Three Pairs Of Underwear

Auf Tuchfuellung mit den Einheimischen...

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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Gestern haben wir Axum erreicht eine richtige kleine Stadt, sogar Internet soll es hier geben. Da dachten wir uns, wir legen mal wieder einen Tag Pause ein, goennen uns ein richtiges Hotel mit Strom fuer den Laptop und versuchen unsere Webseite zu aktualisieren. Aber nun alles der Reihe nach...

Als wir Combolcha verlassen haben ging es erstmal in die kleine Stadt Dessie und wir versuchten Geld zu wechseln. Gar nicht so einfach an einem Samstag Mittag. Aus dem arabischen Raum sind wir es nicht mehr gewohnt, dass es ein richtiges Wochenende gibt. Aber mit ein wenig Geduld haben wir eine Bank gefunden, welche bereit war Dollar zu wechseln. Allerdings war der Verantwortliche zum Mittag und so mussten wir laut Aussage der Kollegen 30 Minuten warten, dies wollte Tom aber nicht akzeptieren, so wurde ihm gesagt 10 Minuten, daraus wurde dann jedoch eine Stunde - hat letztendlich aber zum Erfolg gefuehrt und wir konnten

Wechseln. Dass hier die Uhren ein wenig anders ticken haben wir schon vor der Grenzueberquerung in der Botschaft bemerkt. Der Tag hier beginnt um 6 Uhr morgens mit 0:00 Uhr - sieben unserer Zeit ist dann 1:00 Uhr hier, ausserdem schreiben wir hier das Jahr 2002 und es ist der vierte September. Recht verwirrend.

Ich hab mir die Wartezeit mit einer Unterhaltung mit Maleknesh, einem Maedchen aus Dessie vertrieben. Eine der Wenigen, die Unterhaltungsfaehiges Englisch sprechen konnte hier. Sie fragte ob sie uns helfen kann, so kamen wir ins Gespraech. Sie erzaehlte mir auch, dass sie gern die Touristik-Schule in Addis Abba besuchen wuerde, sie hierfuer allerdings noch einen Sponsor sucht, also wenn jemand Interresse hat, einfach melden ich koennte Kontakt zu ihr aufbauen... Aber das nur am Rande.

Wir verliessen Dessie und folgten der Strasse die Berge hinauf. Immer noch war alles gruen und es summte und zwitscherte um uns herum. Je hoeher wir kamen um so kuehler wurde es, auf 3400 Metern waren es nur noch 14 Grad - schlotter. Verwunderlicherweise wachsen selbst hier noch Baeume. Aber die Landschaft hatte sich veraendert, immer noch gruen aber karger und steiniger. Auch die Bauweise der Haeuser hier ist komplett anders als noch einige Kilometer zuvor. Hier werden zuerst Holzgerueste gebaut, die dann nach und nach mit Tiermist verputzt werden. Dies dient als Stabilisation und Isolierung.

 

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So geht das...

Wir hielten wieder nach einem Schlafplatz Ausschau, doch wie uns schon zuvor gesagt wurde, gibt es hier, vorallem im Hochland, keinen Plaz wo nicht irgendwo Menschen auftauchen. Bei unserer Erscheinung sicherlich noch extremer - wir muessen ja fuer die Bewohner hier wie Ausserirdische aussehen. Bei einem Fotohalt liefen wieder einige in Decken eingewickelte und zerlumpte Gestalten auf mich zu. Mir war schon ganz schoen kalt, aber diese kleine Gruppe Menschen trug nichtmal Schuhe. Als ein Mann aus der Gruppe mir sein Kind mitgeben wollte, staunte ich nicht schlecht. Ich konnte es allerdings abwenden und wir fingen einfach um die Wette an zu Lachen. Wir fuhren weiter und versuchten unsere Mission "Schlafplatzsuche" erfolgreich zu beenden. Im naechsten Ort gab es auch nichts vernuenftiges Hotelaehnliches. So suchten wir nach einem Platz zum Campen. Wir hielten an dem Zuweg zu zwei kleinen Huetten, dort lief grade ein Mann beladen mit Heu auf dem Ruecken zu seinem Heim. Tom sprach ihn an, er versuchte mit Haenden und Fuessen zu fragen ob wir nicht auf seinem Grundstueck hinter den Baeumen unser Zelt aufbauen duerfen - wir durften!

