Three Pairs Of Underwear

Gorillas ohne Nebel

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Am letzten Abend wurde es recht spaet, da Tom noch die Bremse unseres Motorrades wieder aktivieren musste. Auf dem Weg zum Camp ist ein grosser Stein an das Bremspedal geschlagen und hatte den Kontaktgeber der Bremse verbogen. Was zur Folge hatten, dass wir die letzten paar Meter vom Gate bis zum Parkplatz des Buhoma Community Camps komplett ohne Bremsunterstuezung fahren mussten. So quaelten wir uns am Morgen frueh um 7 Uhr aus dem Zelt. Grosse Hoffnung, dass wir Glueck haben und gleich zwei freie Plaetze fuer das Gorilla-Trecking ergattern koennten hatten wir nicht. Aber der Ranger hatte am Abend gesagt wir sollen puenktlich sein. Also standen wir um halb 8 mit fertig gepacktem Rucksack vor dem Trecking office. Bange Minuten des Wartens vergingen, in Gedanken kuschelten wir uns schon wieder in die Schlafsaecke. Dann hiess es, je 500 Dollar bitte.

Wir durften uns wirklich in eine Gruppe von 6 anderen gut vorbereiteten Touristen (sie hatten sogar gefruehstueckt) einreihen und gemeinsam in den Regenwald aufbrechen. Die Gorillafamilie die wir besuchen wuerden umfasst 18 Mitglieder und lebt mitten in den Tiefen des Regenwaldes und offiziell als Gruppe "H" bezeichnet. Wir bekamen noch eine kurze Einweisung zu den Verhaltensregeln im Reich der Berggorillas und uns wurde nahe gelegt weitere 15 Dollar fuer einen Traeger zu investieren. Der Rucksack war zwar nicht uebermaessig schwer, doch alle Anderen hatten auch ihren eigenen Traeger - kann so schlecht ja nicht sein, dachten wir.

Wir konnten einen Platz im Fahrzeug von zwei Volontier-Maedels aus Kampala ergattern und so durfte unser Toeff im Camp bleiben. Kurz darauf bewegten sich 3 Fahrzeuge mit 8 Touristen und einem Guide in Richtung der Berge, wo die Gorillas den Abend zuvor zuletzt gesehen wurden. Als die Strasse beachtlich anstieg war fuer unser Fahrzeug kein weiterkommen mehr. So stiegen wir aus, trafen auf die Traeger und der Marsch konnte los gehen. Tom und ich hatten inzwischen auch je einen Muesliriegel gefruehstueckt, merkten aber schnell, dass fuer koerperliche Anstrengungen ein vollwertiges Fruehstueck bestimmt besser gewesen waere... Noch befanden wir uns auf einer schotterigen Strasse, waren aber bereits ordentlich aus der Puste. Das Tempo unserer Gruppe verlangsamte sich aber und so gewoehnten wir uns an das Marschieren. Die Strasse muendete in eine art Trampelpfad, welcher an vereinzelten Huetten vorbei fuehrte. Ganz urspruenglich ohne fliessend Wasser oder Strom lebten sie hier und jeder ging seinen Aufgaben des Tages nach. Zwei aeltere Frauen kamen uns entgegen, wir staunten nicht schlecht, denn sie trugen je einen ziemlich grossen, schwer aussehenden Stein auf dem Kopf. Unser Weg fuehrte uns weiter mitten durch einen Wald aus Bananenbaeumen bis wir endlich durch das aeussere Dickicht des Waldes schluepften. Wie eine Maerchenwelt kam es uns hier drinnen vor. Die Baeume waren riesig und der Boden ueberall bedeckt von krichenden, wuchernden Pflanzen. Mal krochen wir unter halb umgestuerzten Baeumen hindurch mal kletterten wir ueber auf dem Weg liegende Baumstaemme hinweg. Immer wieder stolperte man, weil die am Boden wachsenden Schlingpflanzen einem die Fuesse festhielten.


Noch lachen sie... das sind uebrigens noch keine Gorillas...

 

Alles was runter geht muss man auch wieder rauf...

