Three Pairs Of Underwear

Die letzten Tage in Ägypten

Veröffentlicht von am in Blog_Tomsride
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Da war doch die Eurovision Show in Helsinki… Auch wir haben sie verfolgt hier in Cairo – und das erst noch auf dem echten SF2, wie es sich gehört! Psst, der Chanel musste zuerst von den Kennern hier gekrackt werden, damit es über Satellit empfangen werden konnte, klappte dann aber bestens. Eigentlich hat mich Tina – eine angehende Dr. im Fachgebiet Geographie und heute angestellt an der AUC – eingeladen für diesen Event bei ihrem Freund zuhause. So kam es, dass wir die Vorausscheidung live und hoch über den Strassen von Kairo unter freiem Himmel mitverfolgen konnten. Zusammen mit ihren Kollegen, einem Amerikaner, einer Französin, drei Ägyptern, sowie Tina als Deutsche und mir als Schweizer waren sozusagen eine neutrale Kommission zur Beurteilung der ausgestrahlten Vorführungen. Von den 28 Teilnehmenden Ländern erkoren wir knappe fünf als nicht schlecht, nebst all den anderen echt miserablen Aufführungen. Und siehe da, gerade eine von diesen fünf machte es in den Final… Hmm – was soll das? Früher war alles besser, nicht? Irgendwie war doch der ganze Event eher peinlich, unter der Vorstellung dass dies Europa repräsentieren soll… Musste mich doch fast ein wenig schämen für Europa! Da gefällt mir doch prompt die lokale Musik hier in den arabischen Ländern noch besser. Denke würde diese sogar noch dem Beitrag von unserem Energy Milk BoBo vorziehen. Interessant waren die Reaktionen der anwesenden Arabern über den Beitrag von Israel: Puusch de Botton…

Naja, das Final konnte mir dann getrost gestohlen bleiben. Bin froh gibt es noch Wichtigeres im Leben als solchen Quark…

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Hier floppte gerade unser BoBo…

 

In den folgenden Tagen füllte ich meinen Proviant wieder auf für die endlich anstehende Weiterreise durch die Wüsten von Saudi Arabien. Pasta, Reis, sowie Bohnen und Tuna in Dosen. Zusammen mit verschiedenen Gewürzen kann man damit schon einige in der Wüste schmeckende Gerichte zubereiten.

Das Fähr-Ticket von Hurgada nach Saudi hatte ich bereits. Die Fähre soll bereits um 08:00 auslaufen, was ein Einchecken um 05:00 mit sich bringt. Übers Internet konnte ich ein Hotel für in Hurgada billige 7 Euro finden, damit ich bereits am Tag zuvor die 550km bis in die Touristenhochburg in Angriff nehmen konnte.

Mit Allem arrangiert bleibt also noch das Verabschieden von den in den letzten Wochen gemachten Bekanntschaften. Malek und seinen Arbeitskollegen habe ich ein selbstgekochtes Abendessen versprochen. Auch Jessie, Alex und ihre Kolleginnen haben zugesagt dabei zu sein. Was wäre da nicht passender als ein echtes Mexikanisches Menue? Mit dieser Idee im Kopf machte ich mich also am Tag vor Abreise früh Morgens auf die Suche nach den Zutaten. Als erste (und ehrlich gesagt vorerst auch die einzig mögliche) Anlaufstelle machte ich mich auf den Weg zu Carrefour im Süden Cairos. Man könnte doch denken, da sei alles erhältlich, nicht? Ja, alles ausser die Grundzutaten für Mexikanisches Essen. Von Tortillas, Tacos, oder entsprechenden Gewürzen hat man da noch nie was gehört. Hmmm, was macht man da? Schnellstens auf zum TGI-Fridays Restaurant, etwa 30km weiter westlich am Nil gelegen. Noch vor dem offiziellen Öffnen des Restaurants konnte ich dem Küchenchef rund 40 Tortillas abschwatzen… Nun also wieder zurück in den Carrefour und den Rest zusammenbasteln. Gemüse und Fleisch konnten ohne Probleme organisiert werden. Beiden Gewürzen konnte ich auch mit viel Phantasie was zusammenmischen, dass recht authentisch schmeckte. Da bleibt also noch das Dessert: Zum Glück hatte die Hausbäckerei eine RondoDoge „Manomat“ im Einsatz. So konnte ich mich prompt beim ägyptischen Bäckereileiter einschleimen, sodass ich da selbst rund 4kg „Dänischteig“ herstellen konnte. Zugegeben, es war eher was zwischen Blätter und einem Butter-Croissantteig…

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Kenner erkennen sie, eine echte schweizer Manomat 3000 von RondoDoge

