Three Pairs Of Underwear

Mom... wir fahren in den Irak – (haben wir nicht extra gemacht ehrlich.)

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-BackFromRoots
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Meine Befürchtungen, dass es nun schlagartig richtig kühl geworden ist oder womöglich bald zu regnen beginnt, haben sich nicht bestätigt. Als wir gegen Mittag starten, zeigt das Thermometer wieder warme 43 Grad an.

Auf einer gut ausgebauten, autobahnähnlichen Straße geht’s aus der Stadt in Richtung Berge. Eine Staubwolke neben der Straße erweckt unsere Aufmerksamkeit und gleichzeitig setzen wir den Blinker zum gegenüberliegenden Straßenrand um uns den Grund näher anzusehen – ja hier kann man einfach die Gegenfahrspur kreuzen - guckt nämlich keiner. ;-)

Die Kulisse so dicht neben solch einer großen Straße ist unwirklich. Ein großes Wasserloch liegt still in mitten von sanften Hügeln und saftigen Wiesen vor uns, umrahmt in weiter Ferne von beachtlichen Bergen, die teils weiße Schneetupfer am Gipfel erahnen lassen. Die Staubwolke wird durch eine gut 100 Tiere umfassende Rinderherde verursacht – leichte Wildweststimmung erfasst uns. Der Hirte treibt die Tiere gerade vom Wasserloch weg in Richtung Straße. Er wird doch nicht vor haben, die Herde über die Straße zu treiben? Beruhigt erkennen wir eine Unterführung, in der ein Tier nach dem Anderen langsam verschwindet.

Wildwestromantik am Highway

Wenig später sind wir komplett raus aus der Zivilisation, weg von Menschenansammlungen. Die Straße schlängelt sich sanft einem gurgelnden Fluss entlang. Langsam wachsen neben der Straße die Hügel zu kleinen Bergen heran. An einer Ausbuchtung am Fluss stoppen wir, weil es nach Rauch riecht. Ein Imker ist damit beschäftigt seine Bienenkästen zu prüfen. Nur zu gerne lässt er sich dabei beobachten.

Emsiges treiben bei den Bienen und schweißtreibende Arbeit beim Imker

Wir nähern uns den Bergen, der Iran ist noch nicht weit hinter uns aber auch der Irak ist nicht fern. Das macht sich durch Militärcheckpoints bemerkbar, die immer wieder an der Strecke positioniert sind. Man winkt uns heran, stellt ein paar Fragen verlangt evtl. einen kurzen Blick auf den Pass, um uns gleich drauf gute Fahrt zu wünschen. Alles ziemlich entspannt also.

Bald folgen wir den Kurven bergan. Auf den ersten Blick sehen die Straßen hier in der Osttürkei (lieber hört man hier „Kurdistan“) recht gut aus. Aber die Bauart hat einen entscheidenden Haken. Die Straßen werden nämlich mit einer dicken Schicht Bitumen ausgestattet und dann mit grobem „Kieselschotter“ reichlich bestreut. Diese Strecke hier ist wohl vor relativ langer Zeit erstellt worden, denn von den Kieseln ist nicht mehr viel zu sehen, sie wurden von der Bitumenschicht bereits geschluckt. Von 45 Grad Hitze aufgeweicht, glänzt der Straßenbelag besonders in den Haarnadelkurven feucht und tiefschwarz in der Sonne. So, dass wir der Bodenhaftung nicht besonders viel Vertrauen schenken. Da sich Tom´s Schulter inzwischen schon wieder etwas erholt hat, wollen wir wenn möglich nicht gleich wieder mit einem Sturz nachlegen.

Eigentlich hatten wir geplant, irgendwo bei Hakkari einen Abzweig zu nehmen um ca. 20 Kilometer nördlich der Irakischen Grenze zu bleiben. Doch irgendwie haben wir diesen Abzweig verpasst. Die Straße, die wir stattdessen erwischen ist eingerahmt von Bergen auf der linken Seite begleitet von einem Fluss, der teilweise aufwärts zu fließen scheint. Viel Ausweichmöglichkeiten, außer umdrehen, gibt es also nicht. Die Landschaft hier oben ist wunderschön und einsam, grasbewachsene Berge, dann wieder schroff abfallende Felsen so weit man blicken kann. Wir stoppen an einem Shop auf einer Anhöhe, denn hier sind wir so nah an der Grenze zum Irak, dass wir fast hinüber spucken könnten. Darauf wird zumindest mit einer kühlen Cola angestoßen.

Hallo Irak siehst du uns auch?

