Three Pairs Of Underwear

Die Perser

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-BackFromRoots
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Erstaunlich, wie sich innerhalb eines Landes die Verhaltensweise der Leute gleicht. Immer wieder passiert es uns, dass wir bei Überlandfahrten von Autos mit iranischen Fahrern überholt werden, die dann aber in gleicher Geschwindigkeit neben uns her fahren. Man versucht sich in Farsi mit uns zu unterhalten, merkt dann dass das nicht klappt, beendet den Überholvorgang in einer haarscharfen Aktion, weil zufällig Gegenverkehr auftaucht - das heißt man fährt vorbei und verengt unsere Fahrspur erheblich.

Danach fährt man langsam vor uns her, um mit einem guten Blick im Rückspiegel weiter über uns zu diskutieren. Da sich das Fahrzeug dann immer mehr verlangsamt, müssen wir irgendwann wieder überholen. Fröhlich hupend und winkend werden wir dabei begleitet. Der nächste Überholvorgang vom Auto, etwa 5 oder 10 Minuten später, läuft ähnlich ab wie der Erste, nur wird dabei nicht die Unterhaltung gesucht, sondern die Handy-Kamera auf uns gerichtet.

Auch in den Städten immer wieder das gleiche Schauspiel. Der Verkehr an sich läuft ähnlich ab, wie das Anstehen an einem Skilift. Jeder versucht noch irgendwo eine Lücke zu ergattern – egal ob man dabei auf den Skiern eines Anderen stehen könnte.

Jedes Mal, wenn wir in eine Stadt oder ein größeres Dorf einfahren, knattert garantiert ein 125er Motorrad, beladen mit ein bis vier jungen Männern heran. Es wird gehupt, versucht neben uns zu fahren, irgendetwas auf Farsi gerufen (wir vermuten: „wo kommt ihr her?“) dazu eine fragende Handbewegung, die universell so in etwa bedeutet  „Warum?“, Woher?, Wohin?“

Das Schöne ist, dass wir hier im Iran mit unseren Enfield’s noch die „großen“ Motorräder fahren und ein beherzter Griff am Gashebel bei Bedarf die Anhängsel abschüttelt. 

Auch in Shiraz ist das nicht anders, dennoch wollen wir eine Nacht hier bleiben. Von allen Seiten haben wir gehört, wie schön es hier ist. Nachdem wir mit unseren Bikes gleich mal <unabsichtlich> durch den Basar hindurch gefahren sind, finden wir dass die Stadt eigentlich nicht so herausragend schön ist, dass wir länger bleiben müssten.

Etwas kompliziert ist es zunächst ein Nachtlager zu finden. Das eine Hotel ist bezahlbar hat aber keinen sicheren Parkplatz, das Gegenüber hat eine Einstellhalle aber ist zu teuer – und nur dort parken will man uns nicht erlauben. Gerade wollen wir aufgeben und weiter suchen, da hat das bezahlbare Hotel eine Lösung. Wir können nebenan in einem Geschäft für Werbeschilder parken. Einzige Bedingung um 10 Uhr müssen wir wieder raus sein, da der Laden dann öffnet. – Freudig akzeptiert :-)

Am Abend geben wir Shiraz noch eine Chance und schlendern durch das Stadtzentrum. Ich bin erstaunt, es gibt unzählige Geschäfte mit sauer eingelegten Dingen. Von Gurken über Oliven, ganzen Zwiebeln, Knoblauch, Gemischtes mit Pilzen und allerlei anderem Gemüse. Das hätte ich eher im Osteuropäischen Raum und bei kühleren Temperaturen erwartet. Wir kaufen eine kleine Auswahl für den nächsten Tag.

In einem anderen Laden gibt es Sandwiches und wir schaffen es irgendwie etwas zu bestellen. Einmal mit Fleisch, einmal ohne - und 6x Falaffel. Man fragt uns ob wir die Falaffel zum mitnehmen möchten und wir sagen stolz – und sogar auf Farsi - ja. 

Draußen genießen wir unser Sandwich und schauen dem Treiben auf der Gasse zu. Ein Ladenbesitzer spült seinen Wischmop vor unseren Füßen aus, ein Anderer versucht das klapprige Gitter seines Geschäfts zu schließen - es herrscht Feierabendstimmung.

Der Junge vom Restaurant mit den meisten Englischkenntnissen kommt zu uns „Euer Essen ist fertig.“

Freudestrahlend überreicht er uns eine grosse Plastiktüte mit sechs Falaffel-Sandwiches. Aber wir wollten doch nur sechs Stück Falafel! Tom kann ihn auf zwei Sandwiches herunter handeln und wir fallen wenig später vollgefuttert, müde und erschöpft ins Bett.

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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