Three Pairs Of Underwear

Da schreiben sie wieder

Veröffentlicht von am in Blog_TPOU-GoesNorth
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So, nun wird es langsam Zeit wieder mit dem Schreiben zu beginnen. Ich starte mal mit einem kurzen Rückblick auf das, was bisher geschah. In der Hoffnung, dass es den Ein oder Anderen interessiert, wie sich unser Leben nach Abschluss der Reise entwickelt hat.

Bei der Suche nach einer neuen Bleibe kam uns ein bisschen der Zufall zu Hilfe. Wir hatten uns gerade ein wenig im Sträßchen-Wirrwarr der Mini-Ortschaften verirrt, als ein großes weißes Schild mitten auf einem Acker uns den Weg wies. „Wohnung zu vermieten“
Nach kurzer Besichtigung war alles klar – wir wagen den Schritt raus aus dem Zelt, rein in ein Haus mit festem Dach.
Irgendjemand hat mal vor langer Zeit zu mir gesagt, wenn du nicht fleißig in der Schule bist, landest du mal auf der Straße. Nun, ja. Wir sind im Graben gelandet. Nein, nicht das was ihr jetzt vielleicht denkt. Die Gemeinde Graben, hat nun dank unserer Einwanderung 307 Einwohner und dank mir einen um 0,5 % höheren Ausländeranteil als vorher.

Herrjeh, der Zügeltag (D = Umzugstag) war vielleicht spannend. Tom hatte seine ganze Habe in einem Container gelagert, den es jetzt wieder auszupacken galt. Fragen über Fragen stellten wir uns:
Ist das Sofa nun drin oder wurde es doch vor Abreise verschenkt, brauchen wir wirklich sooooo viele Gläser, wer kocht mit soooo vielen Töpfen, wofür sind nochmal Schränke, haben wir eigentlich nen Staubsauger…? Aber auch Überraschungen folgten: ups, da ist ja der Rest vom Sturmgewehr (ja, jeder Schweizer Mann besitzt so etwas – nicht das Tom jetzt in der Vorstellung einzelner Personen vom Heiratsschwindler zum Amokläufer aufsteigt). Oder die Erkenntnis, dass in einen fünfzehnfuß-Container ziemlich was rein passt.

Als wir meine Sachen dann aus Deutschland geholt hatten, fiel Tom nur eine Frage ein: „Wer braucht eigentlich so viele Klamotten?“ Naja, ehrlich gesagt ich wusste das anfangs auch nicht. Aber jetzt, nach fast einem Jahr, zurück könnte ich doch langsam mal wieder shoppen gehen…

Unser Heim ist natürlich immer in Reichweite, falls uns das Heimweh überkommt... oder war es Fernweh?


Inzwischen haben wir uns recht gut (wieder) eingelebt. Ich kann jetzt sogar mit ruhigem Gewissen behaupten, dass ich Schweizerdeutsch verstehe. Das geht sogar soweit, dass ich manchmal Schweizer Ausdrücke im Kopf habe, die ich dann vor dem Aussprechen auf Hochdeutsch übersetzen muss. Also liebe Mitmenschen in der Schweiz, tut euch keinen Zwang an. Numeno Schwizerdütsch rede …oder schwätze oder schnurre… auch wenn ich ein bisschen komisch (hochdeutsch) antworte - wie der kleine Andri vor ein paar Tagen sagte.

Mit weiterem Alltagskram möchte ich nun auch nicht länger langweilen. Kommen wir also zu einem aktuelleren Thema.

