Three Pairs Of Underwear

Nina wird alt...30 in Burundi - macht auch nicht jeder

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Nach einem, sagen wir mal, interessanten Fruehstueck im Hotel (Melonen mit Zwiebelgeschmack und undeffinierbares weisses Etwas im Deckel der Kaffekanne) machten wir uns auf den Weg nach Burundi. In der Hauptstadt Bujumbura wollten wir uns in einem schoenen Hotel einmieten, denn schliesslich hab ich ja morgen, am 4. Januar, Geburtstag. Soweit der Plan...

Die Formalitaeten an der Grenze waren schnell erledigt und wir erhielten unser 3-Tage-Transit-Visa fuer Burundi ohne Probleme. Doch auf Burundiseite war ein leichter Beigeschmack von Bestechungsversuch zu spueren. Wir wollten grade aufsteigen, da bat einer der hoeheren Grenzbeamten Tom nochmal zu sich. Ob er nicht noch Ersatzhandschuhe dabei haette, lautete die Frage. Als Tom verneinte und ihm das Loch in seinen Handschuhen zeigt, wirkte er etwas enttaeuscht, liess uns aber freundlich ziehen. Einige Kilometer weiter im Land wurden wir durch eine Polizeikontrolle angehalten. Ein kurzer freundlicher Smalltalk folgte, dann die Frage, ob wir nicht eine kleine Gabe fuer das neue Jahr fuer sie haetten. Wir verneinten und sie verabschiedeten uns freundlich. Auch in Burundi laeuft der Kampf gegen Korruption, aber scheinbar noch nicht so erfolgreich wie in Ruanda. Wir hoffen, dass wir das auf unserem Besuch hier nicht so haeufig zu spueren bekommen.

Sonst zeigte sich das Land von seiner schoensten Seite, so schien uns. Die Strassen waren gut, bis auf einige Schlagloecher, die es dann aber in sich hatten. Wir durften immer noch auf der rechten Seite fahren. Ueberall gruente es, kleine, versteckte Baeche plaetscherten etwas abseits der Strasse und die Menschen sind grell bunt und froehlich gekleidet. Ueberhaupt waren viele Leute zu Fuss auf der Strasse unterwegs. Einige boten als Strassenhaendler Gemuese an, andere trugen ihre Einkaeufe oder die Ernte nach Hause. Die Haeuser waren groestenteils aus Stein und mit Ziegeln bedeckt.


Bunt ist es in Burundi

Die Doerfer, durch die wir fuhren, waren lebhaft bevoelkert und unser Vorbeifahren wurde mit Raunen oder jauchzendem Beifall kommentiert.


Eine Stimmung wie bei den Vattenfall Cyclassics (Radrennen HH)

So wandt sich unsere Strasse durch die Berge, bis seitlich vor uns im Tal der Tanganika See sichtbar wurde. Von nun an ging es hinunter bis zur Hauptstadt Bujumbura. Das Thermometer stieg stetig an bis auf fast 30 Grad. Bujumbura selbst ist ziemlich zubetoniert, grosse breite, wenn auch loecherige, Strassen fuehren vorbei an blockartig aneinandergereihten Geschaeften. Auf der Suche nach einer Bleibe checkten wir das Novotel Bujumbura. Die Dame an der Rezeption gab uns gleich einen sagenhaften Preisnachlass von 40 Dollar, so sollte das Zimmer nur noch 120 Dollar kosten. Einen kurzen Blick in den Raum riskierten wir, es war muffig, dunkel und den Preis bei weitem nicht wert. Also hiess es, auf dem Absatz kehrt und weitersuchen. Wir fuhren am Seeufer entlang, fanden kein Hotel aber eine Bar, Snack Hawaii. Wir entschieden uns ersteinmal eine Getraenkepause einzulegen. So kamen wir mit dem Eigentuemer Michelle, einem Belgier, ins Gespraech. Nach einer Weile bot er uns an, kostenlos auf dem Gelaende zu zelten. Da sagten wir nicht nein und errichteten unser Heim hinter dem Haus unter einem grossen Baum.
Michelle ist nicht nur der Chef hier sondern auch Koch und so zauberte er uns ein leckeres Filet zum Abendessen. Neben der Bar gab es noch einige Botcca-Felder auf denen sich ein paar andere Muzungus (Weisse) tummelten, unter ihnen auch der schweizer Konsul in Burundi. Von vielen erhielten wir Tipps, was in Burundi noch zu besichtigen sei und eine Familie lud uns sogar in ihr Gaestezimmer ein. Doch nun, wo das Zelt schonmal stand, wollten wir nicht wieder zusammenraeumen. Als dann langsam alle aufbrachen gingen auch wir schlafen. Anstatt am naechsten Tag das Land schon wieder zu verlassen, planten wir nun allerdings noch eine Rundtour zu der Nilquelle und dem Platz wo Mr.Stanley Mr. Livingstone fand. Wenn wir schon mal da sind, wollen wir das 3 Tages Visum auch ausnutzen...

