Three Pairs Of Underwear

Die Fähre und der Hafen - Willkommen im Iran?

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-BackFromRoots
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15:35 Uhr, ein paar Minuten zu spät rollen wir durch das Eingangstor vom Frachthafen in Sharjah. Wir schlängeln uns vorbei an riesig wirkenden LKW die ihren Weg an die verschiedenen Gates suchen bis wir schließlich ein Schiff entdecken mit der Aufschrift Iran. Der Rost ist nicht zu auffällig und auch sonst macht der Kahn den vielversprechenden Eindruck, dass er nicht vor der Ankunft im Iran sinken wird. Einige Männer in Arbeitsoveralls sitzen davor, spielen Karten und bewachen scheinbar die offene Laderampe des noch fast leeren Schiffes.

„Nach Iran?“ Entgegnet der eine ungläubig auf unsere Bitte, einfahren zu dürfen. „Hm wenn alles geladen ist, so gegen 18 Uhr könnt ihr drauf.“

Als wir den Namen des Mannes erwähnen, der vom Ticketbüro (Al Hilli Marine Service) unsere Carnets und alle weiteren Unterlagen für die Verschiffung unserer Ladies erhalten hat, geht auf einmal alles ganz schnell.

Kurz drauf stellt sich uns der freundliche Herr vor,  wenig später dürfen wir auf das Schiff fahren und werden dann mit einem betagten Pickup in die Nähe des Check-In für Passagiere gefahren.

Die Passagierhalle ist heiß und stickig. Verschleierte Frauen ziehen ihre Kinder mit sich, Männer schieben Rollwagen, beladen mit riesigen, zu Päckchen verschnürten Packtaschen vor sich her, andere tragen Turban und stützen sich auf einen dünnen Gehstock. Ein junger Mann spricht uns an, wo wir denn her kommen und ob wir in den Iran wollen? Nein er reise nicht, er bringe nur seine Mutter her, sie fährt nach Hause – Theheran – sagt er und verabschiedet sich wieder.

Wir machen es uns in einer Ecke so bequem wie eben möglich und beobachten das wuselige Treiben.

Sonst geht fürs Erste nicht sehr viel. Etwa eine Stunde dauert es, in der Tom einen klapprigen Getränkeautomaten mehr oder weniger erfolgreich überzeugt unsere 1-Dirham Münzen in Wasserflaschen zu tauschen, dann geht ein Ruck durch die Wartehalle.

Der nächste Warteraum ist geöffnet. Ordentlich sortiert, sitzen links die Frauen und rechts die Männer. Alle warten artig, bis sie sich am Schalter den Ausreisestempel aus den Emiraten abholen dürfen. Ich komme mir mit meinen hellen Motorradkleidern in mitten der ganzen schwarz gekleideten Frauen etwas komisch vor.

Dann geht es los, die Frauen dürfen zu erst – ein Polizist passt genau auf, dass nur am Schalter steht, wer auch dran ist, alle anderen müssen sitzen bleiben und werden auch energisch darauf hingewiesen.

Als ich an der Reihe bin, darf Tom dazu kommen freundlich fragt man wie es uns geht und wünscht uns eine angenehme Reise – klong... klong... je ein Stempel im Pass.

Es folgt eine kurze Boarding-Card Kontrolle und dann sitzen wir im Bus, der uns wieder zur Fähre bringt.

Obwohl wir als Letzte der Busladung in den Passagierraum der Fähre gehen durften können wir zwei Sitzbänke für uns ergattern. Glücklich über so viel Luxus machen wir es uns bequem.

Leider kommen dann doch noch ein paar Mädels die uns fragen, ob Tom und ich  zusammen rücken könnten, damit sie auch noch einen Platz haben.

Wenig später ist Tom in ein Gespräch mit einem Fotografen vertieft – sie breiten die Iran Karte aus und der Fotograf gibt uns Tipps wo wir unbedingt hin müssen. Mir kommt es vor als seien viele Blicke auf uns gerichtet – immer wieder erhasche ich ein Lächeln zusammen mit diesem freundschaftlich, schwesterlichen Blick aus einem Schleierumhüllten Gesicht.

Dann steht auf einmal der Kapitän neben uns. Er lasse oben eine Kabine für uns herrichten – VIP sozusagen. Uns stehen Fragezeichen im Gesicht.

Möchte man uns wirklich ein Freude machen oder ist es mehr ein Verbergen vor den anderen Mitreisenden – war das Karte gucken zu viel?

