Three Pairs Of Underwear

Endlich raus aus Nairobi

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Am fruehen Nachmittag des 30.11.2009 verliessen wir nun endgueltig die Jungle Junktion. An diesem Abend wollten wir den Masai Mara Nationalpark erreichen. Aus verschiedenen Quellen haben wir gehoert, dass zur Zeit die Tierwanderung im Gange sei und es sich wirklich lohnen wuerde, eine Safari-Tour durch den Park zu machen. Da es nicht erlaubt ist mit dem Motorrad durchzufahren, versuchen wir vor Ort ein Fahrzeug zu organisieren, welches wir mit 5 Personen teilen moechten.
Doch schon der Weg Richtung Masai Mara war lohnenswert. Zu Beginn war die Strasse meisst asphaltiert, spaeter wurde es etwas holperiger, aufgrund einiger Umleitungen durch Strassenbaustellen. Unsere Umgebung war gepraegt von sandigem Boden auf dem viele brusthohe Baeume und Straeucher wuchsen. Wir befanden uns noch auf dem asphaltierten Stueck, als ich links zwischen den stauchartigen Baeumen einen langen Hals entdeckte. - Eine Giraffe!
Aufgeregt machte ich Tom darauf aufmerksam und wir hielten am Strassenrand. "Ist die wirklich echt?" Reglos stand sie da. Tom entschied sich mit der Kamera etwas naeher hin zu gehen. Als er nach erfolgreicher Fotosession zum Bike zurueck kam meinter er: "Man ist die riesig!" Anhand der Bilder konnten wir auch erkennen, dass es sich nicht um die Rotschildgiraffe wie im von uns besuchten Giraffen Park handelt. Aber diese soll ja auch sehr selten sein. Die Fellzeichnung dieser wilden Giraffe hier neben der Strasse, ist ganz anders und wie ich finde noch viel schoener.
Lange Beine und langer Hals (kleines Hirn?) - eine Traumfrau...

Ein ganzes Stueck konnten wir der recht guten Strasse folgen, dann nahmen wir einen Abzweig Richtung Nationalpark und die Strasse verwandelte sich in eine holperige Piste. Nur ganz selten kam uns mal ein Fahrzeug entgegen, und die Landschaft war atemberaubend. Weites Land, welches kein Ende zu haben schien, saeumte unseren Weg. Wenn sich die Strasse etwas bergan schlaengelte konnten wir weit uebers Land sehen, immer noch dominierten kleine Buesche und vereinzelte Baeume das Bild, jedoch viel gruener. Langsam ging die Sonne unter, was zwar wunderschoen anzusehen war, aber uns auch zur Eile draengte. Diese Strasse konnten wir unmoeglich im voll beladenen Zustand im Dunkeln fahren.
Doch als die Sonne schon das Strassenende am Horizont beruehrte, mussten wir unbedingt nochmals stoppen. Rechts von unserem Track traf mein Blick auf einige Gnus und - ich traute meinen Augen kaum - ein Strauss! Auch dieser Vogel wirkte riesen gross, obwohl er bestimmt 200m von uns entfernt stand. Durch die Gnus in seiner Naehe trauten wir uns allerdings nicht naeher heran und so gab es nur ein leicht verschwommenes "Beweisfoto".
Bordsteinschwalben? noe Gnu und Strauss in der Abenddaemmerung

