Three Pairs Of Underwear

Welt voller Gegensaetze

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
  • Schriftgröße: Größer Kleiner
  • Aufrufe: 2168
  • 0 Kommentare
  • Drucken
Wow, wie die Zeit vergeht. Nun sind wir schon in Uganda und zwischenzeitlich in der Hauptstadt Kampala angekommen. In den lezten Tagen ist viel passiert, intensive Begegnungen, Erlebnisse und Eindruecke haben uns mal nachdenklich gestimmt, mal beeindruckt. Erst jetzt, wo wir wieder einen Tag Pause zum Sammeln und Sortieren eingelegt haben, merken wir, wie die Zeit rennt und was wir eigentlich schon wieder alles erleben durften. Ausserdem bemerken auch wir langsam, dass Weihnachten unaufhoerlich naeher rueckt. Sogar hier im Einkaufszentrum kann man Lametta, Baumschmuck und Knallbonbons kaufen - nur eine Weihnachtsmanmuetze fuer unseren Helm konnten wir noch nirgends finden. Dann stellt sich uns auch noch die Frage, wo wir den Weihnachsabend verbringen werden. Vielleicht unter Palmen in Malawi oder in einm schoenen Camp mit Kueche - dann gibts vielleicht Gans mit Rotkohl und Kloessen?! Das waere sooo schoen, na wir werden sehen. Ein paar Tage sind es ja noch und wir werden schon ein schoenes Fleckchen finden.
Vorher wollen wir euch aber natuerlich an unseren Erlebnissen der vergangengen Tage teilhaben lassen. Unsere Fahrt entlang des Masai Mara Nationalparks haben wir gut ueberstanden. Gluecklicherweise war die Nacht vor der Abreise Regenfrei und so konnten die rutschigen Pisten groesstenteils abtrocknen. Am ein oder anderen Schlammloch musste ich zwar zum Stabilisieren absteigen aber sonst war der Weg gut zu meistern.
Kleine Schlammschlacht so nebenbei ist gut fuer die Haut

Gegen Nachmittag zogen sich die Wolken in Fahrtrichtung bedrohlich zusammen und wir hatten Sorge auf der Offroadstrecke wieder in Regen zu geraten. Dies waere wohl voll beladen in eine Rutschpartie ausgeartet. Doch wir hatten Glueck, denn scheinbar fuhren wir der Regenfront hinterher. Auf gut asphaltierter Strasse erreichten wir den kleinen Ort Bomet. Von seiner leicht erhoehten Lage konnten wir sehen, dass der naechste Ort bereits in dicken Regenwolken hing. Erstens wollten wir nicht nass werden und Zeit zur Campsuche war es auch.
Wir erkundigten uns bei den Leuten, die sich wie gewohnt um unsere Bikes angesammelt hatten, nach einem Platz zum Schlafen. "Ja wir koennten auf dem Dorfplatz schlafen", schlugen sie vor. Also bogen wir von der Hauptstrasse ab, etwas bergab auf einer Schotterstrasse vorbei an vielleicht 20 kleinen Holzhuetten aus denen der Ort bestand. Klar dass wir die Atraktion darstellten. Es dauerte nicht lange, da war das halbe Dorf um unsere Bikes und uns versammelt und sah uns beim Zeltaufbau zu. Auch als wir begannen zu kochen, blieben sie und bestaunten unsere Ausruestung und unser Handeln. Ein wenig kamen wir uns vor wie Schauspieler auf einer Buehne. Etwas komisch war das Gefuehl schon, vor allen Leuten dann auch das Gekochte zu essen. Wie viele von ihnen wohl an diesem Abend hungrig zu Bett gegangen sind? Doch fuer unsere paar Spaghetti waren einfach zu viele Zuschauer da, als das wir haetten teilen koennen.
Bei so vielen Zuschauern werden auch wir nervoes