Kurz drauf sitzen wir in der Sofaecke einer geräumigen Kabine, die Tür schließt sich hinter uns und wir schauen uns etwas verloren an.  Sollen wir uns freuen? Haben wir was falsch gemacht?

Im Minutentakt klopft es an der Tür – der Kapitän: zeigt uns die Küche, falls wir uns einen Tee oder Kaffe machen möchten. Der erste Offizier: setzt sich zu uns erzählt uns seine halbe Lebensgeschichte, gibt uns seine Kontaktdaten, falls wir Unterstützung im Iran benötigen und lädt uns für den Morgen auf die Brücke ein. Ein Mann von der Crew: Bringt das Essen. Der Kapitän: Zeigt uns wo die Toiletten sind.

Wir beschließen, dass man es wirklich gut mit uns meint. :-)

Schlafen kann man auf diesem Ecksofa allemal besser als auf einer halben Sitzbank zusammen mit 150 anderen Passagieren.

Pünktlich um 8:30 Uhr laufen wir im Hafen von Bandar Abbas im Iran ein.

Die Motorräder bleiben auf dem Schiff stehen, während wir mit den Anderen zur Passkontrolle laufen.

Wieder gibt es zwei Schalter getrennt nach Frauen und Männern. Man schickt uns in die jeweilige Schlange um uns dann nach vorne durchzuwinken. Dann dürfen wir und den Einreisestempel auf der anderen Seite in einem Büro abholen. Das lief wie geschmiert, nun sind wir gespannt auf die Einreiseformalitäten für die beiden Bikes.

Kurz vor der Abreise sagte Tom, dass der einzig wirkliche schwere Grenzübertritt auf der Reise von Tomsride hier in Bandar Abbas war. Dementsprechend gut haben wir uns mental auf diese Einreise vorbereitet – nicht stressen lassen ist das Motto.

Mit den Carnets und einigen Papieren von Hille Marine eilen wir zum Zollgebäude. Der zuständige Mensch nimmt alles entgegen und fängt an zu arbeiten. Ungläubig schauen wir uns an – sollte es diesmal so einfach sein?

Dann blättert er suchend durch die Papiere – es fehlt also doch etwas. Wir werden in ein anderes Gebäude geschickt um das Nötige zu holen. Dort öffnet ein Herr vor unseren Augen einen großen Umschlag aus Sharjah. Dann erklärt er uns, wir benötigen ein „Lieferbegehren“ dazu müssen wir mit dem Taxi 3 km in die Stadt fahren.

Es geht also los...

Ich bleibe mit den Sachen im Zollgebäude und Tom schnappt sich ein Taxi – das ist so gegen 10 Uhr – Um 12:30 Uhr sehe ich ihn wieder. Um das Lieferbegehren zu bekommen musste Tom ca. 7 Stempel zusammensammeln, die er dann gegen DAS Papier eintauschen konnte.

Der Mann am Carnet Schalter macht uns Mut er mache das jetzt fertig und dann brauchen wir nur noch einen Stempel von der gegenüber liegenden Schalterreihe dann können wir zu den Bikes und können fahren.

Um 14 Uhr Schließen die Schalter – um 13:59 Uhr haben wir nach ihren Worten alles zusammen. Nur noch schnell zu Eingangstor und einen Stempel holen dann können wir zu den Bikes.

Am Gate erkennt einer der Herren Tom wieder. „Du warst doch schon mal hier – 2007 – Sorry, damals hast du einen schlechten Tag erwischt.“

Wir sollen einem jungen Mann folgen, der ein Fahrzeug aus dem Zoll holt – er wird uns schnell hinüber begleiten.

Ein Abstecher noch in ein anderes Büro – dort braucht man Kopien – keine Sorge sagt der junge Mann er mache das eben. Dann geht’s zu einem Broker – wir müssen noch Ausladegebühr bezahlen – 16 Dollar. Danach aber zum Schiff? Nein zu einer Halle in der drei Herren ihr Büro haben. Einen Stempel noch...

Dann dürfen wir endlich die Motorräder ausladen (haben wir nicht eben ausladegebühr bezahlt? – Naja ist uns so eh viel lieber)

Endlich müssen wir die weiten Wege nicht mehr laufen sondern können fahren – die Sonne brennt unerbittlich vom Himmel und es sind sicher 45 Grad.