Nachdem wir ungefaehr eine Stunde gelaufen waren, hielten wir auf einer Anhoehe und unser Guide eroeffnete uns, dass wir noch ca. eine Stunde oder etwas weniger zu gehen haetten. Schon jetzt waren wir durch das Rauf und Runter, Kreuz und Quer ganz schoen geschafft und immer hatten wir im Hinterkopf, dass es keine 100%-ige Garantie dafuer gab, die Gorillas auch zu finden. Der Pfad vor uns wurde nicht besser, verschwand manchmal sogar ganz, so dass wir nur langsam durch das Dickicht voran kamen. Mehrere kleine Baeche wurden durchquert und der ein oder andere rutschte vom Weg ab und musste sich muehsam wieder aufrappeln. Dann hielten wir mitten im Nirgendwo, rechts ging es steil bergauf und links steil bergab. Der Guide meinte: "Sie sind dort unten, nicht mehr weit von hier." In der Erwartung eines Pfades vor uns, bereiteten wir uns aufgeregt auf ein Weitergehen vor, doch der Guide hatte nicht nur gesagt "da unten" er meinte auch hier. Also rutschten und kletterten wir unter zuhilfenahme der kleinsten Straeucher als Haltemoeglichkeit den nicht enden wollenden Hang hinunter. An einer etwas ebeneren Stellen sammelten wir uns und erhielten letzte Anweisungen. Rucksaecke, Wasser, Essen und Wanderstoecke mussten wir zurueck lassen. Dann schliderten wir das letzte Stueck des Hanges hinunter. Dann entdeckten wir sie. Erst ein Weibchen etwas entfernt hinter einem Strauch, dann hatten wir ihr Lager erreicht. Einige lagen gemuetlich in den Baeumen und futterten das Gruenzeug um sich herum. Auch der Silberruecken erschien und baute sich ein gemuetliches Lager aus ein paar Farnblaettern. Wir konnten sie beobachten und fotografieren.

Das sind sie nun, die Gorillas - Prachtskerle, oder?!?

Leider war die Sicht durch das Geaest um sie herum sehr eingeschraenkt und sie blieben auf Abstand. Fast schien es, als haetten sie uns nichtmal bemerkt und doch hatten sie uns genau im Blick. Zugegeben, die direkte Begegnung mit den Gorillas war fuer uns zu diesem Zeitpunkt nicht ganz, was wir uns erhofft hatten. Sie waren da, doch der von vielen beschriebene magische Funke ist wohl an uns vorbei gesprungen. Lag es daran, dass es zu organisiert war, waren zu viel Leute drum herum, oder haben wir einfach zu viel erwartet?

Wie befuerchtet, war der Rueckweg nicht weniger anstrengend als der Hinweg - kein Wunder, es war ja nahezu derselbe Weg, nur diesesmal 200% Steigung bergauf ;-) Als wir endlich die Fahrzeuge erreicht hatten waren wir doch ziemlich froh und sehr erschoepft. Wir sollten doch hin und wieder mal das Moped stehen lassen und etwas oefter zu Fuss gehen, ein bisschen mehr Kondition koennte nicht schaden ;-) Es wunderte also nicht, dass wir an diesem Abend recht zuegig einschliefen.

Den naechsten Morgen verbrachte Tom mit denksportlichen Hoechstleistungen ;-) unsere Weihnachtsbaumkugel (Wuerfel) nahm langsam Formen an. Waerend wir so vor unserem Zelt sassen, bemerkte ich ein unnatuerliches Wackeln der Baeume nahe der Rezeption. Sollten etwa Gorillas im Camp sein? Unser Aufregung wuchs, wir schlichen uns in die Richtung, in der wir die Gorillas vermuteten. Bald hatten wir das Duschhaeuschen erreicht, dahinter raschelte es verdaechtig. Dann sahen wir eines dieser maechtigen schwarzen Wollknaeule vor uns in einem kleinen Baeumchen hocken. Der maechtige Silberruecken querte vor uns, keine 5 Meter entfernt den Pfad der zu weiteren Bandas des Camps fuehrte. Eine ganze Reihe weiterer Familienmitglieder folgte seinem Beispiel.


