Three Pairs Of Underwear

Die ersten Meter

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-BackFromRoots
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Endlich rollen wir auf die erste öffentliche Straße im Iran. Es hat weniger Verkehr als ich für Bandar Abbas erwartet habe. Gefühlt sind zwar weniger Fahrzeuge auf der Straße als im Oman aber dafür nimmt man es hier mit den Fahrbahnmarkierungen nicht so genau – als Verständigungsmittel dient die Hupe. Die Gegend selbst wirkt etwas trostlos, es ist staubig, laut uns heiß. Entlang der Strasse gibt es simple zweistöckige Gebäude, oben wohl mit Wohnraum, unten mit kleinen Geschäftslokalen. Die Menschen sitzen draussen vor dem Eingang und warten auf ihre Kundschaft. Reifenreparaturen, Ölwechsel, Tante-Emma Läden, Kleidergeschäfte und Einraumbüros für irgendwelche Geschäfte sind zu sehen.

Wir schlängeln uns in Richtung Stadtzentrum in der Hoffnung noch eine Wechselstube zu finden. Nur mit Dollar in der Tasche werden wir in einem Hotel wohl nicht so weit kommen. Dumm nur, dass es schon so spät ist (nach 18 Uhr) – die Banken haben schon zu. Geldautomaten gibt es zwar reichlich, doch die kann man nur mit einer lokalen iranischen Bankkarte nutzen. 

Wir steuern den Flughafen an – dort gibt’s ja sicher eine „Rund um die Uhr Wechselstube“ – leider falsch gedacht. Im kleinen Flughafen werden wir von A nach B geschickt, jeder denkt er wüsste ganz genau wo man dies tun könnte. Wir geben auf, nicht mal die wartenden Taxifahrer vor der Tür wollen mit einem kleinen Geldgeschäft ihren Verdienst aufstocken. Scheinbar ist es unmöglich um diese Zeit noch Iranische Rial aufzutreiben. 

Also konzentriert sich unsere Suche zunächst auf ein Hotel. Bald werden wir in einer Seitengasse fündig. Nach einem kurzen Zimmervisite ist klar, ein High-Class Schuppen ist das hier nicht - aber es gibt ne Klimaanlage und einen Parkplatz für die Bikes im verschlossenen Hinterhof. Wir fragen den Hotelier, ob wir am nächsten Tag bezahlen könnten, da wir noch keine lokale Währung haben – er willigt ein, no problem. Er spricht ein paar Brocken Englisch, und auch etwas Arabisch. Wir breiten die Landkarte aus und fragen nach Tipps. Er erzählt uns von seinen jungen Jahren, als er im Dienste der Iranischen Armee in verschiedenen Nachbarstaaten im Einsatz war. So ganz friedlich hat er diese Zeit nicht in Erinnerung, das können wir in seinen Augen ablesen. Doch heute ist er froh hier Chef seines eigenen Gasthauses zu sein.

Auf die Frage, ob wir denn hier auch Getränke bekommen könnten antwortet er, dass er schnell im Laden etwas für uns besorgen geht – wir sind schließlich seine Gäste.

Nach 20 Minuten kommt er mit Getränken, Brot, Wurst, Gewürzgurken, Muffins und Schokolade wieder. Wir seien doch sicher hungrig. – Oh ja, das sind wir!

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Unsere Luxussuite

Am Morgen düst Tom schnell los zu einer Geldwechselstube. Im zweiten Versuch gibt es auch einen akzeptablen Kurs für unsere Dollars - im Zeytoon Shopping Center (Tipp vom Kapitän der Fähre). Mit einem dicken Stapel Gelscheine in der Tasche sind wir nun bereit Iran in Richtung Norden zu erkunden. Die Inflation in den letzten Jahrzehnten war kaum aufzuhalten. So sind ein US Dollar heute rund 33´500 Rials wert.

Als wir dann in der Unterkunft auschecken wollen, ist bereits Tee für uns gekocht. Dann taucht eine Angestellte oder die Frau des Hoteliers auf – das haben wir nicht ganz herausgefunden - und serviert Pommes mit Hühnchen. Wir müssen doch essen, damit wir nicht vom Töff fallen. Ermutigt er uns. – Wie recht er damit hat.

