Three Pairs Of Underwear

Kjölur

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-GoesNorth
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Zunächst verunsichern wir den Herbergsvater unserer Schlafsackunterkunft, weil wir ihn nach leeren Getränke-PET-Flaschen fragen. Dann verursachen wir eine kleine Sauerei an der Tankstelle.

Dabei ist die Sache doch ganz einfach. Da wir nicht genau wissen, wie lange es auf der Hochlandroute keine Tankstelle gibt, soll noch etwas Extrabenzin mit. Wir haben aber keinen Kanister und deshalb wollen wir das Benzin in (Afrika-) bewährten Limonadenflaschen transportieren. Uns wird aber erst an der Tankstelle bewusst, dass man hier sicher nicht erfreut ist, wenn wir bei dem Versuch die Flaschen zu treffen, mit Benzin kleckern. Dummerweise werfe ich auch noch eine schon halb gefüllte Flasche um. Tücher zum Aufwischen gibt es leider keine. Wir hoffen, dass uns niemand beobachtet hat und beeilen uns von der Tankstelle weg zu kommen - nicht dass es noch Ärger gibt...

Die Berge strahlen uns noch immer weiss bepudert entgegen aber wenigstens der Wind hat sich gelegt und die Sonne scheint als hätte sie nie etwas anderes getan.

Eine Infotafel am Abzweig zur 35 gibt letzte Tipps zum Verhalten im Hochland und auf 4x4-Pisten. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, die Strecken nur mit einem Geländefahrzeug und nur auf den präparierten Wegen zu befahren. Wer neben der Strecke fährt muss mit empfindlichen Strafen rechnen - hoffentlich hält das die Leute wirklich auf den Wegen. Die Pflanzen haben nämlich nur einen kurzen Wachstumszeitraum und es dauert Jahre, bis die entstandenen Spuren wieder weitgehend verschwunden sind.

Schnell wird klar, hier zeigt sich ein Gesicht der Insel, welches wir noch nicht kennen (auch wenn die (F)35 nicht so hoch hinauf geht, wie andere Routen). Der Blick wandert über weite, karge Ebenen. Auf dem steinigen Untergrund wächst zähes, braungelbes Gras, hier und da leuchten rot und grün die Blätter knorriger Boden Decker, Moose klammern sich an die wenigen, kleine Felsbrocken. Die Piste ist glücklicherweise frei von Schnee und Eis, nur ein paar Schneereste lassen sich neben der Strecke ausmachen. Je weiter wir fahren umso karger, dunkler und steiniger wird die Landschaft, eingerahmt von strahlend weissen Bergen. Kaum ein Fahrzeug kommt uns entgegen. Wir folgen einem Abzweig westlich, welcher uns zu einem Geothermalgebiet mit HotPool führen soll. Auf der nun schwarzen Piste finden sich nun kleine Schneematschfelder, die aber problemlos zu durchqueren sind. Plötzlich eilen von hinten ein paar Geländewagen auf uns zu. Die Autos sind riesig und haben Reifen, die bis oberhalb meines Töff-Lenkers reichen. Natürlich sind auch sie auf dem Weg zu den heissen Quellen.

Als wir dort eintreffen, empfängt uns eine skurrile, dampfende Geothermallandschaft - wir kommen uns fast vor wie auf einem fremden Planeten.

Der natürliche HotPool ist einladend und bei Lufttemperaturen um 2-3 Grad sehr verlockend. Leider sitzt die Geländewagentruppe schon grölend darin. Von ihrem Guide erfahren wir, dass es sich um vier Russen handelt, die für eine geländelastige Rundreise, je einen dieser überdimensionalen Wagen gemietet haben. Eigentlich hatten wir mit dem Gedanken gespielt hier zu übernachten, fürchten aber nun um unsere Nachtruhe und ziehen ohne wärmendes Bad nach zwei Tassen heisser Schoki weiter.

Eine gute Entscheidung? Nach nur wenigen Kilometern zurück auf der 35 stehen wir vor einem Schneefeld. Rechts und links neben der Piste ist alles Schneefrei nur vor uns liegen 30 cm schönster Schnee. Was nun, neben der Piste fahren? Nein, Augen zu und durch. Im Schritttempo klappt das zunächst ganz gut. Dann geht es etwas steiler Bergauf und erst vergräbt Tom sein Hinterrad im Schnee und vor lauter Schreck rutscht mir mein Töff unter den Beinen weg. Da liegt mein treues Gefährt.

Kleiner Ausrutscher...

Ein Wagen mit Isländern kommt uns entgegen, der Fahrer hält kurz und meint: "Es sind noch 3km Schnee dann wirds besser. Fahrt doch neben der Strecke." Dann zirkelt er halb auf, halb neben der Piste, an uns vorbei. Wir stellen mein Töff wieder auf und befreien Toms Töff mit vereinten Kräften aus der Schneefalle. Mit schlechtem Gewissen probieren wir unser Glück nun neben der Piste. Viel einfacher ist das auch nicht, denn der Untergrund ist weich und wie ein Streuselkuchen garniert mit groben Steinen. Nach einer gefühlten Ewigkeit finden wir eine Lücke zurück auf die offizielle Piste durch ihre aufgeschobenen Ränder voller grosser Steine und bahnen uns dann den Weg durch letzten Schneematsch. Bald wird es dunkel und es ist Zeit einen Schlafplatz zu finden. Doch zunächst will noch ein aufgestauter Schmelzwasserablauf überwunden werden. Mein Respekt vor Wasser ist noch zu gross und so fährt Tom beide Töffs hindurch. Während ich trockenen Fusses an der Seite über die Steine balanciere, hat er nun nasse Füsse.

