Three Pairs Of Underwear

Wir koennen die Seen sehen... Elementeita und Baringo

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Am Samstagnachmittag schafften wir es endlich uns von der Jungle Junction in Nairobi loszureissen. Unser Ziel war nur ca. eineinhalb Stunden entfernt, also keine grosse Herausforderung. Zum Elementeita See sollte es gehen, hier gibt es Flamingos und heisse Quellen. Bis zum Einstieg in den Track der zum See fuehrte konnten wir der Hauptstrasse hinaus aus Nairobi folgen. Erst ging es durch die Slums dann an einem riesigen Muellberg vor der Stadt vorbei - scheibar die Sammelstation, kein schoener Anblick.
Wir cruisten einige Kilometer die Schnellstrasse entlang, da deuteten Tom und ich fast gleichzeitig, aufgeregt nach rechts an den Strasserand. Wir trauten unseren Augen kaum, war es eine Eselherde? Hm, gibt es gestreifte Esel? Nein, es waren wirklich Zebras!!! Einfach so, standen sie da und grasten.
Pyjamapferde...

Einige Kilometer vor unserem Abzweig zum Lake Elementeita leuchteten uns orange Packtaschen an einem Fahrrad vom Strassenrand entgegen. Martin unser Radler aus Djibouti hatte seine Tour durch Somaliland unbeschadet ueberstanden und hatte nun auch Nairobi hinter sich gelassen. Nach einem kurzen Plausch entschieden wir uns wieder ein gemeinsames Nachtlager am See aufzumachen.
Am Gate zum Elementeita Nationalpark angekommen zahlten wir 5 Euro pro Person und durften passieren. Ein ausgetrockneter harter Sandtrack fuehrte Richtung Wasser. Weite Landstuecke hier befinden sich noch im Familienbesitz der Masai. So war es nicht weiter verwunderlich, als wir in der Ferne 2 menschliche Gestalten entdeckten. Auch sie hatten uns erspaeht und liefen so schnell sie die Fuesse trugen in unsere Richtung. Die beiden Jungs waren vielleicht 10 Jahre alt und sprachen recht gut Englisch. Sie hatten wunderschoene Blueten aus Flamingofedern gebunden und wollten diese an uns verkaufen. Wir lehnten freundlich ab und suchten weiter unseren Weg. Am Ufer angekommen fiel unser Blick auf die weite Wasserflaeche, eine beachtliche Menge Flamingos und eine kleine Anzahl anderes Federvieh.
Blick auf den See

Wir umrundeten das Gewaesser und hielten an den heissen Quellen. Das Wasser war hier angenehm warm und die Rundumsicht wirklich schoen. Grade begannen wir, gleich neben der Quelle unser Zelt aufzubauen, da tauchte einer der Masaijungs wieder auf. Er meinte: "Wollt ihr wirklich das Zelt hier aufbauen?" Wir sahen ihn fragend an: "Ja, warum denn nicht?" Verwundert entgegnete er: "Weil die Bueffel hier nachts zum Trinken kommen." Tom blickte mich an: "Ich glaube ihm..."
Inzwischen war auch Martin angekommen und wir packten alles unter den Arm und zogen an eine andere Stelle fuer unser Nachtlager. Bald wurde es dunkel und wir sassen noch eine Weile vor dem Zelt, genossen die Stille und den Sternenhimmel. Bueffel konnten wir nicht entdecken in dieser Nacht, aber das fruehe Aufstehen am naechsten Morgen lohnte sich wirklich. Die Stimmung war einmalig. Die Sonne kroch langsam ueber die Bergkuppen, Nebelschwaden waberten ueber der Wasseroberflaech und ein Heissluftbalon stieg langsam gen Himmel. Eine friedliche Stille war zu spueren und breitete eine versonnene Stimmung in uns aus, nur die Flamingos waren schon emsig auf Futtersuche.
ein Balon am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen... oder so...

