Three Pairs Of Underwear

Pferde zum Fruehstueck

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Einladend stand draussen vor unserem Stall ein grosser Tisch. Da verputzen wir die Reste vom Abendessen zum Fruehstueck, dachten wir. Ein wirklich gemuetlicher Platz mit toller Aussicht. Wenn wir nicht das Essen gegen die frei laufenden Pferde haetten verteidigen muessen - Wussten garnicht, dass die auf Huenchen stehen.

Schweren Herzens trennten wir uns dann aber von diesem schoenen Fleckchen Erde um noch andere Ecken von Swasiland zu entdecken. Das Offroad-Fieber hatte Tom noch immer voll im Griff und wir bogen nicht in Richtung Teerstrasse ab, sondern Richtung Berge. Auf Feldwegen ging es vorbei an Bauernhuetten und Feldern einem steinigen Weg entlang des Berges. Einige Feldarbeiter winkten uns zum Gruss, so kam es uns zumindest vor. Doch kurz darauf stoppte uns ein Zaun. die Arbeiter gestikulierten noch immer wild - wir sollten umdrehen, wollten sie uns zu verstehen geben. Als wir das endlich verstanden hatten winkten sie uns erleichtert hinterher. Tom gab noch nicht auf, er hatte noch einen anderen Pfad auf dem GPS entdeckt. Diesmal stoppte uns ein Fluss - OK, gewonnen, wir drehten ab in Richtung Original-Weg und Teerstrasse.

Kurz flammte die Idee auf, der hier ansaessigen, aeltesten Eisenerz Miene der Welt einen Besuch abzustatten, doch diese versteckte sich in einem Nationalpark. Der Herr am Gate war wenig wilkommenheissend und obendrein haetten wir den Eintritt fuer den Park zahlen muessen, um die Miene zu sehen. Also drehten wir um und stoppten an der nahen Glasblaeserei fuer ein zweites Fruehstueck im angeschlossenen Restaurant. - Super Pfannkuchen, perfekter Kaffe und fast noch besserer Tee fuellten unsere Maegen nun endgueltig
In der Glasblaeserei selbst konnten man bei der Arbeit ueber die Schulter gucken. Dank einer balkonaehnlichen Gangkonstruktion ueber der Werkhalle, erhielt man tolle Einblicke. Erstaunlich, wie praezise und gleichmaessig hier von Hand gearbeitet wird. Dem Angebot im Shop konnten wir aber mangels Platz und Zerbrechlichkeit gut wiederstehen.

Nach diesem entspannten Morgen, folgten wir der geteerten Strasse weiter in Richtung Sueden. Swasiland hat wie gesagt, eine einmalige Landschaft zu bieten, aber auf dieser Seite des Landes auch nicht viel Abwechslung. Ausserdem rief Johannesburg nach uns, der Toeff wollte in die Werstatt. So entschieden wir, noch heute wieder Sued Afrikanische Luft zu schnuppern.

Am fruehen Nachmittag verliessen wir das Land ueber den Grenzuebergang zu Piet Retief. Diesmal waren die Grenzformalitaeten auf beiden Seiten schnell und perfekt erledigt. Ubrigens, es gab wieder Gratiskondome in Spendern gleich neben dem Imigrationsschalter. Auf Sued Afrikanischer Seite wurden sie hier sogar gleich in Sechserpackungen ausgegeben.
Bezueglich der Strasse war es diesmal sogar umgekehrt. In Swasiland bester Teer bis zur Grenze, doch kaum in Sued Afrika angekommen befanden wir uns auf einer roten Sandpiste. Was wir jedoch genossen, schliesslich wollen wir unsere Nobblies ja nicht komplett auf Teer verbraten. Leider ist es in Sued Afrika scheinbar recht schwer, abseits der Hauptstrassen zu fahren, wenn man nicht genau weiss wo. Denn ein kleiner Umweg, den wir waehlten, stellte sich als Sackgasse heraus. So ging es schlussendlich dann doch wieder auf guten breiten Strassen weiter, durch bewaltetes Flachland Richtung Amsterdam. Wir sind schon ganz gespannt, wie die afrikanische Version der hollaendischen Stadt aussieht. Auf dem Weg dorthin staunten wir ueber die grossen weissen Warnschilder am Strassenrand. Ist Sued Afrika wirklich so schlimm wie alle sagen, oder sind wir schon so nah an Johannesburg?

