Three Pairs Of Underwear

Vom Car Wash in den Regen

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Nun haben wir also schon eine ganze Woche in Kigali im Car Wash verbracht. Einiges von der Stadt konnten wir auch erkunden und sind erstaunt ueber die organisierte Art, wie hier alles ablaeuft. Die Haeuser in der Innenstadt sind schoen und ordenntlich, die Motorradtaxifahrer tragen alle gruene oder rote Helme und haben fuer den Fahrgast ebenfalls einen Helm dabei. Es gibt gemuetliche, moderne Cafes mit nettem Staff, dem besten Kuchen und Chai Latte seit langem und dazu kostenloses, dratloses Internet (manchmal soger ein bisschen schnell). Nur wenige Menschen interessierten sich dafuer, wenn wir irgendwo anhielten und wenn, dann warfen sie nur einen kurzen Blick auf uns und gingen weiter ihres Weges. Ebenfalls gaenzlich abwesend waren Bettler, es hat uns nicht einer nach Geld gefragt.

Natuerlich gibt es in den Randgebieten der Stadt auch so genannte Slums. Die Holz und Lehmhuetten stehen hier dicht an dicht, vielerorts steigt Rauch auf, wohl aus den Kochtoepfen oder Raeucherhaeuschen. Hier scheint es ein ganz eigenes Leben abseits der modernen Stadt zu geben. Ein Durchkommen mit dem Toeff war hier allerdings unmoeglich, denn die Gaesschen zwischen den Haeusern waren zu eng und durch den vielen Regen auch zu schlammig.


Hin und wieder gibt es dann doch noch eine einzelne Ziege in der Stadt

Alles in Allem ist Kigali eine Stadt, in der man sich durchaus wohlfuehlen koennte, wenn da nicht die komische (franzoesische) Sprache waere ;-). Auch Geld beziehen ist etwas schwierig, denn es gibt in der ganzen Stadt keinen Geldautomaten, der internationale Karten akzeptiert. Nur in der "Bank of Kigali" ist es waerend der Oeffnungszeiten moeglich, mit der Karte am Schalter Barmittel zu bekommen. Eine weitere Moeglichkeit ist ein Automat am Kigali Flughafen.
Dieser hat uebrigens wieder mal meine DKB-Karte eingezogen, obwohl ich zwischenzeitlich eine Bestaetigungsmail von der Bank erhalten habe, dass die Karte wieder entsperrt sei. Wie wir dann aber bei genauerem Lesen festgestellt haben, erst binnen 2 Bankarbeitstagen. So einer war heute nicht und somit auch niemand da, der uns die Karte wieder aushaendigen konnte. Am naechsten Tag sollte es fuer uns weiter gehen Richtung Butare, da geht der erste Weg wohl wieder zum Flughafen...

Das Zelt war am Morgen schnell zusammengeraeumt und sogar einigermassen trocken. Alles war zuegig in den Kisten verstaut und wir konnten starten. Denkste, denn der Motor vom Toeff sprang nicht an - Batterie zu schwach. So schoben wir das vollbeladene Teil also die 200 Meter auf den vorderen Parkplatz. Ein Fahrzeug zum Ueberbruecken zu finden dauerte ein Weilchen, denn der Platz war wie leergefegt, hat letztendlich aber dann doch noch geklappt.

Los ging es also, erst zum Flughafen und dann hinaus aus der Stadt. Schnell hatten wir das Gefuehl wieder weit weg von Allem zu sein, neben der leeren Strasse standen nur hin und wieder vereinzelte Lehmhaeuser vor denen ihre Bewohner sassen und uns freundlich gruessten. Dann erreichten wir unsere Abzweigung auf eine sandige Piste. Wir hatten uns naemlich ein Alternativroute ueberlegt um nicht so ein grosses Stueck des Weges ueber den wir gekommen waren, doppelt fahren zu muessen. Der Track war recht einsam und fuehrte dicht durch die Buschlandschaft, welche gerade so hoch war, dass wir nicht drueber hinweg sehen konnten und so dicht, dass ein Hindurchsehen kaum moeglich war.


Offizielle Strasse...

Ein Mann kam uns zu Fuss entgegen und gruesste freundlich, ansonsten war es menschenleer. Vogelgezwitscher in den verschiedensten Toenen und Melodieen begleitete uns. Nur die Fussabdruecke von Kuhherden zeugten von zeitweiser menschlicher Anwesenheit, oder waren es Bueffelspuren? Immer wieder verliefen tiefe ausgetrocknete Wasserfurchen ueber unseren Weg. Dessen Rand zierten, manchmal unerwartet, bis zu einem halben Meter tiefe Loecher oder unser Weiterkommen wurde durch eine riesiege, gruenbraune, blubbernde Pfuetze erschwert. Nach 15 Kilometern mussten wir jedoch ploetzlich halten. Eine schwammartige Gesteinsschicht mit unueberwindbar tiefen Aushoehlungen wand sich steil vor uns abwaerts. Es bleibt anzumerken, dass dieser Weg als offizielle Strasse auf der Karte verzeichnet ist.

zu steil und loechrig fuer uns

Wie dem auch sei, fuer uns war hier Schluss und wir mussten umdrehen. Also alles wieder zurueck, dann auf die Teerstrasse, an den Haeuschen vorbei ins lange Nichts Richtung Kigali. Da kam uns ganz unverhofft eine Karavane von Bauarbeitern entgegen, sie liefen auf dem Seitenstreifen entlang, einige mit Schubkarren und fast alle mit grossen gelben 25L Wasserkannistern bewaffnet. Das sollte man mal von unseren Bauarbeitern verlangen, einen kilometerlangen Fussmarsch zur Arbeitsstelle und dann auch noch das Wasser auf dem Kopf mitschleppen - That's Africa...

Die Karavane zieht weiter...- das sind noch echte Maenner.

Ein letztes Mal streiften wir Kigali, um dann doch den Weg durch die Berge einzuschlagen, auf dem wir ein paar Tage zuvor gekommen waren. Wir freuten uns schon auf die kurvenreiche Strecke mit der schoenen Aussicht. Kaum in etwas hoeheren Lagen angelangt, fing es leicht, dann staerker an zu regnen. Fuer die Regenkleidung waren wir schon zu nass und so versuchten wir nach dem heftigen Schauer durch den Fahrtwind zu trocknen - frierender Weise. Als wir nur noch leicht feucht waren, brach erneuter Regen los. Diesmal hielten wir am Eingang eines kleinen Dorfes und zogen, unter den staunenden Augen einiger schnell herbeigeeilter Dorfbewohner, die Regenjacken ueber. Der Himmel oeffnete alle Schleusen und ein heftiges Gewitter brach los, schnell waren die Hosen triefend nass und das Thermometer zeigte nur noch 14 Grad an. Frierend und nass erreichten wir am spaeten Nachmittag die Stadt Butare. An Zelten war nicht zu denken, ein Zimmer mit heisser Dusche musste her. Welches wir in einem freundlichen, leicht ueberteuerten Hotel fanden - und es gab sogar Papier fuer die Schuhe

Morgen geht es dann hoffentlich ausgeruht weiter nach Burundi.

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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