Die Sache mit dem Führerschein (CH = Führerausweis).
Schnellstmöglich beantragte ich noch letztes Jahr den Lernfahrausweis für große Töff. Noch im Herbst quälte ich mich schlotternd auf einer betagten, lila Honda Transalp zu den drei Grundschulungsterminen. Nein, nicht schlotternd vor Angst, sondern weil ich kein Innenfutter für Jacke oder Hose hatte – brrrr kaaalt. In der Schweiz ist das mit dem Fahrstunden beim Töff so: Mit dem großen blauen hinten dran darf man nach absolvierter Grundschulung ein Jahr lang selbständig (innerhalb der Schweiz) fahren. Im April tauschte ich die geliehene Transalp gegen unsere Kawasaki Zephir. Die hat nämlich genug Power um die A-Unbeschränkt-Prüfung damit abzulegen. Ja und dann fuhr ich (mehr oder weniger) fleißig.

Ständig lag mir Tom in den Ohren, dass ich mich mal um einen Termin für die Prüfung kümmern sollte, damit noch Zeit für einen zweiten Termin bleibt, falls es nicht auf Anhieb klappen sollte. Aber ich dachte mir, ich hab ja noch so viel Zeit. Naja, vor ein paar Wochen öffnete mir dann mein Fahrlehrer bei einer Fahrstunde die Augen. Ich könnte bis zu Acht (!) Wochen auf einen Prüfungstermin warten. Uijuijui, da wurde mir aber etwas mulmig, denn im August soll es ja nach Island gehen und es war bereits Ende Mai.
Postwendend steuerte ich also nach der Stunde zum Verkehrsprüfzentrum (D = Straßenverkehrsamt) meines Vertrauens, in Bützberg und fragte ehrfürchtig nach einem Termin. Glück gehabt ich musste nur dreieinhalb Wochen warten. Oder Pech? Das ist ja schon gleich. Egal, irgendwann muss es ja sein. Ich nahm mir jedenfalls vor, niemandem von dem Termin zu erzählen. Gar nicht so einfach, denn meine Aufregung stieg jeden Tag mehr. Knapp eine Woche vor dem Termin fand Tom es dann doch heraus und irgendwie war ich ein bisschen erleichtert, denn nun unterstütze er mich moralisch. :-)
Einen Tag vor der Prüfung war ich zu nichts mehr im Stande. Ich tigerte den ganzen Tag durch die Wohnung und versuchte mir Sicherheit durch lösen von Prüfungsbögen im Internet zu holen. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, das einzige was half war Töff fahren.

Am nächsten Morgen um kurz nach Acht stand ich am Prüfzentrum. Mir war schlecht vor Aufregung und meine Hände zitterten, waren eiskalt und nass. Zum Glück war der andere Prüfling etwas älter als ich und extrem nett. Das beruhigte ein wenig.
Nach insgesamt 40 Minuten war die Prüfungsfahrt zu Ende und wir saßen wieder beim Prüfer im Büro. Der fragte mit versteinerter Mine: „Und, was glauben Sie selbst, wie es gelaufen ist?“ Die Spannung war unerträglich. Dann fuhr er lächelnd fort: „Ich mach es kurz. Beide bestanden.“


Eindeutig... oder?

Yiiiiipeeeee! Ich habs geschafft! Island ich komme und zwar selbst gefahren, auf zwei Rädern einer neuen Transalp!
Nach Zehn langen Tagen des Wartens war dann endlich mein neuer Führerschein im Briefkasten. Glauben kann ich es noch immer nicht ganz…

Aber wer nun glaubt jetzt kehrt Ruhe ein, täuscht sich. Die nur noch fünf Wochen bis zur Hochzeit sind ziemlich vollgestopft. Aber darüber gibt’s bald mehr zu lesen.

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Kommentare

  • Gast
    Mum Samstag, 16 Juli 2011

    Ein Jahr ist schnell vorbei...

    :)Nun habt Ihr Euch gut in der Schweiz eingelebt, da geht es auch schon wieder los zu neuen Ufern. Aber erst wird geheiratet und da freuen wir uns alle drauf.Gott sei dank der erste Blog ist ist geschrieben und super toll zu lesen. Nun weiß ich was mir lange Zeit gefehlt hat und ich freue mich schon wieder von Eurer nächsten Reise auf 4 Rädern lesen zu dürfen:)

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Gast Freitag, 22 März 2019
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