Three Pairs Of Underwear

Erstes Hallo aus dem Oman

Veröffentlicht von am in Blog_Tomsride
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Einen Monat ist es nun her, seit ich mit der GS guten Mutes in Khasab (Musandam, Nord-Oman) eingefahren bin. Nun bin ich noch immer hier – und man kann es glauben oder nicht – werde voraussichtlich noch ein Weilchen hier bleiben. Wie in einem der letzten Einträge beschrieben habe ich mich vor ein paar Monaten entschlossen, über die Wintermonate eine Stelle als „Divemaster-Trainee“, respektive anschliessend dann als Divemaster anzunehmen. Für die ursprünglich geplante Weiterfahrt in Richtung Ost-Sibiren hätte es nicht mehr gereicht vor Wintereinbruch, ausserdem wurde mir die politische Situation damals in Afghanistan zu heiss. Ein Entscheid, den ich bisher kaum bereute.

Klar, es ist wieder eine enorme Umstellung, am Morgen durch einen Wecker geweckt zu werden – statt durch die brütende Sonne komplett verschwitzt im Zelt aufzuwachen, sich unter die Douche im eigenen Badezimmer zu stellen – statt mit den mitgeführten Wasserflaschen und einem Lappen das Gesicht zu spülen, in kurze Hosen und T-Shirt zu schlüpfen – statt in die schützenden, dafür aber schweren und meist noch feuchten Motorradkleider zu steigen, Cornflakes und kühle Milch aus dem Kühlschrank zu frühstücken – statt ab und zu ein Müesli mit Milchpulver im Alutrinkbecher mitten in der Wüste zu schnappen, das Notebook zusammen zu klappen – statt das gesamte Hab und Gut auf dem Motorrad festzuzurren, ins Auto zu steigen und die Klimaanlage auf voller Stufe zu surren zu lassen – statt im Fahrtwind auf eine kühle Brise zu hoffen, dann im Tauchcenter die Ausrüstung beriet zu stellen, zum Boot zu fahren und nach rund 40 Minuten in einem Schnellboot mit 300PS entlang der zerklüfteten Küste Musandams ins kühlende Nass zu springen – statt unterwegs die nächste Destination auf der Karte im Tankrucksack  auszumachen, den Gästen die wunderschöne Unterwasserwelt Omans während den täglichen zwei bis drer Tauchgängen zu zeigen – statt zu versuchen die Sehenswürdigkeiten der Umgebung unterwegs auszumachen und abzuklappern, nach der Rückkehr das bestellte Essen vom Lieferservice entgegen zu nehmen und draussen am Schatten zu geniessen – statt irgendwo bei einer Tankstelle in der Pampa einen Müsliriegen runterzuwürgen, sich Abends ins gekühlte Zimmer zurückzuziehen, statt verzweifelt zu versuchen einen einsamen Platz fürs Zelt zu finden und das Zelt aufzustellen, mit den Gästen in ein gemütliches Lokal zum Abendessen zu setzen und allenfalls eine Shisha zu rauchen – statt während eines wütenden Sandsturms draussen Pasta mit Dosentuna auf dem Benzinkocher zuzubereiten, sich schlussendlich auf einer weichen Matratze bei angenehmen 23° schlafen zu legen – statt sich im Zelt bei heissen 35° auf einer dünnen, dafür aber leichten Unterlage hinzulegen. Spass beiseite, obwohl ich es hier nun geniesse neue Erfahrungen zu sammeln, vermisse ich ehrlich gesagt das Reisen auf meiner GS schon auch ein Wenig. Es gibt aber auch Zeit die Millionen von Endrücken der vergangenen sechs Monaten irgendwie gedanklich zu ordnen, sich Gedanken über zu Zukunft zu machen, wie auch sich mit der Vergangenheit wieder auseinanderzusetzen – wer weiss, vielleicht auch teilweise abzuschliessen. Quasi eine Aus-Zeit der Reise-Aus-Zeit…