Wir brachen wenig spaeter auf zum Baringo See. Einmal die Haupstrasse erreicht kamen wir auf gut asphaltierter Strecke gut voran. In dem nicht ganz kleinen Ort Nakuro hielten wir noch fuer ein deftiges Fruehstueck und sorgten unter den Fahrrad- und Motorradtaxifahrern fuer einen kleinen Menschenauflauf rund um unser Bike. Da mussten wir auf Wunsch der Restaurantcrew doch noch schnell das Gefaehrt umparken - versteckt unterm Dach...
Gut gestaerkt ging es auf landschaftlich schoener Strecke weiter gut voran. Am Ortseingang eines kleinen Dorfes war die rechte Strassenseite gesaeumt von merkwuerdigen Pflanzenplantagen, Anannas oder Aloe? Wir stoppten um uns die Gewaechse genauer anzusehen. Kinder bestaunten das Motorrad und erzaehlten uns, es gaebe eine Fabrik wo die Pflanzen verarbeitet werden, die koennten wir uns ansehen. Wir liessen uns die Richtung zeigen und dachten uns: "Machen wir doch!" Am Tor wurden wir freundlich empfangen und gleich bereitwillig herumgefuert. Bei der merkwuerdigen Pflanze handelt es sich um Sisal. Die dicken, spitzen Blaetter werden erst mit Hilfe einer Maschine gebrochen und die weissen Fasern zum trocknen aufgehaengt. Je nach Wetterlage zwischen 2 Stunden und 2 Tagen. Die getrockneten Fasern werden geschmeidig gekaemmt, je nach Sorgfald und Dauer dieser Prozedur entstehen verschiedene Qualitaetsstufen. Die fertige, fadenaehnliche Ware wird dann in einer Presse komprimiert und fuer die Auslieferung auf dem lokalen und internationalen Markt zusammengeschnuert. Daraus entstehen dann zum Beispiel Sisalseile, wie sie hier in der Fabrik nur fuer den Eigenbedarf hergestellt werden. Auch das wurde uns bereitwillig demonstriert und wir konnten am Ende sogar ein selbstgemachtes Seil mitnehmen. (Fotos hierzu sind in der Gallery zu finden)
Wir verliessen beeindruckt das Firmengelaende und setzten unseren Weg fort. Es folgte ein Wechsel auf die Nordhalbkugel der Erde, denn wir ueberquerten wieder den Aequator. Der Himmel verdunkelte sich und Regen kuendigte sich an. In dem herrlichsten Platzregen passierten wir ein merkwuerdiges Schild, aehnlich wie Achtung Koala aber es sah eher aus wie eine... hm Schildkroete. Und tatsaechlich ein ziemlich grosses Exemplar krabbelte am rechten Strassenrand im roten Matsch entlang. Wir stoppten und versuchten ein paar Fotos zu erhaschen, doch kaum bemerkte uns das Tier war es in seinem Panzer verschwunden. Egal wie geduldig wir im Regen ausharrten, es wollte den Kopf und die Beine nicht zeigen. Alles zieren hilft nicht, wir zeigen es hier trozdem ;-) aetsch!
Bei angenehmen 25 Grad trocknete die Kleidung nach dem Regenguss recht schnell und wir erreichten im trockenen Zustand und bei schoenstem Sonnenschein das Gate zum Baringo See. 3,50 Euro Parkeintritt mussten wir hier pro Person abdruecken. Die Werbetafel der Roberts Lodge hatte es uns angetan und so steuerten wir das Eingangstor an. Hier hat man die Wahl zwischen Zimmer, Huette oder Zelten gleich am See. Wir bekamen eine Nilpferdgarantie zum Zeltplatz dazu und so sagten wir nicht nein. Schon beim Zeltaufbau in sicherer Entfernung zu Wasser konnten wir zwei stattliche Hippos am Ufer grasen sehen. Ein beeindruckender Anblick. Tom verschwand gleich mit der Kamera und ich kuemerte mich um unser Heim. Der Wind frischte ziemlich auf und ich hatte schon Angst um unsere Behausung, doch sie hielt gut Stand. Tom tauchte recht beeindruckt wieder auf und meinte, er waere wohl ein wenig nah am Wasser gewesen. Das groessere der beiden Nilpferde hatte ihn schon bedrohlich im Visier, aber war dann wohl doch zu faul fuer eine Atacke. - Glueck gehabt.
Wir entschieden uns, noch schnell etwas zu kochen und dann schlafen zu gehen. Es war fast dunkel, das Essen war fertig und wir wollten grade mit dem Essen starten, das vielen Schwaerme von kleinen Minifliegen ueber uns her. Urploetzlich tauchten sie auf, verfingen sich in Mund, Nase und Augen, so dass wir schnell mit dem Essen ins Zelt fluechteten. Trotz schnellem Oeffnen und Schliessen der Zelttuer, hielt sich auch eine beachtliche Anzahl der kleinen Biester hier drinnen auf. Einige gezielte Ladungen Anti-Brumm hauchten ihnen das Leben aus und wir hatten unsere Ruhe. Fast, denn sobald wir das Licht im Zelt einschalteten, herschte eine Geraeuschkulisse, wie bei einem richtig schoenen Landregen - aber immer nur aus der Richtung des Lichtstrahls und ohne Licht war Ruhe.
Am naechsten Morgen ging es Tom ganz ploetzlich ziemlich schlecht - Uebelkeit, Erbrechen, Durchfall und total schlapp. Auch nachdem er nochmals 2 Stunden geschlafen hatte wurde es einfach nicht besser. Was tun? Selbst Toeff-fahren war in dem Zustand undenkbar, er konnte sich ja selbst kaum auf den Beinen halten. Ich konnte ihn auch nicht einfach aufladen und zum Doc bringen und vor allem wo war die naechste aerztliche Hilfe? Also erkundigte ich mich bei der Camp-Crew nach Moeglichkeiten. Ich entschied ein Taxi kommen zu lassen, auch ein Mitarbeiter des Camps fuhr mit. Dann ging es in den 18 Km entfernten Ort zur Privat Klinik. - Vielleicht ein bisschen uebertrieben... Durch eine Apotheke gelangte man durch einen kleinen Gang in ein 2 mal 3 Meter grossen Raum. Das Labor mit den gleichen Abmessungen befand sich gleich daneben.
Unsere Privatklinik... Mitte

