Three Pairs Of Underwear

Ein ausgewachsener Muskelkater ist kein Schmusekätzchen

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-GoesNorth
  • Schriftgröße: Größer Kleiner
  • Aufrufe: 4543
  • 2 Kommentare
  • Drucken

Hui, so langsam kann ich meine Finger wieder bewegen. Es schmerzt nur noch ein wenig, das Notebook von einer Seite der Wohnung auf die Andere zu tragen. Das Ding ist viel zu schwer, vielleicht sollte ich besser unser neues Reise-net-book nutzen, das ist schön klein und leicht.
Ich weiß nicht, ob ihr diesen fiesen Muskelkater kennt. Den, der einen plagt, wenn man das erste Mal auf dem Snowboard gestanden hat. Oder besser gesagt, nach dem man mehrere Stunden versucht hat, mit dem Brett unter den Füßen aufzustehen. Die Arme schmerzen, die Schultern schmerzen, die Rippen schmerzen, die Beine sowieso, lachen schmerzt, husten schmerzt, eben sogar bis in die Fingerspitzen spürt man es. Genau so fühle ich mich seit dem letzen Wochenende. Ich glaube, Tom geht es auch nicht wirklich besser.

Ja, wer auf eine Reise mit dem Motorrad geht und dabei die geteerten Wege verlassen will, sollte sich vorher einen Offroad-Kurs antun. Auch wenn ich der Meinung war, dass es schon irgendwie gehen wird, bestand Tom darauf. Und ich glaube, das war gut so.

Bei meiner Suche nach dem passenden Anbieter wurde mir immer wieder der "Enduropark-Hechlingen" empfohlen. Dort kam für mich allerdings nur ein Eintagestraining aus ihrem Angebot in Frage, man war so unfreundlich und arrogant am Telefon und teuer sind sie auch. So hab ich mich recht schnell dagegen entschieden. Bei „dirt4fun“ wurde ich freundlich beraten und fühlte mich sofort gut aufgehoben. Also buchten wir dort ein Einsteigertraining für mich und ein Aufbautraining für Tom, je zwei Tage mit Leihmotorrad.

Letztes Wochenende war es also soweit. Das Training findet in Warching bei Monheim in Deutschland statt. Wir haben den Termin ziemlich gut (naja...) gewählt, denn genau an diesem Wochenende ist auch Ferienbeginn – in gefühlt, ganz Europa. Das Radio meldet einen Stau nach dem Anderen und Wartezeiten an verschiedenen Grenzen von 1-2 Stunden. Cleverer weise fahren wir in Basel über die Grenzen, was reibungslos mit ein wenig stop-and-go von Statten geht. Danach wird es zwar, dank der nicht vorhandenen Geschwindigkeitsbegrenzung in Deutschland, etwas hecktisch aber wir kommen gut durch und erreichen, mitten in der Nacht, unser Hotel in Monheim. Ein verschlafener kleiner Ort, der durchaus mit dem Charme der Schweiz mithalten kann. :-) Wir haben Glück, denn unser Wirt ist nicht ganz so verschlafen und öffnet uns netterweise kurz vor der Geisterstunde noch die Tür.

Die Ruhe vor dem Sturm...

