Three Pairs Of Underwear

Johannesburg - Sicher oder was?

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Wir staunen jedesmal, wie wir es schaffen unser ganzes Zeugs wieder in die kleinen Kisten am Toeff zu verstauen. Es sieht doch einfach nach zu viel aus, wenn wir uns erstmal ausgebreitet haben. Doch es hat erneut geklappt. Also hiess es Abschied nehmen von unseren Gastgebern der letzen paar Tage, was nicht nur uns, sondern auch Pieter und Cathrine etwas schwer fiel. Pieter war schon fast so weit, sein Moped zu packen und uns zu begleiten... doch wir und wohl auch die Arbeit konnten ihn ueberzeugen, bei seiner Familie zu bleiben
Die Sonne strahlte aus ganzer Kraft vom Himmel, als wir unser Bike Richtung Shoppingcenter lenkten. Wie der Zufall so will, entschlossen wir uns im Caffee gleich am Eingang der Mall ein wenig Coffein zu uns zu nehmen. Was stellten wir da ueberrascht fest? Die haben kostenlos und so lange man will WiFi Internet. Das haetten wir frueher wissen sollen. Endlich wieder Emails abrufen und die Internetseit updaten ohne Zeitstress (10 min kostenlos, dann teuer) im Ruecken. Wir blieben also noch fuer einen zweiten Kaffee und ne Cola...

Die letzten Tage hier sind wie im Fluge vergangen. Vorher hatten uns so viele Stimmen vor Johannesburg gewarnt, das ging sogar soweit, dass uns ganz davon abgeraten wurde, hier her zu kommen. Wir selbst haben die Zeit aber sehr genossen und uns in keinem Moment bedroht gefuehlt. Sicherlich ist das Leben hier etwas anders als wir es aus Europa gewohnt sind. Jedes Haus ist von einem hohen Zaun oder einer Mauer umgeben, jedes Grundstueck ist ueber ein Alarmsystem gesichert - ja sogar einen Panikknopf gibt es im Schlafzimmer. Doch wenn man sich ein wenig vorsieht und nicht gerade mitten durch die Townships faehrt braucht man nicht all zu grosse Angst haben, dass einem das Fahrzeug an der naechsten Ampel unterm Hintern weggeklaut wird. Der Unterschied zu einer Grossstadt bei uns ist wohl hauptsaechlich die hoehere Gewaltbereitschaft. Ein Leben ist hier eben nicht so viel wert. Man sollte vielleicht nicht ganz so arglos sein wie bei uns zu Hause - wie heisst es so schoen? Gelegenheit macht Diebe - und hier sind vielleicht ein paar mehr davon unterwegs.
Was uns allerdings doch ein wenig geeaergert hat, war ein Zeitungsartikel, der uns vor ein paar Tagen per Fax erreicht hat. Da raet ein ehemaliger Bewohner von Sued Afrika doch tatsaechlich davon ab, sich zur Fussball-WM einfach einen Wagen zu mieten und hier von Stadt zu Stadt zu fahren. Es sei einfach zu gefaehrlich (?!?).
Sued Afrika ist wunderschoen und es waere sicherlich eine super Erfahrung sich aus eigener Kraft zwischen den Fussballspielen im Land umzusehen. Man sollte sich jedoch schon vor Ort informieren, um welche Ecken besser ein grosser Bogen gemacht werden sollte und nicht ganz blauaeugig drauf los fahren. Doch dafuer gibt es sogar Web-Seiten mit allerlei Informationen zur aktuellen Kriminalitaet, die sogar die Sued Afrikaner nutzen. Also nicht bange machen lassen, sondern selbst erleben und eigene Meinung bilden! Leider sind es gerade die ehemaligen Bewohner die sich hier nicht mehr wohl fuehlen oder aus anderen Gruenden ausgewandert sind, die das Land in so schlechtes Licht ruecken. Sie entwickeln foermlich Argumente, die sie entschuldigen, warum sie hier nicht mehr leben koennen. Welche aber vielleicht nicht ganz der Realitaet entsprechen. Das finden wir sehr schade!