Knapp sechs Monate dauerte nun also die erste Etappe meiner bisherigen Odyssee durch und um die Welt. Vom Heimatland – der Schweiz, durch Westeuropa, dann nach Nordafrika, teils durch die Sahara immer weiter östlich, kreuz und quer durch fast alle Länder des mittleren Ostens, weiter durch Südasien bis an die Grenze zu China, über die höchsten Strassen der Erde über den Himalaya und wieder zurück über Persien nach Oman. Knapp 50´000km – ohne echte technische Probleme am Motorrad– rund 100 Übernachtungen draussen in der freien Natur, unzählige freundliche Menschen kennen gelernt, knapp 6´000 Fotos geschossen, etwa 15h Videomaterial aufgenommen, massenhafte tolle (und ein paar einzelne weniger tolle) Erfahrungen gemacht, Temperaturen von -5° bis 55° überstanden, 23 Grenzen passiert, 18 Länder erkundet, und und und… Einiges wurde bereits im Blog in den vorgängigen Einträgen veröffentlicht – jedoch wurde noch lange nicht über alles Erlebte berichtet. Sicherlich werde ich noch Teile aufarbeiten und für den Blog zusammenstellen – doch alles mit seiner Zeit.

Lasst mich jetzt doch erklären, was ich hier im Oman nun so treibe: Ich arbeite als Divemaster in einem kleinen Tauchcenter in Khasab, einer Niederlassung der Extra Divers – einer deutschen Tauchcenterkette mit Niederlassungen weltweit. Nun Halt, der Tom der taucht? – fragen sich nun sicherlich einige… Ja, vor knapp 11 Jahren machte ich das Padi Open Water Zertifikat in den USA – dann noch ein paar Tauchgänge in den Malediven rund ein Jahr später. So direkt kann ich also nicht als Divemaster tätig sein – es braucht noch einige Ausbildungen und vor allem Erfahrung dazu. Daran bin ich jetzt. Habe in den letzten vier Wochen das Advanced Open Water Diver Zertifikat, sowie den Rettungstaucher erfolgreich
abgeschlossen. Wenn immer möglich gehe ich mit ins Wasser, was mir bis zu drei Tauchgänge täglich bringt – und somit auch die nötige Erfahrung um dann zukünftig Tauchgänge alleine zu führen.

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Etwas, dass man fast auf jedem Tauchgang zu Gesicht kriegt, nebst vielem Anderem. Danke an Karin & Pieter aus Holland für dieses Foto!

Bestimmt wird sich einer der nächsten Berichte ausschliesslich dem Tauchen widmen, brauche aber dazu noch eigene Bilder, respektive eine Unterwasserkamera.

Oft blieb ich aber auch im Büro, um die anfallenden Arbeiten da zu erledigen, Reservationen und Buchungen entgegenzunehmen, Ausrüstungen zu verleihen, Emails und Telefon zu beantworten, etc. Wie es halt so geht in einem kleinen Tauchteam…

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Tom im Office

Nebst dem Basis-Manager – einem Belgier, war bis vor ein paar Tagen auch eine Schweizer Tauch-Instruktorin hier tätig. Nun ist sie aber im Urlaub und kehrt anschliessend direkt nach Salalah in den Süden Omans, um da für die Wintermonate das Tauchcenter zu führen. Daneben arbeiten auch ein Boots-Kapitän (Omani), ein Fahrer (Omani), Einer fürs offizielle Administrative (Omani), sowie eine Reinigungskraft (Inder) im Center. Je kleiner das Team, desto vielseitiger sind die Aufgaben – was mir natürlich sehr liegt und gefällt. Im Moment lerne ich in jeder freien Minuten an der Theorie des nächsten Zertifikats – dem PADI Divemaster – wie auch an den praktischen Übungen im Wasser dafür. Wenn alles klappt, hoffe ich bereits in sechs Wochen abzuschliessen. Anschliessend kann ich also selbständig Tauchgruppen führen, Intro- und Checkdives durchführen, sowie bei Tauchausbildungen dem Instructor assistieren. Wer weiss, eventuell werde ich dann auch den Open Water Instructor anhängen. Mal abwarten was die Zukunft so alles bringt hier.
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Bei einer Pause zwischen den Tauchgängen an einer einsamen Bucht… Einfach toll, nicht?

