Three Pairs Of Underwear

Von Wind und Wärmepads

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-GoesNorth
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Ganz selten beneiden wir die Menschen, die mit einem Auto hier herum fahren. Eigentlich auch nur dann, wenn grosse Distanzen bei ungemütlicher Witterung in nicht sehr spektakulärer Umgebung zurückzulegen sind - also genau jetzt! Man könnte nämlich von den Westfjorden mit einer Fähre direkt auf die Enklave Snaefelsnes übersetzten. Leider ist es aber so, dass diese Fähre seit dieser Woche an einer anderen Stelle von Island dringender gebraucht wird. So bleibt uns leider nichts anderes übrig, als den Weg aussen herum eigenhändig unter unsere zwei Räder zu nehmen.

Als wir starten sagt Tom noch zu mir:"Heute wird es kalt, du wirst noch an meine Worte denken..." Wenn ich gewusst hätte wie recht er hat. Ok, wir starten ausnahmsweise mal recht früh, da kann man ja leichtfertig die Schuld für die Kälte an die Morgenstunden geben und sich darin bestätigt fühlen, dass Ausschlafen etwas gutes hat. Aaaber leider wird es auch zu vorangeschrittener Zeit nicht wärmer, nein der Wind frischt noch dazu auf. Kaum erreichen wir die Küste, weht uns eine Steife Briese - nein, leider nicht nur entgegen - sondern fies von der Seite an.

Einige Minifjorde müssen wir umrunden, der Weg erscheint uns schon jetzt endlos. Ein geschotterter Pass verspricht Abwechslung. Tatsächlich lassen sich ein paar tolle Ausblicke erhaschen aber selbst hier lässt der Wind nicht nach und ich hab genug damit zu tun, die Transalp auf der Strecke zu halten. Eine Böe pustet mir auf dem losen Untergrund fast die Räder weg, ich muss auf Null herunterbremsen, um nicht von der Piste geweht zu werden. Ich weiss nicht, ob es besser ist schneller oder langsamer zu fahren. Für mich scheint langsam sicherer und so kämpfen mein Töff und ich mit Tempo 40 gegen die Natur.

Ausnahmsweise sind wir froh, eine etwas grössere Asphaltstrasse zu erreichen, denn hier gibt es viele Tankstellen, die wir fast alle für einen kurzen Aufwärmstopp in Anspruch nehmen (die haben sogar "all you can eat"-Suppe). So langsam vergeht uns beiden die Lust auf den Kampf gegen Wind und Kälte. Da fallen uns als letzte Rettung unsere HeatPax ein. Jeweils unter die Socken geklebt und in der Fleaceweste (nur 2) verteilt gehts weiter. Die Füsse werden warm, auch die Jacke versprüht nun eine angenehme Wärme und die Stimmung hebt sich wieder. Eine Hinweistafel bestätigt uns später, dass wir nicht ohne Grund fröstelten: Es sind 0 Grad und das Lüftchen schafft 15 Meter pro Sekunde (gut 50 Km/h).


Hüpfen hält warm...

Wir sind zwar Luftlinie nur 100 Kilometer von Reykjavik entfernt, aber in den Süden Islands gehts noch nicht. Ein bisschen was vom Hochland wollen wir ja auch noch sehen. Wenigstens scheint am nächsten Morgen die Sonne und die Temperaturen sind wieder etwas über Null Grad geklettert.
Unser Highlight dieses Tages ist definitiv eine holperige Strecke auf Snaefelsnes. Sie führt durch ein riesieges erkaltetes Lavafeld. Erstens macht es riesig Spass, den Töff durch die ruppige, unebene Piste zu manövrieren. Zweitens ist es beeindruckend durch die skurilen Formationen hindurchzusteuern, welche die Lava auf ihrem Weg gebildet hat. Wenn man die Höhe der "Lavamauern" von 5 Metern und mehr betrachtet, bin ich froh, nicht hier gewesen zu sein, als das Zeug noch flüssig war.


Lava mit Herz

Um möglichst schnell in den Norden zu kommen, nehmen wir wohl oder übel einen Tag hauptsächlich auf der Ringstrasse in Kauf und erreichen so am Abend den Ort Blöndous, von dem aus man schon fast auf der Hochlandroute F35 ist. Was uns etwas zu Denken gibt, ist nur, dass uns bei der Anfahrt hier her ein Panorama von schneebedeckten Bergen begrüsst.

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Gast Sonntag, 20 Oktober 2019
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