Three Pairs Of Underwear

Saudi Arabien, olé!

Veröffentlicht von am in Blog_Tomsride
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Die rund vierstündige Überfahrt von Hurgada nach Dubba verbrachte ich meist schlafend und wachte erst kurz vorm Andocken in Dubba auf. Kurz vorm Einschlafen las ich noch ein paar Seiten über ein für uns eher unbekanntes Historisches Gelände namens Salam Saleh, rund 300km östlich von Dubba. Wär doch toll das auch noch zu erkunden, nicht?

Ausser ein paar Hallen und Baracken war vom Hafen nicht viel zu erkennen, denke er wird ausschliesslich für die wenigen Fährverbindungen zu Ägypten verwendet. Da ich als Letzter die Fähre befahren habe, konnte ich sie auch gleich als Erster verlassen. Bein ersten Posten wurde ich gleich gefragt ob ich „Mr. Thomas“ sei. Ein traditionell gekleideter Regierungsmitarbeiter wies sich aus und sagte er habe mich bereits vor zwei Tagen erwartet. Nun geschah alles zügig. Die Stempel waren in wenigen Minuten in Pass und Carnet de Passage, sowie die nötigen lokale Versicherungen wurden kostenlos ausgestellt. Eigentlich musste ich eine detaillierte Routenbeschreibung bereits beim Visaantrag mit abgeben. Doch die Erwähnung von Historischen Attraktion genügte meinem Einreisehelfer, dass gleich für den nächsten Morgen eine Polizeieskorte dahin arrangiert wurde. Auch das beste Hotel im Ort wurde gebucht – die Kosten dafür natürlich von der saudischen Regierung übernommen. Für 20:00 wurde ein komplettes Abendessen ins Zimmer geliefert. Hmmm, an diesen Standart könnte ich mich durchaus gewöhnen…

 

Am nächsten Morgen warteten gleich 4 Streifanwagen vor dem Hotel. Keiner der Polizisten sprach aber eine andere Sprache als Arabisch – welchem ich leider noch nicht ganz gewachsen bin. Zur Übersetzung eilte wieder „mein Regierungsmitarbeiter“ heran, mit welchem wir uns dann auf einen Streifenwagen einigten.

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Die GS nach der ersten Nacht in Saudi Arabien

 

Ja, so als Tourist darf man sich einfach nicht alleine in Saudi bewegen. Die „offizielle“ Angst galt jedoch eher mir, da vor ein paar Monaten in dem Gebiet zwei Franzosen exekutiert vorgefunden wurden. Irgendwie hat die Polizeieskorte aber auch positives an sich. Wie kann man sonst ganz offiziell mit 160 Sachen und Blaulichtbegleitung durch die Wüste brettern? Bei jeder County-Grenze wartete bereits die nächste Polizeibegleitung.

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Kein Wort Englisch, aber äusserst freundlich die Polizisten da...

 

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Bei schöner Landschaft war dies für mich die Gelegenheit wieder mal einige Bilder zu schiessen, ansonsten fuhr ich einfach weiter, die Streifenwagen wechselten dann fliegend während der Fahrt.

 

Salam Saleh ist so ähnlich zu betrachten wie Petra in Jordanien. Der Unterschied hier ist einfach dass man kein Eintrittsgeld bezahlt, dass keine anderen Touristen zu sehen sind – und dass hier alle in den Fels gemeisselten Prunkstücke rein als Gräber verwendet wurden. In Petra weiss man heute nur von rund einer Stelle, für welchen Zweck sie erbaut wurde. Über die anderen Sehenswürdigkeiten da bestehen ausschliesslich Spekulationen über deren Verwendung. Salam Saleh war vor Errichtung der Schnellstrasse und der Benutzung von Flugzeugen ein wichtiger Rastplatz auf der Pilgerreise von Norden nach Mekkah. In der Antike wurden die damals auf der Pilgerreise verstorbenen Persönlichkeiten in den heute noch eindrücklichen Gräbern begraben. Später diente der Ort als Rastplatz für die per Kamelkaravanne oder Eisenbahn reisenden Pilger. Nebst den Gräbern sind auch nicht allzu alte türkische Bäder, Eisenbahnreparaturhallen, oder Unterkünfte zu bewundern.

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Aber auch die Landschaft herum ist spektakulär. Habe es zwar selbst noch nicht gesehen, doch das Monument Valley in den USA kann hier vermutlich an Eindrücklichkeit einpacken.

