Three Pairs Of Underwear

Genocide in Ruanda

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Wie im letzten Bericht angekuendigt wollen wir im nun Folgenden ueber die traurige und brutale Geschichte Ruandas und unsere Erlebnisse dazu berichten. Einige der nachstehend aufgefuehrten Bilder sind vielleicht nichts fuer schwache Nerven. Es ist den Einwohnern des Landes jedoch wichtig, diese Bilder in die Welt zu tragen um der Menscheit vor Augen zu fuehren, dass so etwas nie wieder passieren darf. Wir folgen dieser Ansicht, denn uns haben die Gedenkstaetten und Erzaehlungen der Menschen vor Ort sehr erschuettert.

Wichtig zu wissen ist, dass Ruanda zu erst unter deutscher und dann unter belgischer Kolonialherrschaft stand. Zu dieser Zeit war die Macht traditionel bei den Tutsi's unter Koenig Mwami. Als sie 1956 die Unabhaengigkeit von den Belgiern forderten, begannen diese die Macht an die Hutus zu uebertragen. Als der Tutsi Koenig Mwami im Jahre 1959 starb, brachen bewaffnete Zusammenstoesse zwischen Hutus und Tutsis aus. Welche letztendlich zu den Massenmorden im Jahre 1994 fuehrten.

1962 erhielten die Hutus grosse Macht unter Primiere Minister Gregoire Kaybanda. Die neue Regierung befuerwortete die Einschraenkung der Bildungs- und Arbeitsmoeglichkeiten fuer Tutsis. Einige Tutsis startetn Guerilla-Angriffe aus dem Exil in Uganda. Ein grosses Blutvergiessen folgte, tausende in den Reihen der Tutsis starben und zehntausende flohen in die Nachbarlaender Kenia, Uganda und Burundi. Im Untergrund schwelten die Differenzen weiter, bis es 1972 erneut zu Ausschreitungen kam. Zehntausende Hutus wurden im benachbarten, Tutsi-dominierten Burundi ermordet.

Am 1. Oktober 1990 wurden die Stammesstreitigkeiten nochmals wiederentfacht. 5000 schwer bewaffnete Rebellen von der Ruandischen Patriotischen Front (RPF - eine Tusti-dominierte militaerische Organisation, geleitet von Paul Kagame) besetzten Ruanda. Es war die Hoelle los im Land. Zwei Tage spaeter flogen aus Belgien, Frankreich und Congo Truppen ein, um die Rebellen zurueckzuschlagen. Mit der garantierten auslaendischen Unterstuetzung schlug die Ruandische Armee, von Hutus gefuehrt uebermaessig gegen die Tutsis zurueck. Die RPF startete einen einen erneuten Angriff im Jahr 1991, diesmal aber besser vorbereitet und staerker bewaffnet. Sie drang Anfang 1992 bis 25Km vor die Hauptstadt Kigali. Im August 1993 setzten sich beide Parteien zusammen und schlossen einen Friedensvertrag. Franzoesische Truppen wurden wieder aktiv, um die Auslaender im Land zu beschuetzen, doch wie landesweit veroeffentlichte Fernsehaufnahmen zeigten, halfen sie nebenbei auch der Regierungsarmee.

Im April 1994 rief der amtierende ruandische Praesident zu einer ueberregionalen Friedenssitzung auf. Stammesuebergreifende Verteilung der Staatsmacht wurde diskutiert und beschlossen. Auf dem Rueckweg von Arusha (Tansania) nach Kigali wurde das Flugzeug mit den beiden Staatsoberhaeuptern Burundis und Ruandas von einer Bodenluftrakete abgeschossen. Das war der 7. April 1994. Dies war der grosse Funke fuer den darauf folgenden Massenmord an ueber 800'000 Menschen.
In den folgenden 100 Tagen fanden im ganzen Land unbeschreibliche Graeultaten von Hutsis an Tutsis statt, die internationale Oeffentlichkeit sah weg und wurde nicht informiert. US Praesident Bill Clinton sagte spaeter, sein groesster Fehler war es, nicht frueh genug eingegriffen zu haben.

Wir besuchten 4 groessere der unzaehligen Denkmaeler und Mahnstaetten und immer wieder war der Strassenrand gesaeumt von Kreuzen, Grabmalen und Massengraebern. Bei 2 der besuchten Staetten handelt es sich um Kirchen (Ntarama Church, Nyamata Church) in denen sich viele Tutsis versteckt hielten, in der falschen Hoffnung dort sicher zu sein. 5000 Respektive 6500 Tutsis wurden allein in diesen Orten grausam ermordet. Heute fuehren Ueberlebende aus dieser Zeit durch die Staetten, erzaehlen IHRE Geschichte und beantworten die Fragen der oft auch einheimischen Besucher.


