Three Pairs Of Underwear

Wir werden Island trotzdem vermissen!!!

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-GoesNorth
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Brrr, diese Nacht im Zelt war unangenehm kalt. Bisher hatten wir es meist eher mit trockener Kälte zu tun. Aber hier ist der Boden sehr feucht. Der Schlafsack leistete zwar sein Bestes, aber die Matten konnten nicht viel entgegensetzen. Jedesmal, wenn ich mich umdehte, kroch diese fiese, feuchte Kälte unter mir nach und schien die dünne, wärmende Luftschicht um mich herum aufzufressen.

Komischerweise sind wir beide am Morgen schon früh wach und auch relativ fit. Schnell ist das Zelt zusammengepackt und wir machen uns auf den (ungewöhnlich langen) Fussmarsch zu unseren Töffs. Ein wenig Sorge hab ich schon. Wird mein Töff anspringen, oder hat der Umfaller im Wasser Spätfolgen? Die Sorge ist unberechtigt. Ohne Mucken springt mein treues Gefährt an. Kaum biegen wir um die erste Ecke, begrüsst uns leider auch schon wieder unser "Freund", Seitenwind. Teilweise ist die Strecke auf dem schwarzen Untergund kaum zu erkennen, weil sich die dunkele Vulkanasche, getrieben vom Wind, in dichten Bändern darüber legt. Der Sand prasselt auf das Visier und es fühlt sich an als würde ständig jemand von der Seite schubsen. Ich verspüre eine leichte Wut im Bauch, aber bin stolz auf meinen Töff, der zuverlässig macht, was ich von ihm verlange - ich finde wir sind ein richtig gutes Team.

Wir finden noch ein paar geschotterte Umwege, auf denen Tom vor mir in einer grossen Staubwolke verschwindet. Dann ist es unvermeidlich, auf die Ringstrasse abzubiegen. Hier im Süden liegen allerdings auch viele sehenswerte Punkte ganz nah an dieser Strasse die leicht mit einem normalen Kleinwagen, zu erreichen sind. Was auch erklärt, warum es hier mehr Touristen gibt als im Norden. Wer wenig Zeit hat, kann hier relativ einfach, in kurzer Zeit, viel sehen.
Auch der Eyjafjalljökull, der Vulkan, den vermutlich seit dem Frühjahr 2010 jeder kennt, ist von hier aus normalerweise einfach zu sehen. Leider ist die Sicht durch den aufgewirbelten Sand in der Luft sehr begrenzt uns so begnügen wir uns mit der eigens für den Vulkan aufgestellten Tafel auf einem Parkplatz neben der Strasse.


Wow, was für eine Wolke

Kurz darauf drängen wir uns mit einigen anderen vor einem Wasserfall. Etwas länger und unebener ist die Strecke auf der man den Fuss des Myrdalsjökull-Gletschers erreicht. Ich bin etwas überrascht, als wir dort ankommen. Denn anstatt der erwarteten weissen Pracht, sehen wir nur viel Schwarz mit wenigen weissen Flecken. Zunächst enttäuscht das meine romantische Vorstellung so unsanft zerplatzt, lasse ich mich aber überzeugen näher hin zu gehen. Aus der Nähe betrachtet, hat die schwarze Patina sogar etwas schönes. Es sieht aus, als würde die Schicht goldig glänzen.  

Als wir noch einmal versuchen ein Stück der Ringstrasse zu umfahren, übersehen wir fast einen Schafszaun, der über die Strasse gespannt ist.



Glück gehabt...

Erst ein bisschen Sauer über diese gefährliche Absperrung, erkennen wir kurz darauf, dass einige hundert Meter nach dem Zaun die Strasse weggespült wurde. Es war also gut gemeint, aber wir würden uns trozdem etwas auffälligere Markierung wünschen.
Diesmal ist ja alles nochmal gut gegangen.