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Bedingt durch die polizeiliche Begleitung konnte ich leider nicht die Eindrücke mit der Kamera einsammeln, wie ich gerne wollte. Die flache Wüstenlandschaft wird durch hohe skurrile Sandsteinformationen unterbrochen. Einfach toll.

 

Gemäss der Strassenkarte lag es nun auf der Hand von da in Richtung Medina zu fahren, um Jeddah zu erreichen. Jaja, genau das Medina, dass für „Ungläubische Nicht-Muslime“ verboten ist. Aber alles kein Problem, hab ja meine Polizei-Begleitung bei mir.

Kurz vor Eindunkeln wurde ich an der Stadtgrenze an die Medina-Police übergeben. Es ist hierzu erwähnen, dass in meinem Visa einer der Prinzen persönlich erwähnt ist, sowie die von ihm gegründete Institution der Jugendherbergen. Die Botschaft in Kairo erwähnte auch, dass ich mich in Jeddah bei der Jugendherberge melden soll für die Übernachtung. Nun war ich aber in Medina – und die hatten auch eine Jugendherberge. Da angekommen, waren die Verantwortlichen ein wenig überrascht – denn sie waren im Bild dass ich in Saudi bin, mich jedoch noch nicht in Jeddah gemeldet habe. Kurzerhand wurden einige Telefonate vom Herbergenleiter getätigt und es war alles wieder unter Kontrolle. Die Regierung hatte mich nun wieder unter voller Kontrolle. Mir war das eigentlich egal, denn ich hatte ein tolles sechser Zimmer für mich alleine, sowie all die anderen Einrichtungen wie Pool, Tennisplatz, Sporthalle, sowie rund 50 weitere Zimmer bei Bedarf für zur Verfügung – natürlich kostenlos. Am nächsten Morgen beim Auschecken wollte jemand dringend mit mir per Telefon sprechen. Er stellte sich als einer an meinem Projekt interessierter islamischer Prediger vor, der nun unterwegs sei von Mekkah nach Medina, um mich da zu besuchen. Er schreibe selber auch Bücher und möchte gerne mit mir plaudern und mir eines seiner Bücher persönlich übergeben. Also wartete ich eine knappe Stunde, in welcher der Herbergenleiter mir ganz stolz die komplette Infrastruktur vorführte. Die topmoderne Anlage kann bis zu 600 Personen beherbergen, war jedoch nun fast der einige Gast zu dieser Zeit. Sie wird mehr oder weniger ausschliesslich nur in der Pilgerzeit von inländischen und nur männlichen Jugendlichen besucht. Frauen haben da keinen Zutritt – irgendwie schade .

Nun, der Prediger kam mit seinem Sohn und predigte in sauberem Englisch gleich auf mich ein. In knapp 90 Minuten erfuhr ich viel Neues und Interessantes über den Islamischen Glauben, fühlte mich aber auch fast unter Druck gesetzt gewisse Dinge nachzusagen, die mir nicht so lagen. Es war nicht so einfach ihm beizubringen, dass ich zwar an seinem Glauben interessiert sei, mich aber kaum für irgendeinen Glauben so stark verbunden fühle, diesen zu praktizieren. Das Buch, respektive mehrere, erhielt ich trotzdem, wie auch meinen offiziellen islamischen Namen. Abdul Abbas – wie der Saudi Arabische König. Das eine Buch ist eine Einführung in den Islam, ein weiteres über die Konvertierung von Christentum zum Islam. Der Herbergenleiter, zusammen mit der nun seit 2,5h wartende Polizeieskorte baten ihn dann schliesslich, mich nun gehen zu lassen - was ihnen auch gelang. Zugegeben, ich will ja mehr auch über diesen Glauben erfahren und was dahinter steckt, doch das war nun ein Wenig zu intensiv…

Zwischen Medina und Jeddah hat eine Eskortenübergabe nicht geklappt, sprich die nächste war nicht bereit. Nach langen Überredungen konnte ich sie überzeugen, mich alleine fahren zu lassen. Juhi, das erste Mal ganz alleine unterwegs mit einem CH-Kennzeichen auf den Strassen von Saudi. Knappe 50km später wurde ich jedoch von einem Polizisten am Strassenrand heran gewunken. Ich tat so, als ob das Winken nicht mir gegolten hätte und fuhr gemütlich weiter. Doch oha, der Polizist stieg in seinen Wagen und benutzte nun nebst dem Blaulicht auch die Sirene um mich zu stoppen. Er schien über meine Anwesenheit in seinem Revier nicht informiert worden zu sein und wollte meinen Pass sehen. Ich wiederum wollte zuerst seinen Ausweis sehen und seinen Namen in meinem Notizbuch notieren. Als ich noch ein Foto von ihm und seinem Wagen schoss, wurde er so wütend, dass ich vermutlich einer Verhaftung nahe stand.