Nun hatten wir aber genug "getroedelt" und nahmen die Holperpiste wieder unter die Raeder. Es daemmerte nun schon stark und wir hielten nach einer Moeglichkeit zum Zelten ausschau. Als wir links an der Strasse ein Campside Schild entdeckten, ueberlegten wir nicht lange und entschieden uns dort zu bleiben. Wie sich dann herausstellte, eine garnicht so schlechte Wahl. Freundlich wurden wir empfangen und konnten fuer einen guenstigen Preis unser Zelt aufschlagen. Markus, einer der Motorradfahrer und Robin und Maria (sie haben wir am Lake Tana getroffen), die zwei mit dem ehemaligen Langneseeiswagen. Wollten am naechsten Tag auch hier anreisen, so dass wir uns mit ihnen den Safariwagen teilen koennen. So versuchten wir also schonmal Informationen ueber Preise und Ablauf zu erhalten. Zwei Masai von unserer Campside liefen auch prompt los zu einem Tourenanbieter, um uns die gewuenschten Informationen zu beschaffen. Waerend wir im Camp warteten, fuehrten wir eine angeregte Diskussion mit dem Campchef ueber Arm und Reich. Auch tauschten wir uns aus, wie das soziale Netz in Europa funktioniert und wie man es hier aus afrikanischer Sicht sieht. Unter anderem glaubt man hier, dass die Schulbildung an der Arbeitslosigkeit in Kenia schuld ist, weil die Gebildeten natuerlich keine einfachen Jobs mehr machen wollen. Es ist wirklich ganz interessant, mal die Sicht der Menschen hier zu hoeren. Leider ist es oft nicht moeglich solche Gespraeche mit Einheimischen zu fuehren. Entweder aus Sprachgruenden oder es kommt garnicht zu einem Gespraech, weil wir gleich als Touristen um Geld angebettelt werden. Nach einer ganzen Weile erhielten wir Preise fuer die Safari per Telefon und verabredeten uns mit dem Fahrer fuer den naechsten Morgen um alles zu verhandeln. Totmuede rollten wir uns dann in unsere Schlafsaecke.
01.12.2009
Um kurz vor acht traf der Fahrer im Camp ein und Tom versuchte sich mit ihm ueber Dauer und Preis der Safari einig zu werden. - Leider erfolglos. Dieser Typ hatte zwar ein tolles Safariauto aber war ziemlich unmotiviert.
Wenn wir schon 60 Dollar Parkeintritt und das Auto zahlen muessen, wollen wir auch den ganzen Tag im Park verbringen und nicht nur von 8 bis 16 Uhr. Ausserdem glauben wir nicht, dass wir viel Getier zu sehen bekommen, wenn der Fahrer nicht auch Spass an der Tour hat. So sagten wir ihm ab und beschlossen am Eingangsgate erneut unser Glueck zu versuchen.
Erst stellte sich auch hier der gewuenschte Erfolg nicht ein. Es passieten zwar einige Fahrzeuge das Gate, doch fuer uns waren diese nicht buchbar, denn etweder gehoerten sie zu irgendwelchen Lodges oder sie waren aus Nairobi gebucht. Waerend wir vor dem Gate herumstanden und ueberlegten, wie wir an ein Auto kommen, tauchten immer wieder Masaifrauen auf, die uns Schmuck und Holzschnitzereien verkaufen wollten. Leider sass ich am Boden auf einem Bordstein, ein unguenstiger Platz wie ich feststellen musste. Von allen Seiten war ich umringt und jede hielt mir Masken aus Holz oder Armreifen aus bunten Perlen vors Gesicht. Immer wenn ich bei einem Teil den Kauf verweigerte, fragten sie "...und was ist mit diesem, oder mit jenem?" Tom kam ebenfalls hinzu und als wir ihnen wohl verstaendlich gemacht hatten, dass wir nichts kaufen wollten, sollten wir sie fotografieren. Dafuer wuerde natuerlich auch etwas berechnet, auch das lehnten wir konsequent ab... Irgendwann loeste sich gluecklicherweise die Traube aus Verkaeuferinnen auf.
Es ist wirklich schade, dass hier der Stolz dieses Stammes ein wenig verloren gegangen ist. Wenn man als Tourist hier einfliegt, in einer schoenen Lodge wohnt und eine Safari macht, mag man vielleicht glauben, so leben die Masai. Doch eigentlich sind sie ein stolzes, starkes Volk. Irgendwie koennen wir sie aber sogar verstehen, wenn Touristen bereit sind Geld fuer ein Foto von ihnen zu bezahlen, warum sollte man es nicht ausnutzen? - Leicht verdientes Geld. Doch uns ist es lieber, sie in ihrem normalen Alltag zu fotografieren und das ware Bild wiederzugeben.
Das Messer wird gewetzt - gleich gehts der Ziege an den Kragen