Auf der Karte stolpern wir über den Ort Kirkjubaejarklaustur und denken uns, das ist doch ein toller Name für eine Ort zum Übernachten. ;-)
Direkt neben einem kleinen aber feinen Wasserfall schlagen wir unser Zelt auf. Eigentlich wollten wir nur einen kurzen Abstecher zur 2 km entfernten Tankstelle machen, um dort kurz das Internet zu nutzen. Da fährt ein deutsches Feuerwehreinsatzfahrzeug an die Zapfsäule. Natürlich dauert es nicht lange, bis wir mit den Insassen ins Gespräch kommen. Wenig später haben wir lustige und nette Campnachbarn. Es geht doch nichts über guten Gesprächsstoff bei einem kühlen Bier in einer geheizten Kabine ;-) und dann auch noch an einem Ort mit diesem wohlklingenden Namen Kirkjubaejarklaustur.


Kirkjubaejarklaustur - garnicht so schwer oder?

Der letzte volle Fahrtag ist angebrochen. Noch dazu haben wir ein ehrgeiziges Ziel. Da wir von anderen Reisenden gehört haben, dass sie letzte Woche auf den letzten 30 km von Egilsstadir bis zur Fähre nach Seydisfjördur in einen Schneesturm geraten sind, wollen wir noch heute Egilsstadir erreichen.

Sicher, die Ringstrasse wird ihre Reize haben. Wenn man aber schon tiefer in die Landschaft eingetaucht ist, dann kommt es einem vor, als würde man von hier aus nur an der Oberfläche kratzen. Doch auch die Fahrt auf schönster geteerte, schnurgerader Strecke hat ihre Tücken - SEITENWIND! Ich hätte nie gedacht, dass Wind so nerven kann und vorallem wirklich tückisch ist. Ich glaube, wer den Wind hier erlebt hat, kommt überall anders problemlos durch.

Für eine Kurze Entspannungspause halten wir an einem Parkplatz. Hier werden wir durch grosse Informationstafeln über den letzten grossen Gletscherlauf informiert. Wahnsinn, 45000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rissen Teile der Ringstrasse und eine Massive Brücke mit sich. Bis zu 10 Meter hohe Eisblöcke trieben in dem Strom und blieben Kilometer weiter unten in der Ebene liegen. Schon vorhin fuhren wir auf einem neuen Stück Ringstrasse, vorbei an Überresten der alten Ringstrasse und hier sind verbogene Teile der zerstörten Brücke aufgestellt - sehr beeindruckend.

Ein Minibus erreicht den Parkplatz und Bilderbuchtouristen steigen aus. Ein Korpulenter, amerikanisch aussehender Mann verlässt als erster den Bus. Er hat die Kamera bereits vor dem Gesicht, als scheint sie dort festgewachsen. Wie ein Paparazzi zielt er auf uns und drückt ohne ein Wort unerbittlich ab. Klick, klick, klick, klick - Wir flüchten so schnell es geht...

Man kann spüren, wie die Luft kühler wird, wir nähern uns dem grössten Gletscher Islands, dem Vatnajökull. Auch hier kann man  ganz nah heran gehen. Auch dieser Teil des Gletschers ist mehrheitlich schwarz. Um das strahlende Weiss und blau des Eises zu sehen, müsste man wohl eine geführte Gletscherwanderung unternehmen. Dafür fehlt uns nun allerdings die Zeit aber wenn wir das nächste Mal auf Island sind ziehen wir das sicher in Erwägung.

Einige Kilometer weiter auf der Ringstrasse erreichen wir den Jökulsalon-Gletschersee. In dieser Bucht wurde vor einigen Jahren der 007-Streifen "Stirb an einem anderen Tag" gedreht. Ein bisschen passt es da, das mir an der (Eis)Bar die 4 Russen (die mit den Monsterjeeps) vom Hochland wieder über den Weg laufen...
Aber wer könnte es ihnen verübeln? ;-) Sehenswert ist diese Bucht allemal. Vor der ziemlich weit entfernten Abbruchkante des Gletschers treiben mitten auf dem See riesige Eisberge. Dazwischen tummeln sich muntere Seehunde. Besonders staunen wir über die mächtige Kraft der Stömung. Eben noch wurden Eisschollen und grosse Eisbrocken durch den Ablauf Richtung Meer gedrückt, nun schiessen sie wieder in die Bucht hinein - Ein eindrückliches Schauspiel.