Apropos Zukunft – keine Angst – ich gehe heute davon aus, im Frühjahr den nächsten Jahres die Reise per Motorrad fortzusetzen in Richtung Sibirien. Aber bis dann vergeht ja noch ein Weilchen und ich bin offen für alles Kommende...

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Keine Angst, mir geht es gut – und ging es auch gut in den letzten Wochen ohne Update auf der Webseite. Entgegen meinen Annahmen im Vorfeld der Ankunft im Oman, gibt es hier fast kein Internet. Ja – man mag es kaum glauben, es gibt lediglich die Möglichkeit per analog Dialup ins Internet zu verbinden – und dass auch nur wenn die Sterne gut stehen. Oft ist gar keine Verbindung möglich. Die Möglichkeit für eine Breitband-Verbindung wird zwar dem Dive Center Staff von der Telefongesellschaft seit knapp einem Jahr versprochen, passiert ist jedoch noch nichts. Auch heute kriege ich noch die gewohnte Antwort vom Monopolist Omantel: „Maybe in two month or so…“.
Wird also nichts mit den geplanten Umbauten der Webseite von hier aus. Werde aber versuchen Stück für Stück langsam zu aktualisieren und auszubauen. Nur Geduld.
Wie bereits erwähnt bin ich nebst der Arbeit noch am Lernen für den Divemaster Abschluss (Die die mich kennen, werden nun wohl lachen… Tom und lernen?!? Na ja, einmal muss man ja damit beginnen ).

Und noch was, mein Notebook läuft wieder! Vor zwei Tagen wurde die letzte Pendenz von Seite SONY in Dubai behoben. Nebst einem neuen Mainboard, musste auch gleich der Akku, das DVD-Drive, wie auch die Tastatur gewechselt werden. Ganze vier Monate kämpfte ich mit dem Hersteller für die Reparatur. Nach dem ersten Mail an Sony im April wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass entgegen der Aussage des Verkäufers die mitverkaufte Garantie nicht weltweit gültig sei. Rund 10 Mails und einem eingeschrieben Brief später bot mir SONY Schweiz dann an, eine Garantieerweiterung weltweit für 86 CHF zu erwerben. Beim Kauf dessen über die Webseite von Sony wurde mir der Betrag gleich doppelt von der Kreditkarte abgezogen. Wieder brauchte es knapp 5 Mails, bis der Fehler von SONY eingesehen wurde. Die Reparatur war also nun für Dubai vorgesehen und es wurde versprochen es sei da alles bereit. Bei meiner Ankunft in Dubai wusste das Service Center aber von nichts und musste zuerst die Garantie mit Sony Europa abklären. Nach 12 Tagen kam ich zurück und konnte mein unrepariertes Notebook abholen – die Garantieerweiterung konnte nicht verifiziert werden. Also nochmals rund 15 Mails, bis es SONY klar wurde, dass ich ja die Garantieerweiterung doch bereits erworben habe. Also der nächste Reparaturversuch nun in Indien, dem nächsten Service Center auf meiner Route. In Cochin wieder dieselbe Geschichte, keiner wusste was und Teile waren für mein Modell eh nicht in Indien aufzutreiben. Also wieder hin und her mit SONY Europa, damit es in Chenin endlich repariert werden könnte. Die versprochene Abholung des Gerätes klappte während drei Tagen nicht. Also habe ich das Gerät einen Tag vor Abreise aus Chenin selbst vorbeigebracht. Wie man sich Zwischenzeitlich vorstellen kann, klappte auch dies nicht. Das Gerät war Tags darauf noch immer unrepariert. Kurz vor meiner Aufgabe ermunterte mich SONY Europa nochmals, das Gerät in Dubai vorbeizubringen, also wieder knapp 5 Mails bis das geregelt war. So habe ich es vor der Ankunft nochmals im selben Center abgeliefert, wie es zuvor schon 12 Tage unberührt lag. Zwar war niemand im Service Center über meine Ankunft informiert, konnte da aber selbst via SONY Middle East SONY Europa kontaktieren, die alles kurzfristig arrangieren konnte. Noch am selben Tag wurde alles ausser der defekten Tastatur repariert. Vor zwei Tagen konnte ich nun auch diese bei SONY in Dubai reparieren lassen. Fazit: Vier Monate, knapp 45 Mails, einen eingeschriebenen Brief, rund 5 internationale Telefonate, viel Ärger später – aber um eine wichtige Erfahrung reicher (nämlich welche Marke ich in Zukunft wohl nicht so schnell wieder kaufen werde) – doch noch ein Happy End… Hoffe das Notebook hält nun ohne Probleme, sodass das Verpasste nach und nach aufgearbeitet werden kann.