Dennoch ist mir manches Mal etwas mulmig zu Mute. Da ist zum Ersten der Hang, der schwarz, dampfend und übersäht von verkohlten teils noch bunten Sandsäcken rechts von der Straße abfällt. Auf der anderen Seite etwas oberhalb im Berg, die Soldaten mit Gewehr auf dem Rücken, die scheinbar die schwelenden Reste überwachen und dazu ein beißender Geruch von verbrannter Erde und Plastik in der Nase.

Außerden die immer wieder unverhofft auftauchenden Militärstützpunkte, geschützt durch Mauern aus aufgeschichtetem Naturstein, gekrönt von Stacheldraht. Davor stehen ca. 2 Meter hohe, runde Türmchen aus dem gleichen Stein mit winzigen schießschartenähnlichen Fensteröffnungen die oft noch mit Sandsäcken verstärkt sind. Meist sind diese Türmchen verlassen, doch manches Mal schauen einen die Augen eines voll ausgestatteten Soldaten aus den Schießscharten entgegen. Keinen von ihnen kümmert es, dass wir hier sind oder man winkt uns sogar freundlich zu aber trotzdem ist es ein komisches Gefühl so viel Stacheldraht und Munition in der Nähe zu wissen.

Ich werde das Gefühl nicht ganz los, beobachtet zu werden. Und wirklich, wenn wir stehen bleiben und die Berge genau anschauen, entdecken wir bestimmt irgendwo so ein kleines Türmchen oder auf einem Berg in Sichtweite eine türkische Flagge.

Big brother is watching you -  und wir beobachten ihn ;-)

Wir erreichen ein Dorf, vor dem kurz vorher die befestigte Straße aufhört. Eine Strecke aus festem Sand durchzogen von Furchen und vielen Schlaglöchern empfängt uns. Bäume wachsen dicht an dicht die Baumkronen sind teilweise über der Straße zusammengewuchert und spenden Schatten. Es ist angenehm kühl. Kinder Spielen in dem kleinen Rinnsal, das wohl vom Fluss gespiesen wird, Männer trinken Tee und Frauen treffen sich im Ort zum Schwatz. Hin und wieder müssen wir freilaufenden Hühnern oder auch Eseln ausweichen. Als wir wieder feste Straße erreichen, kommen wir uns vor, als kämen wir gerade von einer Zeitreise zurück.

Um dieses Gefühl noch zu bestärken checkt Tom das GPS. Er hatte alles was nach Navigation aussehen könnte abgestellt, für den Fall das wir in eine Kontrolle geraten sollten. Nun ruft er belustigt aus: „Huh, wir waren laut GPS die letzten 20 Kilometer im Irak!“

„Naja.“ denke ich “Das erklärt einiges“. Bis vor dieser Information hätten wir beide kein Problem gehabt, hier irgendwo zu zelten. Die Menschen waren alle so herzlich und willkommen heißend aber vernünftiger Weise sollten wir in so einem eher sensiblen Gebiet wohl lieber ein Hotel aufsuchen.

Dieses finden wir in Sirnak. Der Hotelier mag nicht wirklich über den Zimmerpreis verhandeln – er variiert statt dessen mit der Zimmergröße. Einen sicheren Parkplatz gibt’s auch nicht aber es wäre kein Problem die Bikes vor der Tür abzustellen – dafür würde er garantieren. Wir riskieren es und checken ein.

Die Antwort auf unsere Frage nach den Frühstückszeiten lässt uns wohl kurz ziemlich blöd drein gucken: „01:30 bis 3:00 Uhr“ ein Blick in unsere verdutzten Gesichter lässt den Hotelier nachlegen: „Normal 7:00 – 10:00 Uhr aber jetzt ist Ramazan.“ Naja, das werden wir dann wohl ausfallen lassen.

Dafür schlagen wir beim Abendessen ordentlich zu. Es gibt in einem nahegelegenen Lokal richtig gute Pide und Lahmacun – hmmmm

Beim Preis müssen wir etwas schlucken, denn wir müssen gut 15 Dollar berappen. Ob das normal ist in der Türkei? Ein gutes Essen im Iran kostete selten mehr als 3 bis 5 Dollar.

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Kommentare

  • Gast
    mum Mittwoch, 07 August 2013

    so so

    So so ihr wolltet nicht unbedingt in den Irak na ja ihr habt es ja fast unbeschadet überstanden Gott sei dank!
    ich wünsche euch gute Weiterfahrt
    liebe grüße aus Otterndorf
    von Mum und Annette

  • Nina
    Nina Mittwoch, 07 August 2013

    RE:so so

    SORRY!
    Tom ist schuld ;-)

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Gast Dienstag, 26 März 2019
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