Als er dann jedoch mein spezielles Visa sah und er über Funk bei der Zentrale nachfragte, war plötzlich alles in bester Ordnung und benahm sich wie ein bester Freund. Nunja, das war meine erste Erfahrung ohne Eskorte, für die restliche Strecke bis nach Jeddah hatte ich dann wieder eine Begleitung…

In Jeddah fuhren wir also gleich wieder zur Jugendherberge, wo ich bereits erwartet wurde. Eine riesen Anlage für bis zu 800Personen, wir waren aber kaum 5 Personen anwesend. Wieder ein grosses sechser Zimmer für mich alleine, sowie einen Pool, zwei Tennisplätze, Fitnessraum, … Wie man mich kennt, konnte ich ganz gut ohne die sportlichen Einrichtungen leben. In Jeddah war auch das alleine Herumfahren mit dem Motorrad fast kein Problem. Zwar wollte ein offizieller Mitarbeiter vom Ministerium für Jugend mich immer mit seinem Jeep begleiten, doch irgendwie schaffte ich es fast immer ihn abzuwimmeln mit allen möglichen Ausreden. Auf der Iranischen Botschaft in Jeddah konnte ich auch mein Visa für die Durchreise durch Iran beantragen, was innerhalb eines Tages ohne Probleme ausgestellt wurde – natürlich mit einem in Kairo organisierten Einladungsschreiben einer iranischen Agentur.

Beim Besuch des Harley Davidson Shops in Jeddah wurde ich auch gleich zur wöchentlichen Ausfahrt durch Jeddah eingeladen tags darauf. Man sagte mir auch, dass es in Jeddah einen BMW-Händler gäbe und versorgte mich neben Kaffe und Donuts auch mit der Handynummer des BMW-Händlers und seiner Adresse. Ich brauchte zwar nichts Besonderes für meine GS, doch kann ein Besuch da zum Plaudern ja nie schaden. Freundlich wurde ich von Faisal, dem Geschäftsführers in Jeddah, empfangen und plauderten zusammen mit seinen anwesenden Kunden über Gott und die Welt, sowie übers Motorradfahren. Wurde später auch zum Abendessen an der Seafront in einem netten Lokal eingeladen. Cool – die Privilegien die man da hat als Weltreisender.

***2636*** (Bild kommt noch) Faisal und anwesende Kunden bei BMW-Mottorad in Jeddah

Am nächsten Tag war dann auch die Ausfahrt mit Harley Davidson angesagt. Die Fahrer wurden in verschieden Gruppen eingeteilt, je nach Erfahrungsgrad. Ich schloss mich den Erfahrenen an, denen die ein Bike schon länger besitzen. Die 10er Gruppe machte sich nördlich auf bis zur Stadtgrenze, damit dann auf den verkehrarmen Strassen die Motoren so richtig aufgedreht werden können. Einige waren wirklich ehrgeizig und dachten dass sie meine bullige GS mit ihren teuer getunten Harleys ohne Weiteres abhängen könnten. Doch weit gefehlt – gemütlich passte ich die Geschwindigkeit ihnen an und fuhr ihnen bei passender Gelegenheit vor. Beim Halt in einem Kaffee erfuhr ich dann, dass ich mir erst dadurch den Respekt vor der „riesen-BMW“ und mir „erkämpfte“.

Hmm, war irgendwie gar nicht so schwer - und ich war nun war ich auch ein Teil der Gruppe.

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Irgendwie sind diese Harleyfahrer noch interessant, wie auch die Gespräche die sich da entwickelten. Naja, mir geht es aber beim Motorradfahren nicht darum wer die schnellere Maschine hat, weshalb ich froh war tags darauf den Weg nach Riyath gemütlich unter die Räder zu nehmen.

 

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Gast Dienstag, 26 März 2019
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