Three Pairs Of Underwear

Lesotho - das Land der Rueckwege

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Es fiel uns ein wenig schwer uns von der Gastfreundlichkeit Richards und Cherels zu verabschieden. Nach Pfannkuchen und Kaffee rieten sie uns noch auf jeden Fall nach Ficksburg zu fahren, um auf Tuchfuellung mit Loewenbabies zu gehen. Wir waren schon zuvor auf unserer Karte ueber den ungewoehnlichen Namen dieser Stadt gestolpert nun hatten wir also auch noch einen Grund fuer einen Abstecher hier hin.
ohne Worte ;-)

Leider war auf der Loewenfarm, kein menschliches Wesen in Sicht, so dass wir nicht mit den kleinen (schon recht grossen Kaetzchen) knuddeln konnten. Das Fast ausgewachsene Exemplar im Nachbargehege war sogar noch ein wenig mehr Respekteinfloessend. Ein paar schoene Fotos haben wir aber machen koennen.
In Fickburg selbst goennten wir uns nochmals eine kleine Pause, bevor wir den Grenzuebertritt nach Lesotho wagen wollten.
Vor einem Fastfood Restaurant parkten wir unser Toeff gleich neben 3 anderen BMW Adventure Bikes, voll ausgestattet mit Koffern und allerlei Schnickschnack. Kaum standen wir, tauchten auch schon die Besitzer der Bikes auf. Zwei Frauen, drei Maenner und ein Kind (alles Suedafrikaner) kamen auf uns zu, packten ihre Helme aus den sonst fast leeren Kisten und ueberhaeuften uns mit Bewunderung - waehrend das Kind alles moeglich an unserem Toeff betatschte (grmpf). Sie wuerden ja schon viel in ganz (sued) Afrika reisen und auch gern so etwas machen, aber sie wuerden nicht in die gleichen Ecken Afrikas fahren wollen wie wir. Nein, da waeren zu viele Schwarze - sagte eine der Frauen. Ausserdem wuerden sie Afrika ja kennen und lieber Europa sehen (Anhand ihres Auftretens haetten wir uns diese Haltung eigentlich schon denken koennen). Da war sie wieder, diese Urangst, wie sie noch immer in vielen Suedafrikanern schlummert. Seit wir hier unten angekommen sind, haben wir diese Aussage schon oefters gehoert und immer von den gleichen Charaktaeren. Die Zeit der Apartheit scheint ihre Spuren hinterlassen zu haben. Die meisten Leute in diesem Land reisen wirklich gern, aber viele beschraenken sich eben auf bekanntes Terrain oder vielleicht noch Namibia. Gluecklicherweise haben wir bisher auch einige wenige getroffen, die sich ueber diese Grenzen hinaustrauen.
In den letzen Tagen haben wir uns viel ueber die Strassenverhaeltnisse und Sehenswuerdigkeiten in Lesotho informiert. Viele gute Strassen gibt es nicht und ueber die meisten Offroadstrecken konnte man uns nicht viel sagen. So sind wir nun also gespannt, was uns erwartet...
Wir folgten wunderschoenen Schotterpisten direkt entlang der Grenze Lesothos bis zum Grenzuebergang zur Hauptstadt Maseru. Schon bei der Einfahrt zur Schranke kamen wir kaum voran, alles war voller Menschen. Am Imigrationsschalter hatte sich eine lange Schlange gebildet, das wuerde dauern. Nachdem man uns dann auch noch recht unfreundlich anwies uns gefaelligst dort anzustellen, wendeten wir unser Toeff und verliessen das Gelaende entgegen der Fahrtrichtung wieder. Wir folgten nun einer guten Teerstrasse weiter entlang der Grenze zum naechsten Grenzuebergang, welcher sich 90 Kilometer weiter suedlich befand. Doch wir nahmen lieber diese spontane Planaenderung in Kauf, obwohl wir in Lesotho wieder noerdlich fahren muessten, als uns an einer unfreundlichen Grenze in eine ueberdimensionale Schlange einzureihen. Siehe da, am naechsten Ubergang war es fast menschenleer und die Leute waren sogar freundlich...
Die Strasse nach Roma waere super gewesen, allerdings meistens einspurig, aufgrund von Strassenbaustellen. Wir waren ziemlich erstaunt ueber die gute manuelle Oranisation. Auf grossen Schildern stand, man solle 20 Minuten Wartezeit einplanen, waerend Arbeiter darauf achteten, dass man nicht doch einfach los faehrt. Einer sass in einer Art Bauwagen und hielt Funkverbindung zum anderen Ende der Baustelle, einer war in eine Rote Weste mit einem X drauf gekleidet und stellte die rote Ampel da, waerend ein Anderer (nur ein Strich auf der Weste) zustaendig war im Falle von "Gruen" die Huetchen zu entfernen. Wir merkten schnell, dass Taxis oder Minibusse sich auch nicht gern in einer Warteschlange anstellen. Schnell bildete sich eine zweite Schlange neben uns, was natuerlich ein Durchkommen des Gegenverkehrs nicht zuliess. Tja wenn man Motorrad faehrt kann man sich vorne anstellen, aber doch nicht mit einem Bus... Mit viel Hupen und noch mehr Ueberredungskunst konnte aber eine Gasse gebildet werden und irgendwann durften wir dann auch fahren. Es folgten nach dieser Ersten noch einige weitere Baustellen, aber die Minibusse schienen ihre Lektion gelernt zu haben - wenigstens fuer heute.
Klimaanlage ein, Radio lauter und immer schoen locker bleiben...