In der Hoffnung auf ein warmes Zimmer in einer Schlafsackunterkunft folgen wir wenig später einem Hinweisschild. Dort angekommen, stellen wir aber fest, dass die Hütte bereits für die Winterpause verlassen ist. So schlagen wir unser Zelt im Windschatten der Hütte auf und beginnen zu kochen. Zum Aufwärmen vorab gibt es heissen Apfelpunsch mit einem (oder zwei...) Schuss Rum. Es ist zwar dunkel, aber der Vollmond kriecht hell hinter den Bergen hervor. Meine Finger sind eiskalt und Toms Füsse schmerzen vor Kälte, als wir einen verdächtigen Grünschleier am Himmel entdecken. POLARLICHTER! Alle Kälte ist vergessen und wir stolpern zu Kamera und Stativ.

Ein unglaubliches Schauspiel beginnt. Es ist eine sternenklare Nacht und so zieht sich der grüne Schleier über den ganzen Himmel. Wir verrenken uns die Hälse um ja nichts zu verpassen. Mal zeichnen sich gruselige Grimassen über unseren Köpfen, die auf uns herunter zu schauen scheinen, mal sieht es aus, als würde Sand herunterrieseln.

Schaurig schön

Ziemlich spät aber glücklich kriechen wir in unsere (mit Wärmepads vorgewärmten) Schlafsäcke.

Am Morgen, wir sind grad am zusammenpacken, bekommen wir Besuch. Es sind zwei befreundete Isländische Paare, die sich hier zum Picknick treffen. Auch wir bekommen etwas ab - geräuchertes Lamm und Kartoffeln - Jammy, ein tolles Frühstück (im Tausch erhalten sie von uns Schweizer Schoggi).

Die Sonne strahlt vom Blauen Himmel und es ist sogar richtig warm. Wir freuen uns auf einen weiteren entspannten Fahrtag in dieser unwirklichen Landschaft. Als wir an einem Abzweig vorbei kommen, meint Tom: "Hier steht, dieser Weg führt zu einem Alpenresort mit allem was man sich nur vorstellen kann. Minigolf, Hau den Lukas..." Ich kann das Schild nirgends entdecken, aber folge Tom gutgläubig.

Tolle Aussicht aber nirgends ein "Hau den Lukas"...¨?!?

Dieser Abstecher scheint ins Nichts zu führen und ich beginne zu zweifeln. Hat Tom geschummelt, um mich auf einen kleinen Umweg zu locken, ohne dass ich protestiere? Wir stehen auf einem Hügel, geniessen die Aussicht und wollen gerade umdrehen, als ein Motorrad an uns vorbeituckert. Wir fahren noch ein Stückchen den Hügel hinauf und auf einmal liegen viele kleine Hütten mit Bodentiefen Blechdächern vor uns. In der Tat, ein richtiges kleines Alpenresort. Wenig später erfahren wir im Gespräch, dass dies früher einmal ein sehr beliebtes Skigebiet war, dann aber der Schnee ausblieb. Nun kommen noch viele Isländer hier her, entspannen und fühlen sich an alte Zeiten erinnert. Verständlich, bei dieser Oase, versteckt in den Bergen. Einen „Hau den Lukas“ gibt’s aber nicht. Ein bisschen hat Tom also doch geschummelt…

Je weiter wir in den Süden fahren, umso mehr meldet sich unser ewiger Begleiter, Wind zurück. Um uns herum wirbelt Sand durch die Luft und es knirscht zwischen den Zähnen. Auf den letzten Metern im Hochland werden wir noch so richtig durchgeschüttelt, denn die Piste besteht aus Wellblech mit schönsten Schlaglöchern.

Kaum haben wir die ersten Meter Asphalt unter den Rädern kommen wir an einem riesigen Parkplatz vorbei. Ein grosser moderner Souvenirshop und ein Restaurant welches gerade im Begriff ist Feierabend zu machen, prangt in der Mitte. Ein paar letzte Touristen sind im Begriff sich mit ihren Autos aus dem Staub zu machen. Weshalb das Ganze? Von hier kann man in 5 Minuten über einen Weg aus schönsten Holzbrettern zum Gulfoss (ein grosser, recht beeindruckender Wasserfall) laufen. Nach zwei Tagen in der Abgeschiedenheit des Hochlandes, fühlen wir uns jetzt irgendwie fehl am Platz. Kommt es uns nur so vor, oder ist der Süden wirklich so anders als das was wir bisher erlebt haben?

 

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Kommentare

  • Gast
    Ursula&Jochen Döbler Samstag, 01 Oktober 2011

    Gruß aus dem Schwabenland

    Hallo Ihr Zwei!
    Jochen und ich (Ursula) waren 2009 bei Euch zum Tauchen in Musandam/Oman und hatten tolle Tage und ließen uns anstecken im nächsten Jahr Muscat und dieses Jahr Salalah zu entdecken. Dazwischen waren wir mit einem 4x4 Camper immer wieder in Island (5x) und fanden die freien Übernachtungen jedes mal als großes Highlight. Das absolute war Tauchen im Thinvelliersee. Sicht ohne Ende und Spiegelungen vom Feinsten. Einfach super. Tja und nun lesen wir mit Freude Euren Reisebericht von Island und freuen uns über die Plätze wo wir schon waren und Ihr Euch nun sattseht. Genießt es und viele Grüße die zwei Schwaben aus Stuttgart.

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