Three Pairs Of Underwear

Viele Menschen in Ruanda und Silvester in Kigali

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Erst spaet am Nachmittag starteten wir vom See Richtung Ruanda. So erreichten wir den Grenzposten erst kurz vor dem Dunkelwerden, doch die Abwicklung des Papierkrams auf ugandischer Seite ging zuegig vonstatten. Der Grezbeamte war maechtig stolz auf uns, denn wir seien die Ersten, die ueber den Grenzuebergang in Suam beim Mount Elgon nach Uganda gekommen waeren, die er hier wieder aus dem Land verabschieden duerfe. Ein Kollege von ihm der dorthin versetzt werden sollte, musste ueber einen anderen Grenzuebergang via Kenia anreisen, weil die Strasse (welche wir ja gefahren sind) so schlecht sei.
Als wir auf der ruandischen Seite am Schlagbaum standen, staunten wir nicht schlecht ueber folgende Szene. Zwei Jungs standen neben unserem Motorrad und wollten betteln, da stand der Grenzbeamte schon neben uns und vertrieb die Beiden mit dem Schlagstock. Dass die Polizei hier recht hart durchgreifen soll, haben wir ja schon gehoert - ist das nun schon ein Vorgeschmack? Wie dem auch sei, auch hier waren die fuer unsere Einreise verantwortlichen Personen, sehr nett und die Papiere schnell bearbeitet - zumal ich als deutsche Staatsbuergerin nichtmal ein Visum benoetige.

Inzwischen war es vollends finster, doch die Strassen in Ruanda sind fast ausnahmslos geteert und endlich durften wir wieder auf der "richtigen" Strassenseite (rechts) fahren. Wir bekamen von den Grenzposten den Tip das Hotel Fatima in Ruhengeri aufzusuchen - ein katholisches Hotel - welch passender Name ;-)
Auf dem Weg konnte man im Dunklen die Umrisse der Berge erkennen, bestimmt eine schoene Strecke bei Tageslicht. Aber nun mussten wir uns mehr auf die Strasse konzentrieren, sie war zwar wirklich gut geteert, doch bevoelkert von einer ganzen Menge Menschen, die manchmal unverhofft vor uns von einer Seite auf die andere huschen wollten.
Im Hotel angekommen entschieden wir uns fuer ein kostenguenstiges Mehrbettzimmer. Das Essen war gut, die Nacht im Riesenschlafsaal (hatten Tom, Markus und ich fuer uns alleine) war ruhig, heisse Duschen gab es auch und alles noch recht bezahlbar - was will man mehr?
Unser Ausflug am naechsten Morgen in das Stadtzentrum Ruhengeri's gestaltete sich sehr anstrengend, denn ueberall wo wir anhielten produzierten wir einen riesigen Menschenauflauf. Als wir im Internetcafe sassen, konnten sich die Leute nicht ganz entscheiden, was interessanter ist, unser Toeff oder wir. So plazierten sie sich vor dem Fenster und starrten mal uns und mal das Motorrad an.

Musungu - Bike - Musungu - Bike... hm was denn nu?

Nach fast 2 Stunden nervenaufreibend langsamer Internetarbeit ging es endlich raus aus Ruhengeri in der Hoffnung, dass es an anderen Stellen in Ruanda weniger anstrengend sein wird. Durch die Berge ging es zum Lake Kivu in das Grenzstaedtchen Ginsenyi. In den Hoehenlagen der Berge oeffnete der Himmel mal wieder alle Schleusen und wir wurden ordentlich nass. Bei der Anfahrt auf die Stadt fielen uns die vielen ziegelbedeckten Daecher auf, ist doch bisher im Afrika ein Stadtbild eher von Blechdaechern dominiert gewesen, die in der Sonne glaenzen.
Kaum waren wir im Ort angekommen, schien die Sonne mit ganzer Kraft. Leider fanden wir hier nirgends einen funktionierenden Geldautomaten, standen aber ploetzlich am Grenzuebergang zum Congo - Nein, wir blieben in Ruanda.
Zum Tanken tauschten wir dann eben etwas Geld in einem Hotel. Eigentlich sollte es heute am See entlang noch etwas weiter gehen, doch die vorangeschrittene Zeit ueberzeugte uns, die Nacht hier zu verbringen. Da die Strecke am See landschaftlich lohnenswert und die Strasse rauh sein soll, wollten wir lieber ausgeschlafen und ohne Zeitdruck starten.

