Three Pairs Of Underwear

So schreibt man "Nichtstun in Nairobi"

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Das Ausspannen, Sammeln und einfach Entspannen haben wir uns in den lezten 2 Wochen wirklich zu Herzen genommen.
Die ersten Tage stand mal garnichts auf dem Tagesplan, ausser Schlafen, Essen und entspannen. Wir haben uns erklaeren lassen, wo der naechste Supermarkt ist, sind dort erstmal schoen shoppen gegangen - Fast 70 Euro hat uns der Lebensmitteleinkauf gekostet. Aber der Nakumat bietet wirklich alles was das Herz begehrt. Von nuetzlichen Tuetensuppen fuer die Reisekueche, ueber 30 verschiedene Sorten Pasta, bis hin zu Tiefkuehlpizza. Ich glaube wir haben 2 Stunden zwischen den Regalen verbracht, bis wir das ganze Zeugs nicht mehr sehen konnten. Die Frage nachdem wir die Kasse passiert hatten war: "Passt das alles in den Rucksack?" Nein, natuerlich nicht. Mit vollem Rucksack und je 4 Tueten traten wir dann die 2km zu Fuss, zurueck zu unserer Unterkunft an. - Wow, naechstes Mal dann doch wieder mit dem Bike.
Aber am naechsten Morgen haben wir uns leckere Pfannkuchen in der Jungle Junktion-Kueche (unserer Unterkunft) zubereiten koennen. Ist das herrlich, eine ganze Kueche mit eigenem Vorratsfach, Kuehlschrank, Gasherd (geht auch ohne Strom) und einer riesigen Auswahl Toepfen und Pfannen, sowie Tellern und Glaesern... Aber bevor ich hier ganz ins schwaermen gerate, moechten wir euch natuerlich unsere andere Unternehmungen und Erlebnisse nicht vorenthalten.
In der Schweiz hatten wir Anfang des Jahres Fanice kennengelernt. Sie war fuer 3 Monate dort und wollte im April wieder nach Nairobi zurueckkehren, wo sie normalerweise lebt. Wir hatten ihr versprochen, uns zu melden, wenn wir hier angekommen sind. Wir verabredeten uns zum Essen und sie holte uns zusammen mit ihrer Schwester und einer Freundin von unserer Campsite ab. Unser Ziel war erstmal ein eingezaeunter und bewachter Parkplatz neben einem hohen, haesslichen Gebaeude. Linker Hand war ein Lokal zu erkennen, welches uns gleich an Cuba denken liess. Gemeutliches Licht und angenehm bunte Waende bildeten die Kulisse, innen standen runde schwarze Tische und froehliche Musik war zu hoeren - Auch sassen, wie zu erwarten, nur Einheimische im Lokal.
Aber wir passierten das Lokal durch einen Treppengang nach Unten und landeten in einer Art Hinterhof. Hier gab es scheinbar alles was man so benoetigt, rechts eine Autowerkstatt, links zwei oder drei Raeumlichkeiten, die wie Restaurants aussahen. Doch auch diese liessen wir links liegen und steuerten eine Fleischrei am Ende der Restaurantzeile an. "Hier kauft man erst das rohe Fleisch und das wird dann hinterher nach unseren Wuenschen zubereitet.", klaerte uns Fanice auf.
Vor dem Essen erst zum Schlachter...

Wir nahmen also Platz und warteten mal ab. Kurz bevor dann das Essen kam, erlebte ich die erste komische Situation. Fanice zeigte mir wo sich die Waschbecken zum Hande waschen befanden. (Da wir mit den Haenden und ohne Besteck essen wuerden, wuschen wir uns diese natuerlich nochmals vorher) Doch kaum hatte ich meine Haende unter den Hahn gestreckt, tauchte schon ein Kellner auf, betaetigte den Wasserknopf fuer mich und reichte mir anschliessend das Handtuchpapier. "Wie nett" dachte ich, doch ich haette es auch allein hinbekommen. Wieder am Tisch fragte mich Fanice: "Hast du das auch bemerkt? Zu mir kam Niemand zum Helfen." Ich entgegnete, dass es mir auch schon komisch vor kam, ich aber dachte ich saehe halt wie ein unwissender Tourist aus, dem man helfen muesste. In der Tat waren Tom und ich die einzigen beiden Weissen in diesem Areal. Zu Essen gab es Fleisch - in rauhen Mengen - dazu Ugali (Maisbrei) und eine Art Kartoffelbrei. Als weitere Beilage Tomaten und Zwiebeln. Alles wurde mit den Fingern zusammen mit dem Brei in mundfertige Groesse gemischt und verspeist - Echt lecker!
Jummy - ganz nach Toms Geschmack, viel Fleisch und wenig Gemuese (Saettigungsbeilage...)