 


Heute ist nun der 11. September. Für viele wohl der Tag der islamischen Terroristen in den USA – für mich und wohl auch für viele Andere aber der Tag an dem wir einen wunderbaren Menschen verloren haben. Zwei Jahre ist es nun her, als meine Freundin Barbara für alle komplett unerwartet von einer Minute auf die andere an einem Epilepsie Anfall starb. Seither hat sich viel gewandelt, nicht nur für mich. Auch im näheren Umfeld hat sich vieles verändert. Oft frage ich mich wie es wohl nun wäre, wenn Babs noch bei uns wäre. Eine Frage, auf die ich wohl nie eine Antwort kriege – was würde sie mir auch bringen, frage ich mich dann gleich danach. Ist es Schicksal und alles eh bereits vorbestimmt? Oder etwa Gotteswillen – oder der Willen Allahs oder sonst einer göttlichen Kreatur, beschrieben von Menschen? Oder ist das Leben an sich etwa reiner Zufall?
Hmmm, je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr Fragen öffnen sich. Was ist der Sinn des Lebens? Ist es Gutes zu tun? Mag ja sein, aber weshalb musste dann Babs – die nur Gutes tat – so früh von uns gehen?
Wie soll man die Ziele im Leben setzen? Steile Karriere im Job, Auto, Haus und Familie? Wie ist es dann aber mit dem „echten Leben“ und Erleben? Was kennt man als 0-8-15 Schweizer von den anderen Leben auf dieser Welt? Was sind echte Probleme – was sind Probleme die wir uns nur einreden, zwar unterbewusst, für unser Be- und Empfinden aber völlig real und echt sind?
Was ist mit dem „Danach“? Gibt es dies überhaupt – oder ist nach dem Tod einfach Schluss mit dem eigenen Bewusstsein – der so genannten Seele? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Denn es gibt Situationen in den letzten zwei Jahren, bei denen ich mir nicht vorstellen kann, diese alleine gemeistert zu haben. Ein Schutzengel war stets zur Seite – oder ist dies nur gekonnte Einbildung des menschlichen Hirns?
Je mehr Gedanken ich mir dazu mache, je mehr ich darüber philosophiere, desto weniger weiss ich. Zu diesem Schluss sind wohl andere zuvor auch schon bereits gekommen… Ich schätze es aber enorm, Zeit für solche Gedanken zu haben – auch wenn sie vorerst zu keinen direkten Antworten führen – und wohl auch nicht führen werden.
Bin heute überzeugt, dass die Entscheidung die Reise überhaupt anzutreten die Richtige war.

 

Oft werde ich unterwegs gefragt, weshalb man alles aufgeben kann und einfach losfahren.
Nun, ich kann dies nur für mich alleine beantworten:


Babs und ich haben eine ähnliche Reise bereits seit rund 5 Jahren geplant. Nach unseren berufsbegleitenden Studien wollten wir uns voraussichtlich ein Jahr Auszeit gönnen. Mit dem Motorrad um die Welt lag da auf der Hand, denn auch sie war eine begeisterte Motorradfahrerin. Quer durch Osteuropa, Ukraine, Kasachstan, Russland, dann rüber nach Alaska und runter bis ins Feuerland – dies war unsere Vision, unser Zückerchen für all den Effort mit Ausbildungen und im Beruf.
Der plötzliche Verlust meiner Freundin, mit welcher ich knapp sieben Jahre verbringen durfte, im Alter von 25 Jahren hat mein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Nichts, aber auch gar nichts war mehr so wie es war. Wie sollte es weitergehen? Die gute Arbeitsstelle die ich damals hatte, verlor irgendwie an Reiz und Sinn. Das Studium brachte damals für mich auch keine neuen positiven Perspektiven. Das Daheim, die Wohnung, das Umfeld – ja auch sonst alles identifizierte ich stets mit Babs – die nun nicht mehr da war. Klar, es ist schön immer an jemanden Tolles erinnert zu werden, doch ich kam so nicht weiter in meiner Verarbeitung des Geschehenen. So entschloss ich mich eines Tages die geplante Reise mit dem Motorrad alleine um die Welt in Angriff zu nehmen, sozusagen für uns beide. Ich gab mir ein ganzes Jahr Zeit, um das Unterfangen zu planen. Ein Jahr mag ja nach viel tönen, doch nebst dem abzuschliessenden Studium, dem Beruf und den sonstigen Verpflichtungen ist es nicht sehr viel Zeit. Es reichte aber, um alles ausreichend zu arrangieren, das Equipment zu organisieren und Informationen über die zu bereisenden Länder einzuholen. Doch über all die nötigen Vorbereitungen später dann mehr in einer eigenen Rubrik. Dass die letzten Wochen vor der Abreise hektisch werden, ist ganz normal denke ich.
Alles restliche Hab und Gut in einem Frachtcontainer verstaut, der Arbeitsstelle gekündigt und dem Motorrad gepackt ging es am 24. Februar 2007 endlich los – auch dank der unermüdlichen Hilfe von Familie, Freunden und Bekannten.


Ab auf ein neues Leben – einen neuen Anfang, ohne zu wissen wohin die Reise eigentlich schlussendlich gehen soll. Erst jetzt beginne ich zu realisieren, wie stark ich mich selbst verändert habe in den letzten 7 Monaten. Haare fast so lang, dass man sie hinten zusammenschnüren kann, der Bart so lang, dass ich oft mit „Cast away“ identifiziert werde, … Aber nicht nur äusserlich, sondern hauptsächlich haben sich auch meine eigenen Ansichten des Lebens dem Erlebten und Gesehenen angepasst. Zu realisieren, dass jede Entscheidung die man fällt, direkt auf die Route – und somit auf das eigene Leben – Einfluss hat, ist eine tolle Erfahrung. Eine Freiheit die man fühlt, wie ich sie mir zuvor nicht vorstellen konnte. Die Freiheit einfach irgendwo zu übernachten oder einfach weiterzufahren, mit anderen neuen Leuten auszuhängen oder doch alleine die Zeit zu verbringen, irgendwo in Russland den Winter zu verbringen oder doch im Oman beim Tauchen, … Jede kleinste Entscheidung hat Auswirkungen und Konsequenzen auf alles Folgende. Und ich alleine bin der, der beschliesst bei jeder Entscheidung – aber auch der der die Wirkungen daraufhin zu spüren bekommt. Wie auch immer, solange man alleine irgendwo abseits unterwegs ist, funktioniert das. Das nenne ich Freiheit – und dies zu realisieren macht mir heute auch ein Wenig Angst eventuell wieder in ein „normales Leben“ zurückzukehren. Natürlich hat man auch da seine täglichen Entscheidungen, doch vieles kann und muss man als Gegeben nehmen und einfach befolgen, die Konsequenzen wären halt zu radikal auf das „normale Leben“, respektive müssten vom Umfeld (Beruf oder Privat) getragen und ausgebügelt werden.