Durch die Wartezeit und den ungeplanten Umweg war der Tag natuerlich schon weiter vorangeschritten als wir urspruenglich geplant hatten und so schafften wir es nur noch, uns einen Schlafplatz in Roma zu organisieren und die Route fuer den naechsten Tag zu planen.
Versteinerte Dinosaurier-Fussabdruecke waren als Sehenswuerdig auf unserer Karte markiert. Wie er der Zufall so will, mussten wir nur der Strasse von unserer Unterkunft weiter den Berg hinauf folgen. Ein kleiner easy Ausflug um den Tag zu starten, dachten wir. Anfaenglich auch kein Problem, bis von der Strasse nicht mehr wirklich viel uebrig war und wir durch loses Gestein unseren Weg suchten. Hinweisschilder gab es natuerlich auch keine und so fragten wir uns durch. Ich glaub ich haette schon einiges frueher aufgegeben, aber wenn Tom sich mal etwas in den Kopf gesetzt hat, kann man ihn nur schwer davon abbringen. :-)
Wir landeten in einem kleinen Dorf und mussten unser Bike abstellen. Einige Kinder waren sofort zur Stelle, um uns die Abdruecke zu zeigen. Mit ein wenig Phantasie konnte man wirklich eine Spur von 3 Schritten im Fels erkennen. Als wir ein paar Fotos gemacht hatten, versuchten die Kids natuerlich ihr Glueck und sagten: "Gib mir Geld." Ein junger Mann hoerte dies und sagte zu mir: "Das ist der Grund warum so wenig Touristen nach Lesotho kommen, die Kinder fangen immer an zu betteln." Doch wie sonst auch gaben wir natuerlich nichts.
Um uns zu bedanken, dass sie uns die Stelle der Abdruecke gezeigt haben (allein haetten wir die nie gefunden) fragten wir, ob jemand mal auf dem Motorrad sitzen moechte. Was dann geschah war zu niedlich. Einer nach dem anderen kletterte auf den Fahrersitz tat fuer 2 Sekunden so, als ober er fahren wuerde und stieg wieder ab. Wenn einer zu klein war, um allein hinauf zu klettern, halfen die Anderen. Nach 5 Minuten waren alle gluecklich und wir wurden froehlich verabschiedet.
Durchs Geroell gings dann wieder zurueck, vorbei am Camp und auf die Teerstrasse, welcher wir einige Kilometer folgten. Dann offroad auf gutem Schotter den Weg nach Semonkong einschlugen. Dieser Ort soll ein wichtiger Handelspunkt in Lesotho sein und jeder, der etwas zu verkaufen hat macht sich zu Fuss, im Eselskarren oder mit dem Pferd auf den Weg dort hin. Die Strasse schlaengelte sich teils steil bergauf, bergab oder durch einsame Taeler hindurch. Wie erwartet trafen wir unterwegs nur wenige Menschen, die auf Vierbeinern unterwegs waren und uns erstaunt hinterher blickten. Semonkong erreichten wir nach gut zweieinhalbstuendiger Fahrt durch pure Einsamkein, saubere Luft und atemberaubend schoene Landschaft. Der Ort erinnert ein wenig an eine Stadt aus dem wilden Westen, ueberall waren Pferde an Holzpfaelen angebunden und warteten geduldig auf ihre Besitzer. Das Leben schien hier seinem ganz eigenen, entspannten Rhythmus zu folgen. An jeder menge Staenden wurden die verschiedensten arten von Waren gehandelt und nicht ein Tourist war zu sehen. Eine kulinarische Spezialitaet hier scheinen uebrigens fritierte Huehnerfuesse zu sein.
Wir haben es nicht probiert - vielleicht beim naechsten Mal