Unser Privatplatz...

Ratz fatz hatten wir das Zelt aufgebaut, die 2 Herren und 3 Kinder staunten nicht schlecht - so etwas hatten sie wohl noch nicht gesehen. Ein riesen Motorrad und ein Haus aus einem kleinen schwarzen Sack. Wir kochten Tee auf unserem kleinen Benzinkocher zum Dank. Einer der Herren bot sich sogar an vor unserem Zelt zu uebernachten, doch das konnten wir zum Glueck verhindern. Als sie im Haus verschwunden waren kochten wir noch etwas zum Essen und konnten in dieser Nacht das erste Mal unsere dicken Schlafsaecke ausprobieren.
Am naechsten Morgen, als wir aufstanden, waren alle schon wieder wach und bestaunten unser Haus. Die Kuehe und Schafe lugten auch durch die Straeucher, wurden aber durch geschickte Rufe der Besitzer auf Abstand gehalten. Wir packten unsere Sachen zusammen und verteilten an jeden einen meiner geliebten Muesliriegel. Als wir uns verabschieden wollten, fragte man uns dann doch noch nach Geld fuer den Schlafplatz. Ein wenig Enttaeuscht gaben wir ihnen 10 Birr, was ihnen wohl zu wenig erschien. Doch wir lehnten eine Erhoehung ab und machten uns von Dannen. Da muessen wir uns wirklich noch dran gewoehnen, dass hier selbst die kleinsten schon nach Geld fragen. An den abgelegensten Orten, wenn sie irgendwo aus dem Nichts auftauchen - "Hello, gimme money" oder "You, gimme pen" koennen sie fast alle sagen. Auch die netten Rufe die uns aus dem Jemen noch im Ohr sind "Hello, how are you? Welcome to Yemen!" sind nun endgueltig vorbei. Wenn wir hier durch einen Ort fahren erschrecken wir uns ganz oft, weil sie hier nur rufen "You! You!"

Auf der Strasse angekommen, bemerkten wir einen platten Hinterreifen und fuhren ein paar Kilometer zurueck in den Ort den wir am Abend zuvor passiert hatten. Wir konnten einen Reifenmann mit Kompressor ausfindig machen und begaben uns ans Werk. Natuerlich umringt von Schaulustigen - und immer muss man aufpassen, dass nicht einer etwas zu viel hilft, dann wird naemlich gleich Geld verlangt. Wir entdeckten einen riesen Metallstift im Hinterreifen, Tom konnte das Loch aber gut mit Flickwuermern und Zement kitten.

Es ist doch nur ein Loch im Reifen...