Als es schon stockdunkel war konnten wir auch die Letzen ueberzeugen, dass die Vorstellung fuer heute zu Ende war und sie nach Hause gehen konnten. Am Morgen hatten wir unsere Ruhe, bis wir aus dem Zelt gekrabbelt waren, doch bevor sich das Spiel vom Abend wiederholen konnte, versuchten wir schon die ersten Besucher auf Abstand zu halten - hat funktioniert. So ging das Einpacken schnell und wir konnten weiterziehen. Im naechsten Ort beim Tanken und darauffolgenden Einkauf im Supermarkt wurden wir wieder umringt von einer riesigen Menschentraube. Eigentlich sind wir dieses Szenario aus Aetiopien in gewisser Weise gewohnt, aber hier ist es doch etwas anders. Die Leute kommen dichter, stellen Fragen und wollen alle nur mal kurz den Toeff anfassen. Wenn wir am Bike stehen koennen wir uns kaum noch drehen oder den Standort wechseln. Alles Bitten um ein wenig Abstand wirkt nur sehr kurzfristig. Je naeher wir der Grenze Ugandas ruecken, um so muehsamer wurden kurze Stopps.
Wir befreiten uns aus dem Menschengewuehl und folgten unserem GPS-Track hinaus aus dem Ort hinein ins Teegebiet Kenias! Kaum hatten wir den Abzweig von der Haupstrasse unter den Raedern, konnten wir schon kleinere, private Teeplantagen sehen. Spaeter wurde das Gruen um uns immer dominierender. Das Farbenspiel zwischen dem Gruen des Tees, dem Rot des lehmigen Bodens und den bunten Tuechern der Teepflueckerinnen war eine Augenweide.
Wie zu Hause, Tee ueberall nur Tee ;-)

Unser Fahrt wurde apruppt an einer Schranke gestoppt. Hier fuerte unsere Route naemlich durch die Plantagen der Firma Finlays und der Sicherheitsman wollte uns partout nicht passieren lassen. Nach fast einer halben Stunde in Sorge wieder umdrehen zu muessen und unter Anwendung aller Ueberzeugungstricks die uns einfielen, durften wir dann wirklich durch. Sehr lohnenswert, die Strasse war rechts und links gesaeumt von Tee so weit das Auge reicht. Hin und wieder ging es durch einen in Reih und Glied angepflanzten Wald oder vorbei an rieseigen ueberdachtden Holzstapelstellen. Auch schienen hier die Arbeiter auf dem Gelaende zu wohnen, richtige kleine Orte konnten wir erkennen. Allerdings war der Stil der Haeuser eher Nordeuropaeischer Natur. An einer Stelle staunten wir nicht schlecht, ein bewaffneter Sicherheitsmann sass vor einem Barclays ATM (Geldautomaten) mitten in der fremden, fuer Afrika ziemlich unwirklichen, englisch erscheinenden Umgebung. Beeindruckt durchfuhren wir nach halbstuendiger Fahrt durch das Firmengelaende die Schranke auf der anderen Seite. - Irre, eine richtige eigenstaendige, kleine Stadt. Bei einem kurzen Stopp im naechsten Ort entschieden wir uns fuer unser Nachtlager Richtung Eldoret zu fahren. Sogar eine Kaesefabrik mit 40 verschiedenen Sorten Kaese soll es hier geben. Auf dem Weg ueberquerten wir mal wieder den Aequator und konnten auf der Strasse ueber Kilometer die wohl eindrucksvollsten Spurrillen bewundern, die wir bisher gesehen haben.
Laengsstreifen machen ja bekanntlich schlank