Unser GPS zeigte als Uebernachtungsmoeglichkeit den Tam Tam Bikini Beach an. Klingt interessant dachten wir und sahen uns das mal an. Die Musik, die uns entgegen schallte und der Strand waren vielversprechend. Doch fuer Camping haetten wir 20000 Schilling - sprich 12 Euro pro Person zahlen sollen und es waren noch nichtmal Duschen vorhanden. Ein Herr, der zufaellig vorbeikam, fuehrte uns dann freundlicherweise zu einem guenstigen Hotel, gleich neben der Kirche - wie er betonte. Wie sich herausstellten, handelte es sich erneut um ein katholisches Hotel. Das Doppelzimmer war sauber, hatte ein eigenes Bad und kostete nur 8000 Schilling.


Unser Hotel in Ginsenyi

Am Abend gingen wir mit einem Maedel und 2 Jungs, die in Uganda arbeiten und auch grade durch Ruanda reisen, in den Ort um etwas zu essen. Auf dem Weg kreuzte ein Geldautomat unseren Weg, der zu funktionieren schien. Ein Versuch mit meiner DKV-Visa-Karte koennte nicht schaden, dachten wir - Doch kann er, denn der Automat ging zwar, zog aber auch gleich die Karte ein. Super immer noch kein Geld! Hoffen wir mal, dass wir morgen die Karte wiederbekommen...
In einem Restaurant wurde Buffet angeboten, es roch lecker und war auch noch wirklich guenstig. Allerdings mussten wir uns den Teller voll stapeln, denn man durfte nur einmal gehen. Wir wir spaeter merkten ist das in Ruanda (oder ganz Afrika?) wohl so ueblich - wir werden unsere Hochstapelkunst weiter verfeinern - hehe!

In der Nacht war ich froh, dass wir uns in einem Zimmer eingemietet hatten, denn es ging ein ordentliches Gewitter nieder. Nach einer sonst ruhigen und vorallem mueckenfreien Nacht, dank Moskitonetz ohne grosse Loecher, waren wir morgens dann auch recht fit. Der erste Weg fuehrte uns natuerlich zur Bank. Ein Bankangestellter bastelte gerade am Innenleben des Geldautomaten herum, als wir in ansprachen bat er sofort eine Kollegin zur Hilfe. Sie kam mit fast geschlossenen Augen in unsere Richtung, entschied sich aber dann uns nicht zu begruessen. Mit schlafwandlerischer Sicherheit fand sie den Weg zum Automaten, griff in den Kartenschacht und gab uns die Karte. Weder Geschlecht noch Name waren von Interesse. Tom zwang ihren Blick foermlich auf meinen Pass, ich bin mir allerdings nicht sicher ob sie die Augen geoffnet hat - Sicherheit wird hier wohl nicht so gross geschrieben?! Egal wir hatten die Karte wieder und es konnte los gehen entlang des Sees und dann nach Kigali - der Hauptstadt Ruandas.


Ich kann den See sehen, da brauch ich kein Meer mehr...

Der Untergrund war steinig, sandig und manchmal auch lehmig, aber gluecklicherweise waren die Folgen des Regens schon wieder recht gut abgetrocknet. Abgesehen davon, dass es manchesmal ziemlich steil bergan ging konnten wir die Strecke also ohne grosse Probleme meistern. Von oben hatten wir einen tollen Blick auf den See und eine riesige Stadt wurde sichtbar - das konnte nicht Ginsenyi sein sondern war wohl schon Goma im Congo. Eine Stadt, die im Jahr 2002 zu 80% von Lavastroemen aus dem Mount Nyiragongo verschuettet wurde. Im weiteren Verlauf war die Landschaft ein weiteres Mal gepraegt durch den Teeanbau. Manchmal sahen wir Berge ueber Berge, auf denen Tee spross, oft in den bizarrsten Musterungen.