Die Ntarama Church von aussen

Als wir am 1. Januar die Gedenkstaette Ntarama erreichten, oeffneten freundlicherweise die wachhabenden Soldaten das Tor, denn heute faenden keine Fuehrungen statt. Doch auch so war dieser Ort fuer uns sehr eindruecklich. Die Kleider der Opfer sind an den Waenden und den Verstrebungen der Decke aufgehaengt. Die eine Stirnseite der Kirche wird ausgefuellt von einem bis zum Dach reichenden Regal auf dem die Knochen und Schaedel vieler Ermordeter liegen. Auf der gegenueberliegenden Seite finden sich einige persoenliche Dinge wie Schmuck oder auch ein Fuehrerschein. Das dahinter liegende, kleinere Gebaeude ist bis auf die bodentiefen Baenke leer, doch an einem dunklen Fleck an der hinteren Wand verharrt unser Blick kurz. Einer der Soldaten erklaert uns, dass sich in diesem Raum Kinder befunden haben, sie wurden von den Hutus mit dem Kopf in dieser Ecke gegen die Wand geschlagen.


Ntarama von innen Der Raum in dem die Kinder waren

In Nyamata trafen wir zum Beispiel Charles, der heute 23 Jahre alt ist. Gerade mal sieben Jahre war er, als er mit seiner Famile in der Kirche Sicherheit suchte. Draussen vor den Mauern droehnten tagelang die Trommeln und Gesaenge der Hutus: "Lasst uns die Kakerlaken und die Schnecken toeten..." Als die Todesschwadronen am 9. April in die Kirche eindrangen, waren die Fluechtenden vom tagelangen hungern und dursten schon so geschwaecht, dass sie sich kaum gegen die mit Macheten und Speeren bewaffneten Angreifer wehren konnten. Charles hat als einer von wenigen ueberlebt, weil er sich zwischen den Leichen seiner Familienangehoerigen tot gestellt hat. Sein Vater, den er bisher als stark und unverletzbar angesehen hatte, lag kopflos neben ihm. Charles hat ueberlebt, doch der Schmerz ist ihm noch Heute anzusehen.


Die Kleider der rund 6500 Todesopfer sind als Mahnzeichen in der Kirche aufgehaeuft


Auch die sterblichen Ueberreste sind hier zu sehen und stellen ein Mahnmal dar

Wir fuhren auch zu einer etwas abgelegeneren Gedenkstaette, Murambi. Vor dem Hauptgebaeude der ehemaligen technischen Hochschule begruessten uns zwei Maenner und eine Frau sehr herzlich. Auf der Stirn des aelteren Mannes zeichnete sich deutlich eine Einschussnarbe ab. Schweigend fuehrten sie uns zu den weiter hinten liegenden langen Gebaeuden, hierbei handelt es sich um Schulzimmer die zur damaligen Zeit noch im Bau standen. Als wir in das erste Zimmer einsehen konnten, wussten wir nicht recht ob wir wirklich hinsehen sollen oder lieber die Augen schliessen. Hier stehen weisse Holzgestelle auf denen die mit Kalkpulver behandelten Leichen vieler Mordopfer, sogar Kindern, aufgebart sind.


24 solcher Zimmer gibt es hier

Das Morden hatte hier am 19. April 1994 begonnen. 50'000 Maenner, Frauen und Kinder wurden auf brutalste Weise in diesem Areal umgebracht. Viele Kinder wurden lebendig in die zuvor ausgehobenen Massengraeber geworfen. Die Personen, die fliehen konnten, wurden in den folgenden 3 Monaten in Feldern, Waeldern, Suempfen und Bergen mit Hilfe von Hunden verfolgt und getoetet.
Der Mann mit der Einschussnarbe, welcher uns so freundlich begruesst hatte, hoerten wir spaeter, ist mit der Schusswunde im Kopf mehrere hundert Kilometer bis nach Burundi zu Fuss geflohen und konnte so entkommen.
Man mag sich garnicht vorstellen, wieviele Millionen Einzelschicksale und Geschichten es hier zu erzaehlen gaebe. Sieben der Neunmillionen Einwohner in Ruanda haben waerend der Auseinandersetzungen ihr Heim verlassen. Drei Millionen Fluechtlinge wurden allein in Tansania und Burundi verzeichnet. Hilfe aus dem Ausland kam erst 3 Monate nach Ausbruch von Uganda, Tansania und den Vereinten Nationen.

In kaum einem anderen Land Afrikas haette so etwas in diesem Ausmass stattfinden koennen, wurde uns gesagt. Durch die organisierte und strukturierte Art Ruandas, war auch klar definiert, wer zu welchem Stamm gehoert und wo lebt.

Heute wird das Land als sicher und ruhig betrachtet, doch vereinzelte Morde finden noch immer statt. Das liegt vorallem an der offentlichen Verurteilung der Taeter. Es finden vieler Orts oeffentliche Gegenueberstellungen von Ueberlebenden und vermutlichen Taetern statt. So kann es sein, dass die Familie des Taeters sich an der Familie des Zeugen oder Anklaegers blutig raecht. Die offiziellen Verantwortlichen werden in Arusha (Tansania) in einem internationalen Tribunal seit Jahren in langen Prozessen verurteilt.
Uns wurde ein Fall erzaehlt in dem ein Krimineller fuer ein Diebstahlsdelikt vor das oeffentliche Gericht gefuehrt wurde. Eine Frau aus dem Publikum erkannte ihn und rief aus: "Ich kenne dich, du warst bei den Morden dabei!" Er verzog keine Miene und entgegnete nur: "Ich habe viele erwischt, schade dich habe ich leider vergessen."

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Gast Mittwoch, 19 Dezember 2018
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