Nach dem Essen wurden wir von Fanice und den beiden anderen Maedels wieder nach Hause gefahren. Eine Polizeikontrolle stoppte uns, normal nicht weiter erwaehnenswert, doch in der folgend erklaerten Situation fuehlten wir uns doch leicht unsicher, wenn nicht sogar bedroht: Unser Fahrzeug hielt am Strassenrand. Von unserem Plaz auf der Rueckbank konnten wir nur das Gewehr des Einen sehen. Faith (unsere Fahrerin) liess das Fenster herunter, nicht ohne vorher die Tueren durch die Zentralverriegelung zu verschliessen. Dann gab es eine Diskussion zwischen ihr und dem Polizisten auf Swuaheli (Landessprache) und sie musste ihre Papiere zeigen. Als sie uns auf Englisch uebersetzte, wurde der Herr am Strassenrand ziemlich aergerlich und fragte, warum sie das tue. Ausserdem sollten wir beiden mal aussteigen, wir waeren nicht angeschnallt! Sie verneinte und wir konnten nach einigen Entschuldigungen (fuers nicht Anschnallen) weiterfahren. Komischerweise, waren auch alle anderen im Wagen nicht angeschnallt, aber wir waren das Problem. Ein leicht rassistischer Akt? Wir sind uns nicht sicher, aber es fuehlte sich sehr danach an.
Tagsueber hat Nairobi wirklich fast alles zu bieten, was wir so brauchen. Einen Sattler, der neue Reissverschluesse in unsere Touratechtaschen einnaehen konnte, einen Karosseriebauer, der Teile des Bikes und die Koffer wieder grade gebogen hat, sowie einen Schuster, der den Versuch startete Toms Militaerschuhe zu reparieren (die Sohle hatte sich geloest und die Innensohle war schon halb aufgeloest). Nur Vibramsohlen sind nicht - und Kabelbinder nur schwer zu bekommen.
Der Meister der Nadeln und die stolzen Taschenbesitzer...

Einige Tage spaeter waren wir nochmals mit Fanice verabredet. Wir wollten gemeinsam etwas kochen und danach irgendwo etwas trinken und tanzen. Diesmal war als Treffpunkt das YaYa Center (eine Shoppingmall) ausgemacht. "Nehmt doch ein Matatu" hatte sie uns geraten."Dann braucht ihr auch nicht auf das Bike aufpassen und koennte mit dem Taxi nach Hause fahren." Gute Idee dachten wir. Matatus sind Minibusse mit denen man guenstig in und aus der Stadt kommt, jedes Teil ist ein Unikat. Sie sind von aussen bunt und glitzernd bemalt, immer zu einem bestimmten Thema - meisst aus der Musikszene. Unser gewaehltes Vehikel war aber auch von innen auffaellig. Die Sitze mit schoenem Leder bezogen und rundum blinkende Neonlampen, aber das Prunkstueck war ein riesiger Flachbildschirm an der Wand gleich hinter der Fahrerkabine. Hier wurden Musikvideos aus dem Genre "Rap" gezeigt und ein Soundsystem mit gefuehlten 100kW lieferten den Sound dazu. Wir wurden also nicht nur durch jede Bodenwelle durchgeschuettelt, sondern auch vom viel zu lauten Bass weichgeklopft. Ein Matatu-Fahrerteam besteht aus einem Fahrer und dem Kassierer - ein eingespieltes Team. Der Kassierer sitzt mit im Fahrgastraum und haelt nach Fahrgaesten am Strassenrand Aussschau. Hat er jemanden entdeckt, schlaegt er mit der Hand aufs Dach des Busses und der Fahrer haelt, ist der Fahrgast genuegend weit im Fahrzeug verschwunden, gibt er dem Fahrer das Zeichen zur Weiterfahrt.
Im YaYa Center angekommen wurde zusammen mit Fanice schnell der Supermarkt unsicher gemacht, fuer die letzten Zutaten zum Abendessen. Dann wollten wir eigentlich ein Taxi zu ihrem Haus nehmen, doch der Taxifahrer wollte einen ungewoehnlich hohen Preis fuer die Fahrt und so gingen wir zu Fuss. Als wir um die naechste Ecke waren meinte Fanice: "Wenn ich das naechste mal mit einem Taxifahrer spreche, lasst euch erst sehen, wenn ich den Preis ausgemacht habe. Wenn die Weisse sehen, werden die Preise mal eben verdoppelt." Ok, fuer uns Schwarz-Weiss Lektion Nr.2.
In der Wohnung angekommen, wurde gekocht, gequatscht und gegessen. - Wirklich gemuetlich. Spater brachen Tom Fanice und ich dann auf um in Nairobidowntown noch ein Bierchen trinken zu gehen. Das Taxi liess uns vor einem Hotel aussteigen und wir betraten das Gebaeude. An der Tuer stand ein Sicherheitsbeamter, der Besucher kontrollieren sollte. Fanice wurde abgetastet, wir durften durchgehen - Schwarz-weiss Lektion Nr.3...
Im Oberen Stockwerk gab es einen Saal, der den Charm jener Raeumlichkeiten verspruehte, die man fuer 70te Geburtstage anmietete. Auch hier waren Tom und ich wieder die einzigen hellhaeutigen Besucher. Wir suchten uns einen Tisch und bestellten etwas zu trinken. Der DJ legte gut tanzbare afrikanische Musik auf und Fanice und ich wagten uns hin und wieder auf die Tanzflaeche. Nach einer Weile sorgte eine Liveband fuer Stimmung. Zu den meisten Songs gab es schon Koreographien und meisst gesellte sich einer der Bandmitglieder auf die Tanzflaeche um den Rhythmus vorzugeben. Auch wir tanzten fleissig mit. Kurz vor Schluss fluesterte Fanice einem Bandmitglied etwas ins Ohr und bevor ich mich versah, stand ich auf der Buehne und tanzte mit.
Fanice und Nina fast wie Schwestern... ;-) Nina in Aktion - "Ich wurde gezwungen, ehrlich!"