Nach dieser ganzen Schreiberei und Surferei wurde es doch schon wieder recht spaet. Wir statteten der Garminvertretung in Johannesburg noch schnell einen Besuch ab, denn unser GPS hatte zwischendurch mal ein paar kleine Aussetzer und Problemchen mit der Routenaufzeichnung. Da wollten wir lieber auf nummer Sicher gehen, bevor wir irgendwo verloren gehen... ;-) Was sich als garnicht so eine schlechte Idee herausstellte, denn wir lernten den Chef der Garminvertretung kennen. Er war ganz begeistert von unserem voll beladenen Toeff und wies seinen Serviceangestelleten kurzerhand an, uns alle Karten, die wir benoetigen auf unsere Speicherkarte zu laden. Toll! Leider haben wir nicht an Europa gedacht... :-(


Unser freundlicher Garmin Haendler

Dann ging es wieder Richtung Sueden. Da es schon frueher Nachmittag war, allerding nicht mehr ganz so weit. Rechtzeitig zum Einbruch der Dunkelheit fanden wir einen Platz zum Zelten am Ufer des aufgestauten Wassers vom Vaal Damm. Nach einer Ehrenrunde ueber den Platz fanden wir dann auch heraus, das Kantoor Afrikans ist, fuer Buero steht und wir uns dort anmelden muessen. Nach einigem hin und her gab man uns dann als Rabatt auf unseren Campingpreis einen Stromanschluss kostenlos (haetten wir sowieso genutzt). Ob es eine gute Idee war das Notebook zu laden wissen wir nicht so genau, denn eine Katze meinte es waere eine schoene Geste, dort ihr Revier zu markieren. Auch den Platz zum Zeltaufschlagen haben wir diesmal nicht so mit Bedacht gewaehlt. Als wir am Morgen aus dem Zelt blickten, hatten wir fuer einen kurzen Augenblick das Gefuehl, im See zu zelten, denn in der Nacht hatte heftiger Regen eingesetzt und unseren Standplatz in eine riesige Pfuetze verwandelt. Fast 2 Zentimeter konnten wir den Zeltboden eindruecken und mussten auch leichten Wassereinbruch von unten verzeichnen. Es half alles nichts, wir mussten wohl oder uebel aufstehen, Zelt, Schlafmatten und Schlafsack nass wie sie waren einpacken. Als wir fertig waren lag ein grauer Wolkenvorhang ueber dem gesammten Himmel, der Regen hatte fast aufgehoert, aber eben nur fast - und uns war mal wieder kalt.


Unter den Kleidern sind wir wasserdicht...

Ein ordentliches Fruehstueck und ein warmes Getraenk zum Aufwaermen musste her! Wir bekamen den Tipp, dass es in einem deutschen Restaurant hier um die Ecke das beste Fruehstueck ueberhaupt geben soll. Also nichts wie hin.
Willy, der Belgier (schon wieder einer) der das Restaurant fuehrt ist ein echtes Original. Er habe es deutsches Restaurant genannt, weil die meisten hier glauben deutsches Essen sei besser, als Belgisches. Wie dem auch sei, das Fruehstueck war wirklich erste Sahne. Und als Vorspeise gabs doch tatsaechlich Graubrot und Griebenschmalz. Bestimmt nicht kalorienarm, aber lecker! Zum Abschied schenkte er uns sogar noch 3 original deutsche Leberwuerste - sahen wir wirklich so hungrig aus?

Nach dem Essen war es draussen immer noch kalt und diesig aber wenigstens regnete es nicht mehr. So statteten wir dem Vaal Damm selbst einen kurzen Fotobesuch ab dann ging es weiter zu einer Stadt namens Frankfoort. Wie das afrikanische Mainhatten wohl aussieht? Auf guter Gravelpiste ging es vorbei an nicht enden wollenden, riesigen Sonnenblumenfeldern. Was die nur mit den ganzen Blumen machen? Wettermaessig hat es aber geholfen, denn die Sonne kam endlich raus, als Frankfoort vor uns sichtbar wurde. Es war ein suesser, kleiner Ort mit Palmen am Strassenrand und Caffes, die aussahen, wie zu Omans Zeiten. Obwohl wir eigentlich noch vom Fruehstueck satt sein muessten, entschlossen wir uns, uns eine Torte in einem dieser Etablissemantes zu goennen. Obwohl mal wieder alles von Weissen dominiert ist, war die Verstaendigung etwas muehsam, denn hier spricht man hauptsaechlich Afrikans und dann erst ziemlich schlechtes Englisch.


