nass auch schon mal kniehoch stehen kann. Doch auch diese Stelle war trocken und fuer uns keine grosse schwierigkeit. An einer anderen, besonders engen Stelle war ein Hinweisschild angebracht, welches vor Bueffeln in diesem Gebiet warnt. Gut, dass ich vorher ueber unsere Gastgeber in East London erfahren habe, dass hier schon seit 50 Jahren keine Bueffel mehr gesichtet wurden - heisst das auch, dass es keine mehr gibt? Wir haben keine getroffen, dafuer huschten hin und wieder Paviane hecktisch vom Pfad ins Gebuesch, wenn sie uns kommen hoerten und blickten uns empoert hinterher.
Hinter einem unbemannten Durchgangstor begann der zweite Teil der Baviaans Kloof. Zuerst konnten wir auf gutem Schotter wieder Gas geben (auch, wenn mir das Schaf vom Vortag noch gut vor Augen war), bis wir den Anfang des Bergpasses erreichten. Die Strasse quetschte sich schmal und steinig an den Berg. Es ging steil bergauf und ebenso steil wieder bergab, es schien unendlich so weiterzugehen, immer dierekt am unbefestigten Abgrund entlang und kaum platz fuer zwei Fahrzeuge nebeneinander. Die Aussicht war umwerfend von hier oben, man sah Berge so weit das Auge reicht und ein schmaler weisser Streifen, bei dem es sich um die nicht enden wollende Strasse handelte. Wir erreichten ein Plateau auf dem Gipfel eines Berges, wo sich die Landschaft dramatisch aenderte. Die Strecke nahm eine currygelbe Farbe an und um uns herum war nur noch weite Flaeche, bewachsen mit kniehohen, gruenen Bueschen, von denen einige in den schoensten Rottoenen bluehten . Wenn man den Blick weiter schweifen liess, sah man auf die anderen Berggipfel ringsum, alles unter klarstem, blauem Himmel durchzogen, von vereinzelten fluffigen weissen Wolken. Wir haetten ewig hier oben bleiben koennen um einfach nur die Farben der Natur aufzusaugen.

Beeindruckene Farben

Nur noch eine steinige, aber lange Abfahrt trennte uns vom Ausgang der Baviaans. Welchen wir muede aber ueberwaeltigt von so viel Schoenheit am fruehen Nachmittag erreichten. Den krassen Unterschied zu so viel Natur erfuhren wir, als wir in Jeffreys Bay ankamen. Dieser Kuestenort ist ein beliebter Surfspot und daher auch eher touristischer Art. Es gibt an jeder Ecke Restaurants und Surflaeden. Einen Billabong Fabrikverkauf gibt es hier auch, wo David, Tom und ich einen Shoppingversuch starten. Gefunden hat nur David etwas, aber wir koennten ja sowieso nicht mehr mitnehmen. Ausserdem werde auch ich es wohl schaffen, mit der gleichen Kleidung die Reise zu beenden, mit der ich sie gestartet hab. Tom haelt schliesslich schon seit 3 Jahren tapfer an seinen, inzwischen reichlich loecherigen, T-shirts fest.

Wir schlugen unser Zelt auf einem Campingplatz gleich am Meer auf. Der Wind war nicht zu verachten und die Wolken hinderten die Sonne nun wieder gekonnt am Waerme spenden. Doch einen Tag Pause wollten Tom und ich uns hier goennen, nach der koerperlichen Anstrengung der letzten Tage und schliesslich muss ja auch mal wieder Zeit zum Schreiben gefunden werden... Nach ein paar schoenen Tagen gemeinsamen Reisens, muessen wir David morgen schon wieder verabschieden und unseren Weg nach Sueden wieder alleine fortsetzen. Vorher freuen wir uns aber auf einen reisefreien Tag am Meer.

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Gast Samstag, 26 September 2020
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