Three Pairs Of Underwear

Djibouti nach Aetiopien

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
  • Schriftgröße: Größer Kleiner
  • Aufrufe: 2298
  • 0 Kommentare
  • Drucken

17.09.09
Heute sollte es also wieder einen Grenzuebertritt fuer uns geben. Gegen 8 Uhr trieb uns die Sonne aus dem Zelt. Wir goennten uns noch mal den Luxus der Dusche - und Toms Haare fielen nachdem sie entwirrt waren meiner nicht vorhandenen Frisoerkunst zum Opfer. Ist auf jeden Fall viel besser als vorher und allemal besser als ein Rastazopf - von dem es leider kein Foto gibt. Nachdem also die Herrenbeautydinge erledigt waren, packten wir unser Hab und Gut zusammen - Resultat: wieder komplett durchgeschwitzt - und sassen auf (den Toeff). Der Weg zur Grenze war heiss, oede und zog sich wie Kaugummi, ich bin sogar ein paar mal eingenickt. Unverhofft tauchte ein LKW Stau vor uns auf. Als wir die Schlange ueberholt hatten, sahen wir den tragischen Grund. Ein LKW Fahrer war eingeschlafen und von der Strasse abgekommen. Die Polizei war vor Ort und hatte alles abgesperrt. Es sollte noch einige Minuten dauern, also liessen wir uns im Schatten eines wartenden LKW nieder.

Wenigstens ein bischen Schatten

Relativ schnell wurde die Strasse aber wieder geoeffnet und es konnte weiter gehen. 110km trennten uns noch von der Grenze, das Thermometer schwankte zwischen 39 und 43 Grad, unser Wasser hatte wohl aehnliche Temperatur. Wir traeumten von einer Pause mit kalter Coke, aber der Weg schlaengelte sich Kilometer um Kilometer durch unterschiedlich oede Landschaften... Endlich zeichnete sich die Grenze ab. Das heisst erst waren Huetten aus Wellblech zu sehen, scheinbar ein Dorf. Doch dann erreichten wir den Schlagbaum, durften unser Motorrad parken und dem Grenzbeamten in sein Blechhaus folgen. Nun holte uns das Einreiseproblem vom Hafen wieder ein. Erneut wurde uns mitgeteilt, dass unser Visum abgelaufen sei. Wie das sein kann? Wir haben uns das Visum von der Botschaft in Abu Dhabi ausstellen lassen und scheinbar ist es ab dem Tag der Ausstellung, 20 Tage gueltig. Aber bei der Einreise in Djibouti hatten wir unseren Einreisestempel durch zugequatsche relativ zuegig erhalten, also hofften wir auf aehnlichen Erfolg bei der Ausreise... Das Buero war sehr spartanisch eingerichtet, den groessten Unterschied zu Jemen sah ich im vorhandenen Stuhl statt einer Liege ;-) Auf einem wackeligen Metalltisch am Fenster zur Strassenseite sass unser Beamter und hielt das Handy aus dem Fenster, wohl um Netzempfang zu bekommen. Auf dem Holztisch daneben lag ein dickes Buch wo jede Grenzueberquerung eingetragen wurde. Tom und ich hatten uns rechts davon auf dem Fussbodenabsatz niedergelassen, wir spuerten die Hitze von draussen durch die Wellblechwand. Unser Blick viel auf einen weiteren Tisch auf der Rueckseite des kleinen Gebaeudes. Hier hatte ein Tresor in der Groesse eines kleinen Kuehlschranks seinen Platz in dem wie ein Autoradio ein Funkgeraet eingebaut war und an einem Tischbein waren Handschellen befestigt - fuer uns? Nein zum Glueck nicht, nach ettlichen Minuten hatten wir unsere Stempel und auch die Motorradpapiere waren recht zuegig erledigt. Bloss schnell weg, bevor sie es sich noch anders ueberlegen und wir doch noch zahlen muessen...