Kriminalitaetswarnung, nicht anhalten!


In Amsterdam angekommen, waren wir ein wenig enttaeuscht. Die Stadt besteht aus ca. 20 schaebigen Haeusern, einer Kreuzung und einer Tankstelle. Ein Rotlichtviertel oder Coffeeshops mit Haschkeksen in der Auslage suchte man vergebens. Wir hielten nur kurz zum Tanken, dann ging es weiter nach Carolina. Eigentlich wollten wir hier uber Nacht bleiben, doch es gab quasi keine Unterkunftsmoeglichkeiten. Am Eingangstor eines kleinen Nationalparks fragten wir ob wir dort campen koennten. Der Mann am Gate war sehr entgegenkommen und haette uns Uebernachten lassen, obwohl wir mit dem Motorrad eigentlich nicht haetten einfahren duerfen. Tom und ich berieten uns kurz, entschieden dann aber das freundliche Angebot abzulehnen und weiter zu suchen. So fuhren wir Richtung Belfast, auf Schotterpiste dem Sonnenuntergang entgegen. Auch hier schien es nicht viel zu geben, ausser Felder, Wiesen und Pferde. Mitten im kleinen verschlafenen Ort tauchte ein erloesendes braunes Schild mit einem Wohnwagen drauf vor uns auf. Erleichtert folgten wir den Wegweisern. Etwas ausserhalb der Stadt fuehrte uns ein sandiger Track entlang eines Sees immer weiter weg von der Zivilisation, vorbei an Angelverbotsschildern und Anglern gleich daneben. Unser Gefuehl liess nichts gutes erahnen. Wenig spaeter erspaehten wir ein, von ausgebaeultem Maschendraht eingzaeuntes Gelaende. Die Fenster der heruntergekommenen Gebaeude waren groesstenteils eingeschlagen und einige windige Gestalten trieben sich herum. Wir wollten es zu erst nicht glauben, aber es handelte sich wirklich um den von uns gesuchten Platz. Nein, egal ob wir irgendwo auf der Strasse schlafen oder die ganze Nacht durch fahren muessen, hier wollten wir um keinen Preis bleiben. Enttaeuscht drehten wir um und fuhren etwas ziellos durch Belfast.

An einer Hauseinfahrt entdeckten wir zwei junge Maenner, ein Kind und einige Hunde umherstehen. Wir stoppten kurz entschlossen und baten die beiden um ihre Hilfe. Ob sie einen Platz wuessten wo wir campen koennen, fragten wir.
Sie sahen sich kurz an und sagten dann nur:"Folgt uns einfach, wir zeigen euch einen guten Platz, wo ihr bleiben koennt." Sie stiegen in ihr Auto und fuhren in einem Affenzahn vorraus. Erst fast 12 Kilometer spaeter bogen wir von der Teerstrasse auf eine Piste. Fuer uns war nicht wirklich ersichtlich, wo es hingehen sollte, denn wir konnten nicht ein vernuenftiges Hinweisschild entdecken. Nur einen Wegweiser zu einer Kohlenmiene. Wollten sie uns vielleicht dort verscharren? "Crime allert!" schoss er mir ganz kurz durch den Kopf.
Dann konnte man ein Eingangstor zu einem Grundstueck zwischen hohen dichten Tannen erkennen und ein dort geparktes Auto, ploetzlich war das Gefuehl wieder ein Gutes. Rupert und Frick, unsere beiden Helfer informierten kurz den Besitzer des Grundstuecks ueber unser Eintreffen. David und seine Frau begruessten uns freundlich und fuehrten uns auf dem Gelaende herum. Der vordere Teil war grasbewachsen, gepflegt und von hohen, dunklen Tannen eingefasst. Im hinteren Teil wuchs das Gras etwas hoeher und ein Bereich war eingezaeunt fuer David's Pferde. Offensichtlich handelte es sich nicht um irgendetwas offizielles, sondern Privatgrund. "Sucht euch jeden Platz aus, den ihr moegt fuer euer Zelt." bot uns David an."Das Bad ist im Haus, wir richten es nur schnell fuer euch her. Rupert erklaerte unterdessen in unsere erstaunten Gesichter, dass er sich wundert, dass scheinbar alle verlorenen Reisenden irgendwie den Weg zu ihm finden und er oder sein Nachbar hier schon den ein oder anderen beherbergt haetten.
David bot uns alle ins Haus und fuehrte uns in seine heiligen Hallen. Er ist leidenschaftlicher Jaeger und hat ein Zimmer voller Trophaeen vorzuweisen: Zebra, Bueffel, Gnu, und noch einiges mehr, ja sogar ein Leopard schmuecken den Raum. Das Erstaunlichste daran ist, dass er einen Grossteil hiervon mit Pfeil und Bogen erlegt hat.
Rupert und Frick verabschiedeten sich, Rupert liess sich jedoch nicht nehmen, uns fuer den naechsten Tag an seinen Arbeitsplatz (eine Messerschmiederei) einzuladen.
Davids Frau zeigte mir zwischenzeitlich das Bad und fragte dann, ob wir wirklich im Zelt schlafen wollen, wir koennten doch auch gleich das Zimmer nutzen. Da es doch empfindlich kuehl geworden war, nahmen wir das Angebot gerne an.