Unter Palmen in Frankfurt

Nachdem unsere Maegen mit suesskram voellig ueberfuellt waren, quaelten wir uns wieder aufs Toeff und steuerten Richtung Golden Gate National Park auf der Suche nach einem Platz zum Schlafen.
Kurz vor Clarens wurden wir fuendig, weicher, gepflegter Rasen und sogar ein Indoorpool ganz fuer uns alleine. Eigentlich alles super, wenn unser Zelt nicht noch klatschnass gewesen waere, mich nicht 20 neue Mueckenstiche ereilt haetten und nicht die ganze Nacht ein riesen Scheinwerfer auf uns gerichtet gewesen waere. Naja, irgendwie haben wir dann doch geschlafen und am Morgen war das Zelt und alles Andere dann auch trocken.
Nicht mehr weit, und wir koennten die goldenen Spitzen der Berge des Golden Gate National Parkes sehen. Der kleine Ort Clarens war erstaunlich gemuetlich uns so liessen wir es uns nicht nehmen, in einem der Caffes zu fruehstuecken. Wir stellten fest, dass es neben dem leckeren Essen sogar Internet fuer uns gab. Da schon wieder ein paar Regenwolken drohten, nutzten wir die Zeit im Netz um sie vorueberziehen zu lassen. Als wir schon einige Zeit gemuetlich sassen, sprach uns Richard an. Er kam zufaellig mit seinem Auto vorbei und hatte unser Motorrad gesehen. An diesem Wochenende sei eine kleine Ralley von Motorradfahrern und er wuerde uns gerne einladen, beim Essen in Fouriesburg dabei zu sein und wir koennten dann auch in seinem Haus uebernachten. Mal wieder ein paar andere Biker treffen und was leckeres Essen - klingt gut dachten wir, zumal Fouriesburg ganz nah an der Grenze zu Lesotho liegt und da wollen wir ja hin, so sagten wir zu.

Aber zuerst wartete Golden Gate auf uns. Durch einen schmalen Canyon entlang von schroffen, scharfkantigem, blankem Felsmassiv schlaengelte sich unsere Strasse in vielen Kurven hindurch. Zwei kleine straesschen bildeten je einen Loop und versprachen wunderschoene Aussicht ueber weite Huegel und schroffe Berge. Sogar drei kleine Zebras fluechteten auf die andere Seite eines kleinen Tals, als sie vor unserem bruellenden Motor erschraken. Eine Offroadstrecke lockte uns von der Hauptroute in das immer noch bergige Hinterland. Die Sonne schien zwar fleissig, aber teilweise drohten schon wieder dunklere Wolken. Grade als wir das Ende der Gravelstrasse erreichten begruesste uns ein riesiger Regenbogen und es fing leicht an zu Regnen. Auf geteerter Strecke ging es zuerueck durch das Golden Gate Massiv. Vorbei an den nun nassen, schroffen, scharfkantigem etc. Felsen im grauen Abendlicht bis nach Fouriesburg.


Nass, weit und kalt - typisch Afrika?!?

Die Leute von der Ralley waren schnell zu finden, denn Fouriesburg ist ein kleines, verschlafenes Kaff mit gerade mal einem Hotel. Genau dort parkten bereits an die 50 Motorraeder vor der Tuer. Genau vor uns fiel eine Teilnehmerin in einer kleinen Schlammpfuetze von ihrer Bonsaiharley. Tom half ihr auf und wir parkten unser Bike im Kreise der anderen Feuerstuehle. So langsam zweifeln wir wirklich an der Waerme Afrikas... schon wieder sind wir nass geworden und uns war arschkalt. In der Eingangshalle des Hotels begruesste uns Richards Frau Cherel herzlich. Die anderen Biker nahmen nicht gross Notiz von uns. In einer Ecke sass eine blasse Motorradfahrerin, auch sie war vor der Tuer gestuerzt und hatte sich wohl das Schluesselbein gebrochen. Da es sich bei den Teilnehmern dieser Ralley aber hauptsaechlich um Aerzte handelte, war sie wohl in den besten Haenden. Leider sind solche Unfaelle bei dieser Art Ralleys nicht unueblich, denn dies sind meist die einzigen Ausfahrten, die sie pro Jahr unter die Raeder nehmen. Dann gleich vier lange Tage mit anspruchsvollen Abschnitten zu fahren, ist nicht ohne. Wir genossen das leckere Buffet und quatschten dann doch noch mit dem ein oder anderen bis sich die Gesellschaft langsam in ihre Zimmer zurueckzog. Auch sie waren muede nach einem langen Fahrtag und es wurde nicht allzu spaet. Wir folgten Cherel und Richard muede in ihr kleines suesses Haus keine 5 Minuten entfernt vom Hotel.

Rueckblickend auf diesen Blog moegen die ettlichen Essens und Trinkpausen auffallen... doch wenn man selbst durch den Rest Afrikas gefahren ist und dann diese unendlich vielen Verpflegungsmoeglichkeiten sieht - sind sie doch einzelne kleine Hoehepunkte... besonders in der herrschenden Kaelte und Naesse Afrikas...

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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