Three Pairs Of Underwear

Nach Simbabwe ?!?

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Nach einem extrem reichhaltigen Fruehstueck in Tete setzten wir unseren Weg Richtung Simbabwe fort. Nach dem wir unseren Tank noch schnell wieder an einer Tankstelle aufgefuellt hatten (Benzin koennte ja knapp werden), bedankten wir uns mit einem freundlichen "Obrigado". Das wurde mit einem laechelden Gesicht und langem blabla auf Portugisisch beantwortet. Ja, Portugisisch ist hier naemlich die Amtssprache. Eine interessante Abwechslung zu all dem Swahili, Zulu und was im Rest des Kontinentes sonst noch gesprochen wird. Ein wenig hatten wir den Eindruck, dass sich dieses portugisische Flair auch in der schroffen Landschaft wiederspiegelte - die Waerme tat ihr Uebriges. So kam sogar leichte Urlaubsstimmung auf und wir rauschten entspannt den Rest des Highways nach Simbabwe an einem Stueck durch.

Was wird uns wohl in Simbabwe erwarten? Gehoert haben wir ja vieles und meist nicht die ermutigsten Geschichten. Das Geld sollte man nur auf dem Schwarzmarkt wechseln, da waere es 6 mal mehr wert als wenn man bei einer offiziellen Bank tauscht. Man sollte keine Wertsachen sichtbar bei sich tragen, da wuerde man quasi gleich an Ort und Stelle ueberfallen. Mit den Einwohnern sollte man nicht sprechen, dass koennte als Spionage missverstanden werden, fotografieren genauso und man wird festgenommen. Wundern wuerde es uns nicht, denn vor noch garnicht so langer Zeit wurden alle weissen Landbesitzer vom Staat enteignet, so hoerten wir. Seither leidet das Gleichgewicht im Land und es fehlt an substanziellen Mitteln an allen Enden - hoerten wir auch. Genauso wurden wir gewarnt vor korrupten Grenzbeamten und Polizeicheckpoints, die alle paar Kilometer ihr Glueck fuer ein zusaetzliches Einkommen suchen - mit unseren abgefahrenen Reifen sei es kaum ohne Bussgeld zu schaffen. Ein Land, dass vor ein paar Jahren noch Inflationsraten von 3000% in ein paar Wochen verzeichnete. Dies alles hoerten wir aus verschiedenen Quellen. Fakt war, dass das deutsche Aussenministerium vor Reisen in das Land warnte, das Schweizer sich jedoch recht neutral hielt und ueber wenig Negatives berichtete. Und so machen wir uns wieder mal gleich eben selbst ein Bild davon.


Schon an der Grenze ueberraschten uns die Zoellner mit hoechster Professionalitaet, konkreten Informationen und einfachen sowie klaren Bestimmungen fuer die Einreise. Keine hinterlistigen Fragereien erschwerten die Einreise und keine unklaren Gebueren wurden erhoben, so war die Grenze in 10 Minuten passiert. Wir befanden uns auf einer gut geteerten, gradlienigen Teerstrasse durch weite gruene Ebenen in der aufgestapelt wie Baukloetze, rundgeschliffene Felsbloecke die Landschaft verzierten.
Es war immer noch heiss und so steuerten wir im naechsten groesseren Ort einen Supermarkt an, um uns mit kuehlen Getraenken zu erfrischen. SPAR stand in grossen, roten Buchstaben ueber dem Eingang - eine uns gut bekannte Supermarktkette aus Europa. Die Preise auf den Werbetafeln vor der Tuer waren zu unserer Verwunderung in US-Dollar angegeben. Doch wie wir von den Kassiererinnen erfuhren ist dies nun die Waehrung, die im ganzen Land Gueltigkeit hat.

fast wie zuhause...


Unser Toeff stand von Passanten kaum beachtet vor der Tuer in der Sonne. Erst als Tom und ich daneben unsere Getraenke leerten, gruessten einige Leute herzlich oder stellten Fragen ueber das Bike und die Reise. Alle sprachen ausgesprochen gut Englisch und waren extrem freundlich und respektvoll. Die Umgebung erschien uns sauber, organisiert und sicher, auch bettelnde Menschen suchte man vergebens. Einen Passanten fragten wir nach Unterkunfstmoeglichkeiten in Harare unserem Ziel fuer diesen Tag. Er gab uns hilfsbereit ein paar Tipps, Wegbeschreibungen und seine Telefonnummer, falls wir Hilfe benoetigen sollten. Tom und ich waren schon jetzt, nach diesem ersten Stopp, richtig ueberwaeltigt von dem Land und seinen Menschen.

