Three Pairs Of Underwear

Weisses oder braunes Brot?

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Heute morgen (09.02.2010), gegen 7 Uhr morgens weckten uns seltsame Grunz- und Wuehlgeraeusche ganz in der Naehe. Im Wald gleich hinter unserem Zelt zog wohl eine Warzenschweinfamilie vorbei und nahm auch gleich den Zeltplatz unter die Lupe. So eine hauseigene Muellkippe lockt eben auch Tiere an. Doch nach einigen Minuten war der Radau vorbei und wir drehten uns nochmal um. So standen wir ganz gegen unseren Plan erst um 9 Uhr auf und wollten unsere uebrigen Mangos zum Fruehstueck aufschneiden. Gleichzeitig sollten unsere Kuechenutensilien wieder an ihren Platz verstaut werden, ich bemerkte jedoch noch rechtzeitig eine beachtliche Anzahl von Affen, die ihren Anteil von unserem Fruehstueck witterten. Ein Affe sass blitzschnell auf dem Tisch und griff sich einen wohl gut riechenden Suppenwuerfel, die Mangos hatte ich gluecklicherweise nicht aus der Hand gelegt. Wir haben ja schon am Tiwi Beach in Kenia gelernt, wie schnell, schlau und vorallem frech die kleinen kletternden Gefaehrten sind. Unser Fruehstueck war also nochmal gerettet;-)
So ging es kurz darauf also los Kultur und Geschichte tanken.

Beim Great Simbabwe handelt es sich um das einst groesste geistige Zentrum in Afrika, suedlich der Sahara. Es ist ausserdem Zeuge eines urzeitlichem, zivilisierten Afrika, welches vor seiner Entdeckung in dieser Form nicht erwartet worden waere. Der Name, so wird vermutet, stammt aus der Sprache der Shona und koennte etweder heissen "dzimba dza mabwe (grosse Steinhaeuser) oder dzimba woye (Erwartete Haeuser). Zur Entwicklung der Stadt trugen auch die vielen Swahelischen Haendler bei, die entlang der Kueste Mosambiques waerend des zehnten Jahrhunderts vertreten waren, unter Anderem wurde hier auch chinesisches Porzellan gehandelt. Historisch hinterlegt ist, dass dieser Ort jedoch das erste mal im elften Jahrhundert bewohnt wurde. Seine Bewohner fanden sich vermutlich aus vielen durcheinandergewuerfelten Gruppen zusammen, worauf deren grosse Anzahl schliessen laesst. Durch den swahelischen Goldrausch wuchs die Stadt zu einem starken religioesen und politischem Zentrum heran und war das Herz der Rozwi Kultur. Letztendlich wurde sie im fuenfzehnten Jahrhundert aber Opfer ihres eigenen Erfolges, denn zu viele Menschen, zu wenig Resorcen und schwierige Umwelteinfluesse zwangen die Bewohner zu fruchtbarerem Land abzuwandern. Als die Portugiesen im sechzenten Jahrhundern hier eintrafen, war alles ausgestorben.

Diese geschichtsgetraenkten steinernen Waende sind sicherlich ein Highlight vom suedlichen Afrika. Es gibt verschieden Areale zu erkunden, die durch mehr oder weniger sichtbare Wege miteinander verbunden sind. Zu erst wanderten wir zu den imposanten, ebenerdig gelegenen Steinmauern - dem Great Enclosure. In Millimeterarbeit wurden hier von Hand unzaehlige, gleichfoermige, graue, fast weisse Steine aufeinandergestapelt und bilden noch heute hohe, unendlich erscheinende Mauern. Ein Meisterwerk, wenn man bedenkt, wie alt alles hier schon ist und wie viel davon noch erhalten blieb. Wenn man durch die engen Gaenge schreitet, wird einem seltsam bewusst wie klein man selbst doch eigentlich ist. - Was auch dazu beigetragen haben mag, ist die Tatsache, dass wir die eizigen Menschen weit und breit waren.


Eng, steinig und Imposant


Durch trockenes Gras fuehrten uns gut versteckte Wegweiser zu dem etwas steileren Aufstieg zum Hill Complex. Unzaehlige Treppen stiegen wir durch enge steinerne Gaenge den Berg hinauf, das war schon der Anfang des naechsten architektonischen Meisterwerkes. Hier wurden das vorhandenen Felsgestein in den Bau integriert. So entstand hier eine Art Festung mit einer grossen Anzahl Gaengen und Treppen, von hier oben hat man auserdem einen wunderschoenen Blick weit ueber das Areal der Museumsstaette hinaus. Doch die Sonne stand schon hoch am Himmel und wir machten uns langsam wieder an den Abstieg, denn wir wollten noch heute versuchen ueber die Grenze nach Sued Afrika zu kommen. Viele Warnungen haben wir zuvor ueber den Grenzuebergang in Beitbridge gehoert. Der Weg dorthin sei muehsam, denn staendig wuerde man durch Polizeikontrollen aufgehalten und zur Kasse gebeten. Auch der Grenzposten selbst sei beruechtigt fuer unzaehlige Grenzgaenger jeden Tag, somit sei es sehr voll und man kann mit Wartezeiten von 4 Stunden und mehr rechnen. Selbst das Gepaeck wird hier oft akribisch durchsucht, was natuerlich auch Zeit und Nerven kostet. Wir sind gespannt und lassen und dadurch natuerlich nicht entmutigen...
Der Weg zur Grenze ging wieder entspannt ueber die autobahnaehnliche Schnellstrasse. Da das Profil unserer Reifen in den letzten Kilometern nur noch kaum merklich mehr abgenommen hat sind wir uns inzwischen so gut wie sicher, dass sie es bis Polokwane (ehemals Pietersburg) schaffen, wo bereits die neuen Gummis auf unsere Ankunft warten.