Da die Wolken sich gegen Mittag verdichteten entschieden wir uns noch heute wieder zurueck zu fahren, denn wir wollten nicht riskieren, die Strecke im Regen meistern zu muessen. Wir wagten jedoch noch einen kurzen Besuch beim laensten single Drop Wasserfall der Welt. 204 Meter legt das Wasser im freien Fall schnurgerade zurueck, was einen Eintrag im Guinessbuch zur Folge hat. Doch nicht nur der Wasserfall war eindruecklich, sondern auch unser Ausguckplatz ziemlich schoen. Kurz ueberlegten wir, ob wir nicht einfach unser Zelt an Ort und Stelle aufschlagen sollten. Doch dann gingen wir lieber, mit Blick auf den drohenden Regen auf Nummersicher. Denn wir haben ja zwischenzeitlich gelernt, da wo wir sind, steigt die Regenwahrscheinlichkeit um ca. 3761%... so in etwa.
Nach erneut knapp drei Stunden Offroad zurueck durch, auf und um die Berge erreichten wir wieder unser Camp in Roma. Eigentlich wollten wir noch ein Stueckchen weiter fahren, doch da es nun schon wieder spaeter Nachmittag war, zogen wir es vor erneut am gleichen Platz in Roma zu bleiben.
Am naechsten Morgen ging es aber nicht noch einmal zu den Dinos, sondern wir machten uns auf die Suche nach Felsmalereien, welche sogar ein UNESCO-Weltkulturerbe seien sollen. Irgendwann lenkte unser GPS uns von der Hauptstrasse auf eine rote Sandpiste. Es dauerte nicht lange und wir befanden uns in Lesothos abgelegenem Landleben. Hin und wieder durchquerten wir ein kleines Dorf. Mal konnten wir lange nur Wiesen und Felder sehen, dann folgte ein kurzer steiler Bergpass. Und wieder trafen wir, wenn ueberhaupt auf Reiter hoch zu Pferd. Als wir uns, nach Angabe des GPS nur noch wenige Hundert Meter von den Zeichnungen entfernt befanden, lotste uns das Geraet mitten in ein Maisfeld - Gluecklicherweise existierte noch eine Art Weg. Dann befanden wir uns mitten in einem abgelegenen Dorf, wo quasi niemand Englisch sprach. Die Zeichnungen sollten nur 100 Meter entfernt sein. So nam Tom das GPS und wir gingen zu Fuss durch die Huetten. Und landeten in einem anderen kleinen Maisfeld, vor einem Baum, von Zeichnungen keine Spur. Waren nicht vor einigen Jahren die Einwohner Lesothos noch Kanibalen? Haben sie etwa falsch Koordinaten an Garmin geschickt um sich so leicht mit frischen Touristen zu versorgen ;-) Noe, man hat uns nicht verspeist und wir verliessen unversehrt das Dorf - Natuerlich ueber den gleichen Weg, den wir gekommen waren... Zurueck auf der Hauptstrasse versuchten wir unser Glueck nochmals in eine andere Richtung. Es gab sogar einen Wegweiser. Wir folgten dem Schild und es ging erneut ins Hinterland, diesmal jedoch mit etwas mehr Zivilisation um uns herum. Als wir jedoch feststellten, dass wir nun unser Kanibalendorf von der anderen Seite ansteuerten und dann auch noch eine grosse Matschpfuetze unseren Weg versperrte, entschied ich mich nicht mehr weiter fahren zu wollen und stieg ab. Tom folgte der Strasse noch einige hundert Meter, machte dann aber an einem Fluss auch kehrt. Wir drehten um und fuhren zurueck zur Hauptstrasse.
Fazit: Heute keine Felsmalereien fuer uns.
Ueber beste Strasse ging es dann in Richtung Katse Damm, einem beliebten Ausflugsziel fuer Motorradfahrer aus Sued Afrika. Wir koennen verstehen warum, die Strasse windet sich schier unendlich hoch in die Berge, durch Berge und nochmals Berge. Ein Traum, wenn man auf zwei Raedern unterwegs ist. Der hoechste Pass schraubt sich auf bis zu 3230 Meter. Hier ist es allerdings verdammt windig und schon ganz schoen kalt (um die 15 Grad).
Sogar vor Schnee wird gewarnt - Hallo, wir sind in Afrika...!