Wir entdeckten noch einige andere Macken im Reifen, doch soweit noch alle dicht. - Wilkommen auf Afrikas Strassen! Wir fuellten Luft auf und fragten, was der Reifenhaendler dafuer haben will. 50 Birr rief jemand - das sind fast 3 Euro, dachten wir Und gaben einen Euro. Wieso glauben die eigentlich alle wir sind Touristen mit viel Geld?! ;-)
Doch Glueck im Unglueck, hier in diesem Ort war auch der Abzweig nach Lalibella, unserem naechsten Ziel. - Da waren wir am Abend wohl etwas zu schnell vorbeigefahren.
Die Strasse nach Lalibella bestand nur aus Schotterpiste, so dauerten die 65km auch bis zum Mittag. Im Ort angekommen, wollten wir uns gleich ein Hotel oder Campingplatz sichern um unsere Sachen zu deponieren und uns dann die Monolitkirchen anzusehen, fuer die dieser Ort so bekannt ist. Kaum Kurs auf einen Hotelparkplatz genommen, hatten wir schon wieder einen freudlichen Helfer, der uns den Weg zur Rezeption wies. "Vielen Dank, aber das haetten wir auch allein gefunden!" Das Zimmer war uns etwas zu teuer, doch das Restaurant sah ganz gut aus und wir wollten erstmal Mittag essen. Unser Helfer wollte am Nebentisch Platz nehmen und warten. Doch wir konnten ihn mit etwas Geduld ueberzeugen, dass wir ihn nicht brauchen. Nach dem Essen fragten wir bei einem weiteren Hotel an, hier bot man uns an, auf dem Dach zu Zelten fuer 12 Dollar und ohne Dusche oder Toilette. - Wir lehnten dankend ab. Laut unserem Reisfuehrer gab es das Jerusalem Hotel, wo man auch Campen konnte. Wir begaben uns auf die Suche, doch das war garnicht so einfach zu finden. Der Wegweiser wies die Stasse rauf, auf der anderen Seite runter... Irgendwie schafften wir es dann aber doch. Gegenueber war das Hotel Akara, wo auf dem Parkplatz ein Landrover parkte, der verdaechtig nach aehnlich Reisenden wie uns aussah. Wir fragten an der Rezeption, kamen ins Gespraech und durften letztendlich unser Zelt fuer ca. 6 Euro hier aufstellen. Dusche und Toilette, welche sehr sauber waren, konnten wir von einem der Bungalows nutzen. - Super! :-)
Zwischenzeitlich waren Chris und Lisa, die Besitzer des Landrovers auch aufgetaucht. Beides Suedafrikaner, die in Saudi Arabien lebten und von dort aus losgestartet sind um nach Suedafrika zu fahren. Wir verabredeten uns fuer den Abend zu Bier und BBQ.

Tom und ich machten uns aber erstmal auf zum kulturellen Teil. - Lalibella, 11 Kirchen an 5 Standorten, alle erbaut im 12ten Jahrhundert, ziehen heute Touristenstroeme aus der ganzen Welt an diesen Ort. Zugegeben, eindruecklich sind sie schon. Komplett aus einem riesen Felsen gemeisselt, stehen heute ganze Kirchen mit Waenden, Saeulen und grossen Innenraeumen. Von oben ist kaum etwas zu sehen. Kommt man aber naeher heran und schaut hinunter, erkennt man die viereckigen Gebaeude in der Form, wie man noch heute Haeuser baut.

Die Bauten Die Tunnel

Durch ein halboffenes Tunnelsystem sind die vereinzelten Kirchen ueber ein Gebiet von mehreren Kilometern miteinander verbunden. Heute sind die Kirchen durch eine Metallkonstrucktion vor der Witterung geschuetzt. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob es dies ist, was fuer uns das Flair gestohlen hat oder die doch beachtliche Anzahl an Touristen. Ein paar Stunden spaeter jedenfalls hatten wir es gesehen und machten uns durch die schoene Landschaft zurueck zu unserem Zeltplatz. Chirs und Lisa hatten ihr Fahrzeug schon gemuetlich aufgestellt und entzuendeten grade ein Lagerfeuer. Zum Abendessen gab es dann gegrilltes Schweine-Fleisch aus Djibouti und Motie-Motie Kaesefondue aus der Schweiz. Jammy, das war lecker!
Am naechsten Tag verliessen wir zwar etwas spaeter unsere Unterkunft, doch auf dem Weg holten wir die Beiden irgendwann wieder ein und ueberholten sie sogar. Da der Weg recht anspruchsvoll zu fahren war, kam uns ganz gelegen, dass wir die beiden auf dem Weg hinter uns wussten - fuer den Fall der Faelle... In einem Ort kamen wir ziemlich zeitgleich an und fragten nach dem Weg, sah fuer die Bewohner wohl recht professionell aus, jedenfalls durften ich mein erstes Autogramm geben ;-) direkt auf die Hand eines Einheimischen mit einem Kugelschreiber, der nicht schrieb - schade!
Wir bauten unseren Vorsprung zwar wieder aus, trafen uns beim Tanken und zum Essen allerdings wieder. Ja mit dem Tanken ist das immer noch so eine Sache... Benzin gibt es bisher nur auf dem Schwarzmarkt, meisst in kleinen Laeden und in diesem Fall in Literflaschen abgefuellt. Wir dachten beim Fuellen unseres Tanks mit 20 Litern schon an die Beiden, ihr Autotank fasst 90L und sie haben 60L Reserve auf dem Dach - Flasche um Flasche will das erstmal gefuellt werden .
Beim Essen trafen wir dann den Entschluss, gemeinsam mit dem 4x4 ein Nachtlager aufzuschlagen. Auf dem Weg durch die Berge Richtung Mekele, hatten wir allerdings schon Sorge, dass wir keinen Platz finden. Denn hier war wirklich jeder Quadratzentimeter landwirtschaftlich genutzt. Schlussendlich bogen wir dann aber in einen Feldweg ein, wo oh Wunder kein Mensch ausser uns zu sehen war. Ja es war ein richtig gemuetlicher Platz mit schoener Aussicht auf die kargen Bergspitzen umringt mit den gruenen Feldern der Bergbauern.


