Three Pairs Of Underwear

Unser Qat-Erlebniss

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-Africa
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In einem unserer frueheren Bericht hatten wir ja schonmal den Qat (Kat) erwaehnt. Qat stammt urspruenglich aus Atiopien und wurde um 500 nach Christi ueber das rote Meer in den Jemen gebracht. Hier hat ihr Anbau aufgrund der aehnlichen Landbewirtschaftung die Kaffeeplantagen weitgehen verdraengt. Die Pflanze kann bis zu 4 Meter hoch werden, die Blaetter und die jungen Zweige werden zerkaut und ueber mehrere Stunden in der rechten oder linken Backe aufbewahrt. Der Wirkstoff wird ueber die Schleimhaeute aufgenommen und soll Leistungssteigernd und aufputschend wirken, er kann aber auch melankolische, depressive Stimmung ausloesen. Qat kann suechtig machen, ist hier aber legal.
Die Regierung versuchte zwar Qat zu verbieten, ist aber an grossen Protesten gescheitert und so wird weiter eifrig konsumiert und das Strassenbild am Nachmittag enorm gepraegt.
Da der Qat-Anbau und Verkauf einen Grossteil des Brutosozialproduktes im Jemen darstellt, hier von einem Grossen Teil der Bevoelkerung konsumiert wird, ja sogar schon Bestandteil der Predigten vom Minaret war, wollten wir uns natuerlich ein eigenes Urteil bilden. Ja und wie macht man das am Besten? Na klar, selbst ausprobieren und wenn nicht im Jemen, wo dann?
Da es grosse Unterschiede in Qualitaet und Preis gibt, ist es fuer Anfaenger wie uns natuerlich schwierig hier nicht uebers Ohr gehauen zu werden. Daher haben wir gerne das Angebot von Nasri angenommen - einem Freund von Alice - dass er mit uns Qat-Shoppen geht.
Hier sieht man die Profis - Qat Markt in Sana'a
Am Donnerstag (06.08.09) sollte es soweit sein. Wir trafen uns mit Alice und Nasri und fuhren gemeinsam zu einem der Qat-Maerkte. Wir betraten einen Platz der ringsum von Verkaufsnieschen gesaeumt war, jede ca 1 mal 2 Meter gross. Ueberall sassen auf Brusthoehe die Verkaeufer, im Hintergrund die Ware und einige Maenner, die die Blaetter sortierten und in kleine durchsichtige Plastiktueten fuellten. Bei dem Haendler, wo auch Nasri hin und wieder mal eine Ration bezieht hielten wir an.
Nasri fuerte die Verhandlungen, liess sich die Qualitaet zeigen, Alice und ich sahen gebannt zu, waerend Tom die Fotdokumentation uebernahm
Der Haendler unseres Vertrauens Die Verhandlungen

 

Unser Fachmann Verhandlungen Unsere faszinierten Blicke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verhandlungen naeherten sich dem Ende, wir bezahlten ca. 3000 Rial (12 Euro) und durften eine Portion "Tom-Qat" und eine Portion "Maedels-Qat unser Eigen nennen. Die Preise koennen zwischen 100 und 3000 Rial pro Portion variiren. Wenn ich mir aber vorstelle, dass manche Jemeniten jeden Tag Qat verzehren - doch ein teures Vergnuegen. Zumal es hier Familien gibt die von unter einem Euro am Tag leben.
Tom erhielt derweil eine kurze Demonstration wie es richtig geht:
Erst die Blaetter aussuchen, dann genuesslich kauen bis die Backe immer dicker wird...
Tom hatte eine Einladung erhalten, auf einer Hochzeit gemeinsam unter Maennern zu kauen. Er entschied sich aber, dieses Erlebnis zusammen mit uns so richtig zu celebrieren. Also fuhr uns Nasri zu Alice nach Hause. Wir gingen noch schnell in einem kleinen Laden um die Ecke, um Pepsi und andere suesse Getraenke einzukaufen. Qat soll ziemlich bitter schmecken, daher ist es besser etwas Suesses zum Neutralisieren parat zu haben. Da Alice direkt von der Arbeit kam und unser Fruehstueck auch schon eine Weile her war, gab es erst noch etwas leckeres zu Essen, bevor es losgehen konnte.
Getraenke, lecker, suess Die Qat-Portion... naja

