Three Pairs Of Underwear

Ramadan und gutes Essen - Geht nicht? Doch!

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-BackFromRoots
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10.07.2013 nun hat also der Ramadan begonnen, oder „Ramazan“, wie man hier sagt. Ja der kleine Unterschied ist wichtig, denn als wir gefragt haben, wie das hier so im „Ramadan“ läuft, wusste niemand wovon wir sprechen. Dann konnte man uns aber beruhigen, alle Tankstellen und auch Lebensmittel Geschäfte seien normal geöffnet. Beruhigt sind wir auch, dass es in unserem Hotel heute ganz normal bis um 9 Uhr Frühstück gibt und wir sind nicht mal die einzigen Gäste, die gemütlich speisen.

 

Typisch Iran – Karottenmarmelade

Auch sonst können wir uns eigentlich nicht beklagen, Trinken uns sogar essen ist erlaubt, allerdings indoor. Dies dient aber eher zum Schutz der Fastenden. Können wir auch voll verstehen, denn wer möchte schon mit trockener Kehle und flauem Magen zusehen müssen, wie wir - ebenfalls durstig – dieses Bedürfnis nach Flüssigkeit genussvoll befriedigen, während man selbst noch Stunden warten muss.

Wir staunen nicht schlecht darüber, dass sogar vereinzelt Restaurants zu finden sind, die geöffnet haben allerdings müssen wir da schon sehr aufpassen, um diese nicht zu verpassen. Und das eine Mal saßen wir ziemlich ratlos vor dem, was man uns kredenzte. Zwei Krüge mit einer Suppe, Brot, dann aber noch zusätzliche Schalen, Löffel und einen Stößel. Hilfesuchend schauen wir uns nach dem Restaurantbesitzer und Koch um – wie genau isst man das jetzt? Unsere Blicke sprechen Bände. Freundlich lächelnd kommen er und sein einziger Gast uns zu Hilfe.

Etwas von dem was in der „Suppe“ oben schwimmt wird abgeschöpft in die Schalen dann den größten Teil der Flüssigkeit dazu. Dann darf dies mit dem Löffel gegessen werden oder man tunkt das Brot hinein. Die restlichen, festen Zutaten der Suppe werden im Krug mit dem Stößel zerstampft, bis ein grober Brei entsteht. Dies kann dann zusammen mit dem Brot verspeist werden. Eigentlich darf man dann auch alles wieder wild durcheinander essen – aber der Weg der Essensaufbereitung ist essentiell ;-) und leeecker wars!

Mit etwas Hilfe konnten wir dieses Gericht auch fachgerecht verspeisen...

Wir befinden uns inzwischen im Kurdengebiet in der Nähe des großen Urmia Salzsees. Die Menschen hier sind anders. Ein bisschen stelle ich mir so die Türken vor. Irgendetwas an ihrer Art hier lässt uns wieder entspannen und vertrauen. Auch wenn uns die ständige Aufmerksamkeit mit spärlicher Verständigungsmöglichkeit etwas an den Nerven zerrt.

Bei einer Tankstellenpause werden wir aufmerksam von einigen jungen Leuten beobachtet, die kurz nach uns eingetroffen sind und nun in etwas Entfernung an ihren beiden Fahrzeugen lehnen. Wir machen uns wieder auf den Weg. Über den teils trockenen See führt zunächst ein Damm. Durch den Salzdunst wird das gegenüber liegende Ufer in ein unwirkliches Licht getaucht. Wir müssen einfach anhalten und ein Foto machen. Von der Straße können wir rechts an das etwas tiefer liegende Ufer fahren. Tom marschiert gerade wieder den Hang zur Straße hoch um ein gutes Bild von Ufer und Straße zu ergattern, da stoppen in 300 Meter Entfernung vor uns zwei Autos am Straßenrand – mitten im geplanten Bild. Tom lässt die Kamera sinken.