Spaeter bei Tee und Kuchen tauschten wir mit dem weitgereisten David einige gute Tipps fuer unsere Weiterreise aus. Da seine Frau aus Lesotho stammt kannte er sich auch dort gut aus uns konnte mit einigen interessanten Informationen glaenzen. Fuer die Nacht wurden wir mit unzaehligen Buechern ueber Sued Afrika, Lesotho und Umland versorgt.
Trotz stenenklarer Nacht fing es irgendwann heftig an zu regnen und wir waren gluecklich im trockenen Haus zu sein. Unglaublich wie das Schicksal manchmal spielt. Auch am Morgen hatte der Regen noch nicht nachgelassen, er war sogar so stark, dass David uns anbot ruhig noch zu bleiben. Wir verschoben die Entscheidung auf ein wenig spaeter, denn neben Rupert und Frick wartete noch ein riesiges Fruehstueck auf uns. Nach Speck und Ruehrei sowie gebratenen Tomaten, Toast und Bohnen. Erhielten wir noch weitere "Muesst-ihr-unbedingt-sehen-Tips" in Sued Afrika, Namibia und Botswana. Beim Anblick der grossen Distanzen, bekamen Tom und ich echte Zweifel, ob wir ueberhaupt noch genuegend Zeit haben um alles zu sehen, was wir sehen moechten, bis wir im August oder September 2010 wieder zu Hause sein muessen. Dieses Gefuehl und die Tatsache, dass der Regen etwas nachlies, ueberzeugte uns noch heute den Weg nach Johannesburg anzutreten.

Wenn es regnet wird sogar der Weg vom eigenen Grund zur Schlammschlacht


Natuerlich statteten wir Rupert in seinem Reich einen Besuch ab. Sein Chef ist einer der besten Messerschmiede der Welt und auch rund um die Werkstatt haben sie sich einen lebenswerten Fleck geschaffen. Eines der zwei einzigen Mini-Maultiere in Afrika sah uns ueber einen Zaun im hinteren Teil des Gartens an. Auch einige Pferde, Huehner und Hunde liefen umher.
Die Werkstatt selbst und die vielen verschiedenen Materialien mit denen hier Messer entstehen beeindruckten uns sehr. Im Lager der Schmiede fanden sich Elefantenhaut, Froschleder und sogar Nilpferdzaehne. Aus denen Griffe oder Scheiden fuer die Schneidewerkzeuge hergestellt werden. Aus unzaehligen Lagen, verschiedener Arten Metall entstehen hier sogar Damaskusklingen. Diese Klingen sind selbst bei uns bekannt fuer ihre Schaerfe und Robustheit. Ausserdem weisen sie durch die Art der Herstellung eine ganz eigene Musterung auf.

Vorsicht scharf! Aber ist es nicht schoen?