Eldoret, nun ja, wir waren dort aber die Kaesefabrik nicht. Dafuer hatten wir mit dem Naiberi Camp eine gemuetliche Unterkunft. Abgesehen davon, dass es am Abend empfindlich kuehl wurde und das Essen bis auf die Chickenwings nicht besonders lecker war, konnten wir richtig gut schlafen.
Der naechste Tag fuehrte uns ueber lange Zeit weiter durch Kenias Tee. Irgendwann erreichten wir wieder asphaltierte Strasse, welche allerdings zu 90 % aus Schlagloechern bestand. So zirkelten wir uns mehr oder weniger erfolgreich um den fehlenden Strassenbelag durch ein riesiges Zuckerrohranbaugebiet. Mannshoch war die Strasse ueber grosse Strecken gesaeumt von der suessen, bambusartig aussehenden Pflanze. Klar, die Kenianer moegen ihren Tee sehr suess, jetzt fehlten nur noch die Kuehe fuer die Milch
Nach ziemlich anstrengender Fahrt erreichten wir erschoepft Kisumo. Die Campsuche gestaltete sich recht schwierig und in der Stadt wurden wir mal wieder hartnaeckig umringt von Schaulustigen. In den letzten Tagen kostet uns Kenia wirklich Nerven, die Menschen scheinen wirklich kaum Beruehrungsaengste zu haben. Um dem Menschenandrang ein wenig zu entgehen steuerten wir eine grosse Einkaufsmall an und parkten vor der Tuer. Das Gelaende um den Parkplatz war eingezaeunt und auch die Sicherheitsleute vor dem Eingang taten ihr bestes um die Leute auf Abstand zu halten.
Schnueffelnd nach Zivilisation nahmen wir in dem Caffee vor der Tuer der Mall platz. Eine Gruppe junger, weisser Leute sprach uns an mit dem gewohnten woher, wohin, warum. Zwei von Ihnen waren Deutsche und seit 2 Monaten als Streetworker-Praktikanten in Kisumo taetig. Gespannt lauschten wir ihren Erzaehlungen und Erfahrungen vom Leben der Strassenkids zu. Erschreckend, wie wenig diese Leben wert zu sein scheinen. Es kommt nicht selten vor, dass gelangweilte Polizisten nachts ihre Hunde warlos auf die am Boden schlafenden Kinder los lassen. Im Gespraech mit der Polizei wurde den Beiden auch schon angedroht: "Wenn wir den Jungen nochmal erwischen wird er abgeknallt." Manche Jungs kaufen sich fuer 10 Schilling lieber eine Portion Kleber, als etwas zu Essen. Das unterdrueckt das Hungergefuehl laenger. Fuer uns wieder Gedankenanstoesse, wie wir den naechsten bettelnden Kindern gegenueberstehen. Aendern koennen wir an ihrer Situation wohl leider dennoch nichts.
Auch dank der Hilfe der beiden Sozialarbeiter, checkten wir am Abend beim YWCA (CVJM) zum Zelten ein. Die Nacht war ruhig, doch unsere Ausschlafplaene wurden am Morgen durch den Strassenlaerm jaeh unterbrochen. Zudem bilden sich kreisfoermige Bankansammlungen zu Christlich angehauchten Diskusionsrunden. So raeumten wir mehr oder weniger freiwillig und recht zuegig unser Lager.
YMCA schalalalala la YMCA...

Auch Obamas Grossmutter musste an diesem Tag auf unseren Besuch verzichten, wir hatten erstmal genug Menschen eng um uns herum - es zog uns Richtung Mount Elgon. Etwas erhoeht ueber der weiten Ebene logierten wir in einem charaktervollen ehemaligen Kollonialhaus aus alter Zeit. Die Etappe bis zur Grenze war wiedererwartend fahrtechnisch nicht anspruchsvoll. Wir erreichten den bisher wohl kleinsten Grenzuebergang, den wir je gesehen haben. Erstaunlich schnell waren die Papiere abgefertigt - und sogar richtig. Einzig die unerwartet hohen Visa und Strassengebuehrkosten in Uganda truebte unsere Stimmung ein wenig.
Einwanderungsbehoerde nach Uganda wo? Ah da ist sie versteckt...