Zurück im Appartement – nach rund 1,5h Rückfahrt – machte ich mich gleich ans Dessert: Apfel-Zimt Jalousie mit „Dänischteig“, mit den Überresten grosse Prussiens. Zur Vorspeise bereitete ich Tomaten-Basilikum-Trutenschinken Tapas. Nebst drei verschiedenen mexikanischen Fleischgerichten, gab es auch zwei Gemüsemix, Tex-Mex Reis und Refried Beans. Muss gestehen, irgendwie ist mir alles pünktlich gelungen. So nach drei Monaten alleine unterwegs zu sein, gönnt ihr mir bestimmt was an Eigenlob, nicht? Es fehlten nun also noch die Gäste… Kurz gesagt kamen statt den erwarteten 11 Personen gerade 5 – und die erst noch mit 1,5h Verspätung. Die Mädels hatten plötzlich kuriose Ausreden und die Arbeitskollegen waren noch bei der Arbeit beschäftigt und tauchten 2 Stunden später auf. Doch der Abend gelang auch so, zwar anders als geplant…

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Nur die Mädels fehlten…

 

Malek hatte nun für die kommenden Tage bestimmt genug im Kühlschrank…

Am nächsten Morgen packte ich gemütlich mein Motorrad und machte mich auf in Richtung Suez auf der eher langweiligen geraden Schnellstrasse. Südlich davon dann folgte die Strasse dem schönen roten Meer mit blauem Wasser.

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Mit dem blauen roten Meer im Hintergrund…

 

Im Hotel angekommen versuchte mich der Hotelbesitzer zuerst gleich wieder über den Tisch zu ziehen mit einem überhöhten Preis. Aber in den vergangenen sieben Wochen habe ich diesbezüglich viel gelernt und machte es ihm nicht leicht – bis ich schliesslich gewann und nun nur noch knappe 5 Euro bezahlte.

Pünktlich um 5:00 fuhr ich beim Eincheck-Schalter am Hafen ein. Bereits hunderte Ägypter haben sich da versammelt, um sich als Passagiere einzuchecken. Ich nutzte mein Privileg als Ausländer und konnte gleich zuvorderst an der Kolonne anstehen. Nachrund 20 Minuten warten zeigte ich dem Beamten hinter der Glasscheibe voller Stolz all meine Papiere, inklusive dem Visa offiziellen Diplomatic-Visit Visa für Saudi. Irgendwie hatte auch er Freude daran, denn er erkannte nach ungläubigem Begutachten dessen auch einen Fehler darauf: Als Art der Einreise stand im Visa „by Air“ statt „by Sea“ – aber natürlich nur auf Arabisch. All meine Bitten mich dennoch reisen zu lassen wurden von Allen hinter der Glasscheibe abgeschmettert. Ausserdem bräuchte man manchmal eine Bestätigung der Polizei, dass auf meiner ägyptischen Nummer keine Bussen vorhanden seien. Es könne aber meist ohne Probleme beim Customs erkauft werden. Naiv wie ich bin, fragte ich doch noch nach dem offiziellen Weg dazu, wobei eich an die TrafficPolice in Hurgada verwiesen wurde. Mal schauen…

Da blieb mir also nichts anderes als mich auf den rund fünfstündigen Rückweg zu machen, nun aber direkt zur Saudi Arabischen Botschaft. Da wurde der Fehler kopfschüttelnd bestätigt und mir ein Schreiben ausgestellt, damit ich auf dem Konsulat direkt beim Konsul vorsprechen konnte. Da angekommen wurde ich zuerst wieder mal zu rund fünf anderen Stellen geschickt, bis mich der Konsul selbst suchen liess – er wurde von der Security avisiert. In seinem noblen Büro waren auch zwei weitere Gäste anwesend, die an meinem Projekt interessiert waren. So kam es, dass ich gleich den Kontakt des Bruders des Einen in die Hände gedrückt bekam. Sobald ich mich vor Hofuf befände, solle ich mich da melden. Seine Familie habe da ein Guesthouse auf einer Farm, wo ich übernachten könne. Kann ja nicht schaden, dachte ich mir damals noch… Das mit der Einreiseart auf dem Visa wurde nun innerhalb weniger Minuten offiziell vom Konsul geändert.

Also machte ich mich wieder mal mehr auf zu Malek’s Appartement, der mich nun nicht so rasch wieder erwartet hatte. Für die Verpflegung war ja gesorgt, der Kühlschrank war noch immer gut gefüllt mit den „mexikanischen Überresten“. Am nächsten Morgen hiess es also wieder mal mehr packen und ab nach Hurgada. Um weitere Schwierigkeiten zu vermeiden, suchte ich gleich die Traffic Police auf, um die besagte Bescheinigung zu erhalten. Knappe 60 Minuten und vier Polizeistellen weiter fand ich das für diesen Zweck richtige Gerichtsgebäude, dass nun aber geschlossen sei. Es öffne aber wieder um 21:00, ich soll dann nochmals vorbei kommen.

Bei der Fahrt wieder in die Stadt wurde ich von einem deutschen Pärchen wild winkend angehalten. Welch Zufall, ich halte an und siehe da – Ralf und Katharina sind Motorradweltreisende auf dem Rückweg nach Deutschland nach der Durchquerung von Amerika und Afrika. Prompt checkte ich auch gleich in ihrem Hotel ein.