Ach so noch schnell auf die Waage – ein Stempel noch... äh ne eigentlich müssen wir gar nicht wiegen also auf zum Ausgang – Ein Checkpunkt vorher müssen wir an die Seite fahren – Fahrgestellnummern werden abgeglichen. Dann das Tor in greifbarer Nähe nur noch 100 Meter - Freiheit, Juhu!

Denkste! Da fehlt noch was – Ein Stempel? Ja. Wieder zurück zur Halle mit den drei Herren, dann doch auf die Waage. Eine Ewigkeit steht Toms Töff auf der Wiegevorrichtung, ich stehe wartend in der sengenden Sonne dahinter und warte auf meinen Einsatz. Mir rinnt der Schweiß aus allen Poren, mein Gesicht glüht und ich habe das Gefühl mein Kopf platzt gleich. Nach gefühlten 10 Minuten ohne Regung platzt was anderes, nämlich mein Geduldsfaden. Ich Steige ab und stapfe zum Häuschen vom Waagenmann reisse die Tür auf und brülle ihn ab, ob er denn wisse wie heiß es ist. Neben seinem Schreibtisch schreckt ein Mann auf, der auf dem Boden geschlafen hat – alle schauen mich entsetzt an – mir laufen die Tränen herunter meine Nerven sind am Ende. Endlich geht es weiter. Fertig gewogen.

Jetzt also auf zum Ausgang – Ah noch mal am Check Punkt rechts ran – Fahrgestellnummern abgleichen ?!

Ein Minibus naht heran, die Polizisten Salutieren. Der Bus hält und ein älterer Herr gefolgt von einem Zweiten steigt aus. Freundlich kommt er auf uns zu, begrüßt uns, fragt ob alle gut ist – scheinbar möchte er bei dem zweiten Herren einen guten Eindruck machen – Tom antwortet: „Nein es ist nicht gut!“ Das saß sichtlich geschockt versucht der erste ältere Herr die Situation zu retten, fragt kurz bei den Polizisten nach und sagt dann:“ Sorry, aber nun ist alles gut ihr könnt gehen.“ Das klingt nach Freifahrtschein in meine Ohren – mich hält niemand mehr auf, Tor ich komme!

Die beiden Herren steigen wieder ein – der Bus fährt ab.

Am Tor steht wieder jemand im Weg diesmal klebe ich mich dicht an den Minibus. Der erste ältere Herr steigt nochmals aus uns macht mit seinem Handy ein Foto von uns. Tom springt auf ihn zu, kann grad noch die sich schließende Bustür festhalten und fragt freundlich ob wir denn hier auch Fotos machen können. Der Herr antwortet:“Nein, da gibt es gewisse Regeln...“ der zweite Herr lacht laut heraus. Dann sagt der Erste: „Wir müssen nun gehen – Termine.“ Weg ist er.

Ich quetsche mich mit dem Bus zusammen an einem Wachmann vorbei – ab in den Schatten. 17:10 Uhr mich bringt niemand mehr auf das Hafen Gelände!

Tom hat sein Motorrad abgestellt, ist noch immer im Hafengelände – ein letzter Stempel... arrrgh!

Im Stempel Büro erfährt er wer der ältere Mann im Bus war. Das war der Chef, Port Authority (Na da haben wir ja mal an der richtigen Stelle Beschwerde eingereicht).

Etwas hat sich aber verändert zur Prozedur von 2007 diesmal waren es mehr Stempel aber wir mussten für keinen was bezahlen.

20 Minuten später ist auch Tom draußen. Nun brauchen wir nur noch einen Schlafplatz und Iranische Rials...

Willkommen im Iran?!

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Kommentare

  • Gast
    Mum Mittwoch, 10 Juli 2013

    Andere Länder, andere Sitten

    Sehr, sehr aufregend zu lesen, ich hatte fast des Gefühl ich stehe neben Euch und bekomme alles hautnah mit. Aber wie heißt es doch so schön... Andere Länder, andere Sitten!....Nun seit Ihr endlich im Iran und nutzt Eure Chance dieses Land und die Menschen näher kennen zu lernen, vor allem Nina (Tom braucht ja nur aufzufrischen, oder?) Gute Reise weiterhin,
    liebe Grße Mum

  • Nina
    Nina Mittwoch, 10 Juli 2013

    andere Sitten

    Danke für das Kompliment!
    Auf diese Sitten kann ich aber gut verzichten ;-) Denen hab ich glaub ich wenigstens ein schlechtes Gewissen gemacht mit meinem Auftreten.
    Bis zum nächsten Blog
    Nina & Tom

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