Leider war um Mitternacht schon wieder alles vorbei und ein Taxi brachte uns nach Hause.
Einige Tage spaeter erreichten zwei deutsche Motorradfahrer aus Stuttgart die Jungle Junktion, Eva und Tom. Sein Geburtstag ist zufaelliger Weise auch ein nicht ganz unwichtiges Datum fuer Tom und mich und somit feierten wir gemeinsam mit einem leckeren Essen beim guten Italiener um die Ecke. - Gleich beim Junktion Supermarkt, wirklich zu empfehlen!
Vor einem Supermarkt wurde an unserem Motorrad der einzige noch verbliebene Spiegel abgebrochen und da es hier sehr schwer ist ordentlichen Ersatz zu bekommen, folgten wir den beiden KTM-fahrenden Deutschen zu einer KTM-Motorradvertretung hier in Nairobi. Super, einen Spiegel gabs (sogar fuer rechts und links zu verwenden) und einen neuen Vorderreifen gleich noch dazu (unser Alter wies leider Beulen auf).
Unser Toeff scheint zu denken - "Wart nur wenn ich erst neue Schuhe hab!"

Nur einige hundert Meter vom KTM Dealer entfernt, befindet sich ein Giraffenpark und wir dachten uns, wenn wir schonmal da sind, schauen wir doch mal vorbei. Fuer rund 7Euro Eintritt wird einem Futter ausgehaendigt und man kann einen runden Holzturm besteigen. Hier darf man dann auf Augenhoehe die seltenen Rotschildgiraffen fuettern, wenn man nicht schon vorher alles selbst gegessen hat
Mitbewohner im Gehege der langhaelsigen, grossen Tiere sind kleine, haarige Wildschweine. Bilder hierzu findet ihr in der Gallery. Alles in Allem war es ganz nett, fuer Familien mit Kindern bestimmt ein Knaller und wir haben unsere ersten Giraffen gesehen.
Die folgenden Tage nutzen wir zur Organisation unseres Ersatzteilcarepaketes fuer unser Bike. Nun ist so langsam alles organisiert und wir werden ein paar Tage der Stadt den Ruecken kehren und uns zu den Flamingoseen im Norden aufmachen. Erstes Ziel ist der Elementeita See, wo es viele Flamingos geben soll. Danach geht es zum Baringo See, wo wir hoffentlich unsere ersten Nilpferde zu Gesicht bekommen.
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Gast Mittwoch, 24 Januar 2018
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