Three Pairs Of Underwear

Wenn es auf der Sonne windet

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-GoesNorth
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Erst recht spät finden wir uns in einer kleinen Stadt (Vielleicht 300 Einwohner) ein. Eine Wiese neben dem örtlichen Schwimmbad ist zum campen freigegeben und liegt sogar windstill. Wir sind zu faul zum Kochen und suchen nach einem Restaurant. Dieses finden wir in einem geschichtsträchtigen, alten Haus. Auf der Karte stehen nur lokale Spezialitäten. Als wir die Bedienung nach ihrer Empfehlung fragen, schiesst es aus ihr heraus: "The Minky Wale ist very good" (D = Der Minky Wal ist sehr gut).

Da wir ja offen sind und gerne die lokale Küche testen, bestellen wir also einmal Wal und zur Sicherheit einmal Fischkartoffel-Auflauf. Für uns hört der Spass bei Wal zwar irgendwie auf. Aber um mitreden zu können, wollen wir es wenigstens probieren. Tja, wie wars? Hm? Sehr schwer zu beschreiben. Schmeckt in erster Linie mal Eingelegt und kräftig. Die Konsistens hat etwas von rohem Speck und Fisch. Hinzu kommt, dass bei jedem Kauen das Bild vom Wal vor dem inneren Auge sichtbar wird. Wir konnten es jedenfalls nicht aufessen und würden es auch kein zweites Mal bestellen.



An dieser Stelle wird es mal wieder Zeit, über Zwischenmenschliche Begegnungen zu schreiben. Über den Isländer an sich haben wir ja schon mal berichtet, dass sie uns quasi kaum wahrnehmen. (Dazu gleich mehr) Daher staunen wir, als wir im Restaurant sitzen über zwei Herren, die sehr interressiert unsere geparkten Töffs ansehen. Sie gehen nah herran und einer fummelt sogar auf Höhe des Nummernschildes herum. Wie ein Schalter der sich im Kopf umlegt, sind wir in Alarmbereitschaft, alle Sinne geschärft - Bereit zur Verteidigung - beobachten wir genauestens jede Handbewegung. Dann kommt der Ältere der beiden zur Restaurant-Tür herein gestolpert. Wir sagen Hi. Er brüllt in ziemlicher Lautstärke in den sonst leeren Raum: "Wo kommt ihr denn her?" Wir antworten ruhig: "Aus der Schweiz, und du?" Er ruft mit stolz geschwellter Brust aus: "Ha, hab ich doch gewusst, hab ich am Kennzeichen erkannt." Dann fügt er wie beim Rapport hinzu: "ANGELURLAUB!" und nach einer kurzen Pause: "BERLIN!" Sagts und verschwindet ohne ein weiteres Wort aus der Tür. Wir bleiben staunend zurück.


Nach dem das Schweizer Kreuz geputzt ist hat`s auch der Berliner erkannt - Angelurlaub, jawohl...

Eine ganz andere Begegnung haben wir am nächsten Morgen. Ich sitze vor dem Zelt, Tom packt grad im Zelt zusammen. Auf beiden Seiten daneben stehen die Töffs.
Die Schulglocke ertöhnt und eine (kleine) Horde von Kindern so um die 10 Jahre, bewaffnet mit 3 Handsägen stürmt auf den Zeltplatz. Ein Busch wird sofort angesprungen und seine Äste mit den Sägen bearbeitet. Die Lehrerin folgt und ruft etwas, die Kinder lassen von dem Busch ab. Dann kommen sie in unsere Richtung laufen zwischen Zelt und Töff hindurch, als bemerken sie uns garnicht. Wie im Film, bei einer Reise in die Vergangenheit, wo man mitten im Geschehen ist, aber die Menschen in der Vergangenheit einen nicht sehen können. Ich glaub ich hätte mich nicht gewundert, wenn eins der Kinder mitten durch ein Töff hindurchgelaufen wäre. Die Kids stürzen sich nun mit der Lehrerin auf die Sträucher hinter uns und ströhmen wenig später mit ein paar Ästen im Gepäck wieder in ihr Klassenzimmer. Soviel zur Isländischen Mentalität.

