Three Pairs Of Underwear

Immer noch Nairobi und auch Lake Naiwasha

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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28.10.2009
Es war still geworden auf unserem Campingplatz mitten in Nairobi. Die meisten Reisenden, die wir vor unserem Ausflug in den Norden Kenias kennengelernt hatten, waren abgereist. Nur noch 2 Hollaender mit einem grossen Wohnlastwagen und ein deutsches Paar aus Muenchen waren noch da. Doch am naechsten Tag waren auch diese verschwunden. Wir fuehlten uns schon fast einsam, aber an Abreise war noch nicht zu denken, denn wir erwarteten ja sehnsuechtig unsere Ersatzteillieferung aus der Schweiz.
Dazu kam, dass es Tom zwar waehrend seiner Riamet Therapie zwar gut gegangen war, doch danach im Abstand von 2 Tagen wieder aehnliche Beschwerden einsetzten wie am Lake Baringo. Zwar nicht so stark, aber wir waren dennoch beunruhigt.
Am 31.10. war es endlich so weit, am Abend koennten wir die Verwandtschaft der anderen Reisenden, Hanna und Andy, am Flughafen begruessen. Sie wuerden unsere langersehnten Teile mitbringen. Doch als wir am Morgen erwachten, waren wir alles andere als euphorisch. Tom ging es heute wieder einmal schlecht. Er schleppte sich in den Aufenthaltsraum aufs Sofa und machte einen klaeglichen Eindruck. Wir entschieden ins Krankenhaus von Nairobi zu fahren, um hoffentlich endlich kompetente Hilfe zu erhalten. Diesmal war es moeglich, dass Tom selbst in das 5km entfernte Krankenhaus fuhr. Gegen 13 Uhr trafen wir in dem riesigen Gebaeude ein. Die Notaufnahme erinnerte uns ein wenig an die Fernsehserie "Emergency Room". Wir betraten einen grossen Raum, gefuellt mit im Boden verankerten gruenen Plastikstuhlreihen und natuerlich voll mit Menschen. Auf der linken Seite befanden sich 5 Schalter, wo wir uns anmelden mussten.
Der Herr am ersten Schalter nahm die Personalien auf, am zweiten Schalter durften wir unseren Wunsch nach einem Arzt aeussern und 12 Euro hinblaettern (Arztpauschale - hmm wir sehen da leichte Parallelen zur Praxisgebuehr...), wir erhielten eine Nummer, durften uns einen Stuhl aussuchen und warten. Nach ca. einer Stunde wurde unsere Nummer aufgerufen und wir durften in einen kleinen Raum wechseln. Die ueblichen Vitalitaetsdaten wurden gemessen und aufgeschrieben. Ein paar Fragen wurden gestellt, dann durften wir wieder im gruenen Plastik Platz nehmen und erneut auf den Aufruf unserer Nummer warten. Nach 45 Minuten warten, war es dann so weit: Tom durfte sich auf einer Liege hinter einem Vorhang niederlassen. Wieder Fragen und Erklaerungen wie es weiter geht, dann 2 Brausetabletten fuer unseren Kranken. Nun sollten wir uns zu den Labors begeben und nochmals einen Bluttest machen lassen. Vorher ging es natuerlich an der Kasse vorbei um schonmal 27 Euro fuer die Tests zu bezahlen. Am Empfang des Laborwarteraumes wurden wir nicht grade freundlich begruesst. "Was muessen wir tun, wie gehts weiter?" fragten wir. "Your Receipt!" - Ihre Quittung! "Take a seat!" - setzen sie sich! bekamen wir fliessend genuschelt aber bestimmt zur Antwort... Dann hiess es wieder warten - wenigstens waren hier die Stuhele bequemer. Dann wurde Tom zur Blutabnahme gebeten und wir sollten nochmals ne volle Stunde auf das Ergebnis warten. Nach einer Stunde und 20 Minuten hatten wir immer noch nicht den Hauch einer Antwort und wir fragten mal nach. Nach nochmals 15 Minuten hiess es "Mr. Tom!?", wir erhielten einen Umschlag und sollten wieder zur Notaufnahme wechseln. Diesmal marschierten wir allerdings gleich durch zu den Aerzten, natuerlich nicht ohne uns vorher selbst ein Bild von den Ergebnissen im Umschlag zu machen. Malaria - negativ; Salmonellen - negativ; die restlichen fuer uns unverstaendlichen Werte bewegten sich zwischen 2 Promille und 85 Prozent. Wohlbefinden: Durch die Brausetabletten leicht besser, Frisur hielt noch. Die Aerztin warf einen Blick auf die Ergebnisse und teilte uns dann mit, dass die 85 Prozent normalerweise nicht ueber 5 Prozent ansteigen darf und es sich warscheinlich um eine bakterielle Lebensmittelinfektion handelt. Wieder einmal musste Ciprofloxacin helfen, dieses Antibiotika kannte Tom schon aus frueherer Zeit durch mehrmonatigen Genuss. Diesmal allerdings sollten 5 Tage reichen - wenns denn hilft.
Inzwischen war es schon 17 Uhr und wir mussten uns beeilen und Richtung Flughafen aufbrechen. Empfangskommitee fuer den noch unbekannten Besuch aus der Schweiz und natuerlich unsere Ersatzteile. Die Spannung stieg, wuerden sie ohne Probleme den Zoll passieren? Puenktlich trafen wir am Ankunftsterminal ein und mussten auch gar nicht lange warten, da sahen wir die Vier. Roland, Dorli, Remy und Nereida hatten problemlos den Weg von der Schweiz bis hier her gemeistert. Da alle Kleinteile und das neue Oehlins-Federbein in saemtlichen Koffern verteilt waren folgten wir ihnen bis zum Hotel um dort wieder alles zusammenzusuchen. Zu guter Letzt liessen sie es sich nicht nehmen, uns noch zum Essen einzuladen. Vielen Dank dafuer und natuerlich auch fuer die unkomplizierte Hilfe - DANKE! Hans, Dir auch ein rieses Dankeschoen fuer das Zusammensammeln aller Teile!
Einen Tag spaeter fuhren wir zufaellig an der BMW-Auto-Vertretung in Nairobi vorbei. Wir hielten fuer einen kurzen Plausch und fragten bei der Gelegenheit gleich mal an, ob wir zum Einbau des neuen Oehlins-Federbeins einige ihrer Werkzeuge verwenden koennten. Ja wir durften am Montag wiederkommen und sogar in der Werkstatt arbeiten. Ein Oelwechsel war schnell gemacht und auch das Federbein zuegig montiert - wir wissen seit Sana'a ja schon wie es geht ;-)
Froh, unter einem Dach arbeiten zu koennen, bestaunten wir immer wieder die kurzen, heftigen, monsunartigen Regenschauer. Einzig unser Windshield profitierte davon, denn auf dem Regengitter abgelegt, wurde es schoen sauber. Leider hatten wir nicht lange Freude daran, denn ein Werkstattwagen fuhr in einem etwas zu grossen Bogen vorbei und... KRAXS ein lautes knirschendes Geraeusch! Nein! Er war direkt drueber gefahren! Immer hatten wir aufgepasst, Kratzer vermieden wo es geht und es im Flugzeug sogar als Handgepaeck mitgenommen, als das Bike in Yemen mit dem Bus gefahren ist. Nun lag es in 10 Teile gebrochen vor uns auf dem Boden.
Ich sah Tom in diesem Moment nur von hinten, konnte aber erkennen, er war kurz vorm Explodieren - wuetend und traurig zugleich. Tapfer riss er sich zusammen und diplomatisch aeusserte er: "Kann man nix machen, wir haben ja nen Auftrag unterschrieben, ist hoffentlich versichert..." Der uns zur Seite gestellte Mechaniker war mehr eine Bremse, als eine Hilfe und puenktlich zum Feierabend verschwunden. So waren wir erst kurz nach Feierabend fertig und mussten in Eile die Werkstatthalle verlassen, damit man uns nicht einschliesst. Das Windshield haben wir da gelassen, mal sehen, was sie sich einfallen lassen. Versprechungen sich am naechsten Tag gleich um ein Neues zu kuemmern, stimmten uns positiv.
Da sag mal einer wir wuerden nicht arbeiten...