Der Arzt - ein kompetenter junger Mann - nahm von uns beiden eine Blutprobe und liess sie auf Malaria untersuchen. Dann hiess es warten. Nach 45 Minuten folgte dann die Diagnose: Tom - Malariapositiv! Er wurde auf Riamet gesetzt und wir erhielten eine ganze Auswahl weiterer bunter Tabletten. Um wieder fahrtauglich fit zu werden goennten wir uns den Luxus einer Huette mit richtigem Bett. Nachts hoerte ich komische schmatzgeraeusche vor dem Haus, als ich nachsah, konnte ich ein Nilpferd gleich vor der Tuer entdecken. Ich hatte nicht erwartet, dass sie sich so weit vom Wasser entfernen. War ich doch nach dem Essen, im Dunkeln, ohne Licht oder Guard allein vom Restaurant hierher gelaufen. Gut, dass ich das nicht gewusst habe.
Die naechsten 2 Tage entdeckten wir das Tierleben rund um uns. Erstaunt fluechtete ein Krokodil vor unserer Nase ins Wasser. Und unzaehlige Vogelarten waren zu sehen. Im Reisefuehrer stand, dass es hier ueber 400 verschiedene Arten gibt. Wir haben als totale Laien innerhalb weniger Minuten 15 verschiedene Flugobjekte gezaehlt. Nach 2 Tagen hatte Tom sich weitestgehend erholt und wir traten den Rueckweg nach Nairobi an. Kurz bevor wir die Stadt erreicht hatten, steiften wir an einer Tankstelle das erste Mal unser komplette Regenausruestung ueber. Nach 10 Minuten Regenfahrt war allerdings der Spuk schon wieder vorbei. Diesmal entdeckten wir abseits der Strasse neben Zebras, auch Affen und ein Warzenschwein.
Zuruek in der Jungle Junction konnten wir ein paar Teile an Reisende aus Deutschland mitgeben und erfuhren durch Zufall, dass andere Schweizer Besuch erwarteten. Dieser erklaerte sich netterweise bereit unsere Ersatzteile mitzubringen. Super, ein Problem geloest, jezte heisst es nur noch warten. So koennen wir noch ein paar Tage die Annehmlichkeiten der Stadt geniessen.
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Gast Mittwoch, 18 Juli 2018
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