Wie immer, wenn ich etwas aufgeregt bin, bekomme ich zum Frühstück nicht viel herunter. Ich frage mich, was uns heute erwarten wird. Eine halbe Stunde vor der angegebenen Zeit sind wir an der Motocross-Strecke, genau wie einige der anderen Teilnehmer. Ich habe ein wenig bammel, ob meine „normale“ Motorradbekleidung plus dem Rückenprotektor ausreicht, angesichts der vielen Protektoren und Crossstiefel die ich bei den Anderen entdecke. Aber viel Zeit zum Zweifeln bleibt mir nicht. Wenig später finde ich mich auf einer leichten 250er Honda-Crossmaschine wieder und fahre etwas wackelig mit den Anderen über den Schotterweg zu unserer Übungswiese. Ich hätte diese Fahrt genießen sollen. Denn ab jetzt ist Schluss mit Sitzen. Ab sofort dürfen wir nur noch im Stehen fahren. Die Haltung ist etwas komisch. Der Oberkörper ist weit nach vor gebeugt, anders als vom Mountainbiken gewohnt, soll ich die Beine möglichst gestreckt halten. Immer wieder lasse ich abrupt das Gas nach, was mich jeweils unsanft nach vorne kippen lässt. Mit den Knien versuche ich den Tank einzuklemmen um etwas Halt zu finden, gebe wieder mehr Gas und muss mich am Lenker nach vorne ziehen. Schon nach wenigen Minuten merke ich die Rückenmuskulatur und meine Beine fangen an zu zittern. Aber wer wird denn ans Aufgeben denken? Irgendwann hab ich es einigermaßen raus und kann mich mittig über dem Lenker einpendeln. Wir lernen die Technik, das Motorrad auf losem Untergrund sicher zu lenken, machen Bremsübungen und fahren schließlich durch den ersten Singletrailparcours. Am Morgen hätte ich nicht gedacht, dass ich dazu so schnell in der Lage bin. Am Mittag fahren wir stehend und locker über den Schotter zum Grill.

Am Abend dieses ersten Tages macht sich der Muskelkater schon reichlich bemerkbar und wir freuen uns alle auf eine heiße Dusche. Ob wir uns am nächsten Tag überhaupt noch bewegen können?
Leider ist es für eine laue Sommernacht mitten im Juli ein wenig kühl. Eisern sitzen wir aber noch bis spät abends im Biergarten unseres Hotels. In Decken gehüllt unter dem Heizpilz hat der Ein- oder Andere sogar einen dampfenden Glühwein vor sich stehen.

Über das Wetter wollen wir aber überhaupt nicht meckern. Es ist an beiden Tagen bedeckt, bei Temperaturen um 16 bis 20 Grad und trocken. Kaum zu glauben, wir geraten nämlich auch so schon bei den Übungen ganz schön ins Schwitzen. Nicht auszudenken, wenn wir uns das Ganze bei 30 Grad und unerbittlichem Sonnenschein antun müssten. Zudem ist das gesamte Übungsgelände bis auf ein paar Pfützen, nur noch leicht feucht. So hält sich die Schlammschlacht in Grenzen und von Staub ist nur wenig zu sehen - Ideale Bedingungen also.


Mit voller Konzentration durch den Matsch

Am zweiten Tag kommen wir erstaunlich leicht auf die Töffe. Ich habe sogar langsam eine Position gefunden, die ganz komfortabel ist. Wir wiederholen noch ein paar Übungen, ein paar neue Dinge kommen hinzu und später vergnügen wir uns auf dem Gelände. Wir fahren steile Hügel rauf und wieder runter, durch schmale, mit Ästen übersäte Waldwege, durch Kies und Sand, über Singletrails und die Meisten am Schluss sogar die gesamte Crossstrecke.

Der fliegende Tom hatte Spaß

Was am Endes dieses Wochenendes bleibt, ist viel, heftiger Muskelkater, ein paar blaue Flecken, die Erkenntnis, dass es mit einem kleinen Motorrad nicht unbedingt so viel einfacher ist, aber auch das gute Gefühl, für Island nun besser vorbereitet zu sein.

Bewerte diesen Beitrag:
0
Markiert in: Germany Switzerland

Kommentare

  • Gast
    Mel Donnerstag, 28 Juli 2011

    Fein, fein!

    Hi, ihr zwei!
    Die Isländer sollen zu den zufriedensten Menschen auf der Welt zählen!
    Jetzt seid ihr schon ganz gut vorbereitet, herauszufinden warum.
    Beste Grüße von der Mel

  • Gast
    Daniel Montag, 22 August 2011

    Eure Reise

    ich bin gespannt auf eure Reiseberichte

Kommentar hinterlassen

Gast Freitag, 22 März 2019
Aktuelle Seite: Home Nina Ein ausgewachsener Muskelkater ist kein Schmusekätzchen