Bevor es am Morgen allerdings los gehen konnte, stand noch ein ganz wichtiger Programmpunkt an. In Deutschland gibt es den Brauch, dass unverheiratete Maenner an ihrem 30. Geburtstag Fegen muessen (vor dem Rathaus oder so) und Frauen (Tuer-)Klinken Putzen. Da es sich beim 4. Januar 2010 um meinen 30. Geburtstag handelt, musste also auch ich dran glauben. Toms leicht abgewandelte Form hies Reissverschluss vom Zelt putzen. Ist ja schliesslich auch wie ne Tuer - irgendwie...

30? sieht man garnicht oder?

Als dann alles sauber war, wurde eingepackt und aufgeladen. Zuerst ging es allerdings in das Stadtzentrum, Fruehstuecken und Luft der Reifen pruefen. Lezteres gestaltete sich etwas schwierig. Beim ersten Reifenhaendler fragten wir dreimal, ob wir bei ihm Luft nachfuellen koennen, er versicherte es und fingerte schon am Ventil herum, so dass wir in stoppen mussten. Er sollte uns erst die Luftquelle zeigen, da kam er mit einer Fahrradstandpumpe um die Ecke. Wir verliessen sein Gelaende und versuchten es an einer Tankstelle mit Reifenservice. Hier gab es kein wirklich funktionierendes Manometer, sie bastelten etwas herum und wir konnten den Reifendruck erhoehen - wie hoch? Keien Ahnung - aber genug. Zum Fruehstueck gab es dafuer im "Le Petit Swiss" ein Omlet Special mit doppelt Tee ;-) Das Lokal ist mal wieder, wie mag es anders sein, in Schweizer Hand.

Nach der Staerkung waren wir also bereit fuer den Kulturteil in Burundi. Es ging hinauf in die Berge des Landes. Zu Beginn durchquerten wir das schoene Teegebiet Burundis.


Zwei Blaetter und die Knospe... wie es im (Tee)Buche steht

Spaeter mutete die Landschaft schon fast europaeisch an. Die Baeume sahen aus wie aus dem Harz (fuer Schweizer: vom Blausee) importiert, manche Gruenflaechen hingegen erinnerten an Russlands Tundra. Auf ungefaehr der Haelfte unserer Tour erreichten wir die suedlichste Quelle des Nils. Auf einer grossen Parkflaeche hatten es sich ein paar Einheimische gemuetlich gemacht - sie unterhielten sich und beobachteten uns. Oberhalb des Parkplatzes markiert eine Pyramide den Wasserscheidepunkt, wir erreichten sie nach einem 5 minuetigen Aufstieg - die Aussicht war herrlich. Zurueck auf dem Parkplatz folgten wir einem kleinen Waldpfad zur Quelle. Ein Plastikrohr ragte aus dem Berg und ein kleines Rinsal plaetscherte hinaus. Unglaublich, dass daraus mal ein riesen Fluss werden soll. Das Plaetschern bewegte uns gleichmal zum Reinpinkeln.... ob das wohl in Aegypten ankommt?

Die suedlichste Quelle des Nils

Zurueck auf dem Parkplatz angelangt, fing es mal wieder mit aller Macht an zu regnen. Wir zogen zwar die Regenjacken ueber aber eigentlich schon zu spaet, denn die Mopedjacken waren schon komplett durch. Langsam traten wir den Rueckweg an, was auf den guten Strassen kein zu grosses Problem darstellte. Bis an einer Stelle die Strasse durch herablaufenden Schlamm blockiert war. Ein entgegenkommendes Fahrzeug steckte schon bis zum Bodenblech in der braunen Masse und durch den unaufhoerlichen, starken Regen hatte sich ein rotbrauner Fluss ca. 100m laengs ueber der Strasse ausgebreitet. Zu Fuss konnten wir uns einen Weg bahnen, steckten aber schon bis zum oberen Rand der Schuhe im Schlammwasser-Gemisch. Mit dem voll beladenen Motorrad wuerde das eine sehr rutschige Angelegenheit und wenn es umfaellt, waere warscheinlich binnen Sekunden unser Gepaeck geflutet. Gluecklicherweise kam ein LKW vorbei und wir konnten den Fahrer ueberzeugen, uns den Ballast abzunehmen. So wuehlten wir uns ohne Ladung durch den Schlamm und konnten nach der Blockade unversehrt weiterfahren.


Kaum ein Durchkommen

Am spaeten Nachmittag trafen wir wieder in Bujumbura bei Michelle ein, noch immer waren wir ziemlich durchnaesst. Nach einem erneut super leckeren Essen durften wir nochmals unser Zelt bei ihm aufschlagen. Der Klue war allerdings, dass wir diesmal den ueberdachten Aussenbereich zwischen den Tischen nutzen konnten. Unsere Kleidung trocknete ueber den umstehenden Stuehlen. Da am naechsten Tag auch noch Ruhetag ist, koennten wir sogar ausschlafen. Doch der Grenzuebertritt nach Tansania steht an und da wollen wir zeitig los. Schade, dass wir Burundi schon wieder verlassen muessen.

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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