Ein hilfsbereiter Grensbeamter versprach uns gute Strassen in ganz Uganda. Auch die Strecke bis zu den Sipi Falls soll ohne Probleme machbar sein. Nun sagen wir mal sie war machbar doch forderte sie vollste Konzentration und einen sechsten Sinn fuer das Erkennen der Richtung - denn Strasse konnte man es manchmal wirklich nicht nennen. Das Panorama auf der Anhoehe entlang des Mount Elgon entschaedigte jedoch fuer alle Strapazen. Fuenf Stunden und 100km spaeter strandeten wir wieder auf Asphalt. Der Versuch in dem kleinen Ort Lebensmittel einzukaufen endete amuesant und erfolgreich. In einem kleinen Metzgershop, sprich kubischer Kaefig mit schaebigen Holzbrettern und einer Kuhhaelfte gleich hinter dem Tresen am Boden liegend versuchte Tom sein zweifelhaftes Glueck auf ein Stueck Fleisch. Unser Traum von einer sauber abgepackten, vakumierten Putenbrust stellte sich in Wirklichkeit wie folgt dar. Tom: "Haben sie auch Huhn?" Metzger:"Noe, tut mir leid." [kurze Pause] Metzger: "Aeh doch Moment..."
[er bueckt sich, greift unter die Kuh und zieht etwas federiges hervor...] Huhn: "Boooock - put put put." Metzger: "Ich habe dieses hier, kostet nur einen Euro." Nun wir verzichteten auf die abendliche Schlachterei begnuegten uns mit einem saftigen Kilo der halben Kuh - war aber echt lecker. Wiedermal hatten wir ein gutes Haendchen bei der Wahl unserer Unterkunft. Das Moses Camp war sauber und ruhig und bestach mit einer unuebertrefflichen Fernsicht auf der einen Seite und direkter Sicht auf die Sipi Falls.
Ohne Worte, oder?

Es war so angenehm, dass wir gleich zwei Naechte blieben. Markus (unser Dritter im Bunde) machte sich auf, um die Nordschlaufe in Uganda zu erkunden, wir auf den Weg in Richtung Jinja, der Quelle des legendaeren Nils. Die Stadt zeichnet sich durch einen fast WildWest Charakter aus. Die Gebaude entlang der Strassen im Zentrum sind alle in der Kolonialzeit gebaut worden, seither kaum veraendert und haben unbeschreiblichen Flair. Tom fand auch einen faehigen Schuhmacher, denn die vier Reparturversuche der kenianischen Kollegen machten den Schweizer Militaerschuhen schweer zu schaffen. Die Socken beruehrten trotz neuen Vibram-Sohlen mehr den Boden als zu wuenschen waere. Fuer umgerechnet 6 Euro naehten geschickte Haende neue Sohlen an den Lederschuh. Nun ist der Schuh wieder in der Sohle und Tom hat keine Entschuldigung mehr um sich vom Trekking zu druecken.
Das allseits bekannte Nile River Rafting konnte uns nicht so ueberzeugen zum Mitmachen. Es war mehr der eingesetzte Regen, der uns zum laenger Bleiben trieb.
Von anderen Reisenden erhielten wir eine nicht kartigraphierte Route durch Waelder und kleine Besiedlungen, fern ab von moderner Zivilsation und anderen Reisenden. Die knapp 150km meist ueber Lehmpisten und Pfade gaben uns das Gefuehl wirklich in Afrika zu sein. Kein Strom, kein fliessend Wasser, die Huetten am Pfadesrand aus Lehm und Holz. Meist mit dutzenden kaum bekleideten Kindern vor den Behausungen, die ihre alltaeglichen Aufgaben und Arbeiten verrichteten. Sortieren und Reinigen von Saatgut, trocknen von Bohnen, schleppen von Wasser, hueten von Tieren... Muetter, die schwere Holzlasten auf dem Kopf balancierten und waehrendessen das umgebundene Neugeborene stillten. Das ist Afrika, wie man es sich vorstellt - doch heute auf der Ostseite eher selten anzutreffen. Ob das andere Leben in der Zivilisation ein begerenswerter Fortschritt ist fuer die Einheimischen?
Mama, wir haben ein Haus gekauft...