Auf der anderen Seite kamen mir auch viele andere Lebensweisen bei verschiedenen Kulturen zu Gesicht. Glückliches Leben in totaler Armut, Armes Leben in völligem Reichtum – um nur zwei extreme Gegensätze zu nennen. Je mehr man sich mit den verschiedenen Lebensarten und den Kulturen befasst, respektive genauer kennen lernen will, desto mehr vergleicht man mit dem eigenen Leben – wie auch die Anderen beginnen zu vergleichen. Genau da sehe ich auch das grösste Potential von Feindseligkeit und Potential zu Hass – der Grund für die meisten Konflikte heute auf der Erde. Was muss jemand denken der aus unserer Sicht in völliger Armut lebt und mich sieht mit einem „teuren“ Motorrad und all meiner Ausrüstung. Allesamt kostet das alles vermutlich mehr als er überhaupt je in seinem Leben verdienen kann. Bedingt durch seine Ausbildung kennt er natürlich die Zusammenhänge nicht, wesshalb wir so was tun und uns so was leisten können. Auch wenn er sein Leben lang schuftet, reicht es knapp aus ihn und seine Familie zu ernähren – von Reisen zu anderen Kulturen keine Rede und schon gar nicht auf einer BMW. Entweder ist man in diesen Situationen total kalt und fährt ohne sich Gedanken zu machen weiter, oder man fragt sich ob es überhaupt gerechtfertigt ist, in diese Gebiete so zu reisen… Ich muss hier erwähnen, dass mir bisher NIE irgendwo Hass oder Feindseligkeit präsentiert wurde, sondern fast ausschliesslich  das Gegenteil – vollkommene Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ohne Grenzen. Doch wie viel davon ist nur Fassade? Dennoch, oder genau deshalb mache ich mir Gedanken ob es Richtig ist so in arme Gebiete zu reisen. Was kann ich tun um ihnen zu helfen? Was berechtigt mich diese des Lebens und Erlebens, sowie der Freiheit zu haben, wo doch der grösste Teil der heutigen Bevölkerung die Möglichkeit dazu gar nicht hat? Hmmm, denke mache mir wieder mal zu viele Gedanken, nicht?

Ein anderer Aspekt, den man beim so Reisen erkennt ist der scheinbar unterschiedliche Wert des Lebens. Durch die Erfahrung, die ich vor zwei Jahren machen musste, ist für mich das Leben für uns Menschen das Wertvollste was es überhaupt gibt.
Dann fährt man durch Gebiete wie Bam in Iran, wo bei einem Erdbeben vor ein paar Jahren Zehntausende Menschen innerhalb von Minuten ums Leben kamen, oder durch die betroffenen Tsunami Gebiete in Indien, wo in einem einzigen Ort an dem Tag 15´000 Menschen starben. Die Überlebenden haben so viel verloren, dass für sie das Leben an sich so an Bedeutung verloren hat. Kein Wunder, wenn man innerhalb von Sekunden umgeben ist von unzähligen leblosen Körpern – da verliert das Individuum und somit das einzelne Leben an Bedeutung – oft auch der Wille selbst weiterzuleben, denn wo ist der Sinn und der Antrieb, wenn man gesehen hat wie schnell es gehen kann. Oder man fährt unterwegs an Unfällen, bei denen Menschen verletzt wurden. Darum duzende von Gaffern – aber keiner tut was. Wie auch - sie wissen ja nicht wie. Fährt man anschliessend weiter, fahren genau die Gaffer von vorhin wie Henker auf der Flucht, ohne Rücksicht auf irgendwelche Verluste. Hmmm, wie oft war ich da froh, dass ich Falle auf meine Rukka Kleidung zählen könnte. Bisher ist aber zum Glück noch nichts wirklich passiert – bis auf einen Zusammenstuss mit einem LKW in Indien – doch dazu später mal mehr…


Nun – denke, ich sollte nun aufhören so wild draufloszuschreiben – zuviel ist Sentimental. Doch dieser Blog ist ja nicht eine Reklame fürs Reisen alleine – man sieht nun aber, dass reisen zu zweit oder in einer Gruppe viel ausgeglichener sein kann – dafür aber andere Nachteile mit sich bringt.


Ich versuche nun fortlaufend an der Berichterstattung dran zubleiben, wie auch am weiteren Ausbau der Internetseite mit neuen Funktionen und Informationen. Daneben werde ich auch die wunderschöne Landschaft hier in Musandam weiter mit dem Motorrad erkunden. Hoffe schon bald einen kurzen Bericht über die Gegend hier zu veröffentlichen. Doch dies vorweggenommen: Es ist echt atemberaubend hier!


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Aussicht von den Bergen Musandams in Richtung Emirate – Echt coole Off-Road Pisten!


Bis dann beim nächsten Bericht!

PS: All Eure Gästebucheinträge freuen mich ausserordendlich! Macht weiter so und haltet mich damit weiter auf dem Laufenden…

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Gast Montag, 21 Januar 2019
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