Tee und Ziegeldaecher in Ruanda

Als wir wieder alphaltierte Strasse erreichten, entschieden wir uns eine Mittagspause in Kibuye einem kleinen Staedtchen gleich am See einzulegen. Nach leckerem Ziegenfleisch am Spiess, unmengen Kaffe und einer schoenen Aussicht aufs Wasser fuehlten wir uns wieder stark genug, um die letzte Etappe fuer heute in Angriff zu nehmen. Die Strasse fuehrte nun weg vom See ins Landesinnere. Wieder ginge es in die Berge, doch diesmal auf einer gut ausgebauten Strasse, welche sich um die Huegel schlaengelte. Anhand dieser Aussicht koennen wir nun wirklich verstehen, warum in unserem Reisfuehrer steht, dass Ruanda als Land der Tausend Berge bezeichnet wird.
Alles war gruen, vereinzelt standen stohbedeckte Lehmhaeuser auf den Huegeln, ueberall wuchsen Bananen oder Kartoffeln und hier und da sah man weissen Rauch aufsteigen - die Bewohner verbrannten wohl Gras oder ihren Abfall.
Diese Landschaft erinnerte mich an ein Bild, welches mein Opa immer im Wohnzimmer haengen hatte. Dort waren riesige Huegel zu sehen und ein ganz kleines Haus stand an einer unmoeglichen Stelle, voellig schief und weisser Rauch stieg aus dem Schornstein.

An einer Kreuzung in Gitarama hielten wir kurz um den weiteren Weg mit Markus abzustimmen. Sofort bildeten wir ein Verkehrshindernis, denn von ueberall versammelten sich Menschen um uns herum. Alle redeten wild durcheinander und draengelten um den besten Platz fuer die beste Sicht auf uns. So war die Entscheidung schnell getroffen, wir verabschiedeten uns noch nicht von Markus, er kam noch mit nach Kigali. Einige Kilometer vor der Stadt mussten wir allerdings fuer ein wichtiges Ereignis nochmals halten. Unsere BMW R1200GS Adv ueberschritt die 100'000 km Marke. Das musste natuerlich gebuehrend gefeiert und fotografisch festgehalten werden.


Im Sekundentakt links und rechts gucken, dann hat man die aktuelle Displayansicht ;-)

Im Dunklen trafen wir in Kigali ein und waren ueberrascht von den recht geordneten Verkehrsbedingungen. Kein ununterbrochenes Hupen, keine 2 spurigen Strassen, die zu 4 Spuren ausgedehnt wurden, alles war ziemlich gesittet - sehr angenehm.
Mit Hilfe eines Motorradtaxifahrers war dann auch das Restaurant "Car Wash" schnell gefunden. Die Gaststaette ist bekannt fuer gutes Essen vom Grill. Grosse ueberdachte Waschboxen sind angeschlossen an das Gelaende und eine grosse Rasenflaeche, die wir zum Campen nutzen durften. Zelten mitten in der Stadt - hat doch auch mal was, oder?

Markus verliess uns am naechsten Morgen, er wollte nach Tansania um am naechsten Tag die MS Liemba zu erwischen. Das Faehrschiff faehrt jeden Mittwoch den Tanganika See hinunter. Auch wir werden das Schiff noch besteigen, doch zuerst moechten wir noch ein wenig mehr von Ruanda sehen. Leider geht unserem Begleiter die Zeit aus und so trennen sich unsere Wege in Kigali.

Die folgenden Tage nutzten wir um wieder einige organisatorische Dinge zu regeln, und das Internet upzudaten - so gut es ging.
Auch Ruandas grausamer Geschichte gingen wir etwas genauer auf den Grund und besuchten einige der Massenmord-Gedaechtnisstaetten. Doch dazu folgt noch ein eigenstaendiger Blog.

Am fuer uns ploetzlichen Silvestermorgen, kamen Ueberlegungen auf, wie wir denn den Abend verbringen wollen. Im Lonely Planet wurde das "New Cactus" empfohlen. Auch wir entschieden uns kurzer Hand dafuer. Als wir am Abend dort eintrafen, staunten wir nicht schlecht. Der Garten des Restaurants befand sich oberhalb der Stadt und von unserem Tisch hatten wir eine unglaublich schoene Aussicht auf Kigali. Das Buffet umfasste drei Gaenge, war riesig und verdammt lecker, es gab sogar Lachs und wirklich guten Kuchen zum Nachtisch. Hier durften wir uns so oft nehmen wie wir wollten und das taten wir, bis wir fast platzten.
Da in Kigali private Feuerwerke verboten sind, blieb leider die grosse Knallerei um Mitternacht aus. Aber wir hatten eine schoene Sicht auf ein einsames, professionelles Feuerwerk - welches nicht schlecht war, nur ein wenig weit weg und klein fuer die grosse Stadt. Vom New Cactus-Team wurden wir reichlich mit Sekt zum Anstossen versorgt und es war ein richtig schoener Abend.


Prost! Frohes neues Jahr 2010!

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Gast Montag, 21 Januar 2019
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