Hektisch springen ein paar Leute aus dem Auto – die kennen wir doch von der Tankstelle! Ungefähr die Hälfte von ihnen rennt eilig auf uns zu einer zieht einen kleinen Jungen von etwa 5 Jahren hinter sich her. Bei uns angekommen, strahlen sie uns an. Dann fragen sie, ob sie den Jungen auf eins der Motorräder setzen dürfen und ein Foto machen können. Perplex stimmen wir zu. Nach 3 Minuten ist alles erledigt. Sie bedanken sich noch immer strahlend und machen sich auf den Rückweg zu ihren Fahrzeugen. Der Junge weiß immer noch nicht weshalb das Ganze, doch den Eltern hat es anscheinend Spaß gemacht. Dann brausen sie davon und lassen uns verdutzt zurück.

Eins haben wir dann auch noch ohne Auto....

Unsere letzte Nacht planen wir in Urmia nicht weit vom großen Salzsee und der türkischen Grenze entfernt. Auch hier staunen wir nicht schlecht, als wir das abendliche Ritual – durch den Stadtverkehr wühlen und Hotel finden – starten. Einmal mehr schieben wir uns gemeinsam mit vier Autoschlagen in die Stadt hinein hoffen schnell ein Hotel zu finden. Da parkt ein älterer Mann seinen Kleinwagen mitten auf der Straße vor uns. Er springt heraus macht Handzeichen und bewegt sich zum Kofferraum. Wir sind etwas genervt, denn nun müssen wir die Töffe rückwärts stoßen um an ihm vorbei zu navigieren. Verwundert aber lächelnd schaut er uns nach.

Zwanzig Minuten später an einer Ampel – wir haben diesen Vorfall schon fast vergessen – steht dieser Mann plötzlich freudestrahlend wieder vor uns. Glücklich uns wieder gefunden zu haben, reicht er uns zwei Pfirsiche – aus seinem Kofferraum. Uns stehen die Fragezeichen im Gesicht – er scheint uns nur willkommen heißen zu wollen...

Ein Hotel finden wir nach mehrmaligem Fragen und schlendern am Abend noch etwas über den langsam schließenden Markt. Erneut wundern wir uns, dass jetzt während Ramazan die Geschäfte tendenziell früher statt später schließen. Im Jemen spielte sich das Leben eher in der Nacht ab, da war tagsüber fast alles geschlossen.

Auf dem Marktplatz steht ein alter Mann, einen Zigarettenstummel im Mundwinkel vor sich ein klappriger Holzkarren auf dem er zwei riesige Töpfe transportiert. Es duftet verlockend nach Erbsensuppe. Für wenige Cent ergattern wir zwei dampfende Plastikteller voll und lassen den letzten Abend im Iran auf einer Bank auf dem Dorfplatz ausklingen. In einiger Entfernung hören wie die Gitter einiger Geschäfte in Schloss gezogen werden. Einige Obsthändler verkaufen noch ein paar Pflaumen, bevor auch sie Feierabend machen. Langsam kehrt Ruhe ein in die Stadt.

Wir freuen uns beide auf Veränderung, ein neues Land und trotzdem sind wir auch irgendwie ein bisschen wehmütig den Iran zu verlassen. Denn neben einigen skurrilen Erlebnissen haben wir hier auch wunderbare Gastfreundschaft und tolle Landschaft erlebt.

Der nächste Morgen startet mit Frühstück am Bett, bei wieder 45 Grad im Schatten starten wir in den Tag. Nur noch wenige Kilometer trennen uns von der Türkei. Kurz vor der Grenze noch schnell voll tanken – vorbei an einem Militärcheckpoint, dann kommt lange nichts als Berge, viel Landwirtschaft und Meter hohe Strohhaufen.