Ist es nicht gemuetlich?

Was man doch alles zaubern kann, mit dem Luxus von 2 Gaskochern und verschiedenen Pfannen. :-) Die Pasta von Lisa zum Abendessen schmeckte delizioes, wie auch der Filterkaffe zum Fruehstueck - das Angebot mit Eiern und Speck lehnten wir dann allerdings ab, wir wollen uns ja nicht zu sehr verwoehnen lassen.

Die Morgenstunden nutzen die Maenner um Reparaturarbeiten an den Fahrzeugen zu erledigen - Oelverlust am Landrover wurde mit BMW-Unterlegscheibe behoben und Werkzeug vom Landrover half beim Austausch eines Vibrationsabsorbers am Toeff. Gegen 11 Uhr waren wir dann aber alle Abfahrbereit. Die Strasse nach Axum war super ausgebaut und so kamen wir schnell und komfortabel vorran. Unseren noerdlichen Umkehrpunkt passierten wir knapp 30 km entfernt vom Sudan, am 14ten Breitengrad. Von nun an gehts es vorerst nur noch runter, Richtung Sueden. Die Landschaft hier glich unserer Vorstellung vom wilden Westen, jedoch etwas gruener. Nur noch Winnetou und Old Schetterhand oder der Malboromann haben gefehlt.

Wie im wilden Westen...

Am spaeten Nachmittag erreichten wir dann Axum, ein Hotel war schnell gefunden, dank Toms Verhandlungsgeschick fuer rund 5,5 Euro die Nacht. 24 Stunden am Tag warm und kalt Wasser wie der Mensch vom Hotel betonte ;-)
Wie sollte es anders sein einige Zeit nach uns trafen auch unsere vierraedrigen Freunde ein. Am Abend erkundeten wir also den Ort gemeinsam und genossen trockene und nasse Tipps (was das genau ist wussten wir nicht aber nass ist besser). Geschnetzeltes Fleisch serviert auf einer Art Teigfladen mit leicht saeuerlichem Geschmack - aber wirklich lecker!

Den heutigen Morgen begannen wir mit Kartoffelsandwich und Kaffe in einem kleinen Restaurant. Dann setzen wir uns in ein kleines dreiraedriges Taxi um wieder etwas Kultur zu ergattern. Axum ist bekannt fuer die unzaehligen historischen Ueberbleibsel von der Zeit Shebas. Wie liessen es mit der Umrundung eines Hinkelsteinfeldes gut sein und wanderten zurueck zum Hotel.
Irgendwie haben wir das Gefuehl, dass wir auch hier mit Dollarscheinen gleich gesetzt werden. - Doch das wohl, weil Axum ein Touristenmagnet ist. Irgendwie fuehlen wir uns als Weltreisende anders, nicht als Touristen. Fuer die Einheimischen jedoch ist dies wohl nicht zu erkennen.

Morgen gehts weiter suedlich, mal gucken wann wir die naechste Internetverbindung ausfindig machen koennen.

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Gast Freitag, 22 März 2019
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