Der Grenzuebergang zu Aetiopien liess einige Kilometer auf sich warten und tauchte genauso ploetzlich auf. Die Strasse wurde breiter, rechts uns links Wellblech und Bretterhuetten. Wir wurden in eine klimatisierte Huette gebeten und durften Platz nehmen. Nach kurzem Smalltalk hatten wir unsere Stempel und wurden fuer die Motorradpapiere zu einem Gelaende ca. 500m weiter geschickt. Das Buero des Managers war nicht besetzt und es lagen ein paar Hunde vor der Tuer. Ein LKW-Fahrer, der ebenfalls wartete erklaerte uns der Herr wuede gleich kommen. 2 Minuten spaeter war er da und oeffnete. Das landeseigene Carnet de Passage wurde ausgefuellt und wir sollten Seriennummern von technischen Geraeten in ein Formular eintragen - was man nicht im Kopf hat ist ja in den Koffern... Fast fertig tauchte unser freundlicher Passstempler auf und wollte einen fatalen Fehler korrigieren... Wir hatten Ausreise- statt Einreisestempel erhalten. So kam er in den Genuss auch einmal auf dem Motorrad platznehmen zu duerfen und wurde von Tom in sein Buero chauffiert. Puh, nochmal gut gegangen und als Tom zurueck war konnten wir endlich in Aetiopien einreisen.
Die Landschaft war allerdings immer noch gleich oede und es wurde kein Grad kuehler. Eine Tankstelle und was kuehles zu Trinken, das war nun unser Ziel, welches sich als schwerer herausstellen sollte als wir dachten. Man hatte uns zwar gesagt, dass 20km nach der Grenze eine Tankstelle kommen wuerde, doch nach 20km war davon noch nichts zu sehen die Strasse schlaengelte sich langsam den Berg hinauf, rechts und links saeumten mal groessere mal kleinere Steine unseren Weg. Wir fanden unseren ersten ausrangierten Panzer aber noch immer kein erfrischender Stopp in Sicht.

Unser Erster verlassener Panzer - weitere werden folgen...

Das Benzin reichte noch fuer ca. 100km und die langen Strecken ohne Zivilisation liessen uns langam mulmig zu Mute werden. Endlich sahen wir die erste Tankstelle, doch als wir naeher kamen erkannten wir 6 Zapfsaeulen alle beschriftet mit DIESEL! Auf Nachfrage beim Tankwart wurde uns gesagt, dass hier kein Benzin erhaeltlich sei. Das gleiche Spiel an der naechsten Tankstelle - alles LKW-Tankstellen. Der Tankwart an der naechsten Tankstelle war sich nicht sicher, ob er noch Benzin hat, also blieben wir hartnaeckig...mit Erfolg! Wir wurden auf den Hinterhof gebeten und aus einem grossen Fass wurden uns 20L Benzin abgefuellt und mit der bewaehrten Plastikflaschenmethode in unseren Tank und natuerlich daneben befoerdert.

Erst aus dem Fass in eine Kanne...    Dann aus der Kanne in den Tank und daneben...

Wir warfen eine Blick in den angrenzenden Kioskshop, es war ein Kuehlschrank vorhanden! Doch leider leer, allerdings stand daneben eine vielversprechende Kuehltruhe und es gab tatsaechlich eiskalte Coke. Wir liessen uns an einem der runden Plastiktische nieder und vernichteten gleich 4 Flaschen. Es lagen hier noch Reste der uns bekannten gruenen Blaetter verteilt - stimmt hier wird Qat ja auch noch angebaut... heisst allerdings nun Chat. Bevor wir weiter fuhren, fuellten wir noch schnell unseren Wasserbeutel mit frischem kuehlem Wasser. Doch dann ging es wieder auf die Strasse, zwar in die richtige Richtung, doch auf unserer Karte fanden wir uns dennoch noch nicht ganz wieder. An den naechsten 2 oder 3 Tankstellen wagten wir nochmals den Versuch Benzin zu bekommen, doch nun leider definitiv Erfolglos. Wir bekamen aber die Info, dass Benzin bis Adis Abba schwer zu bekommen sein wird. Grund dafuer sind schwierigkeiten zwischen Aetiopien und Eritrea. So fuhren wir weiter durch leere Wuestenebenen sporadisch unterbrochen von einfachen Behausungen. Doerfer die auf unserer Karte verzeichnet waren, suchten wir vergebens. Dafuer gab es Andere, wo laut Karte Wueste zu erwarten war. Wir versuchten unser Glueck bei einigen Hotels - oder was in Afrika wohl unter Hotel zu erwarten scheint. Wir sprechen hier von aneinandergegliederte Raeume sperrlich eingerichtet mit einem Bett, mit etwas Glueck auch ein Lichtschalter und mit noch mehr Glueck ein Loch im Boden, was sie als Toilette bezeichneten - wenn Dusche dann gleich ueber dem Loch. Preislich mit ein bis drei Euro zwar aeusserst attraktiv, das Gesamtpaket konnte uns allerdings noch nirgends wirklich ueberzeugen. In Mille entschieden wir uns 80km Piste Richtung Dessie zu fahren, vor Sonnenuntergang. Ausser hin und wieder ein Lkw den wir ueberholten oder UNO-Landcruiser waren wir alleine unterwegs. Hier und dort mal eine Huette und staunende Einheimische. Kleine felsige Huegel tauchten auf und wir sahen ihre Bewohner - wilde Affen.