Wir packen zusammen und folgen wieder der Küstenstrasse, entlang der Fjorde. Zwar scheint stellenweise die Sonne, aber als sich am Strassenrand einige HotPots anbieten, können wir nicht wiederstehen, die Gelegenheit zum Aufwärmen zu nutzen.


Schön warm und mit Meerblick

Wir wissen noch nicht genau, wie weit wir heute fahren wollen und lassen uns am späten Nachmittag von einem Tip leiten. Von Pingeyri aus führt um den Fjord eine sehenswerte Strecke, die aber nur mit Geländewagen befahrbar ist. Wir wagen es und werden nicht enttäuscht. Meistens steil an der Felskante entlang führt die Strecke mal steil Bergauf mal gradewegs Bergab. Über grobes Gestein gehts teils vorbei an hügleligen Wiesen, dann wieder durch erkaltete Lava. Nach gut einem Drittel entscheiden wir uns aber zum Umdrehen, da später auf der Strecke noch ein paar Flüsse durchquert werden müssten und die Zeit schon jetzt recht vorangeschritten ist.



Über den Hrafnseyrarheidi Pass erreichen wir die andere Seite des Fjords. Ohne wirkliches Tagesziel folgen wir der Strecke bis zum Dynjandi Wasserfall. Dort steht bereits ein Minivan und wir entscheiden uns auch dort auf der Wiese zu übernachten. Der Van gehört einem Spanier. Gemeinsam öffnen wir eine von seinen Weinflaschen und geniessen den Sonnenuntergang. Bei interessanten, lustigen und auch ernsten Gesprächsthemen fliesst ein perfekter Abend dahin. Bis spät in die Nacht quatschen und lachen wir. Als Tom plötzlich fragt: "was ist denn dass?" und dabei nach oben schaut. "Polarlichter" Tatsächlich, genau dort, wo die Wolkendecke eine Lücke glassen hat, leuchten die Sterne und grünliche Lichtschleier ziehen über den Himmel. Wir staunen, versuchen zu Fotografieren und geniessen.
Wie könnte ein Tag besser zu Ende gehen?

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Kommentare

  • Gast
    Jan-Philipp Montag, 12 September 2011

    Polaris

    Hey ihr beiden Ganoven :D
    Wie es aussieht habt ihr ja schon wieder sehr viel gesehen mit euren Mopeds, sehr cool!
    Mit euren Geschichten im Hinterkopf muss ich wohl auch mal so ein Offroad-Kurs-Training machen, klingt lustig :)

    Nun war ich schon 2 Mal über dem Polarkreis und habe leider noch keine Polarlichter gesehen, dafür aber 2 Wochen durchgehende Sonne... aber was noch nicht ist, das wird noch ;)

    Wünsch euch noch sehr viel Spaß, entspannt und genießt die Natur. Aber nicht zu lange, eure Motorräder wartet schon auf euch...!

  • Gast
    Andrea Montag, 12 September 2011

    Eindrücklich!

    Liebe Nina und Tom
    Einmal mehr gelingt es euch, uns daheim-gebliebenen an euren Erlebnissen teilhaben zu lassen. Herzlichen Dank!
    Ich wünsche euch noch eine gute, schöne und spannende Zeit voller Erlebnisse und Begegnungen.
    Liebe Grüsse
    Andrea

  • Gast
    Eric Pellis Mittwoch, 14 September 2011

    Stay Warm with Heat Pax?

    Hi Nina & Tom,

    Hope your journey is going well!

    Did you already test / use the Heat Pax & ThermaFur vests?

    All the best,

    Eric Pellis

  • Nina
    Nina Freitag, 30 September 2011

    RE:Stay Warm with Heat Pax?

    Hey Eric
    Thanks for asking...
    Oh yes we did! They are great! Convinced us to stay in a good mood so many times :-)
    especially my always cold feet´s are so happy.
    Regards Nina & Tom

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