Three Pairs Of Underwear

Wir sind aus Switzerland nicht Swaziland

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Schon der Weg zur Grenze Swasilands ist atemberaubend schoen. Die Strasse schraubt sich auf bestem Asphalt immer hoeher in die grasbewachsenen Berge. Schnell befinden wir uns mitten drin und um uns herum sind nur noch gruene Huegel, soweit das Auge reicht.
Jeden, den wir bisher zur Strassenbeschaffenheit auf Swasilandseite an der Grenze Josefsdal/Bulembu gefragt haben warnte uns, die Strasse sei in sehr schlechtem Zustand - kaum zu glauben, bei dem guten Strassenbelag auf dieser Seite der Grenze. Doch wir haben ja schon of erlebt, wie sich auf der anderen Seite des Schlagbaums alles um 180 Grad veraendern kann...

An der Grenze angekommen, muessen wir die kartenspielenden Grenzbeamten erst ein wenig zur Arbeit ueberreden. Mit grossen Augen sahen sie uns an - als haetten sie noch nie Reisende gesehen. Immerhin erkannten sie unsere Paesse als Reisedokumente und stempelten sie auch umgehend in ihrem neu gebauten, modernen Grenzgebaeude. Mit dem Zolldokument fuers Motorrad brauchte es schon etwas mehr Ueberredungskunst - doch auch dies klappte nach 10 Minuten auf sie einreden.
Neben dem Schalter wurden Kondome gleich gratis im Zweierpack angeboten. Nicht ohne Grund, denn Swaziland hat die hoechste AIDS-Rate in der Welt: 39% so wird geschaetzt, im Alter zwischen 15 und 39 Jahren sind mit dem Virus infiziert. Eine Krankheit die grosse Probleme schafft. Ganze Familien werden innerhalb kurzer Zeit ausgeloescht - ja sogar ganze Doerfer vergeistern - oft bis auf ein Wasienhaus fuer Kinder infizierter Eltern. Die Lebenserwartung ist innerhalb weniger Jahre von 58 auf 33 Jahre gesunken. Geschaetzte 200'000 Kinder wachsen ohne Eltern auf - allein in Swaziland mit einer Bevoelkerungszahl von 1.1 Milionen. Heute wird versucht durch flaechendeckende Praevention und Aufklaerung das Problem in den Griff zu bekommen.

Auch bei den Grenzbeamten fragten wir nochmals nach dem Zustand der Strasse und wieder hoerten wir: "Very bad..." doch mit dem Motorrad machbar. Wir liessen uns dadurch eher anspornen - endlich wieder Offroad mit etwas Spannung, nach all den geteerten Strassen in Suedafrika bisher. Schliesslich haben wir nun ja auch echtes Stollenprofil unter dem Hintern. Also ab auf die Piste - der Schlagbaum auf der Swazilandseite sieht wie erwartet schon etwas anders aus. Etwas schief haengend, koennte etwas Farbe vertragen - wie das Haeusschen daneben auch, doch das Personal war freundlich und begruesste uns mit einem breiten Lachen. Auch hier bekamen wir die noetigen Stempel ohne Warten in unsere Paesse. Nach bezahlen einer Strassenbenutzungsgebuehr erhielten wir auch gleich Reisetipps fuer Sehenswuerdigkeiten in Swaziland. Viel scheint es nicht zu geben, dennoch sind die Beamten stolz auf das Wenige in der Gegend und verabschieden uns wieder mit einem Laecheln.
Die "very bad" Strasse war trocken und fuer uns leicht zu meistern. Fast etwas enttaeuscht erreichten wir wieder Teer und machten uns ohne genaue Plaene auf in Richtung Sueden. Der Weg fuehrte duch streichholzaehnlich hochgewachsene Monokulturen von Baeumen, die leider im Begriff sind abgeholzt zu werden. Doch diese Industrie stellt heute eines der wenigen Einkuenfte fuer das geschwaechte Koenigreich dar. Die erwartete Berglandschaft wuerde in der Schweiz eher als huegelig bezeichnet - doch das stetige Gruen der weiten Wiesen und Waelder hat was ganz Eigenes.

Autobahn durch den Wald auf afrikanisch...


Unserem Gefuehl folgend, bogen wir an einer Strasse ab und folgten den Wegweisern zum Hawane-Spa-Resort fuer eine Mittagspause. Ein Blick auf die Menukarte verriet zwar nicht gerade guenstiges Essen - doch einem frischen Gruenen Salat konnten wir nicht wiederstehen. In den bisher bereisten Laendern in Afrika wurde immer abgeraten sowas zu essen. Weiss nicht, ob uns dies abgeschreckt haette - doch genau genommen war es einfach nicht verfuegbar bisher und die Gelegenheit in Sued Afrika bot sich noch nicht. Kaum zu glauben, auch Tom lief das Wasser im Mund zusammen, als er das frische rohe Gemuese auf dem Teller vor sich fand - seine Version war jedoch auch mit Biltong (getrocknetem Fleisch) garniert.
Das leckere Mittagessen spornte uns an, mehr von diesem kleinen Paradies zu entdecken. Nebst einigen kleinen schmucken - aber auch teuren - Haeuschen, gab es einen Pool, eine Sauna und Pferde auf weiten Wiesen soweit das Auge reicht. Auch fuer unser Budget war was dabei: Ein kompletter Pferdestall, umgebaut als Backpackers Lodge zum erschwinglichen Preis. Von aussen sah das Gebaude, im Vergleich zur restlichen Anlage, zuerst weniger einladend aus, doch ein genuer Blick drinnen liess uns erstaunen. 20 original Pferdeboxen wurden liebevoll eingerichtet als Schlafkammern mit je 3-4 Betten. Die Futterkammern waren nun saubere Badezimmer - die Sattelkammer komplett eingerichtet als Kueche mit Esstisch mit grandioser Aussicht auf die grasenden Vierbeier. Der Charme hatte uns sogleich gefangen und wir entschieden, fuer heute genug gefahren, wir bleiben eine Nacht. Wir waren die einzigen Gaeste im Stall und hatten somit das ganze kleine Reich fuer uns alleine. Das Moped durfte drinnen in der Kueche parken und uns beim Kochen zuschauen. Fast wie eine echte Familie ;-)

Heimelige Stallidylle - Box Nr. 7 war Unsere...
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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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