Viel Eis - Trinkt Herr Bond seinen Martini eigentlich mit Eis? Oder nur Gerührt und nicht geschüttelt?

Ein bisschen wehmütig verabschieden wir uns vom Vatnajökull, morgen führt der Weg unumgänglich auf die Fähre. Da wir noch fast 250 Kilometer für heute geplant haben, sollten wir aber langsam aufbrechen.

Die Landschaft zeigt sich nochmal von ihrer schönsten Seite. Rechts rauscht das Meer und die Wellen brechen am steinigen Strand, Schafe stehen dort und ernähren sich scheinbar von den angespühlten Algen, links ragen hohe Berge auf, die sich in den unterschiedlichsten Braun-, Grün-, Gelb-, und Rottönen zeigen.
Der Wind ist allerdings nun sehr tückisch. Meisst weht er stark von links, auf Brücken ist er entweder fast weg oder pustet nur stossweise (kann mir jemand erklären woran das liegt?) manchmal ändert er dann nach der Brücke aprupt die Richtung nur um kurz danach um so kräftiger wieder von links anzugreifen. Das führt dazu, dass ich sobald der Wind nachlässt wachsam wie ein Boxer auf dem Töff sitze, bereit in die entsprechende Richtung gegenzusteuern. Entgegenkommende LKW`s produzieren Windschatten und Sog in einem, was die Berechnung der Windstärke und Richtung fast unmöglich macht. Wenn ich die kommen sehe, bremse ich stark herunter, lass mich kontrolliert durchschütteln und beschleunige dann wieder. So kämpfen wir uns vorran.  

Wir müssen erkennen, dass unser Tagesziel zu ehrgeizig war und entscheiden uns knapp 100 Kilometer vorm Ziel abzubrechen und eine Unterkunft zu suchen. Bei dem Wind haben wir nämlich auch ein wenig Angst um unser eigentlich sehr standhaftes Zelt.

Die Angst vor einem Schneesturm war unbegründet. Strahlend blauer Himmel begrüsst uns am nächsten Morgen, auch der Wind ist weg, nur Muskelkater erinnert an die gestrigen Strapazen. Ein paar Kleine Fjorde umrunden wir, bis ein geschotterter Pass lockt. Abgesehen davon, dass er den Weg um etliche Kilometer abkürzt, ist er auch noch wunderschön. Man merkt aber, dass es langsam Winter wird, denn die kleinen Flüsse und Pfützen neben der Strecke sind mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Wir geniessen jeden Meter in dieser tollen Landschaft und atmen die kühle, klare Luft ganz bewusst ein. Sehr schade, dass wir schon wieder nach Hause fahren müssen.

Am Nachmittag treffen wir auf einem Parkplatz in Seydisfjördur ein paar andere Motorradfahrer. Spontan wird der Benzinkocher ausgepackt, einer besorgt Wasser, Kaffepulver und Zucker ist auch noch da. Bei unterschiedlichsten Reisegeschichten vergeht die Zeit bis zum Check-in-Beginn wie im Flug.


Kaffeklatsch rustikal und international... D, AT, FIN, CH...


Wärend wir in unserer zugewiesenen Schlange auf das Boarding warten, taucht ein Fahrer auf einer indischen Royal Enfield auf.  Nach kurzer Zeit des Gesprächs stellen der indische Fahrer und Tom fest, dass sie sich kennen. Sie haben sich 2007, als Tom mit dem Töff durch Indien fuhr, getroffen. Was für ein Zufall! Wieviele Millionen Inder gibt es?

Dann gibt einer der Fährmitarbeiter den Startschuss, die Ladeluke der Fähre öffnen sich und wir verschwinden wieder in ihrem Bauch. Eins ist sicher. Das war nicht das letzte Mal - Island, wir kommen wieder!

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Kommentare

  • Gast
    daniela Mittwoch, 05 Oktober 2011

    Was für eine wunderschöne Insel!

    Danke für die tollen Berichte und Fotos. Es hat wieder einmal viel Spaß gemacht, eure Reise mitzuverfolgen.

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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