Nein, das sind keine Rennreifen mit seitlicher Offroadhilfe...


An der Grenze angekommen, fanden wir wirklich kaum einen Parkplatz und vor dem Gebaeude hatte sich eine lange Menschenschlange gebildet. Tom stellte sich an und war nach wenigen Minuten im Gebaeude verschwunden. Einige Minuten spaeter kam er wieder raus - beide Paesse fertig gestempelt und die lange Schlange war komischerweise auch verschwunden. Am naechsten Haeuschen kam der zustaendige Herr extra fuer uns an seinen Platz um das Carnet zu stempeln - eine Sache von 2 Minuten. Wir wunderten uns kurz und waren gespannt auf den Sued Afrikanischen Posten... ob da auch alles so problemlos laeuft?

Naja, nicht ganz. Die Anzahl der einreisewilligen Menschen war hier nicht geringer, dafuer waren das Imigrationsschalterpersonal nicht ganz so freundlich... dennoch hielten wir nach einer halben Stunde die mit Einreisekleber und Stempel versehenen Paesse und das fertige Carnet de Passage in den Haenden. War doch garnicht so schlimm dachten wir, doch bevor wir die Schranke in das neue Land passieren durften mussten wir noch am Zoll vorbei... Ein grosser, dominanter, dunkelhaeutiger Herr stellte uns allemoeglichen Fragen und liess dabei keinen Zweifel an seiner Autoritaet. Dann wollte er, dass wir die Koffer oeffnen - nachdem die erste kleine Tasche offen war, hatte er allerdings schon das Interesse verloren, er gab uns mit einem Wink und einer freundlichen Verabschiedung zu verstehen, dass wir einreisen duerfen. Beitbridge, Simbabwe - Sued Afrika in 45 Minuten, nicht schlecht oder?


Juhu, wir sind fast da...

Gleich als wir die erste Sued Afrikanische Strasse befuhren, war der Unterschied zum restlichen Afrika deutlich spuerbar. Eine grosse, tadellose Strasse, eingefasst von hohen Elektrozaeunen schlaengelte sich durch das weite Land. Es waren keine kleinen Lehmdoerfer mehr zu sehen, nur noch moderne Autobahn, mit viel Landschaft drum herum.

Im naechsten Ort brauchen wir nun nur noch eine Unterkunft und nen Internetzugang um endlich an unsere Emails zu kommen. Aber das sollte im zivilisierten Sued Afrika ja kein Problem sein, oder?

Doch ist es, denn es stellte sich als garnicht so einfach dar, eine bezahlbare Herberge zu finden. Ausserdem existierte der von uns angesteuerte Zeltplatz mittlerweile nicht mehr. Auch die Internetcafes haben hier ganz geregelte Oeffnungszeiten und das bedeutet, sie sind schon um 17 Uhr geschlossen. Etwas verloren fuhren wir durch die Wohnsiedlungen, welche einen amerikanischen Vorstadtcharme verspruehten - gepflegte gruene Rasenflaechen vor dem Haus, daneben eine breite, gepflasterte Einfahrt zur Garage. Einen letzten Versuch einen Schlafplatz zu finden, wagten wir als uns ein Hotelschild aus einer Ausfahrt zu winkte. Doch auch hier waren uns 80 Euro fuer ein Zimmer zu viel. Allerdings war der Herr hinterm Tresen so freundlich, dass wir an seinem Computer schnell unser Mails abrufen konnten. Dann bekamen wir noch den Tipp fuer einen Caravanpark ca. 30 km von hier entfernt. Die Strasse sei nicht so gut und sehr kurvig, wir sollen aufpassen, rief er uns noch hinterher. Inzwischen war es 19 Uhr und wurde schon wieder dunkel, also beeilten wir uns den besagten Platz zu erreichen. Die Strasse schlaengelte sich in leichten Kurven durch die dunkle Landschaft und war bis auf ein paar Schlagloecher perfekt. Als wir den Platz erreichten war es halb acht, zu unserem Erstaunen war alles verschlossen und dunkel. Dass Sued Afrikaner frueh schlafen gehen haben wir ja schon gehoert, aber so frueh?
Hinter einer vergitterten Tuer regte sich dann aber doch noch etwas und wir wurden freundlich empfangen. Fuer 22 Euro durften wir unser Zelt aufstellen. Es wurde sogar noch der Ladenbesitzer des kleinen Supermarktes auf dem Gelaende aus dem Bett geklingelt, so dass wir noch unser Abendessen einkaufen konnten. Garnicht so einfach bei der Auswahl... Als wir fragten, ob er auch Brot habe, entgegnete er: "Klar, weisses oder braunes Brot?" Bisher hatten wir immer nur die Wahl zwischen Brot oder halt meist "kein Brot" Auch gefrohrenes T-Bone Steak und Bratwurst hatte er im Angebot. So zauberten wir in der dortigen Kueche ein wirklich leckeres Abendbrot. Sued Afrika wir sind da, wir sind gespannt auf dich!

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