Auf dem Weg nach Harare liessen wir uns einen kleinen Umweg nicht nehmen. Sehenswuerdige Punkte sind auf unserer Karte mit Sternchen markiert und so ein Sternchen mit der Beschriftung "Hoehlenzeichnungen" lag nur leicht ab von unserem Weg. Auch wenn wir durch dieses Land auf dem kuerzesten Weg hindurchfahren, so wollen wir doch ein wenig mehr sehen, als nur den "Highway"...
Von einer Nebenstrasse bog eine sandige Piste ins gruene Umland ein. Leider gab es sonst keine Hinweisschilder und so mussten wir uns durchfragen. Was sich als einfacher herausstellte als gedacht, denn die Menschen, die hier in den kleinen Lehmhausdoerfern wohnten sprachen fast ausnahmslos Englisch, wie wir schnell feststellten. So erhielten wir von drei jungen Frauen, die uns entgegen kamen eine gute uns ausfuehrliche Wegbeschreibung. Einige Minuten spaeter stoppten wir auf einer steinigen Felsplatte, welche wohl den Vorhof zu einem kleinen Haus darstellte. Sein Bewohner gruesste freundlich und wies uns den Weg Richtung Bergmassiv. Ein schmaler Pfad fuehrte uns durch hohes Gras, einige Kinder folgten uns gespannt und als wir das Motorrad zwischen den Straeuchern parkten kam eine Frau auf uns zu. Sie wuerde uns gern den Weg zeigen, sagte sie. Doch wir wollten lieber ohne Begleitung gehen, auch kein Problem, sie liess uns den Berg alleine erklimmen. Die Kinder folgten nur immer gerade so weit, dass ihre neugierigen Blicke uns eben so sehen konnten. Der Weg zu den Zeichnungen fuehrte ueber die blanke granitartige Steinflaeche bergann zu einem Ueberhang im Fels. Da ich mir vor zwei Tagen eine Erkaeltung eingefangen habe, musste ich unweit vor den Felszeichnungen abbrechen und wartete im Schatten auf Tom. Der Aufstieg war recht anstrengend, aber lohnenswert. Beeindruckend deutliche und viele Zeichnungen konnte Tom im Fels entdecken. Auch die Aussicht hier oben war grandios. Das weite gruene Land mit seinen malerischen Felsformationen lag vor uns. Ein Gefuehl von Freiheit und Reiselust breitete sich wieder in uns aus. Suedafrika wir kommen, doch erst lernen wir Simbabwe noch etwas besser kennen

auch hier ist Gruen in...

Am fruehen Abend trafen wir in Harare, der Hauptstadt Simbabwes ein. Leicht verloren kommen wir uns vor zwischen den modernen, glaenzenden Hochhaeusern, und der aufgeraeumten Stadt. Nur teure Hotels schlug uns das GPS vor. Fast haetten wir schon an einem Tor einer Hilforganisation geklingelt und um Asyl fuer die Nacht gebeten. Als wir zufaellig an der Aqua Lodge vorbeifuhren. Es handelt sich hierbei um eine lokal gefuehrte Unterkunft, noch heute sind wir uns nicht ganz sicher, ob es sich um ein Hotel oder ein Stundenhotel gehandelt hat, denn mitten ueber unserem Bett befand sich ein "Guckloch" in der Holzdecke. ;-) Aber sauber wars und heiss Wasser gab die Dusche auch her. Inzwischen war es schon dunkel und in unserem Hotel gab es nichts zu Essen. Wir koennten zu Fuss zum Messezentrum gehen, schlug man uns in der Lodge vor, dort gaebe es Kantinen mit einfachen aber guten Gerichten. Gesagt getan... Die Sicherheitsleute am Gate zum Messegelaende erklaerten uns den Weg durch das unbeleuchtete Areal. Doch heute war Sonntag und alle Kuechen hatten geschlossen. Wir hoerten eine Stimme nicht weit entfernt und ploetzlich tauchte aus der Dunkelheit eine Gestalt vor uns auf. Es war ein Sicherheitsmann, der wohl grade seinen Dienst begonnen hatte. Hilfsbereit zeigte er uns einen Kiosk, der auch gerade im Begriff war zu schliessen. Letztendlich konnte der Besitzer aber noch zwei Pakete Toastbrot, eine Dose Bohnen und 4 Flaschen Cola an uns verkaufen. Eine Cola trank dankend der Sicherheitsmann und ein Brot spendierten wir ihm auch. Gluecklich zogen er und wir wieder von Dannen. Zurueck im Hotel gab es dann Brot mit kalten Bohnen aus der Dose - wir waren naemlich einfach zu faul sie aufzuwaermen.
War aber garnicht so uebel.

Zivilisation so weit das Auge reicht...