In der Jungle Junction trafen, so erschien es uns, taeglich neue Motorradreisende ein. Adam, ein Israeli auf dem Weg nach Indien. Dave, der Suedafrikaner aus Richtung Suedafrika. Omar, ein Aegypter und Miles der Kiwi aus Neuseeland. Auch Markus, der Deutsche, den wir schon am Lake Tana getroffen haben tauchte mit Jaap, einem Hollaeder hier auf. Ein richtiges Gruppengefuege ist entstanden. Am Abend wurde gemeinsam gekocht und am grossen Tisch gegessen. Jeder half mit Rat und Tat den anderen, auch Tracks und GPS-Daten wurden bereitwillig ausgetauscht. Am Eindruecklichsten war sicherlich die gemeinsame Fahrt zum Naiwasha See. Schlomi, ein ortsansaessiger, israelischer KTM-Fahrer und sein Kumpel hatten die Idee eine gemeinsame Motorradtour dorthin zu unternehmen. Am Sonntag verliessen also 8 grosse Motorraeder, beladen mit 10 Personen den Jungle mitten in der Stadt. Die Einheimischen staunten nicht schlecht, ein Bike in dieser Art hatten sie vielleicht schon mal gesehen, doch in dieser Praesenz fielen wir sehr auf. Die Reaktionen reichten von veraengstigtem Ohren Zuhalten bis verwundertes, euphorisches Winken. Fussballspielende Kinder hielten inne oder liefen zur Strasse um uns besser sehen zu koennen. Ein koestliches Schauspiel. Als uns die Strasse an Souvenier - und Schaffellverkaufenden Huetten vorbei fuehrte, hielten wir an. Alle Biker, die noch kein Fell auf dem Sitz hatten (ausser wir) erstanden hier fuer sagenhafte 7,50 Euro solch eine bequeme Tierhaut. Die Motorradfahrer waren gluecklich und die Verkaeufer auch.
Am Lake Navasha angekommen, liessen wir uns an einem Tisch in einem Hotelgarten gleich am See, Kaffee, Tee und Kuchen schmecken. Ein paradiesisches Fleckchen war das hier, so genossen wir die Aussicht und einfach das Sein. So verging die Zeit wie im Flug.
Moderne Cowboys ;-)

Am Nachmittag ging es zurueck, Richtung Nairobi zum CousCous-Essen bei Schlomi. Man, war das lecker, viel zu viel, aber sooo gut!
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