Wir möchten zahlen, da entgegnet er: „Nein, ihr seid doch meine Gäste!“

Nach dreimaligem Überreden werden wir unser Geld für die Übernachtung aber doch noch los. Das wird uns hier noch häufiger passieren. 

So gegen 11 Uhr packen wir unsere paar Sachen wieder in die Satteltaschen. Eine schweißtreibende Angelegenheit. Schatten gibt es nicht und die Sonne brennt bei 45 Grad vom Himmel.

Los geht’s. Den Stadtverkehr hatte ich über Nacht verdrängt. Man muss sich wirklich konzentrieren, von jeder Seite kann zu jeder Zeit ein Auto oder Moped kommen. Sollte man aber mal ein Fahrzeug übersehen und es wird gefährlich eng, wird man zumindest durch beherztes hupen darauf aufmerksam gemacht, Platz zu machen. Aber ich will den Iranern nicht zu nahe treten, es wird hier definitiv in der Stadt mehr Rücksicht genommen als im Oman. Einige denken sogar so weit, dass sie sich vorstellen können, dass zwei gleich aussehende Töffs mit omanischem Kennzeichen vermutlich zusammen gehören. Dann lässt manch einer Platz, damit ich zu Tom aufschließen kann.

Tom hat es ganz treffend beschrieben, sie fahren hier, als hätten sie frisch ihren Führerschein, etwas wackelig und unsicher, teils umsichtig, teils kopflos – man muss mit allem rechnen. Viel geht über Blickkontakt, Handzeichen oder die Hupe, gebremst wird nur im Notfall und dann aber richtig ;-)

Ich bin jedenfalls froh, aus der Stadt heraus zu kommen. Über Land fährt es sich angenehmer und die Autodichte nimmt spürbar ab.

Die Landschaft ist steinig, weit und trocken. Die Luft scheint dünn, es ist unglaublich heiß, die Haut fühlt sich an wie Papier und die Lippen sind trocken. Jeder Schluck Wasser aus dem Wasserbeutel im Rucksack ist eine Wohltat. Wartet man damit zulange, ist der Rachen bereits so ausgetrocknet, dass der erste Schluck schmerzt im Hals.

Bei einer kurzen Pause an einem Getränkeshop fällt mir das Thermometer wieder ein, das ich im Oman gekauft habe. Wir montieren es an meinen Töff und gönnen uns im klimatisierten Shop etwas Kühles.Als wir nach 15 Minuten wieder aufsteigen und ich neugierig auf das Thermometer schaue, ist das Display schwarz. Das lässt erahnen, dass es ziemlich warm sein muss.

Durch den Fahrtwind erholt sich das Display aber wieder. Ich verzeihe den Ausfall, denn es zeigt unglaubliche 53 Grad an!

Am Abend erreichen wir Lar. Ein Mopedfahrer spricht uns während der Fahrt durch die Strassen der Stadt an und fragt ob er uns helfen kann. Wir fragen ihn nach einem Hotel und er sagt: “Folgt mir!“ Auf dem Sozia sitzt wohl seine Frau, die ihm eifrig Anweisungen gibt wodurch er am besten zu fahren hat.

Über 15 km fahren die beiden vorweg. Das erste Hotel ist voll, also fährt er mit uns 3 km weiter zum Nächsten. Stolz und glücklich uns helfen zu können fragt er nach einem Foto mit uns und verabschiedet sich lächelnd.

Nach zähen Verhandlungen in zwei Sprachen – nämlich der Hotelier in Farsi und Tom in Englisch kann Tom den Preis auf annehmbar und bezahlbar drücken. Es ist ja nicht wirklich teuer im Iran, doch wollen wir die Reisekasse auch nicht strapazieren.

Ein sicherer Parkplatz findet sich auch.

Wir sind gespannt auf die nächsten Tage und hoffen auf etwas kühlere Temperaturen im Norden.

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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