Morgens versuchten wir unser Glueck dann noch an einem der zahlreichen Geldautomaten in der Stadt und siehe da, man konnte direkt US-Dollar beziehen. Da wir kaum noch Dollars bei uns haben, war das eine gute und vorallem einfache Gelegenheit, sich nochmal mit ein paar neuen Scheinen einzudecken. Dann ging es weiter suedwaerts vorbei an unzaehligen, riesigen, nicht enden wollenden Maisfeldern. Grosse Schilder wiesen darauf hin, dass sie sich im Eigentum von Saatforschungsinstituten befinden und zu Argrartrainingszwecken verwendet werden. Ob hier nicht wohl auch ein wenig Genforschung im Spiel ist? Wir hoffen nur, dass der Mais auch verzehrt wird und nicht irgendwo vernichtet.

Es war frueher Nachmittag, als wir einen kleinen staubigen aber doch zivilisierten Ort erreichten, welcher eigentlich nur aus grossen Kreuzungen und Werkstaetten bestand. Wir tankten unser Toeff und fragten uns nach einem Internetcafee durch, was uns allerdings nicht wirklich weiterbrachte. Nach einiger Zeit des Suchens konnten wir aber doch eine ziemlich ueberfuellte Raeumlichkeit ausfindig machen. Sie befand sich im ersten Stock in einer eigentlich schoenen Altbauwohnung mit hohen Waenden und einem riesigem Balkon. Doch alles stand wild durcheinander und jeder Zentimeter war mit Internetnutzern, Computern, ausrangierten Tischen und altem PC-Krams besetzt. Wir konnten unser Notebook auf dem Balkon zwischen weiteren abbruchreifen Tischen und alten zugestaubten Bildschirmen anschliessen, aber nicht unser Emails abrufen, da "Google" in Simbabwe wohl gesperrt ist. Auch die Verbindungsgeschwingikeit war nicht so berauschend, eher quaelend. Einige Aktualisierungen an unserer Webpage bewerkstelligten wir aber dennoch. So konnten wir also nur halben Erfolg verzeichnen, suchten aber nicht weiter nach einer Internetalternative sondern fuhren weiter zu unserem Tagesziel, dem Great Zimbabwe (Grosses Simbabwe).

Zufaelligerweise fuehrte unser Weg durch dieses Land sowieso fast daran vorbei und so nahmen wir den kleinen Umweg fuer diese bedeutende Sehenswuerdigkeit auch gern in Kauf. Auf dem Weg erstanden wir am Strassenrand noch etwas Gemuese und Mangos fuer das Abendessen. Nach einigen Kilometern auf der Teerstrasse erreichten wir dann einen Abzweig auf eine Schotterstrasse zu einem nobel aussehenden Hotel. Erst waren Wir uns nicht ganz sicher noch auf dem richtigen Weg zu sein, doch dann fuhren wir duch das Hotelgelaende und erreichten kurz darauf das Infohaeuschen und Gate vom Great Zimbabwe mit angeschossenem Campground. Alles war gut und professionell organisiert und doch hatte man fast voellig seine Freiheit. Wenn einmal der Eintritt bezahlt ist, kann man sich auf dem ganzen Gelaende frei bewegen und innerhalb der 24 Stunden sooft man moechte um und durch die Sehenswuerdigkeiten spazieren. Der Zeltplatz lag idyllisch und ruhig, dennoch hatte jeder Platz seinen eigenen Wasseranschluss, eine Sitzecke aus Beton und sogar ein grosser Muelleimer stand fuer uns bereit (so ziemlich das erste Mal in Afrika). Doch als Tom die Umgebung im Geaest einige Meter hinter unserem Zelt erkundete, entdeckte er ein grosses Loch im Boden in dem der Muelleimer wohl regelmaessig ausgeleert wird. An die afrikanisch Muellentsorgung muessen wir uns noch immer gewoehnen...
Ausser uns war nur noch ein anderes Paar aus Sued Afrika da. Sie haben 6 Wochen Urlaub und reisen mit Auto und Dachzelt bis Tansania und zurueck. Zu ihrer Ausruestung gehoerte ein wahres Highlight, ueber das Tom besonders staunte - Eine Brotbackform, mit der man im Feuer backen kann. Wir quatschten ein bisschen verabschiedeten uns aber bald, denn Tom wollte vor Sonnenuntergang noch ein paar Fotos von den Ruinen machen, waerend ich das Zelt aufbaute. Dank Tisch und Baenken konnten wir spaeter an diesem Abend dann ganz luxurioes am Tisch sitzend unter wunderschoenem Sternenhimmel kochen und Essen, bevor wir muede in unser Zelt krabbelten. Die Tage an denen wir ueber lange Distanzen und in grosser Waerme unterwegs sind erschoepfen uns doch immer noch ein bisschen mehr. Umsomehr freute es uns, dass es hier in der Nacht auf ertraegliche 20 Grad herunterkuehlte und wir demzufolge gut schlafen konnten.

Ist das nicht ein schoenes Zuhause?

Doch mehr ueber Great Simbabwe und anderes im naechsten Blog...

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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