Das Tagesziel war eigentlich der Murginson Falls Nationalpark - doch wie so oft waren wir spaet dran und die einfallende Daemmerung ueberzeugte uns, vorher eine Bleibe zu suchen. Das Rhino Sanctuary bot sich an, denn es lag knapp 160km vor dem Park. Dunkle Wolken drohten auch mit Regen und Gewitter, sodass wir an der Abzweigung schuechtern nach der Entfernung zum Eingang fragten. "No Problem - its really not far..." ermutigte uns, doch dies waren dann auch 8km Lehm und Matsch... Vom Tor bis zum Reception seien es nochmals 1.5km versicherte uns der Ranger, auch hier waren wir 7km spaeter am Ziel. Die "Ugandianer" versuchen wohl immer eine dir passende Antwort zu geben. Nur keine Gruende fuer Unstimmigkeiten geben - Gut zu wissen. Im 70km2 grossen Areal sind heute Ugandas 7 einzigen Nashoerner zuhause. Die Aufzuchtsstation will in den naechsten 15 Jahren soviel White-Rhinos nachzuechten, dass sie in den Nationalparks wieder ausgewildert werden koennen. Wir wuenschen viel Erfolg.
Am naechsten Tag passierten wir das Gate zum Murginson Falls Nationalpark gegen Abend und fuhren gleich weiter mit dem Motorrad in das knapp 60km entfernte Camp inmitten des Parks. Im Gegensatz zu Kenia darf man in Uganda naehmlich auch mit dem Motorrad in die Nationalparks fahren - ein echter Kick, wie wir spaeter feststellten...
Auch Markus erreichte am Abend das Camp, sodass wir uns fruehmorgens auf eine BMW-Moped Safari aufmachten. Sandige Pisten fuehrten uns nach knapp einer Stunde zum Delta. Unzaehlige Gazellen aller Arten waren links, rechts, vor und teilweise fast ueber uns springend. Baboonfamilien und Affenherden blickten uns erstaunt nach, Voegel aller Arten und Groessen suchten nach Futter im sandigen Boden, auch die Giraffenherden mit an die 50 Exemplaren waren kaum zu uebersehen.
Die Giraffen sind die da hinten mit den langen Haelsen