Sanfte Riesen

Auch wir (Tom, ich, Markus und eine Amerikanerin) wagten uns zu der naechstgelegen Banda vor. Von der kleinen Veranda konnten wir das dschungelige Areal vor uns gut ueberblicken. Die ganze Gorillafamilie hatte es sich rings um die Huette im Blaetterwald gemuetlich gemacht und ass sich satt und rund. Was hin und wieder auch durch einen langen, lauten Pups (fuer unsere Schweizer-Leser: Pups = Furz) kund getan wurde. So sassen wir eine ganze Weile auf der Veranda und genossen einfach nur das Geschehen um uns herum. Eine Mutter suchte sich mit ihrem Kind einen Platz zum Kuscheln gleich neben uns im Wald. Nun hatte uns die Magie dieser eindruecklichen Tiere auch gepackt.

Wahre Mutterliebe

Tom stand ganz in ihrer Naehe neben der Huette, nur getrennt von der kleinen Holzbruestung die unseren Aussichtsplatz umgab. Ploetzlich sah ihn das Muttertier an und bewegte sich vorsichtig in seine Richtung. Uns allen stockte der Atem. Ganz langsam bewegte sie sich auf den Zaun zu, dann kletterte sie hindurch. Nun stand sie nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Der gelbe Steifen auf seiner Hose schien es ihr angetan zu haben, sie ging mit der Nase ganz nah heran und stupste mit der Zunge daran. Mit dem Geschmack konnte sie wohl nicht so viel anfangen - nicht alles was gelb ist, ist auch Banane... Mit verwundertem Blick sah sie zu ihm hinauf. Boah - ich glaubs nicht; Sie nahm ihre Hand und beruehrte nun ganz vorsichtig die unbekannten nicht behaarten Zehen von Tom. Erst eine kleine Beruehrung, dann ein sanftes Streicheln. Was sie wohl gedacht hat... Dieses arme Tier muss bestimmt frieren, so fast ohne Haare.**




Sieht nur aus wie Banane...
aber wie fuehlt sich denn das an?
Der Fuss ohne Haare ist Toms...

Das Knipsen von Toms Kamera irritrierte sie wohl und sie zog sich wieder zurueck zu ihrem Jungen, das gespannt ein paar Meter entfernt wartete.

Das wir das in dieser intimen Form erleben duerfen, haben wir uns nicht zu traeumen gewagt. Wir waren einfach begeistert - diese hoechst seltenen Affen so zu erleben. Erst knapp 1.5h spater, als sich die Familie bereits ins Gestruepp verzog, kam ein Ranger und klaerte uns ueber die Gruppe auf. Es handelte sich um eine 12 koepfige Gorillafamilie, die mit Touristen vertraut ist, durch die taeglichen teuren Besuche. Fuer uns war es nun ja kostenlos, da wir im Camp hausten - Fotografieren ist natuerlich laut den Rangern nicht erlaubt. Es gibt dennoch ein paar Impressionen in der Gallery.

Schweren Herzens ging es am naechsten Morgen weiter. Es gab eine Piste durch den Nationalpark, die wir mit den Mopeds in knapp 4h fuer die 70km schafften. Ein kaum befahrener Weg fuehrte mitten durch dichten Urwald und entlang von steilen Abhaengen mit atemberaubender Aussicht. Stellenweise etwas rutschig nach dem Regen - doch es hat sich gelohnt die Strecke vernab von Touristenpfaden zu nehmen.

Panorama im Sueden Ugandas

Die Stadt Kabale lockte gegen Abend mit einem Internetcafe, sodass wir ein paar Weihnachtsgruesse loswerden konnten. Das Versenden dessen war am naechsten Morgen nach total knapp 6h und unzaehligen Versuchen auch geschafft. So schoen das Reisen in Afrika auch sein mag, an der Infrastruktur von Europa darf man es nicht messen - was in unseren Augen auch nicht soll. Man kann auch leben ohne fliessend Wasser, 24h Strom und immer funktionierendes Breitband Internet - was ja 2/3 der Weltbevoelkerung taeglich beweist. Fuer uns ist es immer ein Zwiespalt zwischen dem Drang die Webseite auf dem Laufenden zu halten und nicht zuviel Zeit vor dem Computer zu verbringen. Doch wir hoffen auf Euer Vertaendniss fuer die kommenden Laender, denn die Verbindung wird wohl nicht oft besser sein. Fuer Eure Kommentare und Gruesse im Gaestebuch freuen wir uns aber immer wieder besonders!

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Gast Montag, 21 Januar 2019
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