Der Katse Damm ist einer von zwei Wasserspeichern, aus denen Johannesburg sein Trinkwasser bezieht. Es ist wohl auch der einzige Damm, aus dem das Wasser nicht ueber die Mauer laeuft, sondern ueber einen Turm im See abgepumpt wird. In Rohren von 5 Metern Durchmesser wird das Wasser den ganzen Weg in die Grossstadt in Sued Afrika atransportiert. Leider konnten wir uns die Staumauer am Abend nicht mehr von innen ansehen, denn es war schon nach 17 Uhr und Feierabend. Den Aussichtspunkt durften wir aber dennoch betreten, er liegt gleich gegenueber der imposanten Mauer. Als wir eintraten, bot man uns sofort an, dort zu campen und das ganze fuer unter 2 Euro per Zelt - Schnaeppchen. Nach der langen Fahrt, der Kaelte und den vielen Kurven verfielen wir sofort nach Zeltaufbau (18 Uhr) und trotz des lauten Wasserueberlaufs vom Damm in tiefsten Schlaf.
In der Katse Lodge goennten wir uns einen Kaffe zum Fruehstueck und versuchten mehr ueber die Strassenverbindungen zum Grenzuebergang Sani-Pass herauszubekommen. Von unserem jetzigen Standort gab es naemlich zwei unbefestigte Strassen in diese Richtung. Doch niemand sah sich in der Lage uns eine verlaessliche Auskunft ueber deren Zustand zu geben. Da wir aber gerne den beruehmt beruechtigten Sani-Pass fahren moechten, wuerde das fuer uns einen Umweg von 200km bedeuten, was wir aber auch in Kauf nehmen wuerden. Tom hatte schon im Oman von diesem Pass gehoert und, dass dieser wunderschoen sein soll. Aber auch sehr steil und steinig und wenn es regnet nicht empfehlenswert. Doch auch bei suedafrikanischen Motorradfahrern ist er geliebt.
Auf dem Parkplatz der Katse Lodge trafen wir auf ein Paar aus Stellenbosch mit einem Gelaendewagen, die unsere fraglichen Strassen knapp verfehlt haben und sich leicht verfahren hatten. Auch den Sani haben sie hinter sich gebracht und stoenten noch heute ueber die holperige, schwierige Piste. Wir entschieden uns also mal wieder umzukehren und die Passstrasse, ueber die wir kamen zurueckzufahren. (200 km Umweg - was auch sonst...?) :-/
Als wir uns wieder auf dem Weg in die richtige Richtung befanden (hin zum Sani-Pass, nicht weg) ging es schon bald wieder in die Berge. Die Sonne schien zwar, doch weit hinten drohten dunkle Regenwolken. Wir fuhren Pass ueber Pass von einer Bergkette in die naechste, leider wurden auch die Wolken dunkler. Wir entschieden uns, vorsichtshalber mal die Regensachen anzuziehen, denn Nass und Kalt in Kombination ist nun wirklich nicht schoen. Wir hatten gerade ein Hinweisschild zu Lesothos Skigebiet hinter uns gelassen, als der Asphalt aufhoerte. Auf schlaglochintensiver Schotterpiste ging es vorbei am Afri-Ski (wer haette es gedacht, einer Apres-Ski-Bar, mitten in Afrika). Wir befanden uns mitten in dichtem, kalten Nebel aus Wolken und es fing an zu regnen. Nicht viel spaeter, zeigte das Thermometer nur noch 6,5 Grad an, es hagelte und um uns herum gingen Blitze nieder.
immer schoen laecheln...

Wenn uns jemand haette sehen koennen - Ein winziges Motorrad und seine zwei Passagiere, im Gegansatz zu den gigantischen Bergen, kaempft sich den Naturgewalten zum Trotz weiter den Berg hinauf. Doch als wir uns mitten im schoensten Gewitter befanden, mussten wir einsehen, dass es wohl keinen Sinn hat sich auf Teufel komm raus weiter ins Unwetter zu wagen. Ausserdem war der Sani-Pass wohl auch defenitiv nass... Also drehten wir mal wieder um...
Am Grenzuebergang zu Sued Afrika merkten wir, dass unsere Regensachen auch alles andere als dicht waren. Es regnete hier zwar nicht mehr, aber die Sonne hielt sich auch extrem versteckt. Wir waren beide Pflotschnass und es war kalt, Arschkalt! (Trotz, hier 18 Grad zitterten Tom und ich um die Wette).
Von diesem Grenzuebergang war es nur noch ein Katzensprung nach Fouriesburg, wo wir ja bei Richard und Cherel uebernachtet hatten. Nass und frierend standen wir wieder bei ihnen vor der Tuer und wurden erneut herzlich aufgenommen. So ein Glueck, eine Nacht im Trockenen und ein richtiges Bett - Danke ihr Beiden.
Sani, das war nicht der letzte Versuch - so leicht geben wir uns nicht geschlagen, wir kommen wieder! Irgendwann...
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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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