Kaum rückt die Grenze näher, kommen alte Erinnerungen hoch. Irgendwie sind diese Überlandgrenzen alle sehr ähnlich. Wir sind noch nicht ganz auf dem Gelände, da stehen uns schon Junge Männer vor dem Bike, die versuchen in ein Geldwechselgeschäft mit uns zu kommen. Und wie immer beschleicht einen dabei in ungutes Gefühl. Das liegt aber wohl nicht daran, dass dies alles schwarze Schafe sind sondern eher an ihrer Art. Da es einige Geldwechsler hat, versucht natürlich jeder ein Geschäft an Land zu ziehen und jeder ist dementsprechend aufdringlich. Dennoch es ist nicht ganz so schlimm, wir können unsere Motorräder abstellen und nachdem wir kommuniziert haben, dass man doch bitte einen gewissen Abstand wahren möge, funktioniert dies auch.

Die Abwicklung mit dem Carnet klappt auch wiedererwartend gut. Obwohl offensichtlich zu sehen ist, dass manch einer Schmiergeld zahlt, klappt bei uns alles auf Anhieb ohne Komplikationen. Nach einer knappen Stunde dürfen wir zum Schlagbaum vorfahren. Ein uniformierter kommt auf uns zu – er möchte die Taschen kontrollieren. „Alle?“ fragen wir. Er sagt „Ja, alle“ Tom startet mit der Reißverschlusstasche an der Seitentasche rechts. Dann kommt der Herr zu mir. Das obere Fach meines Rucksacks wird oberflächlich inspiziert. Dann werden wir durch gewunken. Aha, dass sind also ALLE TASCHEN. Uns ist es recht. :-)

Auf türkischer Seite das gleiche Spiel. Alle Taschen müssen gecheckt werden – hier ist eine Drogenschmuggelroute, erklärt man uns. Wir sollen einem jungen Mann folgen, der uns zur Gepäckdurchleuchtung führt. Dann wird je der Rucksack, die Gepäckrolle und die Reservereifen durchleuchtet. Das reicht.

Etwas schwieriger sind die Zollformalitäten. Dies aber nur, weil der Fall noch nie vor kam, dass zwei Motorräder aus Indien, im Oman registriert, mit einem Schweizer Besitzer und einer deutschen Fahrerin die Grenze passieren möchten.

Man bemüht sich aber nach Kräften diesen Fall zu lösen. Nebenbei versorgt man uns mit unzähligen frischen Aprikosen und mir wird mehrfach mitgeteilt, ich könne nun das Kopftuch abnehmen, ich sei nun in der Türkei, da sei das nicht mehr nötig. Ich erkläre ihnen, dass ich dies gleich gebührend zelebrieren werde. Sie finden es verständlich. Bald drauf dürfen wir einreisen.

An einer Moscheebaustelle stoppen wir und halten für die Nachwelt auf Video fest, wie meine Haare wieder zum Vorschein kommen. Ich mag die Türkei. :-)

Wir folgen einer der Straße, die gerade renoviert wird, in der Hoffnung, bald auf eine Stadt zu stoßen, in der wir Geld wechseln können. Auf die Türkei sind wir wohl so schlecht vorbereitet, wie noch nie vorher auf ein Land. Wir haben weder einen Lonely Planet, noch eine Straßenkarte und auch nur eine vage Vorstellung vom Wechselkurs für türkische Lira. Die Vermutung, dass die 20 Lire, die wir von Freunden bekommen haben, nicht weit reichen liegt allerdings nahe.

Auch die Ahnung, dass eine Stadt noch auf sich warten lässt bestätigt sich, die Strecke wird gesäumt von grasbewachsenen sanften Bergen, die aber wenig bewohnt scheinen. Es wird kühler bei 26 Grad wird uns fast etwas kalt, die Belüftungsschlitze der Jacke haben wir jedenfalls längst geschlossen, als wir endlich auf Zivilisation treffen.