Nach 100km Piste und verschwundener Sonne war noch nichts von Asphalt zu sehen. - Das kann noch lustig werden mit dieser Karte. Unser GPS zeigte Zivilisation 20km vorraus. Bei kompletter Dunkelheit wechselte die flache Landschaft zu einer huegeligen und sehr kurvenreichen Gegend - nun auch mit Asphalt. Es gab wieder Doerfer mit unzaehligen Leuten auf der Strasse und auch wieder Hotels. In einem der naechsten Orte versuchten wir es erneut und fragten in einem Hotel an. Hier war leider schon alles ausgebucht aber wir hatten gleich einen "freundlichen" Helfer, der uns ein Weiteres zeigen wollte. Mit den Helfern ist das hier so eine Sache, man wird sie schwerlich wieder los und sie verlangen dann Geld fuer die nicht gefragten und teilweise kaum erbrachten Dienste. Nun ja, wir hielten bei einem anderen Hotel - von unserem Helfer war erst nichts zu sehen. Tom sah sich ein Zimmer an: Keine Dusche, keine Toilette und recht dunkel aber fuer eine Nacht wuerde es gehen. Wir hatten nur noch keinen Stellplatz fuer unseren Toeff... Vor der Tuer sass ein Polizist, welcher auch Englisch sprach, er bot uns an das Bike bei der Polizeistation unterzustellen. Ich liess mir von der Hotelbesitzerin die Toilette zeigen... Ein hellblauer Wellblechverschlag am Ende des Grundstuecks.

Dank meiner Lampe konnte ich dann auch was erkennen: Ein Loch im Boden aus welchem mir einige fette und schmierig glaenzende Kakerlaken zuzwinkerten. - Man lernt wirklich Toilettengaenge im Freien zu schaetzen. Als ich wieder zum Eingang zu Tom ging, tauchte unser Helfer wieder auf und wollte uns das andere, von ihm erdachte Hotel schmackhaft machen. Eine Diskussion zwischen dem Polizisten, der Hotelfrau und unserem Helfer entbrannte. Ich wollte mir das andere Hotel mal ansehen, hier angekommen wollte aber niemand mit mir sprechen sondern nur mit dem mitgeschlichenen Helferlein. Da ich nix verstand, ging ich zurueck zu Tom. Dieser versuchte sein Glueck dann ebenfalls, nun war das Hotel aber ausgebucht. Bei weiteren Fragen an unseren Polizisten, verstand dieser auf einmal kein Englisch mehr. Uns wurde das alles zu bloed und wir fuhren weiter in die Nacht hinein. Weitere Orte und 3 Versuche spaeter - wir wuenschten uns schon, wir haetten einfach als es noch hell war unser Zelt aufgebaut - bekamen wir den entscheidenten Tipp. In den Ort Combolcha wurden wir auf das Tekle Hotel verwiesen. Muede checkten wir diese Option und schnappten zu. Zimmer mit Dusche und Toilette, wie man es sich halt wuenscht fuer 5 Euro. Flink zauberte die freundliche Crew auch noch etwas leckeres zu essen und wir genossen unser erstes Bier - St.George, ein Aetiopisches Gebraeu, was uns sehr schmeckte. Waerend wir assen, kamen wir mit dem Sohn des Hauses ins Gespraech. Wir erfuhren, das selbst Charly Boorman und Ewan Mc Gregor auf ihrem Long Way Down hier uebernachtet hatten, die Bierbrauerei gleich um die Ecke war und er organisierte uns eine Ladung Benzin, welche am Morgen geliefert werden sollte. Muede, gluecklich und leicht angesaeuselt fielen wir in dieser Nacht ins Bett.

Bewerte diesen Beitrag:
0
Markiert in: Djibouti Ethiopia

Kommentare

  • Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!

Kommentar hinterlassen

Gast Montag, 21 Januar 2019
Aktuelle Seite: Home Nina Djibouti nach Aetiopien