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Eine 650 und 1200GS, sowie meine 1200GS Adv sind nicht so oft zu sehen in Ägypten.

 

Beim gemeinsamen Abendessen höre ich gespannt ihren Geschichten zu, bin ja selbst noch ein Greenhorn auf meiner eigenen Reise. Anschliessend geht’s wieder zum Gerichtsgebäude, dass nun – siehe da – geöffnet ist. Schade nur, dass die von mir benötigte Abteilung erst am nächsten Morgen um 10:00 wieder öffnet. Wird schon klappen ohne dieses Schei...-Papier dachte ich mir noch…

Pünktlich um 05:00 stand ich wider auf der Matte fürs Einchecken nach Saudi. Prompt kriegte ich die Boardingkarte, welche mir ermöglichte 2h vor dem nächsten Tor zu warten. 45 Minuten vor geplanter Abreise wurde auch dann auch dieses geöffnet, sodass ich als erster die Ausreiseprozedur in Angriff nehmen konnte. Fahrzeug- und Gepäckkontrolle hier, Gebühr da, Stempel drüben, wieder Gebühren – bis zur letzten Stelle dem Stempel im Carnet de Passage klappte eigentlich alles wie am Schnürchen. Aber siehe da: Das Befürchtete trat ein – die offizielle Bescheinigung vom Gerichtsgebäue ist nun nötig und kann heute auch nicht „erkauft“ werden. Nach insistierendem Einreden auf die anwesenden Beamten konnte ich erreichen, dass der von ihnen ernannte Polizei-„General“ herbeigerufen wird. Ehrfürchtig riefen sie ihn auf dem Handy an. Eine knappe Stundespäter lief er mit seinem „Gefolge“ ein. Auf seinem Ledersessel machte er es sich in seinem Container gemütlich, legte die Füsse auf den Schreibtisch und las zigarettenrauchend die Zeitung. Nach mehreren Versuchen meinerseits Ihn auf meine Anwesenheit aufmerksam zu machen fragte er mich „What you want?“. Ganz ruhig erklärte ich ihm in langsamen sauberen Englisch mein Problem und dass ich nun wirklich auf seine Hilfe angewiesen bin. Er blieb cool, sagte „You must not leave today to Saudi!“ und widmete sich wieder seiner Zeitung. Irgendwie war ich mir nicht ganz sicher ob er mein Anliegen verstanden hat, oder ob dies nun seine definitive Antwort war. Also, nochmals ganz von vorne die Geschichte – und prompt absolut dieselbe Antwort. Als ich Geld erwähnte schaute er kurz auf, meldete sich aber gleich nochmals mit der identischen Antwort, nun aber mit dem Zusatz „Go to boat to return your ticket“. Stocksauer machte ich mich mit all den Papieren auf zum Schiff – nicht aber mit der Absicht das Ticket zu annullieren. sondern um Unterstützung zu holen. Nochmals erklärte ich die komplette Geschichte einem anwesenden saudischen Offizier, der gleich den Kapitän zur Hilfe holte. Beide verstanden die Situation nicht wirklich aber wollten mir helfen um jeden Preis. So machten wir uns zu dritt auf zum Hafenverantwortlichen von Hurgada. Auch der stellte sich auf unsere Seite, nahm einen seiner Gehilfen mit und wir marschierten nun zu fünft zurück zum „Polizeigeneral“. Ich selbst blieb nun aber draussen vor dem Container, dafür aber quälten sich zwei der Beamten zusätzlich ins Büro. Habe zwar kein Wort des Gesprochen verstanden, doch es war meist laut. Sechs Personen redeten fast ununterbrochen auf den General ein. Nach rund 10 Minuten kamen die Sechs wieder heraus und erklärten mir, dass nun alles in Ordnung sei. So kriegte ich den für mich wichtigsten Ausreisestempel auch in mein Carnet de Passage, sowie in den Pass. Überglücklich manövrierte ich die GS auf die Fähre und zurrte sie neben rund 10 PKW’s und 5 LKW’s gleich selbst fest.

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So einsam hat sich meine GS zuvor wohl noch nie gefühlt…

 

Oben im Passagierraum wurde ich vom Personal gleich ins fast leere Erstklass Abteil verwiesen, wo ich mich bei Airconditioning auf einem der Ledersessel gemütlich machte. Kaum abgesessen setzte sich die Fähre auch gleich in Bewegung. Der Kapitän hat sich also selbst bis ein paar Minuten vor dem verspätetenAblegen um mein Anliegen gekümmert – Danke!

 

Endlich – langes Bangen fürs Visa, dann die zwei Eincheckversuche, sowie die letzten paar nicht so einfachen Stunden sind vorbei und das sonst fast unmögliche Bereisen von Saudi steht bevor. Bye Bye Egypt – bin überglücklich dieser Bürokratie entweichen zu können!

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Gast Dienstag, 26 März 2019
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