 

 

 

 

 

 

 

 

So gut vorbereitet waren wir schon ganz aufgeregt und gespannt, wie sich die Wirkung denn nun bei uns zeigen wuerde. Wir stellten unsere Getraenke auf, wuschen die Qatblaetter nochmals und dann ging es los. Unsere Stimmung war ausgelassen und lustig.

 

Es geht los Zukuenftige Junkies ?!?

 

 

 

 

 

 

 

 

Um eine Wirkung zu erzielen, sollte man die zerkauten Blaetter mindestens eine Stunde im Mund behalten. Zwei Stunden durchzuhalten war unser Ziel. Die Blaetter zu schlucken sollte man vermeiden, denn das kann zu Verstopfungen fuehren. Garnicht so einfach, denn die zerkauten Stueckchen sind so klein, dass sie sich leicht im ganzen Mund verteilten. Da hilft nur mehr Blaetter hinzu, damit man eine groessere Menge Brei erzeugt, die sich besser unter Kontrolle halten laesst. Ich denke das Geschmackserlebnis geben die folgenden Bilder ziemlich gut wieder.

 

Nina Alice

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tom

Aber wir hielten durch! Der Geschmack ist schwer zu beschreiben - ich denke wenn man auf normalem Rasen herumkaut, schmeckt das bestimmt auch nicht besser. Unangenehm ist aber, dass der ganze Mund trocken wird, wenn der Saft aus den Blaettern freigesetzt wird.
Merke: Fluessigkeit von den zerkauten Blaettern trennen und schlucken, Blaetter in die Backe stecken. Mit suessen Getraenken kann man neutralisieren, was auch gut funktioniert aber nicht den Mund spuelen, sonst laeuft man Gefahr die Blaetter zu schlucken.
Wow, ganz schoen anspruchsvoll
{youtube:http://www.youtube.com/watch?v=59X1rfAP85Y}
Eine Wirkung konnten wir erst nicht realisieren. Ich denke aber, die Stimmung hat sich von Ausgelassen in Entspannt veraendert. Alice legte ein kleines Schlaefchen ein und wir chillten vor uns hin. - Den letzten Blog habe ich unter Qat-Einfluss geschrieben, schreibt uns doch bitte ob ihr einen Unterschied bemerkt habt! -
Tapfer gehts weiter

Die Maedelsportion Qat hatten wir zu dritt schnell vernichtet, die richtige Maennerportion (das Tom-Qat) haben wir nicht ganz geschafft.
Wenn sich die Masse an die Koerpertemperatur angepasst hat ist es garnicht mehr so stoerend, nur das Nachlegen neuer Blaetter erinnert einen immer wieder an den nicht ganz angenehmen Geschmack. Nach 2 Stunden gab ich Alice das Signal, dass wir es geschafft hatten. Sie sprang schnell aus ihrem Halbschlaf auf um sich der gruenen Masse zu entledigen. Auch ich folgte ihr. Nach dem Zaehneputzen fuehlten wir uns wie neugeboren. Tom hielt noch ein paar Minuten laenger durch - aber auch er war dann ganz Froh das Zeug wieder los zu sein.
In dieser Nacht kam es mir ein wenig vor, als haette ich eine Ueberdosis Red Bull getrunken - ich war gleichzeitig muede und irgendwie hellwach. Aber dabei entspannt und nicht unruhig auf den Schlaf wartend. Alice bestaetigte das gleiche Empfinden am naechsten Morgen.
Unser Fazit:
Es war eine Erfahrung, wird vielleicht nochmal wiederholt, ist aber nicht zwingend noetig!
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Gast Freitag, 22 März 2019
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