Auch sonst gibt es hier alles was der Messerliebhaber begehrt. Von Kuechen- uber Jagtmesser bis hin zu Historischen Nachbildungen allerlei Jagt- und Toetungsinstrumenten. Sogar Historische Boegen aus Holz werden hier gefertigt.
Doch auch so simple Dinge wie Messerschleifen, beherscht man hier meisterhaft. Unser grosses Reisemesser ist nun endlich wieder was es sein soll - SCHARF... und wie!

Nach dem interessanten Einblick in eine Art der Arbeitswelt, rief uns unueberhoerbar die grosse Stadt. Durch den Regen hatten wir schon viel Zeit verloren am Morgen und inzwischen war es schon frueher Nachmittag. Es hiess also schnell auf die Strasse, wenn wir Johannesburg nicht mitten in der Nacht erreichen wollten.
Allerdings fuhren wir an einem Fleischmarkt vorbei und Tom wollte nicht ohne Biltong aufbrechen. Als wir uns dem grossen Gebaeude naeherten, erkannten wir unzaehlige Rinder umgeben von Roten Metallgalaendern vor dem Haus. Im angeschlossenen Shop erklaerte man uns, dass es heute kein Biltong gaebe, weil Vieh-Auktion ist.
Gut, also kein Biltong kaufen, aber mal bei der Auktion hineinsehen.

Wildes Vieh und halb schlafende Bauern - aber kein Biltong


Wir haben erst nach einigen Minuten erkannt, mit welchen Zeichen die Bauern ihr Gebot abgaben. - Von Augenzwinkern bis zu Kopfnicken, sonst bewegten sie sich nicht viel. Was der Auktionator von sich gab, haben wir bis heute nicht verstanden. Aber wir haben es auch irgendwie hinbekommen, nicht eine ganze Kuh unser Eigen zu nennen.

Schon ein paar mal haben wir heute versucht Pieter (den Bekannten in Johannesburg) mit unserem Handy anzurufen, doch irgendwie streikte das Mobilnetzwerk. So waren wir zwar auf dem Weg in die grosse, gefaehrliche Stadt, wussten aber nicht ob wir wirklich eine Unterkunft haben. An einer Tankstelle auf der Autobahn erreichten wir ihn dann ueber eine Telefonzelle, doch auch das Gespraech war unterbrochen. Per SMS erhielten wir dann: "Klar seit ihr willkommen!" und eine kurze Wegbeschreibung. Also ging es wieder rauf auf die Autobahn und natuerlich wurde es langsam dunkel. Dicke Regenwolken bauten sich vor uns auf und noch 1,5 Stunden Fahrt lagen vor uns.

imposantes Schauspiel


Erstaunlicherweise blieben wir groesstenteils trocken und erreichten Johannesburg. An einem Einkaufszentrum hatten wir uns mit Pieter verabredet. Ich verschwand kurz um etwas einzukaufen, waerend Tom draussen wartete. Als ich wieder hinaus kam, stand eine blonde, aufgetaktelte Frau neben ihm und himmelte ihn foermlich an. Als ich ploetzlich auftauchte, aenderte sie ihre Taktik und quatschte uns beide zu. Sie bot uns sogar einen Schlafplatz in Pretoria an, als endlich Pieter auftauchte und uns von ihr erloeste.
Wir folgten ihm in seinem Auto bis nach Hause. Ein grosses Tor schob sich elektronisch vor der Einfahrt auf. Das Grundstueck war von einem hohen Zaun umgeben und hinter uns schloss sich das Tor zuegig wieder. Ein grosses Haus mit Pool lag vor uns. Seine Frau fuehrte uns in unser eigenes, riesiges Zimmer mit grossem, gemuetlich aussehendem Bett auf dem jede Menge Kissen lagen. Wir hatten sogar gleich gegenueber unser eigenes Bad.
Wir haetten keine Bessere Unterkunft finden koennen um ein paar Tage zu bleiben in dieser grossen unbekannten Stadt.

In den naechsten Tagen haben wir einige Dinge zu erledigen. Hoffen wir mal, dass alles klappt und nicht wieder 3 Wochen dauert, wie in Nairobi.

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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