Wir kommen in Yüksekova an. Von der Hauptstrasse biegen wie in eine der Geschäftsstraßen ab. Die vielen Schlaglöcher, eine LKW-Schlange vor uns und die parkenden Fahrzeuge neben uns zwingen uns zum Langsamfahren. Die Aufmerksamkeit der Städter ist uns bereits gesichert. Wir parken an einem Laden und Tom fragt nach einer Wechselstube. Ich kann gar nicht so schnell gucken, wie ich von Menschen umringt bin. Noch mehr wundere ich mich, dass auch hier scheinbar kaum jemand Englisch spricht. Die Fahrt durch Yüksekova gleicht etwas einem Spießrutenlauf, überall wo wir stoppen verursachen wir durch Neugierige ein kleines Verkehrschaos.

So bin ich froh, als wir nach erfolgreichem Geldwechsel wieder auf die Hauptstraße zu steuern. Tom hat ein paar Kilometer vorher eine Tankstelle gesehen und wir hoffen nun dort eine Straßenkarte zu erwerben.

Straßenkarten verkaufen sie zwar nicht, aber man ist uns sehr wohl gesonnen. Wir sollen erstmal Platz nehmen. Der Tankstellenbesitzer spricht etwas Englisch und ein Angestellter sogar recht gut. Wir dürfen gerne hier auf der Wiese unser Zelt aufbauen schlagen sie uns vor und auch das Internet vom Büro nutzen. Da sagen wir nicht nein. Dann taucht der Angestellte mit einer Mercedes Straßenkarte auf. Der Tankstellenbesitzer mit einem Guidebook in Türkisch. Wir erhalten Tipps was wir unbedingt sehen müssen. Etwas entschuldigend sagen sie, es sei Ramazan, daher müssen sie mit dem Essen noch etwas warten, aber sie würden uns später etwas echt Kurdisches vorbeibringen. Dann verabschieden sie sich nach Hause.

Glücklich über diesen positiven Verlauf des ersten Tages in der Türkei schlagen wir unser Zelt neben der Tanke auf.

Als die Sonne langsam sinkt, werden wir von den zwei Angestellten, die in der Nacht die Stellung halten zum Essen gerufen. Auf der Anderen Seite der Tankstelle ist ein kleiner Tisch aufgebaut, 4 Stühle stehen drum herum und 4 Schälchen sind mit etwas gefüllt, was an Königsberger Klopse erinnert. Schweigend sitzen wir vor den Schalen und warten auf den Ruf des Muezzin. Nach einem kurzen Gebet unserer Gastgeber starten wir mit dem Essen. Es ist köstlich. Der Hauptgang umfasst Reis und eine Art Eintopf aus Fleisch, Gemüse und Kartoffeln. Zum Abschluss folgt türkischer Tee.

Mit ein paar Brocken Englisch versuchen wir hin und wieder uns zu unterhalten, aber die Stimmung wirkt für sich. Einfach wunderbar.

Das einzige was uns etwas schockt sind die Benzinpreise. Wir können es zunächst nicht glauben, als man uns erzählt, das der Liter Benzin 5 Lire kostet – das sind gut 2 Euro!

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Kommentare

  • Gast
    Mum .de Mittwoch, 31 Juli 2013

    Suppe

    Ich hätte gerne das Rezept von der Suppe, die sieht so lecker aus :D :p. Der Tankstellenangestellter läßt Dich nicht aus den Augen, was der wohl gerade denkt....... Gute Weiterfahrt trotz 2€ Sprit pro Liter :( Liebe Grüße Mum

  • Gast
    Alex Donnerstag, 01 August 2013

    Weiter gute Fahrt!

    Immer wieder schöne Bereichte + Fotos!
    Ich freu mich schon auf den nächsten Beitrag!!

    Wie sitzt es sich denn auf den Mopeds so den ganzen Tag? Und wie geht es Toms Schulter?

    Liebe Grüße aus Frankfurt/DE
    Alex

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