Nun aber zum Spannenden: An einer Kurve erschrak ich ploetzlich. Knapp 30m vor uns ruhte ein Loewen Paerchen im Schatten eines Busches. Der Verlauf der Piste fuehrte 5m an ihnen vorbei. Uns stockte allen der Atem - doch nach einer kurzen Fotosession musste es weitergehen. Als wir mit den Motorraedern ein paar Meter weiter vorrueckten, erschrak das Maenchen und sprang davon - kurz darauf auch das Weibchen. Ideal zum Fotografieren standen sie im Grass und beobachteten uns - dachten wir. Beim Auspacken der Kamera ueberzeugte uns der Loewe mit seinen Drohgebaerden, dass wir nun doch lieber das Weite suchen sollten. Einsichtig und voller Respekt vor den Wildtieren stoppten wir erst als eine Herde von rund 300 ausgewachsenen Bueffeln einige Hundert Meter vor uns die Piste blockierten. Abwarten dachten wir, doch die Bueffel dachten nicht daran den Weg frei zu geben, sie wollten sich die Bikes wohl auch aus der Naehe ansehen und eine grosse schwarze Wand mit 600 Augen und Hoernern auf uns gerichtet bewegte sich langsam aber stetig auf uns zu. - Wir wendeten - Es wird ja wohl noch einen anderen Weg aus diesem Park geben, oder? Angenehm ruhige 20 Minuten genossen wir die Natur und die Stille um uns herum entlang des Deltas. Als ein grosses graues Etwas gluecklicherweise auch in einiger Entfernung mitten auf dem Weg stand. Wir hielten um die Lage zu analysieren. Auf dem Bike stehend konnte ich 15 Familienmitglieder des Elefanten rechts und links der Strasse im hohen Gras ausmachen. Also war einfach weiterfahren keine gute Idee... Immer wieder kreuzten Elefantenbabies und ihre Muetter von rechts nach links, als sich auch die Letzten endgueltig fuer die gleiche Seite entschieden hatten bewegten sie sich etwas weg vom Track auf den Schatten eines Baumes zu. Wir wollten es wagen, die Piste schien nicht sehr sandig zu sein, so dass wir zuegig vorbei fahren konnten. Ein Blick nach links auf hoehe der Elefanten liess unser Herz kurz aussetzen, die aelteren unter ihnen drohten uns mit weit aufgestellten Ohren und erhobenem Ruessel uns bloss schnell vom Acker zu machen. Ihr troeten uebertoehnte sogar das Motorengeraeusch unserer Toeffs. Uff - nun haben wir aber genug Adrenalin fuer heute getankt. Wow, so eine Safari ganz ohne schuetzendes Autoblech um einen herum ist nochmal eine Spur intensiver.
Ueber einen kleinen Track in Richtung Lake Albert verliessen wir den Park am Nachmittag. Passend zum wahnsinnig kitschigen Sonnenuntergang erreichten wir das Ufer des Sees. Im kleinen Oertchen Bultiaba goennten wir uns eine Uebernachtung im Hotel. Der Vorplatz bestand aus sauber gefegtem Sandboden, auf dem eine Bastmatte ausgebreitet war - der Tisch der Besitzerfamilie, sie assen gerade als wir eintrafen. Hinter einem Sichtschutz aus Bambus befanden sich 6 sehr ordentliche Zimmer. Sogar Toilette und Dusche waren am Ende der Zimmerreihe in je zwei kleinen Blechverschlaegen zu finden. 2 Euro pro Zimmer, ohne zu handeln. An Strom oder fliessend Wasser sucht man hier vergebens. Zum Duschen gibt es einen Wasserkanister und ein Becken - aber das reicht eigentlich auch. Zum Waeschewaschen brachten sie uns einen 25 Liter Kanister, wer weiss vielleicht hat diesen ein Junge den weiten Weg vom See oder einem Brunnen bis hier her auf dem Kopf getragen. Wir haben das Wasser jedenfalls aufgebraucht, bei uns wuerde dieser Aufwand der Wasserbeschaffung wohl den ein oder anderen dazu bewegen, das selbe Hemd einmal oefter zu tragen.
Ueber Malindi erreichte wir 120km spaeter in Hoima die geteerte Strasse nach Kampala, wo wir am spaeten Abend eintrafen. Wie ein Schlag ins Gesicht fuehlte sich der krasse Kulturwandel fuer uns an. In einem Backpacker Hostel stellten wir das Zelt auf in mitten von duzenden, frisch eingeflogenen, jungen, lauten, weissen Menschen. Da sitzen wir nun also und aergern uns wenn unser Notebook nicht mit dem W-Lan in Verbindung treten will oder das Internet zu langsam ist zum Aktualisieren unserer Webseite. Tage voller Gegensaetze liegen hinter uns, die wir erstmal verdauen muessen. Aber dazu reisen wir ja, um aus dem Gewohnten ausbrechen zu koennen. Wir freuen uns schon auf unsere morgige Weiterfahrt und viele neue Eindruecke.
Bewerte diesen Beitrag:
0
Markiert in: Kenya Uganda

Kommentare

  • Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!

Kommentar hinterlassen

Gast Samstag, 21 April 2018
Aktuelle Seite: Home Nina Welt voller Gegensaetze