Doch zurueck, zu unserem Safari-Auto-Probelem. Nach einer Weile hielt ein schicker Safariwagen neben uns und der Herr auf dem Beifahrersitz fragte uns auf Schweizerdeutsch, ob wir den ganzen Weg aus der Schweiz mit dem Toeff hierhergekommen sind. Ueberascht bejaten wir. Nach einem kurzen Gespraech stellte sich heraus, dass der Herr von Kuoni (einem schweizer Reiseveranstalter) war. Er gab uns den Tipp, mal in der Bushtop-Lodge (von der diese Autos stammen) vorbei zu schauen. Die Besitzerin (auch aus der Schweiz) sei gerade anwesend und vielleicht koennten wir dort, ein Fahrzeug bekommen. Dass wollten wir auf jeden Fall probieren. Wir fuhren also die "Hauptstrasse" zurueck, an unserem Camp vorbei und fragten uns nach der Lodge durch. - Komischerweise war sie nicht in unserem GPS aufgelistet. Aufgrund des Hinweises eines Masaihirten folgten wir einem abenteuerlichen Track in das Buschland hinein. Der Boden war sandig aber hart, doch immer wieder kreuzten tiefe ausgetrocknete Wasserrinnen unseren Weg. Dicht an den dornigen Bueschen vorbei schlaengelte sich der Pfad. Dann standen wir ganz unverhofft vor einem wunderschoenen Gebaeude aus orangelichem und grauem Naturstein. Unser Blick fiel durch den Eingang und wir waren ueberwaeltigt. Ein grosses, weisses Sofa stand auf einer Terasse, welche aus dunklem Holzboden bestand. Der Blick war frei auf das Tal, eine weite gruene Ebene, welche bis zum Horizont kein Ende nahm. Nun war auch klar, warum diese Lodge nicht auf Tracks4Afrika in unserem GPS verzeichnet war - voellig ueber Budget, leider.
Eine Traumbleibe - die Bushtop - Lodge

Freundlich wurden wir begruesst und konnten mit Claudia (der schweizer Besitzerin und auch CH-Konsularin in Kenia), welche schon telefonisch ueber unser Auftauchen informiert war, sprechen. Nach kurzer Verhandlung wurden wir uns einig und wir durften uns fuer den naechsten Tag auf eine Safari in einem echten Luxussafariwagen freuen. Ihr koennt in der Gallery ein paar schoene Bilder von der Bushtop - Lodge finden - aber nicht neidisch werden ;-)
Unser ereignisreicher Tag war allerdings noch nicht zu Ende. Maria, Robin und Markus waren zwischenzeitlich auch in unserem Camp eingetroffen, und noch etwas anderes. Zum Abendessen hatten wir naemlich eine Ziege bestellt, also wartete dort auch ein weisser Ziegenbock auf uns. Erstaunlicherweise wollten wir alle der Schlachtung beiwohnen. Fuer die Zartbeseiteten unter euch wollen wir mal auf die genaueste Beschreibung dieses Aktes verzichten. Es sei nur so viel gesagt, es war weitaus weniger blutig als erwartet und die Ziege hat nicht gelitten, sie war sogar ganz entspannt und ruhig. Die zwei Masai, die federfuehrend die Aktion durchfuehrten, verstanden ihr Handwerk und arbeiteten sauber, ordentlich und strukturiert. Nach einer Stunde war alles vorbei und es blieben nur noch zahlreiche Fliegen am Ort des Geschehens zurueck.
Am Abend wurde also auf Masaiart am Lagerfeuer gegrillt und wir liessen uns das Fleisch schmecken. - wirklich lecker!
So ging wiedermal ein ereignisreicher Tag zu Ende und wir krochen nicht all zu spaet in unsere Zelte, denn morgen werden wir um sieben zur Safari abgeholt.
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